Flashmob fürs Semesterticket

Mit dem Raumschiff zur Uni

Lieber mit dem Raumschiff zur Uni als mit dem VGN. Foto: Marcel Staudt

Sie kamen mit Schlitten, Dreirädern und Kinderrollern. Stelzen, Skateboards, Einkaufswagen und Hexenbesen. Die Studenten reisten mit allem an – nur nicht mit Bus oder Bahn. Denn ein Semesterticket, das seinen Namen verdient, gibt es nicht. Deshalb demonstrierten rund 150 Studierende heute vor der Zentrale des VGN am Plärrer.

Seit zwei Jahren verhandeln die Aktiven des Aktionsbündnissen „Für ein Semestertticket in Nürnberg und Erlangen“ mit der Nürnberger Verbundgesellschaft, dem Oberbürgermeister, dem Studentenwerk und Vertretern aller Nürnberger Hochschulen. Inzwischen sind sich alle Seiten einig: Das Semesterticket muss kommen. Nur wie und vor allem für wieviel Geld ist noch offen.

141 Euro für sechs Monate frei fahren

„Sogar in München hat es jetzt geklappt“, sagt Benedikt Kopera. Der 25-jährige Student führt das Aktionsbündnis und die Demonstrati0n mit an.  Nach jahrelangen Verhandlungen hat die Landeshauptstadt im Oktober ein Semesterticket eingeführt. Jeder mit Studierendenausweis darf seitdem die öffentlichen Verkehrsmittel für 59 Euro ein Semester lang von 18 bis 8 Uhr nutzen.  Wer dazu noch 141 Euro für eine IsarCard bezahlt, darf sechs Monate lang zeitlich unbegrenzt im Gesamtnetz fahren.

„Man muss natürlich verschiedene Interessen unter einen Hut bringen“, sagt Kopera. Die Studenten, die das Ticket ständig nutzen und die, die es eigentlich nicht bräuchten. Denn zahlen müssen alle.“Wir haben schon das Gefühl, das die Stadt und der VGN sich wirklich Mühe geben, eine Lösung zu finden“, sagt Kopera. „Mit der Demonstration wollen wir unseren Forderungen nur noch einmal lautstark Nachdruck verleihen.“

Christina Merkel

 

Erzieher mit Bachelor-Abschluss

Von Christiane Fritz

Das Kind war aggressiv. Regelmäßig testete der Bub seine Grenzen aus. Die Erzieherinnen konnten sich das Benehmen des Jungen nicht erklären. „Plötzlich ist mir klar geworden, dass das Kind eine Bindungsstörung hat“, erinnert sich Sylvia Demin, Erzieherin in der Nürnberger Kindertagesstätte MOMO. Dass auffälliges Verhalten häufig ein Symptom dieser Störung ist, hatte die 49-Jährige vor kurzem erst im Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ gelernt.

Seit dem letzten Wintersemester bietet die Evangelische Fachhochschule Nürnberg den berufsbegleitenden Bachelorstudiengang an. In sechs Semestern lernen die Teilnehmer die theoretischen Grundlagen von Erziehungs- und Bildungsprozessen kennen. Ein Schwerpunkt des Studiengangs ist die Frühpädagogik, die auch auf eine Förderung der Kinder im Alter von bis zu drei Jahren zielt. Die Studenten erfahren welche Methoden die Persönlichkeit und sprachliche Entwicklung ihrer Schützlinge fördern und wie einem möglichen Suchtverhalten vorgebeugt wird.

Sylvia Demin, die im zweiten Semester immatrikuliert ist, lernte, dass die Entwicklung des Kindes unterstützt wird, wenn Erzieherinnen und Eltern zusammenarbeiten. „Es geht nicht mehr nur um die Betreuung“, erklärt die Leiterin des Studiengangs, Prof. Roswitha Sommer-Himmel. Wichtig sei es, die Eltern in den Entwicklungsprozess des Kindes in so genannten Erziehungspartnerschaften mit einzubeziehen.

