Kein Recht auf Einzelzimmer: Auch Profs müssen teilen

Horrornachricht für alle Hochschuldozenten: Das gute alte, christliche Prinzip des Teilens gilt auch für diese elitäre Kaste. Das ist jetzt quasi höchstrichterlich entschieden worden.

Einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (Aktenzeichen: 4 S 1020/13) zufolge hat ein Prof keinen Anspruch auf ein Büro, das er ganz alleine nutzen darf. Selbst dann, und das dürfte für alle akademischen Besitzstandswahrer der eigentliche Schock sein, wenn er oder sie vorher zwanzig Jahre lang ein eigenes Zimmer hatte. Wenn zum Beispiel die Räume neu aufgeteilt werden, muss es das wissenschaftliche Personal dulden, mit Kollegen zusammengesetzt zu werden.

Der Fairness halber sei an dieser Stelle daran erinnert, dass einzelne Studierstuben für den akademischen Mittelbau und selbst für manche Professoren immer mehr die Ausnahme werden. Gerade der wissenschaftliche Nachwuchs sitzt oft zu zweit im Büro. Im Neubau der Nürnberger Ohm-Hochschule sitzen zuweilen fünf Dozenten in einem Büro – jedoch selten gleichzeitig. Weil so viel Platz gespart wurde, kann dort jeder Student im Bachelor- und Master-Studiengang Architektur einen eigenen Arbeitsplatz bekommen.

fbh

An der Uni wird exklusiver betreut

Universitäten bieten Studenten im Schnitt ein besseres Betreuungsverhältnis als Fachhochschulen. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt.

So musste sich eine Lehrkraft an einer deutschen Uni 2008 durchschnittlich um rund 18 Studenten kümmern – an einer FH waren es gut 25. Insgesamt kamen an allen Hochschulen 19,5 Studenten auf einen Hochschullehrer. Bei dem Vergleich wurde das Fach Humanmedizin ausgenommen, da es nicht an Fachhochschulen angeboten wird.

An Universitäten hat sich die Betreuungssituation den Angaben zufolge geringfügig verbessert. So wurden in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften im Vergleich zu 2002 rund zwei Studenten weniger je Lehrkraft verzeichnet.

In den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften ging der Wert um etwa vier Studenten zurück. An Fachhochschulen musste sich 2008 dagegen jeder Hochschullehrer sogar um einen Studenten mehr kümmern als 2002.

dpa

Den Prof simulieren

Von Christiane Fritz

En Garde! Mit diesem Ausspruch wird normalerweise ein Duell im Fechtsport eröffnet. Informationstechniker und Sportwissenschaftler der Bundeswehr Universität München entwickelten nun ein KFG – ein Koordinations-Fecht-Gerät. Oder simpel: einen Fechtsimulator.
Hier richtet der Sportler seinen Degen nicht mehr gegen einen Trainingspartner sondern auf eine Kinoleinwand. Auf dieser ist eine Person projiziert, gegen die er unter realitätsnahen Bedingungen kämpft. Mit dem Fechtsimulator können die Reaktions- und Bewegungszeit des Athleten ermittelt werden. Eine Blickbewegungs-Kamera analysiert das Blickverhalten und die Zielauswahl des Fechters. Über Kraftsensoren, die sich auf der Auftreffplatte befinden, wird der Druck der Degenspitze berechnet.

Schwierigkeitsgrad der Fragen bestimmen

Für den massentauglichen Einsatz an der Uni müsste aus dem KFG allerdings ein PÜG werden: ein Prüfungs-Übungs-Gerät. Mit diesem könnte sich der Student auf mündliche Examen vorbereiten, indem er sie vorab simuliert. Statt einem Trainingspartner erscheint dann auf der Leinwand der jeweilige Dozent. Ob dieser freundlich oder finster schaut, ob er legere oder formelle Kleidung trägt, entscheidet der Student nach seinem Gusto. Man müsste den Simulator selbstverständlich mit einem Sprachmodus ausstatten. Nacheinander stellt der Dozent dem vor der Leinwand positionierten Studenten die Fragen. Über einen Regler lässt sich der Schwierigkeitsgrad der Fragen steuern.
Um den Prüfling auf die mündliche Leistungskontrolle optimal vorzubereiten, sollte der PÜG auch mit Daten für die Simulation von ungewöhnlichen aber durchaus möglichen Situationen gefüttert werden. So konfrontiert der Dozent auf der Leinwand den Studenten mit verwirrend formulierten Fragen. Ein spezielles Gerät überprüft, wie gestresst der Prüfling klingt, und bestimmt somit, wie überzeugend dessen Argumentation ist.

Wie beim Koordinations-Fecht-Gerät zeichnet auch beim PÜG eine Kamera den Getesteten auf. Nach dem Ende der simulierten Prüfung kann der Student seine Reaktion und seine Antworten auf die Fragen in Ruhe reflektieren. So lernt der Student, gelassen und pfiffig zu antworten und sein Halbwissen optimal an den Mann oder die Frau zu bringen. Denn fest steht: die Formulierung des Arguments ist wichtiger als der eigentliche Inhalt. En Garde Prüfung!

Schummeln lohnt sich nicht

Copy.JPGOh nein, das Semester ist schon wieder fortgeschritten, die Arbeit liegen geblieben. Eigentlich müsste die Hausarbeit schon längst getippt sein und beim Dozenten im Fach liegen. Stattdessen hat man in den vergangenen Wochen lustlos in Büchern geblättert, ein aufwändiges Titelblatt gestaltet und sich ein paar Notizen gemacht. Der Schein muss aber her, auch wenn in drei Tagen Abgabeschluss ist. Deadline genannt, oft zitiert, oft um Aufschub gebeten. Doch da, ganz unverhofft, findet man im Netz eine Facharbeit, die man so gut gebrauchen kann. Die Verlockung ist groß, die Tastenkombination für Kopieren und Einfügen zu bemühen. Schließlich nennt man die Hausarbeit ja ganz anders und kopiert nur einzelne Passagen. Und überhaupt, liest der Dozent denn die Arbeit so genau und macht sich die Mühe auf geistige Eigentumsforschung zu gehen?

Ja, in der Tat, das tut er. Jüngst geschehen bei den Theater- und Medienwissenschaftlern. Dozenten sind dann doch nicht so welt- und internetfremd wie man manchmal denkt. Und so flog ein Täuschungsversuch auf. Die Konsequenzen sind drastisch. Neben der Peinlichkeit als Paradebeispiel für Dummheit im Flurfunk des Instituts zu gelten, bekommt man natürlich keinen Schein. Der Dozent wird auch zukünftig wohl keine Hausarbeit mehr annehmen. Eine Prüfung bei ihm anzulegen ist nun auch unmöglich. Viel mehr kann und will man bei den Thewis aber nicht machen. Die Unikarriere kann weitergehen, dass Studium muss nicht abgebrochen werden.