Neues Studentenwohnheim an der Erlanger Henkestraße

Neubau an der Erlanger Henkestraße

Es war ein äußerst kurzes Richtfest, das am Freitag an der Erlanger Henkestraße gefeiert wurde. Das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg baut dort gerade ein neues Wohnheim mit 71 Wohnungen. Bei Temperaturen um zwölf Grad unter Null wollten zwar Bauherren und Politiker ihre Freude über den Fortschritt beim Bau des Gebäudes kundtun, allerdings taten alle dies in deutlich weniger Worten als sonst üblich.

Das Gelände gegenüber dem Institut für Organische Chemie war in den vergangenen Jahren nur noch ein Parkplatz gewesen. Joachim Gollwitzer, Geschäftsführer des Studentenwerkes und „seit 65 Jahren alteingesessener Erlanger“, kann sich allerdings noch an die Zeit erinnern, als hier die Lauk’sche Gärtnerei beheimatet war. An dem Gartenbaubetrieb kam er immer auf dem Weg zur Schule vorbei, der ehemaligen Prinzregentenschule. „Ich sehe noch die Kohlköpfe, die hier wuchsen, vor meinen Augen.“

Das Kraut ist längst geerntet, und die Gärtnerei existiert nur noch in der Erinnerung der Erlanger. Doch jetzt tut sich wieder was auf dem Grundstück Henkestraße 45. Das Studentenwerk baut hier für knapp fünf Millionen Euro 71 Wohnungen, die vor allem für den erwarteten Ansturm auf die Uni gebraucht werden, den der doppelte Abiturjahrgang im kommenden Jahr vermutlich auslösen wird. Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit einem zinsfreien Darlehen in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Der Bau ist im Zeitplan und wird zu Beginn des nächsten Wintersemesters im Oktober 2011 bezugsfertig sein.

Das Studentenwerk ist jedoch nur einer der Bauherren auf dem ehemaligen Gärtnereigelände. Nebenan errichten die Daeschler-Stiftung und die Firma Mauss-Bau Wohn- und Geschäftshäuser. Hier werden neben Gewerbe weitere 170 Wohnungen entstehen, in die auch Studenten einziehen können. So soll der chronische Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Erlanger Zentrum gelindert werden.

Mit den günstigen Mieten des gemeinnützigen Studentenwerkes wird der private Bauträger wohl nicht mithalten können. Die Studenten zahlen in dem öffentlich geförderten Bau für die knapp 19 Quadratmeter großen Wohnungen nämlich nur etwa 160 Euro pro Monat. Hinzu kommen etwa 75 Euro an Nebenkosten. Dafür bekommen die Studenten ein Appartement mit kleinem Bad, Kochnische und – wie das Studentenwerk mitteilt – einer „Grundmöblierung“.

Beim gestrigen Richtfest sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU), selbst Erlanger, er kenne die Schwierigkeiten, die Studenten haben, wenn sie in Erlangen kurzfristig eine Wohnung suchen. Deswegen sei der Staatsregierung „daran gelegen“, dass alle Studenten „finanziell tragbaren und angemessenen Wohnraum“ vorfinden.

Die neuen Wohnungen werden allerdings höchstens dazu beitragen, die Erlanger Wohnungsnot zu lindern, nicht sie zu beseitigen.

Florian Heider