„Ich hatte immer das Gefühl, dass etwas fehlt“, begründet Demin ihre Entscheidung, ein Studium aufzunehmen. Um so mehr freute sie sich, als sie den Studienplatz erhielt. Die 49-Jährige wollte für die Erziehung von Kindern die wissenschaftlichen Grundlagen erfahren. „Als Erzieherin ist man mittendrin. Mit dem Studium blickt man mal von außen auf die Sache“, sagt Demin. Auch neue Erkenntnisse in der Entwicklungspsychologie veranlassten die Erzieherin, sich fortzubilden. „Jetzt weiß man: Das Gehirn eines Kleinkindes ist schon zu sehr viel in der Lage“, betont die Erzieherin. Für eine Förderung seien die richtigen Impulse wichtig.

Zwar waren die Fächer Psychologie und Pädagogik Bestandteile der Ausbildung, die Entwicklung von Kleinkindern sei jedoch kaum thematisiert worden. Die Arbeit einer Erzieherin sei heute vielschichtiger als früher, sagt Demin. „Familien sind sehr komplex geworden. Wir haben zunehmend problematische Kinder mit Wahrnehmungs- und Sprachstörungen. Ich fühle mich nicht genügend ausgebildet.“

„Erziehung und Bildung im Kindesalter“ ist das Ergebnis einer langjährigen Debatte, die ihren Ursprung im Pisa-Test aus dem Jahr 2001 hat. Damals schnitten deutsche Schüler im internationalen Vergleich schlecht ab. Experten kritisierten die unzureichende frühkindliche Förderung. Auch eine im letzten Jahr veröffentlichte Unicef-Studie, welche die Betreuung und Förderung von Kindern in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen analysierte, verwies auf große Defizite in der Frühpädagogik.

Außerhalb von Deutschland und Österreich ist die Ausbildung in der Frühpädagogik – wie in Schweden und im Südtirol – längst in die Hochschulen gerückt. „Eine höhere Qualität der Ausbildung bedeutet eine höhere Qualität der Arbeit“, fasst die Leiterin des Studiengangs zusammen. Sie sieht den Bachelorstudiengang, der in Bayern bislang nur noch in München angeboten wird, nicht als einen Ersatz für die Fachakademien, an denen die Ausbildung der Erzieherinnen erfolgt, sondern als ein Zusatzangebot. „Der Mehrheit fehlen Erfahrungen mit der Organisation und Leitung einer Kindestagesstätte“, erklärt Sommer-Himmel. Auch dies wird im Studiengang gelehrt.

In der Studienberatung, die Roswitha Sommer-Himmel anbietet, erkundigen sich jede Woche mehr als zehn Interessierte über den Studiengang. „Ich schätze, dass wir wieder weit über 100 Bewerbungen bekommen.“ Im letzten Jahr waren es 200. Der nächste Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ startet im Wintersemester. 30 Plätze sind zu vergeben. Die Anmeldungen erfolgen online. Im Zeitraum vom 1. Mai bis zum 15. Juni kann sich beworben werden.

Weitere Informationen zu Studieninhalt, – aufbau und den Voraussetzungen für eine Bewerbung sind zu finden unter: www.evfh-nuernberg.de

Gangsta-Rap

Von Kerstin Fellenzer

Es gibt kaum eine Musikrichtung in Deutschland, die so stark polarisiert wie Hip-Hop. Manche vergöttern die Rapper mitsamt ihrer Texte. Andere stempeln sie als Asoziale ab, die sexistische und gewaltverherrlichende Parolen unter Kinder und Jugendliche bringen. Doch was ist von diesen Einstellungen zu halten? Wohin entwickelt sich der deutsche Hip-Hop? Und wie können Künstler ihre Kreativität für gute Zwecke einsetzen?

