Nürnberger Studis haben Erfolg mit digitaler Nacktheit

Dass es so etwas gibt wie soziale Netzwerke und dass man darin einen Haufen Peinlichkeiten von sich geben kann, das hat inzwischen sogar die Bundesjustizministerin festgestellt. Deshalb hat ihr Ministerium vor einiger Zeit einen Wettbewerb („Mach dich nicht nackig!“) ausgerufen: Studenten sollten sich eine Kampagne zum Thema Datenschutz in sozialen Netzwerken ausdenken – so unter dem Motto „Was man besser alles nicht postet“. Unter die besten Zehn sind gleich zwei Nürnberger gekommen: Michael Morgenstern, der an der Ohm-TH studiert, hat den dritten Platz mit einem Video im Stil eines Lehrvideos gemacht. Und Martin Kießling, ebenfalls vom Ohm, hat eine Fotoserie zur digitalen Nacktheit geschossen und ist damit auf den siebten Platz gekommen.

Man findet die Top Ten der Einsendungen inklusive der Nürnberger Videos auf der Ministeriumsseite. Glückwunsch an beiden Herren!

 

Auch 2012 gehts im Sommersemester los

Früher, zu Zeiten der Magister- und Diplomstudiengänge, war an den Universitäten und Fachhochschulen vieles einfacher. Studenten konnten sich nicht nur ihre Seminare viel individueller zusammenstellen. Sie konnten sich auch in den meisten Studiengängen heraussuchen, ob sie mit ihrem Studium lieber im Wintersemester oder im Sommersemester starten. Mit der Einführung des Bachelor wurde diese Wahlfreiheit fast überall abgeschafft. Start für den Bachelor war nur noch im Herbst. Im starren Studienkorsett war es nicht möglich, im Winter- und im Sommersemester einzusteigen.

Seit es den doppelten Abiturjahrgang gibt, weichen einige Hochschulen wieder etwas davon ab. In diesem Jahr konnten viele zum Sommersemester starten, um die beiden Abi-Jahrgänge plus zusätzlichen Bundeswehrler zu entzerren. Viele haben damit positive Erfahrungen gemacht.

Deshalb bietet beispielsweise die Ohm-Hochschule Nürnberg zum Sommersemester 2012 erneut in einigen Studiengängen die Möglichkeit, im März zu starten. Darunter sind die Bachelor-Studiengänge Technikjournalismus und Maschinenbau. Anmeldeschluss ist am 15. Januar 2012. Was den Professoren, Dozenten, aber auch den Studenten besonders gut gefällt: Die Jahrgänge, die im Sommer gestartet sind, sind deutlich kleiner. Dadurch ist die Atmosphäre familiärer und die Betreeung besser. mk

Ohm: Nürnberger Technik lässt Kylie strahlen

Nürnberger Technik lässt Kylie strahlenEine Frau liegt auf dem Boden, den Körper auf die Seite gedreht, die Hände vor dem Gesicht. Um sie herum liegen halbnackte Männer in seltsamen Posen. Keiner rührt sich. Um die liegenden menschlichen Körper sind weiße Umrisse gemalt, die denen ähneln, die Ermittler am Tatort um eine Leiche ziehen. Doch diese Konturen leuchten grell und bewegen sich. Sie flackern im Takt von elektronisch anmutender Musik, die von Sekunde zu Sekunde lauter wird.

Diese Szene ist nicht etwa der Beginn eines spannenden Science-Fiction-Krimis, sondern der Anfang des neuen Musikvideos „Get outta my way“ („Geh mir aus dem Weg“) der australischen Sängerin Kylie Minogue. Produziert wurde es Ende August in der Nähe von London. Die aufwändigen Echtzeit-Lichteffekte für das fast vier Minuten lange Filmchen stammen von Frieder Weiss, der seit knapp zehn Jahren als Lehrbeauftragter „Media Engineering“, also Medien-Ingenieurwesen, an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule lehrt.

