Grüske bekommt neuen Platz im Erlanger Schloss

Erlangen: Feierliche Enthüllung im Schloß: Siegfried Balleis Alt-Präsident Karl-Dieter Grüske, der Künstler Micjael Engelhardt und FAU Präsident Michael Hornegger enthüllten das Präsidentenbild im Treppenaufgang. DAmit hängen nun 16 Portraits früherer Rektoren und Präsidenten der Friedrich-Alexander-Universität hier . 27.05.2015. Foto: Harald Sippel

Foto: Harald Sippel

Karl-Dieter Grüske ist ins Erlanger Schloss zurückgekehrt. Aber er sitzt jetzt ein Stockwerk tiefer. Statt im Präsidenten-Büro nur noch im Treppenhaus. So ist das nach Ende der Amtszeit. Auch wenn sie 13 Jahre gedauert hat.

Seit 1950 bekommt jeder ehemalige Präsident und Rektor der FAU ein Porträt im Treppenhaus des Erlanger Schlosses. Das ist Entschleunigung in unserer schnelllebigen Zeit: Ein Gemälde statt ein Selfie. An der Uni Erlangen-Nürnberg hat das Tradition. Nun ist hier als 16. im Bunde auch Karl-Dieter Grüske verewigt, in Ölfarbe auf Leinwand, der bis April an der Spitze der FAU stand.

Er ist der erste der eine Krawatte mit Uni-Logos auf seinem Bild trägt – früher gab es die nicht. Manche seiner Vorgänger tragen dafür Talare. „So eine Armkrause wäre künstlerisch interessant gewesen, leider ist das seit den 70er Jahren nicht mehr in“, bedauert der Erlanger Maler Michael Engelhardt. Das Gesicht und die Hände hat er nach lebendem Modell gemalt. „Es sollte keine leere Hülse werden, sondern eine Peron und gleichzeitig ein Würdenträger“, sagt der Künstler. Sechs mal drei Stunden saß Grüske dafür im Atelier. „Manche meinen, ich hätte mehr lächeln sollen auf dem Bild, aber lächeln Sie mal so lange am Stück!“

Mehr als 10.000 Euro kostet das Bild

Die Amtskette hat sich Engelhardt ausgeliehen und elf Tage allein daran gearbeitet. Insgesamt hat er zweieinhalb Monate gemalt. Mehr als 10.000 Euro lässt sich der Universitätsbund, der aus Spenden finanziert wird, das Andenken kosten lassen. „Ein Foto ist eine technische Reproduktion, eine Gemälde hat künstlerischen Wert, außerdem hat das Tradition“, sagt Siegfried Balleis, ehemaliger Oberbürgermeister Erlangens und Vorsitzender des Unibundes, dazu. Das Porträt findet er „lebensnah und voll visionärer Kraft“. Auch Grüske findet es gelungen, „aber ich bin ja befangen“.

Es war Grüskes erster offizieller Uni-Termin seit er im Ruhestand ist. Er vermisst die Arbeit nicht, sagt er. „Ein Zustand, den ich sehr empfehlen kann. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich einfach nur da sitze und ein Buch lese – ein sehr befreiendes Gefühl.“

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Endspurt! Heute noch bis Mitternacht abstimmen

Bierdeckel  Die Studentenvertretung lässt sich jede Menge einfallen, um in den letzten Stunden noch möglichst viele zur Abstimmung über das Semesterticket zu bewegen. Noch heute bis Mitternacht kann jeder Student an der Uni Erlangen-Nürnberg und der TH Nürnberg seine Stimme abgeben. Morgen um 11 Uhr steht dann fest, ob es ab Oktober ein Semesterticket geben wird oder nicht.

 

KloGestern half Uni-Kanzlerin Sybille Reichert beim Flyerverteilen am Langemarckplatz, heute steht Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik in der Mensa und informiert über das Angebot des VGN. Letzte Woche warb bereits Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske für das Semesterticket. Auch andere kreative Werbeplattformen haben sich die Aktiven einfallen lassen. Unter dem Motto „Für mehr Nahverkehr“ werben Kondome für den solidarischen Sockelbeitrag von 65 Euro pro Semester. Das Zusatzmodell lässt sich so leicht erklären, dass es auf Bierdeckeln Platz findet. Wer es ständig eilig hat, findet vielleicht auf dem stillen Örtchen etwas Zeit sich zu informieren.