Diese Fragen stellten sich die Sozialpädagogik-Studenten Veronica Tiedtke, Sonja Baltruschat und Benjamin Löhner der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg im Rahmen ihres Studienschwerpunkts „Jugend- und Erwachsenenbildung“. Am Samstagabend luden sie deshalb zur Diskussion über die Entwicklung des deutschen Hip-Hops ins Kulturzentrum „Desi“. Damit keine Hörsaal-Atmosphäre entsteht und sich die Diskussion möglichst authentisch und lebendig gestaltet, luden die Studenten keine Wissenschaftlerin sondern eine Musik-Expertin ein. Ihr Wahl fiel auf Monica Hevelke. Die Berlinerin, die im Alter von 16 Jahren mit Breakdance begann, leitet selbst Tanzworkshops. Darüber hinaus ist sie im Auftrag des Berliner Archivs für Jugendkulturen unterwegs.

„Ihr Vortrag „Bushido & Co. – Gangsta-Rap aus Germoney“ soll eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem deutschen Hip-Hop ermöglichen und aufzeigen, wie vielfältig die Musikrichtung sein kann“, erklärt der Initiator des Projekts, Benjamin Löhner. „Da wir innerhalb unseres Studiums selbst eine Bildungsveranstaltung durchführen müssen, haben wir uns Gedanken gemacht, in welchem Bereich wir eine gemeinsame Leidenschaft haben. So sind wir auf die Musik gekommen“, erzählt Sonja Baltruschat, die selbst klassischen Gesangsunterricht nimmt, während Veronica nebenbei als Musicaldarstellerin und Benjamin als DJ tätig sind. Da alle drei gerne Hip-Hop hören, lag das Thema auf der Hand.

„Na, wie findet ihr den? Is cool, wa?“

Dass Monica Hevelke die Diskussion um den deutschen Hip-Hop ernst nimmt, wird bereits zu Beginn der Veranstaltung deutlich. „Man kann nicht über Hip-Hop reden, wenn man ihn nicht hört“, verdeutlicht die 27-Jährige und legt den Song des Rappers Sentino auf. „Na, wie findet ihr den? Is cool, wa?“, provoziert sie bewusst die 150 Zuhörer. Hevelke macht durch ihre direkte Berliner Art klar: sie will nicht nur informieren, sondern zum Nachdenken anregen.

Die Gäste, die anfangs irritiert von der lockeren, schamlosen Atmosphäre sind, beginnen, zunehmend mit dem Kopf im Takt zu nicken. „Gar nicht so schlecht, wa?“ ruft die zierliche Referentin provokant in die Menge. Bald haben auch die letzten Zuhörer ihre Scheu und Distanz gegenüber dem Hip-Hop überwunden und mischen sich in die Debatte über die Grenzen zwischen moralisch vertretbaren und inakzeptablen Texten ein. Immer wieder zeigt sich, dass Hevelke nicht auf den Mund gefallen ist. „Wir reden also über Porno-Rap. Dann hören wir uns doch so ein Lied mal an! Warum denkt ihr, ist es nicht auf dem Index gelandet?“.

Im Laufe des zweieinhalbstündigen Vortrags präsentiert die Referentin mit Songs von Peter Fox, Sido, Bushido bis zu Kollegah die ganze Spannweite des deutschen Hip-Hops. Die 27-Jährige fordert das Publikum auf, die Texte nicht in eine Schublade zu stecken, sondern sich bewusst mit dem Textinhalt auseinanderzusetzen. So handeln die wenigsten Songs von Drogen oder Gewalt. Vielmehr sind Verantwortung, Konflikte zwischen den Generationen und das Leben als Straßenjunge Themen, die den Hörer zum Nachdenken anregen sollen.

„Viele denken, beim Hip-Hop geht es immer nur um Gewalt und Frauenfeindlichkeit, doch nur 20 Prozent der Hörer sind empfänglich für solche Texte, die aber leider als einzige von der Presse wahrgenommen werden“, erklärt Hevelke. Ihrer Meinung nach sollten auch die anderen kreativen Arbeiten und die Möglichkeiten, die Hip-Hop bietet, beachtet werden. „Das Gute ist, dass beim Hip-Hop niemand ausgeschlossen wird“, so die Berlinerin. Jeder kann mitmachen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die Integrationskraft stellt eine große Chance dar.“ Nach der ausführlichen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Songs können die Besucher den einen oder anderen Text besser verstehen und befinden: „Gar nicht mal so schlecht“.