Wie die Politik vor der Wahl an der Uni feiert

Erlanger_Spatenstich.jpgVon Markus Kaiser

So viel wurde an Bayerns Hochschulen schon lange nicht mehr gefeiert. Es ist Wahlkampf, und da nimmt die Zahl der Spatenstiche, Neubaueinweihungen und Festakte rapide zu. Da spielt es manchmal keine Rolle, ob die Bagger wirklich gleich anrollen oder die Gebäude nicht schon seit einem Semester in Betrieb sind. Wenn Wahlkampf ist, feiern die Politiker gerne. Schließlich bieten die Spatenstiche und Einweihungen immer wieder die Möglichkeit, vor Publikum zu sprechen. Und womöglich werden sie ja auch vom Lokalblatt zitiert.

Es ist fast eine rühmliche Ausnahme, dass es sogar eine Halleneinweihung in den vergangenen Wochen gab, die beinahe zeitgleich zur Inbetriebnahme stattgefunden hat: die neue Technologiehalle der Neuen Materialien Fürth GmbH auf dem ehemaligen Grundig-Gelände. Die Halle war bis dahin tatsächlich noch nicht in Betrieb.

An der Fachhochschule Nürnberg wurde dagegen der Chemie-Neubau offiziell eingeweiht, als darin schon fast ein Semester lang gearbeitet wurde. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen weihte seinen Anbau in Tennenlohe Ende Juli ein, obwohl die Wissenschaftler schon im Frühjahr eingezogen waren. Aber der Terminplan von Ministerpräsident Günther Beckstein lässt sich eben nicht an die Fertigungsstellungstermine der Bauherren anpassen. Dann lieber umgekehrt.

Da wird auch schon mal der erste Spatenstich für das Erlanger Bettenhaus groß zelebriert, obwohl mit dem Bau erst nach der Landtagswahl begonnen wird. Noch schlimmer: „Manchmal werden Forschungseinrichtungen gleich zweimal eingeweiht, weil beim ersten Mal kein Vertreter der CSU Zeit gehabt hat“, ärgert sich SPD-Hochschulexperte Wolfgang Vogel. Wenn die Landtagswahl vorbei ist, wird auch die Zahl der Feste an den Hochschulen zurückgehen.