Ohm-Jahrfeier: Protest soll vor der Tür bleiben

Wegen „Terminüberschneidungen“ hat die Nürnberger Ohm-Hochschule ihre akademische Jahrfeier verschoben: vom Montag dieser Woche auf den 15. Dezember. Die Nachricht von der Verlegung ging den Geladenen erst wenige Tage vorher zu – manche bekamen gar nichts davon mit und standen vor einem leeren Hörsaal. Das kann im Dezember nicht passieren, dann findet die Feier nämlich auswärts statt: im Historischen Rathaussaal.

An die angeblichen Terminüberschneidungen will aber nicht jeder glauben. Ob etwas anderes hinter dem Wechsel von Ort und Zeit steckt, und wenn ja, was, darüber lässt sich nur spekulieren. Insider vermuten, dass die Hochschulleitung sich vor demonstrierenden Studenten fürchtet und den oft gleichzeitig mit ihnen auftretenden Protestlern, die eigentlich ganz andere Ziele propagieren („Kapitalismus abschaffen“). Die hatten vor kurzem Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch bei seinem Besuch am Ohm heftig zugesetzt: Von Störmanövern während seiner Rede bis hin zu derbsten persönlichen Beleidigungen war zu hören.

Weil bekannt ist, dass die Ohm-Leitung vom Hausrecht in eigenen Räumen kaum Gebrauch macht, wird nun spekuliert, dass man sich eventuellen Protest auf andere Weise vom Hals halten will. Zur Jahrfeier im Rathaus wird man laut Einladung nämlich nur mit Einlasskarte gelangen.

fbh

Das Ohm rollt – zum zwanzigsten Mal

Ohmrolle

Die Ohm-Rolle, das Filmfest der Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule feiert sein zehnjähriges Bestehen. Zum 20. Mal zeigen die Studenten der Fakultät Design ihre Kurz- und Animationsfilme. Termin ist am 11. November um 19.30 Uhrim Cinecittà. Die Streifen werden in den beiden größten Sälen des Multiplex-Kinos gezeigt – 866 Karten sind zu haben. Wer welche haben will, muss schnell sein: Der Vorverkauf beginnt am Dienstag, 2. November. Wahrscheinlich endet er da auch, zumindest waren in den vergangenen beiden Jahren immer am ersten Vorverkauftstag alle Karten weg.

Studieren auf der Baustelle

Studieren an Baustelle AufmacherWenn Studenten das A-Gebäude der Ohm-Hochschule Nürnberg betreten, begrüßt sie ein weiß-rotes Absperrband. Ein Arbeiter auf einer Leiter verlegt Kabel in der Decke, ein anderer poliert den Boden. „Man kommt sich vor als würde man eine Baustelle betreten“, meint Lukas Dehling, 22-Jähriger Student im Studiengang Technikjournalismus. Der „Service-Point“, erkennbar durch einen provisorischen Ausdruck an der Glastür, ist mit drei Stühlen besetzt. Personal, Tische und Ausrüstung: nicht vorhanden.

Einige Studenten warten vor dem Aufzug, der sie mit einem „Türe offen“ aus den Lautsprechern begrüßt und sein teilweise mit Spanplatten verdecktes Inneres preisgibt. Nachdem die Wartenden in dem Aufzug Platz gefunden haben und die Tür schließt, ertönt ein „Türe geschlossen“. „Da muss man jeden Morgen Stöpsel in die Ohren stecken“, belustigt sich einer der Professoren.

„Chaotische Organisation“

Doch die Stimmung ist nicht bei allen Mitarbeitern so positiv. Der „viel zu kurz angesetzte Umzug“ sowie die „chaotische Organisation“ sind Hauptkritikpunkte seitens der Mitarbeiter der Hochschule. Auch die Vorlesungen der Studierenden sind von den noch nicht abgeschlossenen Bauarbeiten beeinflusst. Noch sind nicht alle Vorlesungsräume mit der benötigten Technik ausgestattet, zum Beispiel fehlen Beamer. Steckdosen sind noch nicht verbaut. „Wir haben auch noch kein W-Lan“, empört sich die 21-Jährige Kristina Emilius, Studentin im Studiengang Technikjournalismus.

Das aktuelle Semester läuft bereits seit Montag, dem 15.03.2010.

