Hochzeit im Hörsaal

"Ja"-Sagen können Paare auch an der Uni Erlangen

Manch einer ist sicher froh, die Uni endlich hinter sich gelassen zu haben. Seinen Hörsaal nicht mehr betreten und nie wieder auf den unbequemen Holzstühlen Platz nehmen zu müssen. Wer aber seine große Liebe an der Hochschule kennengelernt hat, kann dort nun auch den Bund fürs Leben schließen.

An der Leibniz-Universität Hannover wird Ende Juli zum ersten Mal im Hörsaal einer deutschen Universität geheiratet. Die rund 60 angekündigten Gäste werden in den aufsteigenden Stuhlreihen sitzen, in denen sonst Studenten Mathematik pauken. Auf Wunsch des Brautpaares soll das Ambiente möglichst unverändert bleiben, lediglich ein paar Blumen werden wohl die Reihen schmücken. Er fühle sich der Uni noch immer sehr verbunden, begründet der Bräutigam seine Platz-Wahl. Er hat in Hannover seinen Abschluss als Diplom-Pädagoge gemacht. Außerdem könnten so alle Freunde die Trauung miterleben, im örtlichen Standesamt wäre zu wenig Platz.

Elke Zapf, Pressesprecherin der Fachochschule Nürnberg, ist von der Uni-Hochzeit begeistert: „Auf die Geschäftsidee sind wir noch nicht gekommen. Das wäre eine tolle neue Sponsoring-Möglichkeit.“ Ehen unter Studenten gibt es an der Fachhochschule durchaus. „Doch die wurden nicht im Hörsaal geschlossen, das wäre mir sicher aufgefallen.“

Die Orangerie der Uni Erlangen ist eigentlich Sitz der Institute für Kirchenmusik und Kunstgeschichte. Doch nach der Sanierung kann auch hier wieder jeden Freitag standesamtlich geheiratet werden. Der barocke Wassersaal bietet Platz für 130 Personen. „Wir vermieten auch unsere Hörsäle“, sagt Ute Missel, Sprecherin der Uni Erlangen. Die Preise werden vom bayerischen Staat festgelegt. Bislang nutzten dieses Angebot hauptsächlich externe Firmen. „Doch wenn wir eine längerfristige Anfrage bekommen, dürfte auch eine Hochzeit kein Problem sein“, sagt Missel. Zum Beispiel mit Sektempfang im Schlossfoyer. Nur einer anschließenden großen Party stehe die Uni wohl kritisch gegenüber.

In den USA sind Hochzeiten auf dem Campus weiter verbreitet. Viele Unis besitzen sogar eine eigene Kirche. In Hannover darf nur während der vorlesungsfreien Zeit „Ja“ gesagt werden. Im Semester bleibt der Hörsaal für Vorlesungen reserviert.

Christina Merkel

Neues Proseminar: Vampire im Hörsaal

Von Barbara Mestel

Sowohl die Universität Bayreuth als auch die Ludwig-Maximilians-Universität München haben den Vampirismus für sich bzw. für ihre Studenten entdeckt: ein Proseminar und eine Vorlesung laden zu Begegnungen mit den blutsaugenden Nachtgestalten ein.

Vorlesungsverzeichnisse lassen häufig programmierte Langeweile befürchten: Einführungskurse, Grundlagenseminare und Überblicksvorlesungen. Die bayerischen Universitäten locken ihre Studenten aber durchaus auch mit spannenden Titeln und Themen in die Hörsäle.

An der Universität Augsburg können Studenten beispielsweise in Proseminaren über Androide und deren Träume spekulieren oder ihr Wissen über Mätressen, Kurtisanen und Konkubinen erweitern. Tyrannen, Schurken und Rebellen erwarten die Studenten in einem Proseminar der Universität Bamberg. Weniger Wagemutige können in einem Pädagogik-Seminar der LMU den Kampf gegen den eigenen inneren Schweinehund aufnehmen.

Praktische Lebenshilfe bei Naturkatastrophen

Aber auch die Universität Passau bietet praktische Lebenshilfe: Der Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik beleuchtet das ganz normale Chaos der Familie, während der Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft darauf hinweist, dass sich Naturkatastrophen ihre Opfer prinzipiell willkürlich auswählen. Die angenehmen Seiten des Lebens kommen allerdings nicht zu kurz, wie eine Exkursion zum Thema Kreuzfahrttourismus vermuten lässt.

Die Philosophische Fakultät der Universität Würzburg startet mit literarischem Wahnsinn in die Woche, an der Uni Bamberg werden Gottesbeweise diskutiert und an der Universität Erlangen-Nürnberg analysieren die Studierenden in einem Hauptseminar die Desperate Housewives, Bonanza und Star Trek. Die Universität Regensburg bietet auch unvorbereiteten Studenten das passende Angebot: Wie wäre es mit einer Vorlesung über die Leere und das Nichts oder mit einem Hauptseminar über die Macht der Dummheit?