 

 

 

 

 

KondomePlakate, Flyer etc. haben die Studierendenvertretung und die beteiligten Kommunen finanziert, die das Semesterticket als wichtige Werbung für die Region als Hochschulstandort sehen. Die Städte haben außerdem eine Bürgschaft in Höhe von 1,7 Millionen Euro zugesichert, um Anlaufschwierigkeiten auszugleichen. Sollten weniger als 37 Prozent der Studenten das Zusatzticket kaufen, gleichen sie die Einnahmeausfälle des VGN im ersten Jahr aus.

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Semesterticket: Grüske half beim Flyerverteilen

IMG_3788Unterstützung von höchster Uni-Stelle haben heute die Studenten an den Infoständen zum Semesterticket bekommen. In seiner Mittagspause half FAU-Präsident Karl-Dieter Grüske vor der Mensa auf der Insel Schütt in Nürnberg mit, Flyer zu verteilen, und über das zur Abstimmung stehende Angebot aufzuklären. „Seit ich vor 15 Jahren Prorektor wurde gab es kein Gespräch mit Studierenden, bei dem das Ticket nicht Thema gewesen wäre“, sagt Grüske. „Wir sollten uns alle gemeinsam dafür einsetzen, dass das Ergebnis der Abstimmung endlich positiv ausfällt.“

Noch bis Mittwoch um Mitternacht können die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität und der TH Nürnberg entscheiden, ob der VGN das Semesterticket im Oktober einführen soll oder nicht. Knapp die Hälfte der 53000 hat ihre Stimme schon abgegeben. Bei vielen der Betroffenen mangelt es aber noch an Informationen. Ihre häufigsten Fragen hat das Aktionsbündnis, das sich für das Semesterticket einsetzt, deshalb jetzt auf seiner Internetweite gesammelt.

Wer das neue Ticket hat, darf für 43 Euro pro Monat im gesamten VGN-Gebiet mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln außer ICE rund um die Uhr fahren. Vielen ist das trotzdem noch zu teuer. „Aber es wird dieses Semesterticket geben oder gar keines“, sagt Grüske. Das Ergebis steht am Donnerstag fest. Wenn die beiden großen Nürnberger Hochschulen das Angebot annehmen, dürfen im Sommersemester die kleineren Hochschulen darüber abstimmen.

Abstimmung zählt – Quorum erreicht

BusDie Wahl zum Semesterticket gilt: Schon jetzt ist die nötige Teilnehmerzahl erreicht. Bis gestern Nacht gab bereits mehr als ein Drittel der Studenten an FAU und TH seine Stimme ab. Diese Beteiligungsquote ist nötig, damit die Abstimmung offiziell zählt.

Ob sich die Mehrheit der Studenten für oder gegen das Semesterticket ausspricht, bleibt noch offen. „Wir sind angespannt und nervös wie es ausgehen wird – aber zuversichtlich“, sagt Benedikt Kopera, der sich seit drei Jahren für das Ticket einsetzt. „Die letzte Möglichkeit zu einer Abstimmung hatten die Studenten vor zwölf Jahren, solange wollen wir nicht noch einmal warten.“ Die aktuelle Studentengeneration bekommt keine zweite Chance mehr.

Trotzdem kritisieren im Internet viele das aktuelle Angebot. Den meisten sind 43 Euro für ein Monatsticket, mit dem sie im gesamten VGN-Gebiet rund um die Uhr fahren dürfen, zu teuer. „Natürlich hätten auch wir uns ein geringere Kosten gewünscht“, sagt FAU-Präsident Karl-Dieter Grüske. „Aber es ist das Beste, was wir nach jahrelangen Verhandlungen kriegen konnten.“ Erlangen Oberbürgermeister Florian Janik spricht sogar von einem „hochattraktiven Angebot“: „Für nur 1,40 Euro am Tag fährt sonst niemand!“

Für Studenten, die nur innerhalb Erlangens unterwegs sind, wird das neue Ticket tatsächlich teurer. Sie bezahlen derzeit 36,60 Euro pro Monat. Wer zu Fuß geht oder das Fahrrad nutzt, zahlt gar nichts. Alle anderen profitieren vom neuen Semesterticket: Nur in Nürnberg zu fahren, kostet bislang 50,90 Euro. Wer wegen seines Studiums, der Wohnung oder dem Nebenjob zwischen beiden Städten pendeln muss, ist bereits bei 82,80 Euro. Besonders tief in die Tasche greifen müssen alle, die aus dem Umland zur Uni fahren. Eine Monatskarte von Ansbach nach Erlangen kostet aktuell 191,90 Euro.