Meinungen Betroffener:

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„Die Tische sind zu klein, das war

auf jeden Fall ein Fehlkauf.“ – Student

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„Die Decke ist hässlich

und wirkt unfertig.“ – Studentin
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„Die Räume sind relativ

groß und geräumig.“ – Student

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„Der Kopierraum war nicht auffindbar, aber

das Personal war nett und hilfsbereit.“ – Dozent

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Daniel Esser und Engin Aydin

Der kleine Unterschied

VerhandeBarbie, Ken und was sonst noch geht“, lautet der Titel einer ihrer Vorlesungen. Eine zweite heißt: „Ohne Angst ver­schieden sein.“ Heute beginnt das Sommersemester an der Nürnber­ger Ohm-Hochschule und Renate Bitzan tritt dort ihre neue Arbeits­stelle an – als Professorin für „Gender und Diversity“.

„Ich hoffe, die Studenten ler­nen bei mir, sensibel zu sein gegenüber Benachteiligungen in unserer Gesellschaft“, sagt Bit­zan. Sie sollen erkennen, wenn Menschen aufgrund ihres Ge­schlechts oder Alters, ihrer Natio­nalität, Religion oder einer Be­hinderung benachteiligt werden. „Und dem im besten Fall entge­genwirken.“

19 Professoren, 2 Professorinnen

Die Ohm-Hochschule hat Bit­zans Professur im Rahmen ihres Gleichstellungskonzepts geschaf­fen und an der Fakultät für Allge­meinwissenschaften angesiedelt. Dort standen auf der Professoren­liste bislang lediglich 2 Frauen gegenüber 19 männlichen Lehren­den. „Gerade in den technischen Fächern sind immer noch deut­lich mehr Männer eingeschrie­ben“, sagt Bitzan. „Auch ihnen möchte ich einen Einblick in die sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung geben.“

Denn da hat sich einiges getan. „Vor hundert Jahren durften die ersten Frauen studieren“, sagt Bit­zan. „Barbie und Ken“ können Studierende aller Studiengänge als Wahlpflichtfach belegen. Die Anmeldungen laufen derzeit zwar noch, „aber bislang haben sich tat­sächlich mehr Männer als Frauen eingeschrieben“.

Auch die Wirtschaft entdeckt Diversitätsstudien für sich. „Es hat Vorteile, wenn eine Beleg­schaft divers, also vielfältig zusammengesetzt ist“, erklärt Bit­zan. Menschen mit unterschiedli­chen Hintergründen sind dem­nach im Team besonders kreativ und produktiv. „Bisher habe ich Politik- und Sozialwissenschaft­ler unterrichtet, jetzt kommen Ingenieure dazu“, sagt Bitzan. „Ich bin sehr gespannt.“

Christina Merkel

Streiken mit Gemüssesuppe und Spaghetti

Besetzte GSO-Hochschule in NürnbergEin abgewetzter Perserteppich, Sessel, Hocker, ein Sitzsack und eine Stehlampe – die Studierenden haben sich ein kleines Wohnzimmer in den Gängen des Erlanger Audimax eingerichtet. Denn so schnell wollen sie hier nicht mehr weg. Am Dienstagmorgen hatten rund 600 Demonstranten den größten Hörsaal der Uni besetzt. Sie fordern unter anderem die Einführung einer verfassten Studierendenschaft, das Abschaffen der Studiengebühren und weniger Arbeitsbelastung durch überarbeitete Bachelor-Stundenpläne.

Bis zum Abend ist eine selbsternannte «Volksküche» für die Besetzer eingerichtet. Helfer schneiden Karotten, Lauch, Kartoffeln und kochen Gemüsesuppe für alle. «Wir haben Lebensmittel-Spenden aus dem Erlanger Einzelhandel bekommen», sagt Mit-Besetzerin Anna Redlich. Sie studiert Germanistik und Soziologie auf Magister im zehnten Semester und gleichzeitig den Elitestudiengang Ethik der Textkulturen mit Masterabschluss im dritten Semester. Eine Erlanger Disko hat Getränke spendiert. Der Bund Naturschutz und die Pfadfinder haben den Studierenden Elektrokochplatten und große Töpfe geliehen. «Spühlt euer Geschirr bitte selber ab», hat jemand auf einen Zettel neben den Tellerstapeln geschrieben. Vier Flaschen Spühlmittel und drei dicke Rollen Müllsäcke stehen daneben auf den Tischen der «Volksküche» vor dem Audimax. Ein paar Meter weiter hat ein DJ sein Mischpult aufgebaut. Musik schallt durch das Treppenhaus.

