Bälle, Bier und Breitseite bei den Ansbacher O-Tagen

_mg_8697Die Orientierungstage („O-Tage“) in Ansbach haben mittlerweile Kultstatus erreicht. Zum Motto „Pokemon“ feiern in diesem Jahr rund 200 von insgesamt etwa 800 Neu-Studierenden ihren Einstand in der Residenzstadt. Dabei darf vor allem ein Getränk nicht fehlen. „Ich habe ein Strafbier umsonst bekommen. Schau, ein Strafbier“, kreischt Toni seinem neu gewonnenen Kumpel Nils ins Ohr und freut sich dabei, als hätte er eine Prüfung im dritten Anlauf endlich bestanden. Nils rollt mit den Augen und macht Toni seinerseits darauf aufmerksam, dass ihre Gruppe bereits zum nächsten Spiel weitergezogen ist. Also schnell hinterher . . .

Wer zwei Tage vor Studienbeginn nachmittags unbedarft den Ansbacher Campus betritt, dem bietet sich ein nicht ganz alltägliches Bild. Es sind wieder O-Tage, und das bedeutet: Ausnahmezustand. Etwa 200 feierwütige Erstsemester pilgern in zehn verschiedenen Gruppen über den Campus. An mehreren Stationen machen sie Halt und geben bei diversen Trinkspielen ihr Bestes. Flunkyball, Flip Cup, Alkoholnamen raten – die Liste ist lang.

Wer nun denkt, bei der Veranstaltung geht es nur ums „Partymachen“, der liegt falsch. Bei den O-Tagen knüpfen die Neuankömmlinge vor allem erste Kontakte zu anderen Studenten. Der Alkohol ist dabei ein willkommenes Hilfsmittel. Das Event wird traditionell von der Fachschaft der Hochschule organisiert. „Die Planung läuft seit etwa drei Monaten“, erklärt Micha Kolb, BWL-Student und einer der Hauptorganisatoren. „Das Motto in diesem Jahr ist Pokemon, weil das gerade sehr im Trend ist. Passend dazu haben wir auch die Gruppen benannt und deren Betreuer in Pikachu-Kostüm und Co gesteckt.“

Nach den Spielen am Campus ziehen die Grüppchen am frühen Abend dann noch weiter Richtung Innenstadt. Eine Kneipentour samt Getränke-Specials steht an. So lernen die „Erstis“ gleich noch ihre neue Studienheimat besser kennen. Die Passanten auf der Straße machen große Augen beim Anblick des feucht-fröhlichen Mobs, sehen das Spektakel aber eher gelassen. Auch Toni und Nils haben mittlerweile wieder zu ihrer Gruppe gefunden. Unter den O-Tagen haben die beiden Erstsemester eigentlich etwas ganz anderes erwartet: „Wir dachten, da werden uns die Räume und der Campus gezeigt“, geben die Zwei mit einem Schmunzeln auf den Lippen zu. „Aber so, wie es jetzt läuft, ist es natürlich viel lustiger.“

Anna ist Gruppenleiterin und vor allem auf eine Sache besonders stolz: „Es sind sogar Studenten aus Nürnberg gekommen, weil es dort so etwas nicht gibt. Unsere O-Tage haben sich schon rumgesprochen.“ Gegen Mitternacht trudeln die einzelnen Gruppen nacheinander in den Ansbacher Kammerspielen ein. Dort steigt die große Aftershowparty. Aber Vorsicht: Die „Erstis“ sollten es nicht zu sehr übertreiben, schließlich steht an Tag zwei noch ein Weißwurstfrühstück auf dem Campus an. Etwa 100 Leute haben sich dazu tapfer aus ihren Betten gequält. Den Einstand in die Studentenzeit werden die „neuen Erstis“ so schnell wohl nicht vergessen.

Eva Orttenburger

An der Uni wird exklusiver betreut

Universitäten bieten Studenten im Schnitt ein besseres Betreuungsverhältnis als Fachhochschulen. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt.

So musste sich eine Lehrkraft an einer deutschen Uni 2008 durchschnittlich um rund 18 Studenten kümmern – an einer FH waren es gut 25. Insgesamt kamen an allen Hochschulen 19,5 Studenten auf einen Hochschullehrer. Bei dem Vergleich wurde das Fach Humanmedizin ausgenommen, da es nicht an Fachhochschulen angeboten wird.

An Universitäten hat sich die Betreuungssituation den Angaben zufolge geringfügig verbessert. So wurden in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften im Vergleich zu 2002 rund zwei Studenten weniger je Lehrkraft verzeichnet.

In den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften ging der Wert um etwa vier Studenten zurück. An Fachhochschulen musste sich 2008 dagegen jeder Hochschullehrer sogar um einen Studenten mehr kümmern als 2002.

dpa

Angewandter Sex an der FH

Maximal 25 Plätze sind für das kommende Wintersemester zu vergeben. Fast doppelt so viele Interessenten haben sich beworben. Der Titel des neuen Studiengangs an der Fachhochschule Merseburg klingt auch sehr verlockend: Angewandte Sexualwissenschaft. Wer möchte das nicht lernen? Noch dazu, wenn man am Ende sogar ein offizielles Zeugnis und einen akademischen Grad dafür bekommt.

„Dass manche beim Titel dieses Fachs anfangen zu kichern oder anzügliche Witze reißen, ist typisch“, sagt Studienberater Prof. Harald Stumpe. „Denn offen über Sex zu reden, ist auch heute noch ein Tabu.“ Das soll der Studiengang ändern.

Der Lehrplan liefert ein aufklärerisches Rundum-Paket: Biologie, Psychologie, Soziologie. Die Studenten behandeln außerdem politische und rechtliche Fragen der Sexualität. „Ehen homosexueller Paare oder auch Sex im Alter sind gesellschaftlich längst noch nicht akzeptiert“, sagt Stumpe. Seine Studenten lernen, Themen auf behutsame Weise anzusprechen. Die richtige Beratung, wenn es „im Bett einmal nicht rund läuft“ oder wenn es zu rund läuft, bei ungewollter Schwangerschaft. Nach sechs Semestern schließt das Studium der Angewandten Sexualwissenschaft mit dem Master of Arts ab.

„Das Angewandte ist die Spezialität einer Fachhochschule. Wir bilden keine Theoretiker aus, sondern Praktiker“, sagt Stumpe und betont gleich hinterher: „Ich meine damit jetzt nichts Spezifisches bei unserem Fach, auch viele andere Studiengänge tragen dieses Wort im Namen.“ Die Studenten sollten schnell in der Arbeitswelt Fuß fassen können.

Ihre Berufsmöglichkeiten sind breit gefächert. Die Absolventen können in der Familien- und Paarberatung arbeiten, in Kinderschutzdiensten bei sexueller Gewalt und Missbrauch beraten, oder in der Aids-Hilfe tätig sein. Auch Sozial- und Gesundheitsämter sind mögliche Arbeitgeber.

Als eigenständiges Fach lässt sich Angewandte Sexualwissenschaft deutschlandweit nur an der Hochschule Merseburg im Süden Sachsen-Anhalts studieren. „Nur manchmal ist es auch ein Teilgebiet bei Erziehungswissenschaften oder in der Medizin“, sagt Stumpe. „Unsere Studenten werden auf jeden Fall gefragte Spezialisten sein.“ Sicher nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch auf jeder Party.
Christina Merkel