Wenn die Rektoren zittern

Von Christiane Fritz

Einmal im Jahr zittern deutsche Hochschulen – nämlich dann, wenn «Die Zeit» die Ergebnisse des CHE-Hochschul-Rankings vorstellt. Jeder angehende oder ordentliche Student sieht dann nicht nur die Kompetenzen und Defizite seiner Bildungsstätte, sondern auch, wie diese im nationalen Vergleich abschneidet.

Zukünftig wird wohl auch der Ausgang einer weiteren Erhebung gebannt erwartet, denn nun werden auch die Rektoren der Hochschulen bewertet – und zwar vom eigenen wissenschaftlichen Personal. Zur Benotung rief der Deutsche Hochschulverband (DHV) jene Mitglieder auf, die an einer Hochschule mit über 1000 Studenten lehren und forschen.

In einer Online-Umfrage sollten die Wissenschaftler zwischen verschiedenen Eigenschaften wählen, die ihrer Meinung nach der Rektor besitzen muss. Führungskompetenz, die Kenntnis des Universitätsbetriebs und der Respekt für die Unterschiedlichkeit der Wissenschaftskulturen erachteten über 40 Prozent der Befragten als die wichtigsten Kriterien.

Wie gut der Rektor diese und andere Eigenschaften erfüllt, konnten die Wissenschaftler ihm durch Noten von eins bis sechs bescheinigen. «Der Hauptgrund für das Ranking ist, dass durch die neue Hochschulreform die Leitung der Universität viele neue Führungsaufgaben bekommen hat», erklärt Matthias Jaroch vom DHV. «Die Wissenschaftler an der Hochschule können die Durchführung dieser Aufgaben kritisch begleiten.»

Kein Spitzenplatz für den Erlanger Grüske

Aus 3116 Online-Bögen wurden 52 Listenplätze errechnet. Gewinner des ersten Rektoren-Rankings ist Prof. Elmar Weiler von der Ruhr-Universität Bochum, der eine Gesamtnote von 1,93 erzielte. 10 000 Euro erhält er dafür vom DHV. Die Durchschnitts-Note liegt bei 2,6. Welchen Platz Prof. Karl-Dieter Grüske, Rektor der Universität Erlangen-Nürnberg einnimmt, ist nicht bekannt – veröffentlicht wurden nur die ersten 20 Plätze. «Wir wollen die Leute nicht an den Pranger stellen», begründet Jaroch die Entscheidung.

An der Uni Erlangen gaben 102 Wissenschaftler ihre Bewertung ab. Damit beteiligten sie sich, im Vergleich mit anderen Hochschulen, überdurchschnittlich stark an der Umfrage. Ob dies nun für oder gegen den Rektor spricht, kann spekuliert werden. «Bisher habe ich die Ergebnisse noch nicht gesehen», erklärt Grüske. «Es ist sicher eine Möglichkeit, seine Stärken und Schwächen zu sehen, denn die Eigen- und Fremdbewertung sind immer unterschiedlich.»

In Zukunft wird der Titel «Rektor des Jahres» regelmäßig vergeben. An den nächsten Rankings dürfen dann auch die Wissenschaftler kleinerer Universitäten und Fachhochschulen teilnehmen. Dann werden noch mehr Rektoren zittern.

Starthilfe für Unternehmer-Willen

Während des Studiums oder der Arbeit an der Hochschule kommt dem Studenten oder Wissenschaftler die eine oder andere pfiffige Idee. Oft fehlt jedoch der Anreiz, den originellen Geistesblitz in ein Geschäftsmodell zu verwandeln. Der Ideenwettbewerb „innovation check“, der im Rahmen des Projekts „Scientrepreneur“ durchgeführt wird, will die Innovations- und Gründungskultur an den Hochschulen stärken. Zu Beginn des Sommersemesters startet er zum zweiten Mal an der FAU Erlangen-Nürnberg und an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg.

Bis zum 22. Juni können Wettbewerbsbeiträge eingereicht werden. Auf maximal fünf Seiten sollen die Teilnehmer ihre Geschäftsidee beschreiben. Hilfestellung erhalten Interessierte u.a. bei einem kostenlosen Blockseminar am 15. Mai. Eine Jury bewertet die Geschäftsideen und kürt die Sieger. Den Prämierten winken Geldpreise von insgesamt 2000 Euro. Die Teilnehmer mit den zehn besten Ideen nehmen an einem Tagesseminar zum Thema „Erfolgreiche Umsetzung von Geschäftsideen“ teil. Zudem wird ein Sonderpreis für innovative Dienstleistungsideen vergeben. NZ

Weitere Informationen unter: www.scientrepreneur.de

Stinkende Füße

Von Eva Lindner

Man muss sich das so vorstellen: Wenn Teunis T. sich hinabbeugt und an seinen Schnürsenkeln herumwerkelt, dann verfällt ganz Holland, insbesondere die Unilandschaft, in Schockstarre. Denn was nun folgt, alarmiert Dozenten und Studenten gleichermaßen. Der unbarmherzig Teunis T. löst sein Schuhwerk, befreit seine frischluftaffinen Füße von demselben und verpestet innerhalb kürzester Zeit die Umgebung mit dem Schweißgeruch seiner Füße. Diese stinken so unerbittlich, dass die Rotterdamer Uni Teunis T. und seinen Füßen bereits vor gut zehn Jahren wegen „Geruchsbelästigung“ Campusverbot erteilte. Doch der „Schweißfuß-Mann“, wie er von seinen Landsleuten genannt wird, schlug zurück und lüftete vier Jahre später im Lesesaal und anderen öffentlichen Räumen der Uni Delft seine Käsefüße, bis er abermals Hausverbot erhielt.