Viele Diskussionen und nur wenig Schlaf

Innen im Saal diskutieren noch bis Mitternacht die Besetzer über ihre Forderungen an Hochschulleitung und Politiker. Die Studierendenvertretung leitet die Diskussionen. Gemeinsam entscheidet das Plenum über Abstimmungsformen und Rederegeln. «Wir wollen, dass alles möglichst basisdemokratisch abläuft», sagt Anna Redlich. Mit neun weiteren Studierenden hat sie einen Arbeitslkreis (AK) Presse gegründet. Sie koordinieren eine Streik-Homepage, mit Fotos und Terminankündigungen. Veröffentlichen Tagesordnungen und Diskussionsprotokolle. Ein eigens gebildetes Kamerateam überträgt live Eindrücke aus dem Audimax ins Internet. Ein Arbeitskreis Mobilisierung wird mit dem Drucken von Flyern beauftragt. Der AK Volksküche mit der Verpflegung. Das Podium wird nach Mitternacht einem Liedermacher mit Gitarre überlassen. Der AK Forderungen diskutiert dennoch noch bis spät in die Nacht. Der AK Organisation legt als nächsten Plenumstermin Mittwoch, 10 Uhr fest.

Nur zwei Stunden hat Jasmin Hildebrand in der vergangenen Nacht geschlafen. Jetzt sitzt sie am «Info-Point» in der Aula der Georg-Simon-Ohm Hochschule und beantwortet Fragen der Besetzer und der Studierenden, die zum Teil erst jetzt von dem Streik erfahren. Nach der Demonstration am Dienstagnachmittag durch die Nürnberger Innenstadt hatten Schüler und Studenten das Gebäude in der Bahnhofstraße gestürmt und geben es seitdem nicht mehr frei. «400 bis 500 Leute saßen bis zum Abend in unserem Audimax», sagt Hildebrand. Sie studiert Soziale Arbeit im neunten Semester. «Noch auf Diplom, daher die hohe Semesterzahl.»

Auch in der Fachhochschule diskutieren die Studierenden, wie sie sich die gewünschte Verbesserung des Bildungssystems konkret vorstellen. «Wir formulieren Nahziele, bei denen es für uns durchaus vorstellbar ist, sie mit der Hochschulleitung zu diskutieren», sagt Hildebrand. «Außerdem Fernziele, die sich an die Politik im allgemeinen richten.» Ein Nahziel ist die Senkung der Studienbeiträge, langfristig fordern sie, dass die Gebühren vollständig wegfallen.

Außerdem müssen die Besetzer Regeln für das Zusammenleben einer großen Gruppe in einem Hochschulgebäude finden. «Da denkt man am Anfang gar nicht daran, was da auf einen zukommt», sagt die Studentin. «Man lebt jetzt einfach 24 Stunden zusammen, da gibt es Reibungspunkte. Wenn zum Beispiel Leute in der Nacht schlafen wollen, dann sollen sie schlafen dürfen.»

Etwa 80, schätzt Hildebrand, sind über Nacht geblieben. Sie schliefen in Schlafsäcken und auf Matten aus der Turnhalle. Auch hier gibt es einen Arbeitskreis der für volle Studierendenmägen sorgt. Am Abend gab es für alle Spaghetti mit Tomatensoße. «Außerdem wollen die Leute ja nicht nur herumsitzen, sondern auch Spaß haben», sagt Hildebrand. Eine Punkrock-Band hat daher ihre Probe spontan in die FH-Aula verlegt.

Tagsüber wird die Aula zum Malstudio und Café. Ein Studenten-Team verkauft Brezen und Kaffee. Auf Biergarnituren und Sofas sitzen die Leute zusammen. Eine Zeittafel kündigt Workshops am Nachmittag an und ruft zum Mitmachen in den Arbeitskreisen auf. Auf dem Boden sind meterlange Transparente ausgebreitet. Einige malen neue Plakate, um ihre Kommilitonen zum Mitmachen aufzufordern. «Wir streiken für Bildung. Und du?», steht dort. Ein Banner mit der Aufschrift «Geh denken» und schwarzem Pfeil weißt den Weg ins besetzte Audimax.

