Warum küssen sich zwei Menschen?

Herz„Und wie er es mit dem Kuss berührt hatte, schlug Dornröschen die Augen auf, erwachte und blickte ihn ganz freundlich an.“ Nicht nur im Märchen haben Küsse ganz besondere Kräfte. Auch britische Wissenschaftler vermuten, dass küssen gesund macht. Der Austausch von Krankheitserregern mache beide Partner immun. Daneben gibt es viele weitere Gründe, weshalb sich Paare gern küssen.

„Küssen ist Zuneigung im wörtlichen Sinne“, sagt Fritz Strack, Professor für Emotion und Verhalten an der Uni Würzburg. „Der Körperkontakt wirkt gefühlsverstärkend, so wie auch unser eigenes Lächeln uns selbst glücklich macht.“ Ein Kuss lässt Puls und Körpertemperatur steigen, er regt den Stoffwechsel an und der Körper schüttet Glückshormone aus. Manche Verhaltensforscher vermuten, dass sich das Küssen aus der Mund-zu-Mund-Fütterung mancher Tierarten entwickelt hat.

Sigmund Freud war überzeugt, dass das Stillen der Ursprung des Kusses ist. Mit Mund und Lippen spricht und isst der Mensch, erzeugt Mimik und ertastet Gefährliches, zum Beispiel heiße Getränke. Sie sind daher besonders beweglich und empfindlich. Einige Kuss-Theoretiker glauben auch, dass der Mensch beim Küssen sein Gegenüber ausspioniert: Denn der Speichel enthält Hinweise auf Gesundheit und Fruchtbarkeit. Egal was zutrifft, küssen macht Spaß und heute ist Valentinstag.

Christina Merkel

Ein klinischer Blick auf Liebe und Romantik

Das Erlanger Uni-Klinikum versteht es zurzeit recht gut, seine Pressemitteilungen in den Medien zu platzieren. Erst vergangene Woche teilte die Klinik mit, sie suche für eine Studie Menschen, die sich viele Sorgen um ihr Aussehen machen. Klar, dass ein solches Ansinnen publizistisches Gehör finden muss. Etwas mehr „sexy gemacht“, wie es im Medienjargon heißt, lautete die Schlagzeile dann meistens ungefähr so: „Uni-Klinik sucht Leute, die sich hässlich finden.“

Keine drei Tage später sucht das Uni-Klinikum wieder Teilnehmer für eine Studie – diesmal spielt das Aussehen der Probanden allenfalls am Rande eine Rolle. Jetzt geht es um die romantische Liebe. Die Forscher wollen „das Phänomen Liebe in all seinen Ausprägungen psychometrisch, durch funktionelle Bildgebung und molekularbiologisch“ untersuchen. Hormone und Nervenwachstumsfaktoren sollen analysiert werden. Blut wird ins Labor geschickt, und einige der Probanden in die Röhre – zur Kernspintomografie.

Welche Ergebnisse müssen wir von dieser Studie erwarten – oder befürchten? Ist nicht damit zu rechnen, dass sich letztlich das herausstellt, was wir schon immer heimlich vermuteten, aber nie wahrhaben wollten – nämlich, dass Verliebtheit eine deftige Vergiftung in unserem Chemiehaushalt ist? Oder dass am Ende nicht die süßen Briefe des Partners schuld sind am gemeinsamen Glück, nicht sein Lächeln, die Musik und das Gefühl damals beim ersten gemeinsamen Tanz, sondern eine zufällige Kompatibilität zweier biologischer Cocktails?

Die romantische Liebe – je nach Disziplin ist sie ja ein Geschenk der Renaissance-Literatur, ein Überwinden sozialer Gräben oder ein revolutionärer Sieg über alle tradierten weltanschaulichen Positionen – soll jetzt auch noch ihre Würdigung in medizinischer, klinischer Dimension bekommen. Wer nun unbedingt wis­sen will, warum er gerade mit seinem Partner zusammen ist, darf sich an das Uni-Klinikum unter Telefon 0173/8645093 wenden. E-Mails schickt man bitte an die schöne Adresse romantic.love@uk-erlangen.de. Für die potenzielle Desillusionierung zahlen die Erlanger Ärzte sogar eine Aufwandsentschädigung von bis zu 100 Euro.

