Betreten verboten

FHZur Lern- und Prüfungszeit verwandeln sich Nürnbergs Hochschulen in einen Schilder­wald. „Bis 16 Uhr ist der Aufent­halt in den Gängen der dritten und vierten Etage nur Personen gestattet, die am Prüfungsgesche­hen der Fakultät beteiligt sind. Die Prüfungskommission.“ Beste Bedingungen für die Studieren­den, die sich gerade noch nervös auf der Treppe tummeln und gleich das gepaukte Wissen zu Papier bringen müssen. Niemand soll sie stören.

LerninselDamit sich Professoren und Stu­dierende der Rechts- und Wirt­schaftswissenschaftlichen Fakul­tät nicht gegenseitig stören, gibt es genaue Regeln. Sie stehen auf Schildern an den Wänden der sogenannten „Stillen Lernin­seln“. Studenten sollen in den Gängen in Ruhe büffeln, in den angrenzenden Zimmern arbeiten die Lehrstühle. „Sprechen Sie leise“, lautet der schriftliche Hin­weis. „Das schont ihre Stimmbän­der. Und unsere Ohren!“ Insge­samt fünf „hilfreiche“ Tipps ste­hen da. „Dass zu viel Lernen Schä­den verursacht, ist uns bewusst“, steht darüber.

mensaÜberhaupt nicht lernen dürfen die Studenten daher in der Mensa Regensburger Straße. Nur zu ihrem besten. Nicht, dass ihnen der Stoff den Appetit verdirbt.

Christina Merkel

Lerninseln ohne Lernspaß

Von Stephanie Händel

lerngruppe.JPGEin modernes Studium zeichnet sich vor allem durch folgende Komponenten aus: selbstorganisiertes Lernen, eigenverantwortliches Arbeiten sowie zahlreiche Seminare, in denen Gruppenarbeiten nun mal an der Tagesordnung sind.

Dass so eine Gruppenarbeit zwangsläufig gemeinsame Treffen der Gruppenmitglieder mit sich bringt, versteht sich von selbst. Wo aber soll man mit den Kommilitonen hin, wenn man zwischen zwei Vorlesungen mal ein Stündchen Zeit hat, die Cafete der Uni aber schon wieder aus allen Nähten platzt und auch kein Gruppenmitglied zufällig direkt neben dem Unigebäude wohnt?

Die Lösung wurde im vergangenen Jahr an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg installiert. Auf Drängen der «Studienkommission Studienbeiträge» hin wurden sogenannte «Lerninseln» geschaffen. Seither fristen 24 dieser weiß lackierten Sitzgelegenheiten in den Fluren und Gängen der Langen Gasse ihr Dasein.

Von wegen ungestörtes Pauken

Das strahlende Weiß, in dem sie gehalten sind, ist aber auch schon alles, was an den neuen «Plätzen für selbstorganisiertes Lernen» glänzt. Abgesehen davon, dass man reiflich früh vor Ort sein muss, um überhaupt einen Platz auf der Insel zu ergattern, können sich auch diejenigen, die es tatsächlich geschafft haben, nicht wirklich freuen.

Von ungestörtem Arbeiten kann hier nämlich nur während der Semesterferien die Rede sein. Teilweise direkt vor den Lehrstühlen oder den Teeküchen sind sie platziert, es herrscht also ein ständiger Durchgangsverkehr. Von den ursprünglich geplanten Trennwänden und Raumteilern ist immer noch nichts zu sehen. Mit der Folge, dass ab und an auch der ein oder andere Professor den Kopf aus seiner Bürotür steckt und die Lernenden um etwas mehr Ruhe vor seinem Zimmer bittet.

Wie aber soll man bei einer Gruppenarbeit vorankommen, wenn man sich dabei bestenfalls lieber nicht unterhalten sollte? Kann natürlich auch sein, dass die Studenten das Prinzip dieser «Lerninseln» einfach noch nicht verstanden haben. Schließlich stellen Inseln im normalen Leben Orte der Ruhe und Entspannung dar.

Und noch etwas haben die weißen Sitzgelegenheiten mit echten Inseln gemeinsam: sie sind ziemlich teuer. 3300 Euro heißt es, wurden pro Sitzgruppe hingeblättert. In einem Forum zum Thema veranlasst das einen Studenten zu folgender Aussage: «Für solche Campinganlagen auf den Gängen kann man doch nicht über 3000 Euro zahlen, wenn dadurch nicht einmal die Lernsituation richtig verbessert werden kann!»