Weiss hat Mitte der 1990er Jahre ein Verfahren für Projektionen entwickelt. Dabei nimmt eine Infrarot-Kamera ein Bild auf, etwa von der liegenden Kylie Minogue. Dieses Bild wird dann in Sekundenbruchteilen an einen Computer geschickt, wo eine Software das Bild mit einem gewünschten Effekt verfremdet. In diesem Fall werden hell leuchtende Konturen errechnet.

Ein Projektor wirft diese Umrisse dann zurück auf die Projektionsfläche, im Video ist das die Tanzfläche auf der Bühne. Und wenn Kylie sich bewegt, dann tun ihre blitzenden Konturen das auch, weil die Infrarot-Kamera ja stets die Bewegungen filmt. Das alles passiert in der Dunkelheit, damit die Infrarot-Kamera nur das eigentliche Geschehen erfasst, nicht aber die Projektion mit einfängt. „Sonst würde es eine Rückkopplung geben“, erklärt Frieder Weiss.

Auf die Idee mit den interaktiven Projektionen kam der Diplom-Ingenieur, der einst am Ohm Nachrichtentechnik studierte, als er mit den Mitteln der industriellen Bildbearbeitung experimentierte. In den Neunzigern war er Mitglied einer Band. Irgendwann hatte er den Einfall, den Synthesizer an einen Bildbearbeitungsautomaten anzuschließen. Er tüftelte mit der Musik, die so entstand. Später ließ er nicht mehr eine Melodie erzeugen, sondern bewegte Bilder.

Diesen bewegten Bildern hat Weiss nun die Kooperation mit Kylie Minogue zu verdanken. Ein befreundetes Regisseur-Paar schlug dem Management der Sängerin vor, Weiss’ interaktive Projektionen in dem Video einzusetzen. „Es war total spannend, an dem Musikvideo mitzuarbeiten“, erinnert sich Weiss. „Ich kenne diese Welt ja kaum.“ Mit Video-Installationen, etwa bei der Blauen Nacht oder bei künstlerischen Aufführungen, hat er viel Erfahrung. Musikvideos machte Weiss aber noch nie.

Innerhalb von drei Tagen ging in den berühmten Pinewood-Studios, wo viele James-Bond-Streifen entstanden, alles über die Bühne: Zwei Tage Aufbau, ein Tag Dreh. „Am Drehtag haben wir von früh um acht Uhr bis weit nach Mitternacht gearbeitet“, erinnert sich Weiss.

Die populäre Sängerin zu treffen, war für ihn etwas Besonderes. Sehr locker sei sie gewesen. „Außerdem hat sie sich sehr für die Technik interessiert“, sagt der 50-Jährige. Das habe ihm geschmeichelt. „Sie hat mir auch noch den Ratschlag gegeben, ich solle mir das Verfahren unbedingt schützen lassen. Aber ich bin ja eigentlich gegen Patente.“

Außer mit den Umrissen hat Weiss für das Kylie-Video mit hellen Strahlen gearbeitet, die aus der Mitte der Körper zu wachsen scheinen. Weil er für einen Star, einen Stern also, arbeiten sollte, kamen ihm diese Assoziationen: strahlen, leuchten, scheinen. Die Projektionstechnik kam so gut an, dass eine weitere Kooperation mit Kylie Minogue nicht ausgeschlossen ist: Vielleicht engagiert sie den Nürnberger für ihre nächste Tour.

Für den Moment muss Weiss aber noch seinen Pflichten als Lehrbeauftragter am Ohm nachkommen. Vergangene Woche hielt er seine erste Vorlesung dieses Wintersemesters. Vor den Studenten konnte er mit der „Kylie-Geschichte“ ordentlich punkten. „Das hatte einen ganz guten Attraktionswert“, sagt er schmunzelnd.

