Mitmachen kommt auf der Langen Nacht gut an

Blutabnahme an einer Kunst-Hand

Hier nimmt eine Besucherin Blut ab.

Überall, wo es etwas zum Mitmachen auf der Langen Nacht der Wissenschaften gegeben hat, war besonders viel los. Mit rund 30.000 Besuchern hat sie sich alle zwei Jahre längst etabliert. Es kann sich kaum jemand mehr vorstellen, wie das früher war, als die einzelnen Institute ihre eigenen Tage der offenen Tür hatten. Die Hochschulen, die Uni, die einzelnen Institute haben zum Großteil ihr Programm immer weiter entwickelt, erneuert und setzen immer mehr aufs Mitmachen. Das ist am Samstag super aufgegangen und angekommen.

Leider gab es aber auch Gegenbeispiele: In der Kopfklinik in Erlangen haben die Mitarbeiter lieber auf Plakate als auf Aktionen gesetzt.  Zu dröge im Online-Zeitalter. Hoffentlich lernen diese Mitarbeiter von den anderen dazu. In der Palmeria durften die Gäste zum Beispiel selber Blut nehmen. Es sieht beim Arzt immer ach so einfach aus. Aber beim Selbermachen entdeckt man sehr schnell, warum man auch das erst in einer Ausbildung oder in einem Studium mühevoll lernen muss. Umgekippt ist übrigens niemand: Hier gabs statt echtem Blut Kunstblut, bei der Präsentation der Herzchirurgie Johannisbeerschorle.

Archäologie-Studentin mit römischem Turm.

Studentin Marion Scheiblecker hat mit den Kids einen römischen Wachturm am Nachmittag gebaut. Fotos: Schreiter

Langweilig war auch der „Nano-Truck“ des Bundesbildungsministeriums, der auf dem Schlossplatz stand. Man merkt, dass hier nicht – wie an den anderen Stationen der Langen Nacht – echte Wissenschaftler dahinterstehen, sondern ein glatt konzipiertes Ausstellungsprogramm dahintersteckt. Mit eindeutigem Ziel: PR für Nano. Da waren die Uni-Institute viel authentischer. In der Antikensammlung im Keller der Philosophischen Fakultät gab es nicht nur Rotwein nach Rezept aus der Zeit des Hellenismus, sondern auch Bastelvorlagen für einen Limes-Wachturm.

Übrigens: Bei den beiden Erlanger Krisen-Unternehmen Areva (wegen Fukushima) und Solar Millenium war zwar nicht so viel los wie etwa beim Fraunhofer-Institut in Erlangen-Tennenlohe (MP3-Schmiede), aber Proteste (gegen Atomkraft bzw. Missmanagement) sind (soweit wir das mitbekommen haben) ausgeblieben.

Glück im Unglück

Volle Busse bei der Langen Nacht der Wissenschaften

Volle Busse bei der Langen Nacht der Wissenschaften

Mein Ticket ist weg!“, stellt die Besucherin der „Langen Nacht der Wissenschaften“ ent­setzt fest. Sie sitzt im Sonderbus von Erlangen nach Nürnberg und durchsucht nervös ihre Tasche. Geldbeutel, Wasserflasche und eine Mütze landen auf dem Sitz neben ihr. Den Schlüssel, Taschentücher und eine Kaugum­mipackung schiebt sie in der Handtasche von links nach rechts und wieder zurück. „Das gibt es nicht, es ist wirklich nicht mehr da“, sagt die Frau verzweifelt. „Das grüne hier ist es nicht ?“, ver­sucht die Dame einen Sitz weiter hinten zu helfen. „Das grüne“ ent­puppt sich aber nicht als die ver­misste Eintrittskarte, sondern als das gleichfarbene Programmheft.