Florian Heider

Der Campus ist der ideale Ort zum Verlieben

Ein langer Blick, ein kurzes Lächeln, vielleicht ein zartes «Servus»: So fangen Flirts oft an. Auf dem Campus gibt es dazu jede Menge Gelegenheiten. Dort tummeln sich viele Menschen gleichen Alters mit ähnlichen Interessen. »An der Uni ist die Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu finden, sehr hoch«, sagt der Sozialpsychologe Professor Manfred Hassebrauck von der Universität Wuppertal. »Für eine Partnerschaft ist es von Vorteil, wenn Einstellungen und Wertvorstellungen zueinander passen.« Das trifft oft auf Kommilitonen zu, die das gleiche Fach studieren.

Nicht nur deshalb gelten Hochschulen als idealer Ort zum Flirten: »Allein der Umstand, dass man sich immer wiedersieht, macht das Kennenlernen einfacher«, erklärt Hassebrauck, der ein Buch über die Liebe geschrieben hat. Für ihn ist die Uni eine exzellente Kontaktbörse.

Kennenlernen in legerer Situation

»Ich lerne den anderen in einer unverkrampften und unverbindlichen Situation kennen.« Anders als abends in der Kneipe besteht kein Zeitdruck, andere noch schnell anzusprechen, bevor er oder sie wieder geht. Wer sich in einer Vorlesung verliebt, kann ziemlich sicher sein, den anderen jede Woche zur selben Zeit wiederzusehen.

Flirttrainerin Nina Deißler gibt Tipps fürs erste Kennenlernen: »Jemanden in der Bibliothek oder der Vorlesung immer nur anzuschmachten und dann wegzuschauen, wenn der andere guckt, das bringt nichts.« Stattdessen sollte der Blickkontakt gehalten werden.

Was außerdem ankommt: Lächeln! Schüchternen empfiehlt Deißler einen kleinen Trick: »Wer Angst vor Fremden hat, muss sich nur vorstellen, dass man die andere Person schon kennt.« So ließen sich Hemmungen überwinden, jemanden anzusprechen.

Die Vorlesung verrät viel über den anderen

Immerhin verrät allein die Vorlesung, die jemand besucht, schon viel über die Person: Was studiert der andere, ist er oder sie eher am Anfang oder am Ende des Studiums? Dadurch gibt es viele Fäden, die im Gespräch aufgenommen werden können. So könne man den anderen fragen, ob er oder sie schon ein Seminar des Dozenten besucht hat, rät Flirttrainerin Deißler. In der Prüfungszeit kann man auch vom Lernstress erzählen und fragen, wie der andere damit umgeht.

Ist der erste Anlauf gemacht, bietet die Uni viele Möglichkeiten, den Kontakt zu vertiefen. In Erlangen feiern Studenten gerne ihren Semesterbeginn im E-Werk oder im »Hörsaal«. In Nürnberg trifft man sich bei den beliebten Wiso-Partys oder auf dem EWF-Sommerfest. Und auch private WG-Partys sind gute Gelegenheiten, andere Studenten kennenzulernen.

Auf der Uniparty trifft man allenfalls jemanden fürs Bett

Amelie Altenbuchner von der Studentenvertretung der Universität Regensburg empfiehlt, sich in studentischen Gruppen umzuschauen. »Unipartys eignen sich eher nicht dafür, jemanden ernsthaft kennenzulernen«, meint sie. Dort fänden sich allenfalls Partner für eine Nacht.

In Studenten- und Lerngruppen treffen dagegen Kommilitonen mit gleichen Interessen aufeinander – und finden dann womöglich auch zueinander. Ein Vorteil von kleineren Unistädten wie Regensburg: »Die Altstadt hier hat eine hohe Kneipendichte und ist wie ein Dorf. Dort trifft man auch Leute aus den Hörsälen wieder.«

Ein eher zufälliges Date? Kein Problem!

So kann es passieren, dass sich Studenten eher zufällig zu einer Art erstem Date treffen, ohne vorher groß grübeln zu müssen, wann und wo ein solches Treffen stattfinden sollte. Das macht beide Seiten entspannt und locker – eine gute Voraussetzung, um sich kennenzulernen.

Sozialpsychologe Hassebrauck sieht hier auch einen Unterschied zum späteren Flirt am Arbeitsplatz. »Anders als mit 30 oder 40 denkt man mit Anfang 20 noch nicht an Familie und Kinder«, sagt er. Das entkrampfe das Kennenlernen, weil das Gegenüber nicht sofort nach dem idealen Familienvater oder der Frau fürs Leben sucht. »Außerdem ist der Pool derjenigen, die man kennenlernen kann, mit Anfang 20 größer«, sagt Hassebrauck. Im Studentenalter gibt es genug Leute, die noch nicht fest vergeben sind. Ein Flirt hat an der Uni deshalb gute Chancen auf Erfolg.

fh/dpa