Doch nicht jeder geht hinein. «Natürlich gibt es auch Studenten, die der Streik nervt», sagt Hildebrand. Gerade haben einige das «Besetzt»-Schild scheinbar übersehen, und im Hörsaal vergeblich nach ihrer Vorlesung gesucht. «Die haben Angst, ein Seminar zu verpassen, eine schlechtere Note, einen schlechteren Abschluss und damit keinen Job zu bekommen», sagt Hildebrand. «Das ist genau der Konkurrenz- und Leistungsdruck, den wir kritisieren.»

Dabei zeigen viele Professoren Verständnis für die Streikenden. «In meinen Veranstaltungen ist es so, dass in dieser Woche ausnahmsweise keine Anwesenheitslisten geführt werden», sagt Anna Redlich. In Erlangen räumt am Morgen der AK Putzteam den Müll der vergangenen Nacht weg. Rund 60 Studierende haben in der Uni übernachtet. Schon um acht Uhr haben sich die Arbeitskreise wieder getroffen. Auf dem ersten Plenum um zehn Uhr sind bereits 200 Leute da und stellen ihre Ergebnisse vor.

Ein Sprecher des AK Organisation erklärt noch einmal die Rederegeln, für alle, die neu dazugekommen sind. Er berichtet von den neuesten Ereignissen in Erlangen und Nürnberg: Die Erlanger Hochschulleitung hat angeboten, zu Gespräche ins besetzte Audimax zu kommen. Das Plenum klatscht Applaus. Wenn die Forderungsliste bis zum Nachmittag fertig ist, tragen sie Studierendenvertreter auf der Senatssitzung vor. Doch daraus wird nichts, viele Punkte bleiben bis zum Abend strittig. Eine weitere Nacht in der Uni steht bevor.

Auf ihrer Homepage kündigen die Erlanger Uni-Besetzer an, bis mindestens Freitag durchhalten zu wollen. In der Ohm-Hochschule soll jeden Tag neu entschieden werden, wie und ob es weitergeht. «Das wird in jedem Plenum diskutiert», sagt Hildebrand. «Erst wenn keiner mehr dahintersteht, gehen wir.»

Sollen die Studiengebühren abgeschafft werden? Diskutiert mit uns in unserem NZ-Blog Senf dazu.

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Mit dem Zug durch Europa

Von Christiane Fritz

Drei Jahre lang hat er die Feier dieses Jubiläums organisiert. Er hat mit über 100 Städten in ganz Europa telefoniert. Mit Bahngesellschaften in 18 Ländern verhandelt und ist kreuz und quer durch den europäischen Kontinent gereist. „Es ist wahnsinnig und großartig, dass es an diesem Samstag endlich losgeht“, erklärt Bernhard Jäggle.

Für den 20. Geburtstag des Erasmus Studenten Netzwerks (ESN), einem der größten interdisziplinären Studentenverbände Europas, hat der gebürtige Wiener einen Zug organisiert. Der ESNtrain durchquert 25 Tage lang verschiedene europäische Länder. An Bord: Studenten von sechs Kontinenten. „Es ist höchste Eisenbahn für eine interkulturelle Kommunikationsplattform unter den Studenten der verschiedener Länder“, findet Jäggle, der sich seit fünf Jahren im ESN engagiert. „Mir ist aufgefallen, dass in Zügen Leute miteinander reden, die im Alltag keine Worte wechseln würden“, begründet er die Wahl des ungewöhnlichen Geburtstagsgeschenks.

Mit der Zugfahrt soll auch ein weiteres Jubiläum begangen werden: 20 Jahre Wiedervereinigung. Der ESNtrain besteht aus 16 Waggons, die aus ganz Europa stammen. Auf seiner Reise durchquert der Zug 18 Länder darunter die Schweiz, Deutschland, Italien, Polen, Ungarn sowie Norwegen und legt dabei eine Strecke von 12000 km zurück. Gerne hätte Bernhard Jäggle die Tour auf weitere europäische Länder ausgedehnt. Die Schienen in Finnland oder Spanien verfügen aber über eine andere Spurbreite. „100 Lokomotiven ziehen den Zug abwechselnd, denn in den Ländern gibt es unterschiedliche Sicherheitsbestimmungen und verschiedene Stromsysteme“, erklärt Jäggle.

In 40 Städten macht der ESNtrain Halt. Dort erwartet die Reisenden ein Programm, welches die jeweiligen lokalen Sektionen organisieren. So werden Stadtbesichtigungen und Workshops angeboten. Die Teilnehmer können sich aber auch an Inline Skating oder River Rafting probieren. 25 Veranstaltungen hat allein die Stadt Prag geplant. Neben dem Tagesprogramm haben die Reisenden die Gelegenheit, sich während verschiedener Tanz- und Sprachkurse am Abend besser kennenzulernen.