Noch eine Woche lang, bis Mittwoch, 21. Januar, können die Studenten abstimmen. Am Donnerstag, 22. Januar, steht das Ergebnis dann fest.

Startschuss fürs Semesterticket – Abstimmung läuft

Start Abstimmung SemesterticketNach einer Stunde hatten schon 4500 abgestimmt: Zehn Tage lang haben die Studenten in Nürnberg und Erlangen Zeit, sich für oder gegen ein Semesterticket im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) auszusprechen. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik sprach von einem „historischen Moment“.

Er ist genauso alt wie die Diskussion um das Semesterticket: Heute feiert Sven Schwarm (im Bild rechts) seinen 22. Geburtstag. „Ich wünsche mir, dass das Ticket endlich kommt“, sagt der Vorsitzende des Studierendenausschusses an der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg. Um zwölf Uhr Mittag drückten er und Vertreter aller Verhandlungspartner auf einen symbolischen roten Startknopf, um die Online-Abstimmung freizuschalten. „Zeit wird‘s“ lautet das Motto der Aktiven. Noch bis Mittwoch, 21. Januar, können Studenten der TH und der Universität Erlangen-Nürnberg über das Angebot des VGN abstimmen. Am Donnerstag, 22. Januar wird das Ergebnis bekannt gegeben.

Das Sockelmodell sieht vor, dass künftig alle Studenten 65 Euro pro Semester bezahlen, um ein Freizeitticket zu erwerben, das ein halbes Jahr lang unter der Woche von 19 bis 6 Uhr gilt und am Wochenende durchgehend. „Wer einmal im Monat zum Feiern nach Nürnberg, Klettern in der fränkischen Schweiz, nach Bamberg aufs Annafest oder auf die Sandkerwa in Forchheim fährt, hat die elf Euro im Monat schon wieder drin“, sagt Erlangens OB Florian Janik zum Start der Abstimmung. Wer möchte, kann für weitere 193 Euro ein Zusatzticket erwerben, um rund um die Uhr zu fahren. „Für 1,40 Euro am Tag sind Sie damit im gesamten Verkehrsraum ganztags mobil“, sagt Janik. Der Hochschulstandort Erlangen, Nürnberg, Fürth ist der einzige in Bayern, der noch kein Semesterticket anbietet. Der OB findet das „beschämend“.

Ein Drittel der Studenten muss mitmachen

Ein Drittel der rund 53 000 Studenten muss abstimmen, damit die Wahl gültig ist. Wenn sich die Mehrheit für das Ticket entscheidet, führt der VGN es zum kommenden Wintersemester im Oktober ein. Das Geld würden die Studenten dann mit ihrem Semesterbeitrag an das Studentenwerk überweisen. Die Abstimmung findet online statt, damit sich möglichst viele beteiligen. Das Rechenzentrum der Universität verwaltet die Seite, jeder Student kann durch eine Kennnummer nur eine Stimme anonym abgeben – in der ersten Stunde nutzten das bereits 4500 Leute. „Danke an den Verkehrsverbund, dass er sich doch bewegt hat“, sagt Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske. „Danke an das Studentische Aktionsbündnis, dass sie nicht locker gelassen haben.“

Das werden sie auch in den nächsten zehn Tagen nicht tun: „Wir haben Infostände an allen Hochschulstandorten, um jeden zu beraten, der noch unsicher ist“, sagt Schwarm. „Wer abstimmt, sollte verstanden haben, worum es geht.“ Stimmen die Studenten dagegen, ist das Ticket für weitere Jahrzehnte vom Tisch.

Christina Merkel

Feierliche Amtseinführung der neuen Kanzlerin

Amtseinführung FAU-KanzlerinAnderthalb Jahre musste sie auf diesen Tag warten. Wegen der Klage eines unterlegenen Mitbewerbers verschob sich der Dienstantritt der neuen Kanzlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder. Seit 40 Tagen ist sie nun im Amt. Heute wurde Sybille Reichert nun auch feierlich in ihrem Amt begrüßt.“Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske in seiner Rede. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es plötzlich so schnell geht, deswegen haben wir noch etwas Zeit für die Festvorbereitung gebraucht.“

Die Einladungsliste war lang, schließlich bekommt die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) nicht oft ein neues Verwaltungsoberhaupt. Kanzler Thomas A. Schöck war 25 Jahre im Amt,  sein Vorgänger 14 Jahre lang. Außerdem ist Sybille Reichert die erste Frau an der Spitze. Als Festgäste gratulierten unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein, Wolfgang Strietzel, als Ministerialrat im Kultusministerium zuständiger Ansprechpartner der FAU, Erlangens aktueller Oberbürgermeister Florian Janik, sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Justiz, Wirtschaft und der Universität.

