Chemikum ist doch Flop statt Top

Chemikum_SPONBei Spiegel Online ist es noch top. In Erlangen längst ein Flop. Das Chemikum der Uni erhitzte heute die Gemüter. „Unfassbar, dass dieses Gebäude seit Jahren fertig sein soll und jetzt auf unbestimmte Zeit leer steht. Und dann wird das auch noch als Top-Bauprojekt ausgezeichnet“, schrieb ein Nutzer. „Wäre heute der 1. April würde ich sagen: toller Beitrag, lange nicht so gelacht. Platz eins der ,Top Ten der Großprojekte‘ aus der Hertie-Studie – mir fehlen die Worte“, ein anderer.

Die Hertie School of Governance musste heute auf Anfrage der Nürnberger Zeitung auch zurückrudern. „Man hätte nicht jedes der 170 in Deutschland untersuchten Projekte persönlich besichtigen können“, teilte die private Hochschule in einer Mail an die NZ mit. Die verwendeten Informationen stammten aus den zuständigen Ministerien, Rechnungshöfen und Parlamentsberichten. Erlangen ist in der Hauptstadt halt doch ziemlich fern.

 

BestandWorst_CostPerforming„Dass im Jahr 2013 eine Bauverzögerung und Mehrkosten von 11 Millionen Euro gemeldet wurden, ist den Autoren der Studie schlichtweg entgangen. Das Projekt hätte als nicht abgeschlossen kategorisiert werden dürfen“, gesteht die Hochschule ein und entschuldigt sich. Man werde den Fehler korrigieren und sei dankbar für alle Hinweise und Informationen, die zu einer Verbesserung der Datengrundlage führen.Wir sind es auch.

Das Chemikum soll nun übrigens zum kommenden Wintersemester in diesem Herbst bezugsfertig sein. Mal schauen, ob das klappt.

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Der Einfluss von Gerichtsshows

Einlasskontrolle in GerichtsgebäudeWer Jura studiert, wird später Richter, Staatsanwalt oder Verteidiger. Die Erstsemester von heute haben wesentlichen Einfluss auf die Rechtsprechung von morgen. Darum interessiert sich Franz Streng für ihr Urteil.

Der emeritierte Professor am Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie in Erlangen hat zwischen 1989 und 2012 mehr als 3000 Studienanfänger befragt, wie die jungen Frauen und Männer die aktuelle Kriminalitätslage bewerten. Er wollte wissen, inwieweit sie sich bedroht fühlen und wie hart sie bestrafen würden. Die Daten verglich der Forscher mit der offiziellen Kriminalitätsstatistik.

Jurastudenten wollen strengere Strafen

Das Risiko, selbst Opfer eines körperlichen Angriffs zu werden, schätzten die Befragten im Lauf der Jahre immer geringer ein – aktuell ist diese Angst nur noch schwach ausgeprägt. Die Studierenden würden jedoch bei gleichen Delikten mittlerweile höhere Strafen verhängen als zu Beginn der Studie. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Opfer heutzutage eher bereit sind, Verbrechen anzuzeigen.

Einen Grund für den Wunsch nach strengeren Urteilen sieht Streng im Fernsehen. Tatort, Polizeiruf und nachgestellte Gerichtsprozesse – die Zahl der Unterhaltungssendungen, in denen es um Mord geht, wächst. Befragte, die viele dieser Sendungen konsumieren, sind laut Strengs Studie die strengeren Bestrafer. Der Wunsch nach härteren Strafen könne ein Versuch sein, mit sozialen Problemen und Verunsicherung durch die Globalisierung umzugehen, meint Streng. Auch der zunehmende Fokus auf die Opferperspektive unterstütze die Tendenz zu strengeren Strafen.

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Erlanger Professor stirbt beim Franken-Tatort

Tatort-LogoAlle fiebern dem ersten Franken-Tatort entgegen. Heute, am ersten Drehtag in Nürnberg und Erlangen, sickerten erste Details der Handlung durch: Das Mord-Opfer ist an angesehener Professor an der Friedrich-Alexander-Universität. Seine Ehefrau vermutet ihn an seinem Arbeitsplatz, doch der Wissenschaftler treibt sich lieber mit seiner Geliebten in einem abgelegenen Waldstück herum. Allerdings nicht lange. Beim Liebesspiel in seinem Auto wird er durch zwei Kopfschüsse aus nächster Nähe getötet.

