Hochschulfinanzierung: Von Aufatmen kann keine Rede sein

Weil die Steuerschätzung dem Freistaat deutlich höhere Einnahmen in Aussicht stellt als bislang angenommen, müssen die Hochschulen wohl keine so großen Einsparungen verkraften wie zuletzt befürchtet. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte nach der Kabinettsklausur am vergangenen Wochenende nur „minimale Kürzungen“ im Hochschulbereich angekündigt (die NZ berichtete).

„Vorsichtig optimistisch“ blickt der Erlanger Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske deswegen in die Zukunft. „Ich gehe davon aus, dass unsere Argumente bei der Politik auf fruchtbaren Boden gefallen sind“, sagt er im NZ-Gespräch. Allerdings müsse man erst sehen, was unter den angekündigten „minimalen Kürzungen“ zu verstehen sei. „Wir warten erst mal ab, was tatsächlich rauskommt.“

Innovationsbündnis bleibt wohl vorerst bestehen

Genaue Zahlen stehen noch aus. Trotzdem erwartet Grüske, dass die im Staatshaushalt für den Doppelhaushalt 2011/12 veranschlagten Mittel für die Hochschulfinanzierung nicht unter das Niveau von 2008 fallen. Sonst sei „das Innovationsbündnis gefährdet“, in dem Freistaat und Hochschulen vereinbart hatten, für den doppelten Abiturjahrgang und die bis 2013 steigenden Studentenzahlen besondere Vorkehrungen zu treffen und außergewöhnliche Belastungen auf sich zu nehmen. Wenn die Finanzierung nicht gesichert sei, könnten Unis und Fachhochschulen nämlich das Bündnis kündigen. Auf diese Handhabe hatten sie in den vergangenen Wochen immer wieder unmissverständlich hingewiesen. „Das will die bayerische Staatsregierung aber wohl nicht riskieren“, vermutet Grüske.

Ebenfalls abzuwarten sei, ob die Sofortmaßnahmen zurückgenommen werden, die allein die Uni Erlangen mit 1,2 Millionen Euro zusätzlichen Einsparungen im laufenden Jahr belasten würden. Grüske erwartet, dass eine Entscheidung darüber in den nächsten Tagen fallen wird.

Der Bamberger Uni-Präsident Godehard Ruppert hatte vor wenigen Wochen gesagt, die Sparbeschlüsse seien ein „Beschiss“ an kommenden Studenten-Generationen. Trotz der Signale aus München will er den vorsichtigen Optimismus seines Erlanger Kollegen Grüske nicht teilen. „Ich habe noch keine Zahlen gehört, deswegen bin ich weiterhin skeptisch.“ Zahlen seien aber ohnehin nur das eine: „Vielmehr gilt meine Sorge der Erosion des Vertrauens junger Leute in verlässliche Zusagen seitens der Politik.“ Würde man der letzten großen Schülerkohorte eine adäquate Ausbildung verweigern, sei das „das Gegenteil von Zukunftssicherung“, so Ruppert.

Florian Heider