„Sie ist die am besten geeignete Person auf dieser Position“, lobte Grüske die neue Kanzerlin. Moderne Universitäts-Verwaltungen müssten heutzutage weniger Behörden als Serviceeinrichtungen für Forschung und Lehre sein. Zur Unterstützung bot Innenminister Herrmann der Kanzlerin gleich seine Handynummer an, „damit wir vieles auf dem kurzen Dienstweg klären können“. In seiner Funktion als Bauminister wird Reichert noch oft mit ihm zu tun haben.

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Sanierungsstau: Studis schlagen Thesen ans Schloss

Die Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg müssen sich an Martin Luther orientiert haben. Vergangene Woche hefteten sie nachts Thesenpapiere an die schwere Tür des Erlanger Schlosses, in dem Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske sitzt.

Während der Reformator Luther in seinen über 90 Thesen unter anderem den Ablasshandel kritisierte, haben die Studenten zehn Thesen zur Unterfinanzierung der Hochschule aufgestellt: „Es studiert sich schlecht mit Bauhelm“, lautet eine. Oder: „Wer Gebäude baut, muss sie in Stand halten.“ Das Papier beginnt mit der Aussage: „Die Kochstraße ist überall.“

In der Erlanger Kochstraße war vor einigen Monaten in einem Gebäude der Uni ein Teil der Decke heruntergestürzt. Daraufhin entbrannte eine Diskussion über die teilweise maroden Gebäude. Mehr als 20 Millionen Euro benötigt die Uni allein dafür, dringendste Reparaturen durchzuführen. Der Freistaat stellt jedoch weit weniger Geld zur Verfügung. Am Donnerstag waren bis zu 500 Studenten in Erlangen auf die Straße gegangen, um erneut auf die Unterfinanzierung hinzuweisen.

In den kommenden Wochen sollen zudem Postkarten an den Freistaat geschickt werden. Die Studenten waren aufgerufen, den Satz zu vervollständigen: „Ich danke der bayerischen Landesregierung für…“ Die Karten sollen vor Weihnachten verschickt werden, hieß es gegenüber der NZ. Im kommenden Jahr ist eine Diskussionsrunde mit Politikern und der Hochschulleitung geplant.

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Volksbegehren erfolgreich, Uni-Präsident erwartet neue Proteste

Kaum gab es heute die ersten Meldungen, dass das Volksbegehren gegen Studiengebühren die nötigen zehn Prozent zusammenhat, mahnte Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske im Gespräch mit der NZ: „Ich bin Grundoptimist, hier aber sehr skeptisch. Der Staat achtet auch auf andere wichtige Dinge: die Schuldenbremse, den Ausbau der Kinderkrippen, die Energiewende. Möglicherweise wird im Wahlkampf versprochen, die Studienbeiträge voll zu kompensieren. Die Erfahrung zeigt, dass dann später an anderer Stelle wieder eingespart wird. Dann werden die Studierenden vielleicht wieder auf die Straße gehen – diesmal dann auch zu Recht.“ Weiter kündigte der Präsident an: „Es wird dann aber dazu kommen, dass die Studierende für Sprachkurse, Skripten, Chemikalien usw. wieder extra bezahlen müssen. Außerdem müssen wir den Verwaltungskostenbeitrag wieder einführen. Die Studierenden werden vom Wegfall der Studienbeiträge nicht profitieren.“ Das ganze Interview erscheint in der Donnerstagsausgabe der NZ. mk

Motten im Präsidialbüro

Das Präsidentenbüro

Normalerweise empfängt Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske internationale Gäste in seinem mit Teppichen und Gemälden geschmückten Büro im Erlanger Schloss.

Ausgeräumt: Sonst zieren historische Portraits des Universitätsgründers die Wände und kunstvolle Teppiche den Boden. „Doch heute muss ich Sie in schmucklosen Räumlichkeiten empfangen“, sagte Universitätspräsident Karl-Dieter Grüske vor ein paar Tagen, als er in sein Büro bat.