„Da vorne hinein hatte ich die Karte gelegt“, sagt die ticketlose Frau. Im Department Maschinen­bau auf dem Uni-Südgelände hatte sie ihre Karte vor einer hal­ben Stunde vorgezeigt. „Ich muss sie auf dem Weg zum Bus verlo­ren haben.“ Zum Glück habe sie eine Monatskarte, damit fahre sie gerade wenigstens nicht schwarz. Sie durchblättert das Heft, zuerst schnell, dann jede Seite noch ein­mal einzeln. Das Ticket bleibt ver­schwunden.

„Das glaubt mir kein Mensch!“


Verärgert über ihre eigene „Dummheit“ schimpft die Frau im Bus vor sich hin. „Aber es nützt nichts, ich muss mir eine neue Karte kaufen“, erklärt sie, „ich treffe mich gleich mit Freun­den, wir wollen uns noch mehr ansehen.“

Vor der Cnopf’schen Kinderkli­nik haben sie sich verabredet. Als die glücklose Besucherin dort zur Kasse geht, kommt ihr eine Mut­ter mit Kind entgegen. „Brauchen sie noch eine Karte?“, fragt die. „Das Kinderprogramm ist zu Ende, wir gehen nach Hause.“ Worauf will die Mutter hinaus? „Ich brauche meine Karte nicht mehr, ich schenke sie Ihnen.“ Mit großen Augen und einer neuen grünen Karte in Händen blickt die Frau Mutter und Kind hinter­her. „Wenn ich das erzähle, das glaubt mir kein Mensch.“

Christina Merkel

Wie um den Wissenschaftszug gestritten wird

Am Sonntag kommt er nach Nürnberg: der Wissenschaftszug der Max-Planck-Gesellschaft, des Bundesbildungsministeriums, des Weltkonzerns Siemens. So viele Exponate wie es in dem Zug voller Wissen gibt, so viele Einrichtungen reklamieren den Zug auch für sich. Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Bei der Organisation des Zugs, der von Bundeskanzlerin Merkel höchstpersönlich auf Deutschlandreise geschickt wurde, kochen alle gleichzeitig.

Erst hat die Kulturidee in den Fraunhofer-Räumen (die ein Exponat stellen) in Fürth zusammen mit Nürnbergs OB Maly, Fürths OB Jung und der Erlanger Bürgermeisterin Preuß sowie einem Vertreter des Bundesbildungsministeriums den Zug vorgestellt – ohne allerdings die Details zu präsentieren. Die gab es dann von Max Planck, die hauptsächlich für die Organisation zuständig sind, bzw. noch präzisere von einer weiteren Agentur. Und jetzt hat Siemens den Zug für sich entdeckt und will sich die Wissenschaft auf die Fahnen schreiben. Jeder will vom positiven Image profitieren. Das Programm ist ja auch toll zusammengestellt.

Dabei blickt man langsam nicht nur bei der Vielzahl der Organisatoren und Promoter nicht mehr durch, die sich um den Zug kümmern. Neben dem Zug tourt ein Truck durch Deutschland und will die Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm herausholen. Mit der MS Wissenschaft tourt ein Schiff durch Deutschland. Podiumsdiskussionen sind angekündigt: In Fürth hätte vergangene Woche unter anderem der Staatssekretär des Bundesverteidigungsministeriums Christian Schmidt über neue Materialien diskutieren sollen. Die Diskussion wurde zum Glück abgesagt. Zwar wäre eine Diskussion mit Schmidt sicher interessant gewesen, wenn er offenbart hätte, wie die Bundeswehr neue Materialien einsetzen kann. Aber darum geht es Schmidt ja nicht (und ging es ihm auch nicht, als er den ersten Spatenstich bei Fraunhofer in Fürth-Atzenhof vorgenommen hat). Es ist Wahlkampf! Da geht es weniger um die Sache als um Wählerstimmen.

Höhepunkt in diesem Jahr bei allen Zügen, Schiffen, Trucks und sonstigen Veranstaltungen ist ohnehin im Oktober die Lange Nacht der Wissenschaft. Diese Veranstaltung ist nicht zu toppen, egal wer sich mit den anderen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit sonnen will. Zum Glück ist die Bundestagswahl dann vorbei, so dass es dann wirklich nur noch um die Wissenschaft gehen wird.