Auf Exkursion mit Senioren

Von Eva Lindner

Das Verhältnis zwischen Studenten und Senioren, die als Gasthörer die geisteswissenschaftlichen Vorlesungen besuchen, ist bekanntlich oftmals nicht das beste und noch dazu vorurteilsbeladen: Die Studenten monieren an den Rentnern, dass diese schon eine halbe Stunde vor Beginn der Vorlesung die besten Plätze belegen, während für die jungen Wissenschaftler oft nur die Fensterbänke bleiben.

Fragen die Gasthörer beim Dozenten interessiert nach oder kommentieren seinen Vortrag, wird das von den Jungen oft als Anbiederung aufgefasst. Aber auch die Senioren schütteln empört den Kopf, wenn die Jugend mal wieder zu spät kommt und dann auch noch mitten im Seminar die Handys bimmeln.

Am kunsthistorischen Institut der Uni Erlangen wird mit diesen Klischees schon seit Jahren aufgeräumt und eine gute Beziehung zwischen den Generationen gepflegt. Der Grund? Mindestens einmal im Semester finden, auf Initiative von Prof. Hans Dickel, gemeinsame Exkursionen unter anderem nach Prag, Venedig, Paris und New York statt, die auf einem an der Universität einzigartigen Modell basieren: Jeder Gasthörer übernimmt eine finanzielle Patenschaft für einen Studenten, im Gegenzug dazu bereitet dieser Referate vor und führt die Gruppe als kunsthistorischer Reiseleiter durch die Stadt.

Gasthörer zahlen, Studenten referieren

In dieser Symbiose gibt jeder das, was er am leichtesten entbehren kann – der Student die wissenschaftliche Vorarbeit, der Gasthörer das nötige Geld. Kürzlich verbrachten auf diese Weise 16 Studenten für je 100 Euro eine Woche in Madrid, inklusive Flug, ICE nach Frankfurt und Übernachtung mit Frühstück.

Die Gasthörer, deren Reisekosten sich jeweils auf etwa 900 Euro beliefen, spendeten zusätzlich gut 200 Euro pro Person für die Studenten. Zusätzliche Gelder durch die Studienbeiträge und das Dekanat der Universität machten den Schnäppchenpreis für die Studenten möglich.

„Die kunstwissenschaftliche Qualität, die man auf dieser Reise durch die Referate geliefert bekommt, ist außerordentlich hoch“, sagt Gasthörer Peter Mörtel, der die Exkursion mitorganisiert hat. „Für eine Studienreise dieser Art, hätten wir im Reisebüro 50 Prozent mehr bezahlt.“ Das gute Verhältnis zwischen den Studenten der Kunstgeschichte und ihren „Mäzenen“ wird wohl in den nächsten Semestern noch weiter ausgebaut: Exkursionen nach Riga und Chicago sind schon in Planung.