Professor Heinz Brünig, mit dem Weiss gemeinsam an der Fakultät Elektrotechnik–Feinwerktechnik–Informationstechnik (Efi) lehrt, ist stolz, dass er seinen Studenten „einen so hochkarätigen, international tätigen Experten“ bieten kann – noch dazu einen, der selbst einmal an der Ohm-Hochschule studiert hat. Und der Kylie kennt.

Florian Heider

Und hier kann man Kylie Minogues neues Video „Get outta my way“ sehen (externer Link!)

Das Ohm einmal anders

OhmDas Ohm macht… klüger“, lautet seit etwa einem Jahr der Leitspruch der Georg-Simon­Ohm Hochschule Nürnberg. Mit weißer Schrift auf blauem Grund ziert das Motto seither werbewirk­sam Plakate, Broschüren und T-Shirts. Im „Ohm-Shop“ gibt es Kulis, Taschen und Armbanduh­ren mit dem großen griechischen Omega – dem Zeichen für den elektrischen Widerstand, den der deutsche Physiker Georg Simon Ohm beschrieben hat.

Für den Ohm-Carrier-Service macht das Ohm „Karrieren“. Für die Lange Nacht der Wissenschaf­ten Ende Oktober wurde es vorü­bergehend sogar „nachtaktiv“. „Das Ohm macht“ viele unter­schiedliche Dinge. Auf dem Hoch­schulgelände sind auch weiß­blaue Plakate mit dem Spruch zu entdecken: „Das Ohm macht … arm.“

„Als wir von der neuen Ohm­Kampagne erfahren haben, haben wir uns diesen Gegenentwurf aus­gedacht“, sagt Lorenz Hartung, Vorsitzender des Allgemeinen Stu­dierenden Ausschusses (ASt A) der Hochschule Nürnberg. „Wir haben die Glühbirne mit dem Ohm-Symbol nachgezeichnet, die Plakate mit unserem Spruch dru­cken lassen und auf dem Campus aufgehangen.“

Gemeinsam hatten die Mitglie­der des AStA überlegt, wie sie zu dem Hochschulmotto stehen. „Für die Außenwirkung mag es gut sein und den Absolventen etwas bringen, wenn die Hoch­schule dadurch bekannt wird“, sagt Hartung. „Doch das ist nur eine Blase nach außen. Man sollte den Studierenden nicht einreden, dass die Ohm-Hochschule sie klü­ger macht, sondern die Studienbe­dingungen wirklich verbessern.“

Die Aktion hätte rechtliche Kon­sequenzen haben können. Darauf wies die Hochschulleitung den ASA hin. „Die Hochschulleitung hält die Rechte an dem Design. Wir haben es zusammen mit einer Agentur entwickelt und bezahlt“, sagt Achim Hoffmann, Kanzler der Hochschule. Nur die Hoch­schulleitung kann daher anderen gestatten, die Gestaltung zu über­nehmen.
Einzelne Fakultäten haben bereits ihre eigenen „Das Ohmmacht…“-Versionen.

„Der Spruch des ASt A ist von einer Fantasielosigkeit, die nur schwer zu unterbieten ist“, sagt Hoffmann. Die Aussage sei platt und ohne Inhalt.„Geradean unse­rer Hochschule gibt es eine Viel­zahl von Befreiungsmöglichkei­ten“, sagt Hoffmann. Damit sozial Benachteiligte keine Studienbei­träge zahlen müssen. „Wir konn­ten noch nicht feststellen, dass jemand aus finanziellen Gründen das Studium abbrechen musste.“

„Für Werbung gibt die Hoch­schule Geld aus“, beklagt sich Lorenz Hartung. „Für Qualitäts­management gibt es dagegen noch kein vernüftiges Konzept.“ Der Hausmeister hat die ASt A-Pla­kate abgehängt. „Nur in ein paar Nischen, in denen sie noch nie­mand entdeckt hat, hängen sie noch“,sagt Hartung.

Christina Merkel