„Als die Polizei eintrifft, stehen beide Wagentüren offen. Der Fahrersitz mit dem toten Ranstedt ist weit zurückgeschoben. Die Person, die mit ihm im Auto war, ist verschwunden. Ihre Spuren enden an einer kleinen Landstraße. Nichts deutet auf ihre Identität hin“, schreibt der Bayerische Rundfunk.

Dreharbeiten auf dem Golfplatz

Die Dreharbeiten starteten heute in der Nähe eines Golfplatzes in Nemsdorf, im Süden Nürnbergs. Das Produktionsteam hatte den Ort weiträumig abgesperrt, trotzdem konnten Schaulustige ein paar Szenen erhaschen. Zur Erinnerung: Matthias Egersdörfer spielt im Franken-Tatort mit. Er übernimmt die Rolle des Michael Schatz, Leiter der Spurensicherung. Kabarettist Egersdörfer ist in Nürnberg geboren, in Lauf an der Pegnitz aufgewachsen und wohnt in Fürth. Außerdem dürfen 250 Komparsen aus Franken im Tatort mitspielen, der voraussichtlich im Frühjahr 2015 ausgestrahlt werden soll.

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Feierliche Amtseinführung der neuen Kanzlerin

Amtseinführung FAU-KanzlerinAnderthalb Jahre musste sie auf diesen Tag warten. Wegen der Klage eines unterlegenen Mitbewerbers verschob sich der Dienstantritt der neuen Kanzlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder. Seit 40 Tagen ist sie nun im Amt. Heute wurde Sybille Reichert nun auch feierlich in ihrem Amt begrüßt.“Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske in seiner Rede. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es plötzlich so schnell geht, deswegen haben wir noch etwas Zeit für die Festvorbereitung gebraucht.“

Die Einladungsliste war lang, schließlich bekommt die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) nicht oft ein neues Verwaltungsoberhaupt. Kanzler Thomas A. Schöck war 25 Jahre im Amt,  sein Vorgänger 14 Jahre lang. Außerdem ist Sybille Reichert die erste Frau an der Spitze. Als Festgäste gratulierten unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein, Wolfgang Strietzel, als Ministerialrat im Kultusministerium zuständiger Ansprechpartner der FAU, Erlangens aktueller Oberbürgermeister Florian Janik, sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Justiz, Wirtschaft und der Universität.

„Sie ist die am besten geeignete Person auf dieser Position“, lobte Grüske die neue Kanzerlin. Moderne Universitäts-Verwaltungen müssten heutzutage weniger Behörden als Serviceeinrichtungen für Forschung und Lehre sein. Zur Unterstützung bot Innenminister Herrmann der Kanzlerin gleich seine Handynummer an, „damit wir vieles auf dem kurzen Dienstweg klären können“. In seiner Funktion als Bauminister wird Reichert noch oft mit ihm zu tun haben.

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Die FAU-Spitze trifft sich am Berg

NZ-ErlangenErwischt! Unser Fotograf Harald Sippel entdeckte heute den alten Kanzler und die neue Kanzlerin der Uni Erlangen auf der Bergkirchweih beim Anstoßen! Sybille Reichert übernimmt nächsten Montag das Amt von Vorgänger Thomas A. H. Schöck. Der geht nach 25 Jahren an der Spitze der Univerwaltung mit Verspätung in den Ruhestand.

Die Neubesetzung zog sich wegen eines Gerichtsverfahrens über ein Jahr hin. Der Universitätsrat hatte die neue Kanzlerin schon im Februar 2013 ohne Gegenstimme als Nachfolgerin vorgeschlagen. Dagegen klagte ein unterlegener Kandidat vor dem Verwaltungsgericht in Ansbach. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob das Urteil vor Kurzem auf. Auch ein weitere Beschwerde am Bundesverfassungsgericht scheiterte.