Interessierte können die gesamte Tour buchen oder sich nur für einen Abschnitt der Strecke entscheiden. „Durchschnittlich bleibt der Gast sechs Nächte“, hat Monika Keller, Mitglied im Organisationskomitee, ausgerechnet. Der ESNtrain bietet 700 Personen eine Schlafmöglichkeit. Über 7000 Übernachtungen sind bereits angemeldet. Von den Zugreisenden aus über 90 Nationen ist Deutschland am stärksten vertreten.

Zwischen zwei verschiedenen Schlafabteilen kann gewählt werden. Ein Bett in einem Sechserabteil kostet 30 Euro pro Nacht. Das Doppelte zahlt man für ein Abteil mit drei Betten. Mitfahren dürfe jeder, der tolerant und friedlich sei und andere akzeptiere, erklärt Monika Keller. Für die Fahrt mit dem ESNtrain besteht keine Altersbeschränkung. Auch ein älteres Ehepaar aus Estland hat sich für die Reise angemeldet. „Die fanden den Zug eine tolle Idee. Sie meinten, sie hätten so viele Städte noch nicht gesehen“, sagt Keller. Über die Osterfeiertage ist der Zug ausgebucht. An anderen Tagen stehen jedoch noch genügend Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Weitere Informationen über den ESNtrain unter: www.esntrain.org

Sogar alte Drahtesel geklaut

Von Christiane Fritz

Nach einer Woche war es gestohlen. Eva Heid war gerade erst von Erlangen nach Nürnberg gezogen, als ihr Unbekannte das Fahrrad vor der Haustür entwendeten. „Ich habe mir erst gedacht, ich hätte es woanders abgestellt“, erinnert sich die 26-Jährige. Obwohl die Lehramts-Studentin, die Wirtschaft und Soziologie im siebten Semester studiert, ihr Rad an einer belebten Straße unter einer Laterne abschloss, schreckte dies die Langfinger nicht ab. Auch im Freundeskreis hätten schon einige das gleiche Schicksal erfahren, berichtet Heid. Die nächsten Tage blieb der Studentin nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen.

Laut einer 2007 vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) veröffentlichten Studie treten bundesweit 43 Prozent der Studenten in die Pedale, um zur Hochschule zu gelangen. Unter den Studenten an Fachhochschulen ist es ein Viertel. In der nächsten Zeit dürften die Studenten wieder verstärkt das Rad nutzen: Das Sommersemester steht vor der Tür. An der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg werden bereits ab heute wieder Seminare abgehalten. Gerade in den warmen Monaten stellt der Drahtesel eine Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln dar – und bleibt es auch, wenn die Langfinger nicht zuschlagen.

In diesem Jahr bislang 141 Fahrräder gestohlen

2007 wurden in Mittelfranken 5000 gestohlene Räder gemeldet. Mehr als ein Drittel allein in Nürnberg. Vergleicht man die angezeigten Diebstähle in den Monaten Januar und Februar der Jahre 2007 bis 2009 miteinander, ist ein Rückgang festzustellen. Während vor zwei Jahren 290 Räder ungewollt ihren Besitzer wechselten, waren es in diesem Jahr 50 Prozent weniger. „Generell ist ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land zu sehen. In den Städten sind mehr Einwohner, also auch mehr Fahrräder und offensichtlich damit auch mehr Bedarf vorhanden“, erklärt Polizeihauptkommissar Michael Sporrer vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Die meisten Diebstähle verzeichnet die Polizei an Bahnhöfen.

Wer sich mit seinem alten Rad in Sicherheit wiegt, täuscht sich. Weil die Räder für unterschiedliche Zwecke entwendet werden, sind neben hochwertigen auch alte Modelle begehrt. „Ein Teil der Diebstähle wird begangen, um ein Fortbewegungsmittel für ein Stück des Weges zu haben“, so der Polizeihauptkommissar. „Ist der Zweck erfüllt, wird das Rad weggeworfen.“ Hochwertige Räder landen im Inland bei An- und Verkaufsgeschäften. Einige gelangen auch ins Ausland. „Hauptsache hier ist der Gegenwert Bargeld“, verdeutlicht Sporrer. „Der Gewinn wird nicht selten zum Erwerb von Betäubungsmitteln oder zur Aufbesserung des Lebensstandards verwendet.“

Die Diebe schlagen häufig in der Nacht zu oder nutzen die Geschäftigkeit belebter Orte. Die ungesicherten Gefährte werden weggeschoben oder die Schlösser aufgebrochen. „So lapidar es klingen mag: Das Rad mit einem guten Schloss zu sichern, erhöht die Hemmschwelle für einen Diebstahl erheblich“, weiß Sporrer.