Denn auch einen Uni-Präsidenten können ganz weltliche Sorgen plagen: „Wir hatten Motten.“ Vor einigen Wochen schon habe der Kanzler die erste eigenhändig erlegt, seitdem sind Duftfallen auf der Wandvertäfelung postiert. „Die locken die Männchen an. Und wenn die weg sind, sterben auch die Weibchen aus“, erklärt Grüske fachmännisch. Bis es aber soweit ist, musste das Inventar weichen. „Die Tiere krabbeln in die Ritzen der Gemälde, darum wurden sie zur Sicherheit weggebracht.“

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Studenten fordern: Präsident Grüske soll den Stuhl räumen

Die Beteiligung an den „Vollversammlungen“ der Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg nimmt weiterhin rapide ab. Im November 2010 war das Erlanger Audimax mit seinen rund 1000 Sitzplätzen noch fast voll. Ein Jahr später sind es lediglich noch 120 Teilnehmer. Das trägt dazu bei, dass die Thesen und Forderungen radikaler werden – wie jetzt der Antrag, den Präsidenten zum Rücktritt aufzufordern.

Unter dem Motto „Informieren, diskutieren, abstimmen“ trat am Montag die dritte studentische Vollversammlung der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) zusammen. Obwohl mehr als 33000 Studenten eingeladen waren, fanden sich lediglich 120 im Erlanger Audimax ein – das sind nicht einmal 0,4 Prozent.

Als Veranstalter hatte die Studentenvertretung die „staatliche Unterfinanzierung der Universität“, Probleme mit dem doppelten Abiturjahrgang und ein größeres Mitspracherecht für die Studenten auf die Tagesordnung gesetzt. Nach einem Rückblick auf die Sommer-Vollversammlung wurden zwei Themen besonders angeregt diskutiert: Zum einen die Abschaffung der Studiengebühren, zum anderen eine Rücktrittsforderung an Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske.

Entstanden war die Rücktrittsforderung durch einen Redebeitrag eines Studenten, der die Frage ins Plenum stellte: „Warum fordern wir als Studentenschaft nicht den Rücktritt von Grüske?“ Durch unweigerlichen Applaus erhielt die Wortmeldung Zustimmung. Bei der Abstimmung über das Thema, eine halbe Stunde später, fiel die Entscheidung ziemlich eindeutig aus – die anwesenden Studenten forderten den Rücktritt Grüskes.

Auslöser der harten Kritik sei, dass Grüske nach außen ein positives Bild der FAU darstelle, das sich bei konkreter Betrachtung der Studienbedingungen jedoch als Trugschluss herausstelle. Die Studenten kritisieren, dass die FAU-Leitung zwar öffentlich stolz von einer Rekordzahl an Studenten im Wintersemester spreche, sie die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen jedoch nicht bereitstelle: In vielen Lehrveranstaltungen bekäme man keinen Sitzplatz, Seminare seien mit teilweise 90 Teilnehmern weit überfüllt oder müssten in maroden Gebäuden abgehalten werden. Diese Zustände seien abzuschaffen.

Nach der Abstimmung übernahm Informatik-Student Johannes Jordan die Leitung eines Arbeitskreises, der die Rücktrittsforderung bearbeiten und eine öffentliche Stellungnahme ausarbeiten soll. Beim Punkt „studentische Mitbestimmung“ kam das Plenum zu dem Schluss, dass eine prozentuale Erhöhung der Studentenvertretung in studentischen Gremien gefordert werden solle, um Entscheidungsfindungen besser beeinflussen zu können.

Keno Kunkel, Mit-Moderator der Vollversammlung verwies darauf, dass in Bayern die studentische Vertretung lediglich 12,5 Prozent der Senatsmitglieder stelle – in Baden-Württemberg seien es hingegen 20 Prozent. Das Nachbarland soll für die studentische Mitbestimmung daher als Vorbild dienen. Trotz wortreicher Beiträge behielt die Versammlung eine feste Struktur, in der Redezeiten limitiert und Nachfragen nur dann erlaubt waren, wenn sie gezielt zum Thema gestellt wurden. Auf jedem der 1000 Sitzplätze des Audimax lagen rote und grüne Stimmkarten für die Akklamation bereit. Die Ergebnisse der Vollversammlung werden an den Konvent weitergegeben.

Franziska Baur