Kaum Studenten im Flocke-Land

Flocke_NZ1.jpgEs ist Sonntag. Das Wetter ist mau, zu schlecht für ein Eis im Park, die Unitexte liegen lesewillig seit Tagen auf dem Schreibtisch, werden aber ignoriert. Warum nicht mal in den Tiergarten gehen? Schließlich wohnt man im Flocke-Einzugsgebiet.

Erste Anlaufstelle ist wie immer das Internet. Der Tiergarten wirbt dort mit einem Kombi-Ticket. Für nur sechs Euro kann man als Student den Eisbären besuchen und die An- und Abreise mit der Bahn ist inklusive. Noch schnell Adresse eingetippt und den Drucker angeworfen und binnen weniger Minuten hat man seine Tiergarten-Tageskarte in der Hand.Flocke_NZ2.jpg

Tram 5 schiebt sich durch das Wäldchen, die Endhaltestelle Tiergarten ist erreicht. Die Stadt Nürnberg hat sich wohl auf Massen wie bei Knut gefreut, jedenfalls lassen das zahlreiche Verkaufstände mit Fanartikeln auf dem Gelände rund um die Eisbärendame und ein zusätzlicher Informationspunkt – ja, hier ist wirklich kein Service-Point gemeint, sondern ein deutscher Auskunftsstand – vermuten. Fast schon enttäuscht folgt man den Wegweisern, die einem den kürzesten Weg zu Flocke versprechen. Um einen herum: Jede Menge Kinder, rucksacktragende Väter und mit dem Fotohandy hantierende Mütter. Sonntag ist eben der klassische Familientag. Studenten, Schüler und Auszubildende, die alle ermäßigt dem Flocke-Wahn nachgehen können, sieht man kaum. Allgemein hat man mit viel mehr Menschen gerechnet.

Flocke selbst ist mittlerweile auch nicht mehr „soo klein“ und „soo süß“, wie einem die Werbung weiß machen will. Weiß ist sie mittlerweile auch nicht mehr. Eher gelb-braun. Und so sind auch die Maries und Kevins dieser Welt nur mäßig begeistert. Die Zuschauertribüne, die für Eisbärin Flocke errichtet wurde, bleibt am Sonntag, dem wohl besucherstärksten Tag der Woche, so gut wie leer. Liegt es dann doch am Wetter, oder ist Flocke einfach zu groß geworden? Man sollte also die nächsten Tage nutzen, wenn man einen kleinen Eisbären sehen will, denn das Wachstum lässt sich auch dann nicht stoppen, wenn Medien und die Nürnberger es noch so gerne hätten.