Viele der Geschädigten melden den Diebstahl nicht der Polizei. Ein Fehler. Denn bei Personenkontrollen werden häufig auch die mitgeführten Fahrräder überprüft und mit dem Fahndungsbestand abgeglichen. Dieser besteht nur aus Diebstählen, die auch angezeigt wurden. Auch können herrenlose Fahrräder, welche die Polizei findet, bei einer vorherigen Anzeige leichter dem Besitzer zugeordnet werden. Auch Eva Heid meldete den Diebstahl nicht. „Ich hätte der Polizei nur sagen können, das Fahrrad ist blau“, sagt die Studentin. Für Michael Sporrer ist dies eine schlechte Ausgangslage. Je mehr Informationen über das Fahrrad vorliegen, desto wahrscheinlicher ist eine Klärung der Tat. Verfügt das Rad über besondere Merkmale, hilft dies der Polizei um so mehr. 2008 klärte die Polizei Mittelfranken ein Viertel der Fahrrad-Diebstähle auf.

Um zum Studienort, dem Department Fachdidaktiken, zu gelangen, hat sich Eva Neid ein neues Fahrrad gekauft. Das Rad stellt sie nun jeden Abend in den Keller. Zusätzlich gab es noch ein besseres Schloss. „Ein richtig gutes“, sagt die 26-Jährige.

Auszeichnung

Von Christiane Fritz

Zurückhaltend, fast schüchtern, biegt sie um die Ecke. Im Vergleich mit ihren Kommilitonen wirkt Preeti Khadria unauffällig. Geht es jedoch um Makroökonomie, Wirtschaftsrecht und Marketing blüht die 31-Jährige auf. Die gebürtige Inderin studiert seit dem Sommersemester 2008 Business Administration (MBA), einen Master-Studiengang an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg (GSO). „Man darf nicht nach dem ersten Eindruck gehen“, merkt Werner Fees, Professor für internationales Management und Dozent von Khadria, an. In Präsentationen und Vorträgen behaupte sie sich „selbst vor Mannsbildern“, so dieser.

Am Samstag wurde Preeti Khadria mit dem Schwan-STABILO Award of Excellence ausgezeichnet. Der mit 2500 Euro dotierte Preis wird jährlich an MBA-Studenten verliehen. Neben herausragenden Leistungen orientiert sich die Vergabe der Auszeichnung auch an der internationalen Herkunft sowie der materiellen Bedürftigkeit des Studenten. „Die Kombination aller drei Kriterien war für uns ausschlaggebend, Frau Khadria den Preis zu geben“, erklärt Prof. Thomas Eckardt, Akademischer Leiter des Instituts für Management und Juror des Wettbewerbs.

Für Preeti Khadria, deren Vorname in der indischen Sprache Liebe und Zuneigung bedeutet, stand die spätere Berufswahl bereits früh fest. „Ich wollte immer studieren. Ich wollte immer zum Management“, erklärt die 31-Jährige auf Englisch. Das wusste sie bereits als 15–Jährige. Einblick in die Welt der Wirtschaft und des Managements erhielt die in Mumbai geborene und aufgewachsene Khadria durch ihren Vater, der in einer Bank angestellt war. Weil wirtschaftliche Inhalte auch Zuhause diskutiert wurden und sie den Vater ab und an auf seiner Arbeit besuchte, war das Thema allgegenwärtig. „Es war eine natürliche Wahl für mich, auch in diesen Bereich zu gehen“, sagt die 31-Jährige, die sich als Kind als sehr schüchtern beschreibt. „Ich war ein Bücherwurm“, gesteht sie. Das Spannendste am Beruf des Managers ist für Preeti Khadria, dass sie mit Menschen zusammenarbeitet. „Man muss sich eine Vogelperspektive erarbeiten, aus der das Geschäft beobachtet werden kann“, erläutert die Inderin. „Man muss die Leute managen, motivieren und die Ziele der Firma erreichen.“