Ob sie sich heute bei einer Maß Bier Tipps fürs neue Amt holte?
Morgen interviewe ich sie für unsere nächste Hochschulseite, dann frag ich nach!

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Motten im Präsidialbüro

Das Präsidentenbüro

Normalerweise empfängt Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske internationale Gäste in seinem mit Teppichen und Gemälden geschmückten Büro im Erlanger Schloss.

Ausgeräumt: Sonst zieren historische Portraits des Universitätsgründers die Wände und kunstvolle Teppiche den Boden. „Doch heute muss ich Sie in schmucklosen Räumlichkeiten empfangen“, sagte Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske vor ein paar Tagen, als er in sein Büro bat.

Denn auch einen Uni-Präsidenten können ganz weltliche Sorgen plagen: „Wir hatten Motten.“ Vor einigen Wochen schon habe der Kanzler die erste eigenhändig erlegt, seitdem sind Duftfallen auf der Wandvertäfelung postiert. „Die locken die Männchen an. Und wenn die weg sind, sterben auch die Weibchen aus“, erklärt Grüske fachmännisch. Bis es aber soweit ist, musste das Inventar weichen. „Die Tiere krabbeln in die Ritzen der Gemälde, darum wurden sie zur Sicherheit weggebracht.“

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An die Rückmeldung denken!

Uni-Studenten aufgepasst: Wer im Sommersemester weiter an der FAU studieren will, muss sich in dieser Woche rückmelden. Persönlich aufkreuzen muss man in den meisten Fällen schon lange nicht mehr, es reicht, den Semesterbeitrag (variiert unter Umständen) zu überweisen. Die genauen Termine findet Ihr hier. Auf diesem Dokument hat die Uni weitere Informationen zusammengefasst.

fbh

Erlanger Ringvorlesung im Sommer: Themen und Termine

Die Ringvorlesung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beschäftigt sich im Sommersemester 2010 mit dem Thema „Zukunft als Herausforderung“. Experten beleuchten Kulturtechniken der Zukunftsbewältigung aus der Perspektive der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Die Veranstaltungen finden ab 9. Juni 2010 jeweils mittwochs statt und beginnen um 18 Uhr in der Aula des Erlanger Schlosses. Der Eintritt ist frei.

Den Auftakt bildet ein Vortrag von Prof. Dr. Rainer Trinczek, Lehrstuhl für Soziologie I, am 9. Juni zum Thema „Handeln trotz Kontingenz!? Zum paradoxen Verhältnis der Soziologie zu Zukunft und Prognose“. Darin baut er den Gedankengang aus, dass trotz einer Skepsis gegenüber der Prognostizierbarkeit von Zukünftigem in der Forschung berücksichtigt werden muss, dass gesellschaftliche Akteure nur auf der Grundlage von gewissen Annahmen über die Zukunft handeln können.

Ihm folgt am 16. Juni Prof. Dr. Heiner Bielefeldt vom neu eingerichteten Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik mit einem Vortrag über „Die Zukunft des internationalen Menschenrechtsschutzes“. Er erläutert die Weiterentwicklung des Menschenrechtsschutzes nach dem Zweiten Weltkrieg und stellt konkrete Perspektiven für eine Stärkung des Menschenrechtsschutzes zur Diskussion.

Am 23. Juni richtet Prof. Dr. Klaus Herbers vom Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters seinen Blick darauf, wie in der Vergangenheit mit Zukunftsvorhersagen verfahren wurde. Er befasst sich mit dem Thema „Was sagen die Sterne, was sagt die Bibel? Zukunftsbestimmung und Zukunftsdeutung im Mittelalter“.

Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm vom Lehrstuhl für Sozialpsychologie spricht am 30. Juni zum Thema „Zukunft der Erwerbsarbeit im Spiegel der Geschlechterbeziehungen. Das Beispiel Medizin“. Sie stellt dar, wie sich die hohe und weiterhin steigende Zahl weiblicher Medizinstudierender auf die Gestaltung und Organisation medizinischer Arbeitsplätze auswirkt und wie individuelle Lebensentwürfe durch die Gegebenheiten dieses Erwerbsbereichs beeinflusst werden. Im zweiten Teil des Vortrags werden verschiedene Szenarien von „possible futures“ in diesem Bereich entworfen und vergleichend diskutiert.