Nun nahm sich das Rotterdamer Gericht dem unleidlichen Fall an und entschied: Der Schweißfuß-Mann muss zukünftig nicht mehr verduften, sondern darf zum Leidwesen seiner Kommilitonen trotz Geruchsbelästigung an der Uni bleiben. Teunis T. ist als Philosophiestudent immatrikuliert, wobei eines feststeht: Mit dem philosophisch-ethischen Ansatz des Utilitarismus hat er schon mal nichts am Hut, denn dabei wäre sein höchstes Gut das Glück der Anderen. Das tritt Teunis T. aber lieber mit Stinkefüßen.

Geruchsdektoren vor den Seminarräumen

Nun würden wir es uns aber zu einfach machen, wenn wir nur ausgiebig über unsere lieben Nachbarn im Westen lachen würden. Denn auch an der Uni Erlangen werden angeblich immer wieder Studenten gesichtet, die sich den Vorschlag eines Hippokrates, sich jeden Tag ein duftendes Bad und eine ölige Massage zu gönnen, nicht unbedingt zu Herzen nehmen. Von fettigem Haar, miefigen Körperdünsten und Mundgeruch, der auf ein seltenes Zusammentreffen von Zähnen und Zahnpasta schließen lässt, ist dabei die Rede. Was bleibt also zu tun, wenn die Uni Erlangen aus den holländischen Fehlern lernen will?

Eine Prüfstelle an den Eingängen zu Seminarräumen könnte die Lösung sein. Sollte der Studentenkörper der Geruchsinspektion nicht standhalten, so werden kurzerhand Deo, Einmalzahnbürste, Shampoo oder frische Socken verabreicht. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wer den Posten an der Geruchsteststelle übernimmt?

Mein Prof der Rapper

Von Christiane Fritz

„823 ist ein leichter Paragraf / Ich kenne die Voraussetzungen alle schon im Schlaf.“ Mit seinem Rap über den Paragrafen, welcher die Schadensersatzpflicht regelt, sorgt Klaus Peter Berger, Kölner Rechtswissenschaftler, für Erheiterung unter den Studenten und Aufsehen bei den akademischen Kollegen. Berger, der in Köln bürgerliches Recht und Bankrecht lehrt, will mit seinem Rap zeigen, wie die staubtrockenen Texte des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) trotzdem im Hirn haften bleiben können. “Eigentum, Gesundheit, ein absolutes Recht / Wer das verletzt, dem geht es wirklich schlecht”, rappt MC Berger weiter. Die Idee brachte der Jurist aus seiner Studienzeit in New York City mit. Zufällig kam er an einem Seminarsaal vorbei, in dem ein Dozent theoretische Kenntnisse in Rapform vermittelte. Rapucation (Rap + Education = Lernen mit Sprechgesang) wird diese Methode genannt. YouTube Preview Image

Den Rap, der aus neun Strophen besteht, vertonte bereits der Kölner Musikstudent Niklas Remmen. Zwei Mitarbeiter der Universität produzierten ein Video dazu, das sie auf die Videoplattform YouTube stellten. Mehr als 12 000 Mal wurde das Video bereits angeklickt. „Nit schläääääscht“, urteilt User rpkZara.

Prof. Bernd Mertens vom Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte der FAU Erlangen-Nürnberg kann das Interesse für den 823-Rap seines Kollegen nicht nachvollziehen. „Die große mediale Aufmerksamkeit für derartige Aktionen steht meines Erachtens in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Relevanz für den Studienalltag“, kritisiert er.
Susanne Halama, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht weiß gleich mehrere Methoden, um sich den Stoff einzuprägen. Sie rät den Studenten, die Lerninhalte entsprechend ihres Lerntypus aufzuarbeiten. „Handelt es sich um auditive Typen, so bringen Sprechgesang, Rhythmus oder Melodie oder einfach die Assoziation der Rechtsbegriffe mit Geräuschen Erfolg“, erklärt Halama. Visuell veranlagten Studenten empfiehlt sie, die Lerninhalt in Bilder zu übersetzen. Dazu gibt es zahlreiche Möglichkeiten: vom klassischen Mind-Mapping in Baumstruktur bis hin zum Kopfkino. „Eine Studienkollegin erzählte mir, dass sie beim Lernen unterschiedliche Gegenstände in die Hand nimmt, die Informationen über die Berühtungsempfindung assoziiert und sich so den Lernstoff besser merken kann“, so die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Zwiegespalten steht Hans Kudlich, Professor am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie, dem 823-Rap gegenüber. Er wäre jedenfalls kein Lerntyp, der sich gerappte Informationen besser merkt. „Aber nur kein Neid“, betont er. „Herr Berger scheint etwas gefunden zu haben, was Teile der Studenten anspricht und damit emotional näher an den Stoff holt.“ Bei der Vermittlung des Stoffes hätte eben Jeder seine eigenen Methoden. „Einer verwendet aussagekräftige Skizzen. Einer bildet anschauliche und leicht schräge Fälle. Und der Dritte rappt“, so Kudlich.