Preeti Khadria studierte zunächst Wirtschaft auf Bachelor in Kalkutta. Dass Frauen, die Universität besuchen, ist in Indien nichts allzu Ungewöhnliches mehr. In den letzten zwanzig Jahren habe sich die Mentalität in Indien, vor allem in den Städten verändert, berichtet sie. „Viele Frauen arbeiten nun in Indien. Sie nehmen an höherer Bildung teil. Viele arbeiten, auch wenn sie verheiratet sind.“ Auf den Dörfern sei dies noch anders. Ihre Eltern unterstützten sie immer in ihrer akademischen Laufbahn, „zu 100 Prozent“, sagt Preeti Khadria.

Nach ihrem Studium arbeitete sie drei Jahre lang bei American Express. „Dort begann ich, die Arbeit mit Menschen zu lieben, mit ihnen zu reden, sie kennenzulernen und ihnen bei der Lösung der Probleme zu helfen“, so Khadria. Im Februar 2005 kam sie nach Deutschland. Aus Liebe zu ihrem Mann, der hier für eine britische Firma arbeitete. Ein Jahr später wurde ihr Sohn geboren.
Der Start in Deutschland fiel der 31-Jährigen schwer. „Vor der Heirat habe ich in Indien gearbeitet. Ich war beschäftigt. Auf einmal bin ich in einer fremden Umgebung und alles ist so neu“, erinnert sie sich. „Ich langweilte mich und hatte mit der Sprache Probleme.“ Im vergangenen Jahr entschied sie, sich ihrer „ersten Liebe, dem Studieren und den Büchern“ zuzuwenden und bewarb sich für Business Administration.

Nach nur einem halben Jahr gehört Preeti Khadria zu den Besten des Studiengangs. Der Durchschnitt ihrer Noten beträgt eins Komma drei. „Sie ist sehr diszipliniert, konzentriert und fleißig“, beschreibt Prof. Fees die Inderin. Einen großen Anteil am Erfolg in ihrem Studium spricht Preeti ihrem Mann zu. „Das Studium ist nur möglich durch seine Unterstützung.“ Vier bis fünf Tage die Woche besucht die Inderin die Kurse am Management-Institut, die auch am Abend stattfinden. Manchmal auch am Samstag oder Sonntag.

Dann kümmert sich ihr Ehemann, Nishant Khadria, um den zweijährigen Sohn. Nishant Khadria war es, der seine Frau ermutigte, sich für die Auszeichnung zu bewerben. „Ich bin stolz auf meine Frau“, sagt er. Die Doppelbelastung aus Studium und Kind sei nicht einfach, weiß er.

In Deutschland fühlt sich Preeti Khadria mittlerweile wohl. „Die besten Freunde, die wir hier gefunden haben, sind Deutsche. Sie sind die freundlichsten Menschen, die ich jemals getroffen habe“, erzählt die junge Frau. Neben guter Leistungen ist Preeti Khadria vor allem wichtig, dass ihre Familie stolz auf sie ist. „Das Lachen, das ich auf ihren Gesichtern sehe, wenn ich gute Noten bekomme, ist für mich der wichtigste Award.“

Zurückhaltend, fast schüchtern, biegt sie um die Ecke. Im Vergleich mit ihren Kommilitonen wirkt Preeti Khadria unauffällig. Geht es jedoch um Makroökonomie, Wirtschaftsrecht und Marketing blüht die 31-Jährige auf. Die gebürtige Inderin studiert seit dem Sommersemester 2008 Business Administration (MBA), einen Master-Studiengang an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg (GSO). „Man darf nicht nach dem ersten Eindruck gehen“, merkt Werner Fees, Professor für internationales Management und Dozent von Khadria, an. In Präsentationen und Vorträgen behaupte sie sich „selbst vor Mannsbildern“, so dieser.

Am Samstag wurde Preeti Khadria mit dem Schwan-STABILO Award of Excellence ausgezeichnet. Der mit 2 500 Euro dotierte Preis wird jährlich an MBA-Studenten verliehen. Neben herausragenden Leistungen orientiert sich die Vergabe der Auszeichnung auch an der internationalen Herkunft sowie der materiellen Bedürftigkeit des Studenten. „Die Kombination aller drei Kriterien war für uns ausschlaggebend, Frau Khadria den Preis zu geben“, erklärt Prof. Thomas Eckardt, Akademischer Leiter des Instituts für Management und Juror des Wettbewerbs.