Der Vortrag von Prof. Dr. Christine Lubkoll vom Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte und als Vertreterin des Elitestudienganges ‚Ethik der Textkulturen’ befasst sich mit dem Thema „Horror und Hoffnung. Zukunft denken in der Literatur des 20. Jahrhunderts“. Am 14. Juli stellt sie Walter Benjamins Vision vom „Engel der Geschichte“ und Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ vor und einander gegenüber. Beide Modelle haben literarische Antizipationen und Darstellungsweisen der Zukunft entscheidend geprägt.

Die Ringvorlesung schließt am 21. Juli mit einem Vortrag von Prof. Dr. Michael Lackner vom Lehrstuhl für Sinologie und Sprecher des Internationalen Forschungskollegs ‚Schicksal, Freiheit und Prognose’. Unter dem Titel „Der Boom der Wahrsagung in China: ein neues Modul für chinesische Identität?“ referiert er über Zukunftsvorstellungen in Fernost.

NZ

Die Uni in zwei Städten

Hochschul-Campus in Erlangen? – Fehlanzeige. Nicht nur, dass die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität über ganz Erlangen verstreut sind. Nein, sie befinden sich sogar in zwei verschiedenen Städten. Das wäre kein Problem, wenn die einen nur in Erlangen und die anderen nur in Nürnberg studie­ren würden. Tun sie aber nicht.

So müssen die Wirtschaftsinfor­matiker zum Beispiel Informatik an der Erlanger Tech Fak und BWLan der Nürnberger Re Wi stu­dieren. Dass das bei so manchem den Stunden- beziehungsweise Zeitplan gehörig durcheinander­wirft, ist programmiert. Denn wie soll es bei der obligatorischen 30-Minuten-Pause zwischen den Vorlesungen möglich sein, von Erlangen nach Nürnberg oder von Nürnberg nach Erlangen zu gelangen? Fährt der Student mit dem Zug, kommt er zu spät. Ebenso, wenn er den Bus nimmt. Mit dem Auto wäre es fast zu schaffen, wäre da nicht die lang­wierige Parkplatzsuche.

Dass die Uni auf zwei Städte verteilt ist, hat aber auch Vor­teile. So zum Beispiel für die Lehr­amtsstudenten, die manche Vor­lesungen sowohl in Nürnberg als auch in Erlangen besuchen kön­nen. So lässt sich der Stunden­plan flexibler gestalten. Meistens zumindest.

Am Morgen in Erlangen, am Nachmittag in Nürnberg

So müssen beispielsweise die angehenden Lehrer, deren Stu­dium inzwischen auch auf Bache­lor umgestellt wurde, ein Pädago­gik- Modul mit zwei Vorlesungen belegen. Diese Vorlesungen wer­den sowohl in Erlangen als auch in Nürnberg angeboten. „Prima“, dachte sich ein Nürnberger Stu­dent, der die eine Pädagogik-Vor­lesung in Erlangen besucht. „Dann kann ich ja im nächsten Semester die andere Pädagogik-Vorlesung in Nürnberg besuchen und muss nicht mehr pendeln.“ Zu früh gefreut.

Obwohl die Erlanger und die Nürnberger Vorlesungen den iden­tischen Inhalt haben, müssen beide an einem Ort absolviert wer­den. Wer den einen Schein also in der Hugenottenstadt macht, muss seine Leistung für den anderen auch hier erbringen. Und das, obwohl die Lehrveranstaltungen an der gleichen Uni und nur an anderen Orten angeboten wer­den!
Die Begründung des Dozenten: „Die machen das da ein bisschen anders.“ Aha. Fragt sich nur, wie die ach so flexiblen Studenten innerhalb Deutschlands oder gar Europas von einer Hochschule zur anderen wechseln sollen und dabei Scheine anerkannt bekom­men, wenn das noch nicht einmal innerhalb einer Universität funk­tioniert.

Christin Nünemann

Streiken mit Gemüssesuppe und Spaghetti

Besetzte GSO-Hochschule in NürnbergEin abgewetzter Perserteppich, Sessel, Hocker, ein Sitzsack und eine Stehlampe – die Studierenden haben sich ein kleines Wohnzimmer in den Gängen des Erlanger Audimax eingerichtet. Denn so schnell wollen sie hier nicht mehr weg. Am Dienstagmorgen hatten rund 600 Demonstranten den größten Hörsaal der Uni besetzt. Sie fordern unter anderem die Einführung einer verfassten Studierendenschaft, das Abschaffen der Studiengebühren und weniger Arbeitsbelastung durch überarbeitete Bachelor-Stundenpläne.

Bis zum Abend ist eine selbsternannte «Volksküche» für die Besetzer eingerichtet. Helfer schneiden Karotten, Lauch, Kartoffeln und kochen Gemüsesuppe für alle. «Wir haben Lebensmittel-Spenden aus dem Erlanger Einzelhandel bekommen», sagt Mit-Besetzerin Anna Redlich. Sie studiert Germanistik und Soziologie auf Magister im zehnten Semester und gleichzeitig den Elitestudiengang Ethik der Textkulturen mit Masterabschluss im dritten Semester. Eine Erlanger Disko hat Getränke spendiert. Der Bund Naturschutz und die Pfadfinder haben den Studierenden Elektrokochplatten und große Töpfe geliehen. «Spühlt euer Geschirr bitte selber ab», hat jemand auf einen Zettel neben den Tellerstapeln geschrieben. Vier Flaschen Spühlmittel und drei dicke Rollen Müllsäcke stehen daneben auf den Tischen der «Volksküche» vor dem Audimax. Ein paar Meter weiter hat ein DJ sein Mischpult aufgebaut. Musik schallt durch das Treppenhaus.

Viele Diskussionen und nur wenig Schlaf

Innen im Saal diskutieren noch bis Mitternacht die Besetzer über ihre Forderungen an Hochschulleitung und Politiker. Die Studierendenvertretung leitet die Diskussionen. Gemeinsam entscheidet das Plenum über Abstimmungsformen und Rederegeln. «Wir wollen, dass alles möglichst basisdemokratisch abläuft», sagt Anna Redlich. Mit neun weiteren Studierenden hat sie einen Arbeitslkreis (AK) Presse gegründet. Sie koordinieren eine Streik-Homepage, mit Fotos und Terminankündigungen. Veröffentlichen Tagesordnungen und Diskussionsprotokolle. Ein eigens gebildetes Kamerateam überträgt live Eindrücke aus dem Audimax ins Internet. Ein Arbeitskreis Mobilisierung wird mit dem Drucken von Flyern beauftragt. Der AK Volksküche mit der Verpflegung. Das Podium wird nach Mitternacht einem Liedermacher mit Gitarre überlassen. Der AK Forderungen diskutiert dennoch noch bis spät in die Nacht. Der AK Organisation legt als nächsten Plenumstermin Mittwoch, 10 Uhr fest.

Nur zwei Stunden hat Jasmin Hildebrand in der vergangenen Nacht geschlafen. Jetzt sitzt sie am «Info-Point» in der Aula der Georg-Simon-Ohm Hochschule und beantwortet Fragen der Besetzer und der Studierenden, die zum Teil erst jetzt von dem Streik erfahren. Nach der Demonstration am Dienstagnachmittag durch die Nürnberger Innenstadt hatten Schüler und Studenten das Gebäude in der Bahnhofstraße gestürmt und geben es seitdem nicht mehr frei. «400 bis 500 Leute saßen bis zum Abend in unserem Audimax», sagt Hildebrand. Sie studiert Soziale Arbeit im neunten Semester. «Noch auf Diplom, daher die hohe Semesterzahl.»

Auch in der Fachhochschule diskutieren die Studierenden, wie sie sich die gewünschte Verbesserung des Bildungssystems konkret vorstellen. «Wir formulieren Nahziele, bei denen es für uns durchaus vorstellbar ist, sie mit der Hochschulleitung zu diskutieren», sagt Hildebrand. «Außerdem Fernziele, die sich an die Politik im allgemeinen richten.» Ein Nahziel ist die Senkung der Studienbeiträge, langfristig fordern sie, dass die Gebühren vollständig wegfallen.