Für Preeti Khadria, deren Vorname in der indischen Sprache Liebe und Zuneigung bedeutet, stand die spätere Berufswahl bereits früh fest. „Ich wollte immer studieren. Ich wollte immer zum Management“, erklärt die 31-Jährige auf Englisch. Das wusste sie bereits als 15–Jährige. Einblick in die Welt der Wirtschaft und des Managements erhielt die in Mumbai geborene und aufgewachsene Khadria durch ihren Vater, der in einer Bank angestellt war. Weil wirtschaftliche Inhalte auch Zuhause diskutiert wurden und sie den Vater ab und an auf seiner Arbeit besuchte, war das Thema allgegenwärtig. „Es war eine natürliche Wahl für mich, auch in diesen Bereich zu gehen“, sagt die 31-Jährige, die sich als Kind als sehr schüchtern beschreibt. „Ich war ein Bücherwurm“, gesteht sie. Das Spannendste am Beruf des Managers ist für Preeti Khadria, dass sie mit Menschen zusammenarbeitet. „Man muss sich eine Vogelperspektive erarbeiten, aus der das Geschäft beobachtet werden kann“, erläutert die Inderin. „Man muss die Leute managen, motivieren und die Ziele der Firma erreichen.“

Preeti Khadria studierte zunächst Wirtschaft auf Bachelor in Kalkutta. Dass Frauen, die Universität besuchen, ist in Indien nichts allzu Ungewöhnliches mehr. In den letzten zwanzig Jahren habe sich die Mentalität in Indien, vor allem in den Städten verändert, berichtet sie. „Viele Frauen arbeiten nun in Indien. Sie nehmen an höherer Bildung teil. Viele arbeiten, auch wenn sie verheiratet sind.“ Auf den Dörfern sei dies noch anders. Ihre Eltern unterstützten sie immer in ihrer akademischen Laufbahn, „zu 100 Prozent“, sagt Preeti Khadria.

Nach ihrem Studium arbeitete sie drei Jahre lang bei American Express. „Dort begann ich, die Arbeit mit Menschen zu lieben, mit ihnen zu reden, sie kennenzulernen und ihnen bei der Lösung der Probleme zu helfen“, so Khadria. Im Februar 2005 kam sie nach Deutschland. Aus Liebe zu ihrem Mann, der hier für eine britische Firma arbeitete. Ein Jahr später wurde ihr Sohn geboren.
Der Start in Deutschland fiel der 31-Jährigen schwer. „Vor der Heirat habe ich in Indien gearbeitet. Ich war beschäftigt. Auf einmal bin ich in einer fremden Umgebung und alles ist so neu“, erinnert sie sich. „Ich langweilte mich und hatte mit der Sprache Probleme.“ Im vergangenen Jahr entschied sie, sich ihrer „ersten Liebe, dem Studieren und den Büchern“ zuzuwenden und bewarb sich für Business Administration.

Nach nur einem halben Jahr gehört Preeti Khadria zu den Besten des Studiengangs. Der Durchschnitt ihrer Noten beträgt eins Komma drei. „Sie ist sehr diszipliniert, konzentriert und fleißig“, beschreibt Prof. Fees die Inderin. Einen großen Anteil am Erfolg in ihrem Studium spricht Preeti ihrem Mann zu. „Das Studium ist nur möglich durch seine Unterstützung.“ Vier bis fünf Tage die Woche besucht die Inderin die Kurse am Management-Institut, die auch am Abend stattfinden. Manchmal auch am Samstag oder Sonntag.

Dann kümmert sich ihr Ehemann, Nishant Khadria, um den zweijährigen Sohn. Nishant Khadria war es, der seine Frau ermutigte, sich für die Auszeichnung zu bewerben. „Ich bin stolz auf meine Frau“, sagt er. Die Doppelbelastung aus Studium und Kind sei nicht einfach, weiß er.
In Deutschland fühlt sich Preeti Khadria mittlerweile wohl. „Die besten Freunde, die wir hier gefunden haben, sind Deutsche. Sie sind die freundlichsten Menschen, die ich jemals getroffen habe“, erzählt die junge Frau. Neben guter Leistungen ist Preeti Khadria vor allem wichtig, dass ihre Familie stolz auf sie ist. „Das Lachen, das ich auf ihren Gesichtern sehe, wenn ich gute Noten bekomme, ist für mich der wichtigste Award.“