Außerdem müssen die Besetzer Regeln für das Zusammenleben einer großen Gruppe in einem Hochschulgebäude finden. «Da denkt man am Anfang gar nicht daran, was da auf einen zukommt», sagt die Studentin. «Man lebt jetzt einfach 24 Stunden zusammen, da gibt es Reibungspunkte. Wenn zum Beispiel Leute in der Nacht schlafen wollen, dann sollen sie schlafen dürfen.»

Etwa 80, schätzt Hildebrand, sind über Nacht geblieben. Sie schliefen in Schlafsäcken und auf Matten aus der Turnhalle. Auch hier gibt es einen Arbeitskreis der für volle Studierendenmägen sorgt. Am Abend gab es für alle Spaghetti mit Tomatensoße. «Außerdem wollen die Leute ja nicht nur herumsitzen, sondern auch Spaß haben», sagt Hildebrand. Eine Punkrock-Band hat daher ihre Probe spontan in die FH-Aula verlegt.

Tagsüber wird die Aula zum Malstudio und Café. Ein Studenten-Team verkauft Brezen und Kaffee. Auf Biergarnituren und Sofas sitzen die Leute zusammen. Eine Zeittafel kündigt Workshops am Nachmittag an und ruft zum Mitmachen in den Arbeitskreisen auf. Auf dem Boden sind meterlange Transparente ausgebreitet. Einige malen neue Plakate, um ihre Kommilitonen zum Mitmachen aufzufordern. «Wir streiken für Bildung. Und du?», steht dort. Ein Banner mit der Aufschrift «Geh denken» und schwarzem Pfeil weißt den Weg ins besetzte Audimax.

Doch nicht jeder geht hinein. «Natürlich gibt es auch Studenten, die der Streik nervt», sagt Hildebrand. Gerade haben einige das «Besetzt»-Schild scheinbar übersehen, und im Hörsaal vergeblich nach ihrer Vorlesung gesucht. «Die haben Angst, ein Seminar zu verpassen, eine schlechtere Note, einen schlechteren Abschluss und damit keinen Job zu bekommen», sagt Hildebrand. «Das ist genau der Konkurrenz- und Leistungsdruck, den wir kritisieren.»

Dabei zeigen viele Professoren Verständnis für die Streikenden. «In meinen Veranstaltungen ist es so, dass in dieser Woche ausnahmsweise keine Anwesenheitslisten geführt werden», sagt Anna Redlich. In Erlangen räumt am Morgen der AK Putzteam den Müll der vergangenen Nacht weg. Rund 60 Studierende haben in der Uni übernachtet. Schon um acht Uhr haben sich die Arbeitskreise wieder getroffen. Auf dem ersten Plenum um zehn Uhr sind bereits 200 Leute da und stellen ihre Ergebnisse vor.

Ein Sprecher des AK Organisation erklärt noch einmal die Rederegeln, für alle, die neu dazugekommen sind. Er berichtet von den neuesten Ereignissen in Erlangen und Nürnberg: Die Erlanger Hochschulleitung hat angeboten, zu Gespräche ins besetzte Audimax zu kommen. Das Plenum klatscht Applaus. Wenn die Forderungsliste bis zum Nachmittag fertig ist, tragen sie Studierendenvertreter auf der Senatssitzung vor. Doch daraus wird nichts, viele Punkte bleiben bis zum Abend strittig. Eine weitere Nacht in der Uni steht bevor.

Auf ihrer Homepage kündigen die Erlanger Uni-Besetzer an, bis mindestens Freitag durchhalten zu wollen. In der Ohm-Hochschule soll jeden Tag neu entschieden werden, wie und ob es weitergeht. «Das wird in jedem Plenum diskutiert», sagt Hildebrand. «Erst wenn keiner mehr dahintersteht, gehen wir.»

Sollen die Studiengebühren abgeschafft werden? Diskutiert mit uns in unserem NZ-Blog Senf dazu.

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