Da scheißt einer die Wand an

Widerliche Schmierereien an der WiSoSchon mehr als zehn Mal ist es passiert. Und das nur in diesem Jahr. Morgens vor acht Uhr waren die Toiletten beschmiert. Mit Dingen, die normalerweise ins Klo gehören, statt an die Wände.
Keiner weiß, wer es gewesen ist. Die Ermittlungen laufen. Deshalb kontrollieren zurzeit Sicherheitsleute die Eingänge zur „WiSo“ in der Langen Gasse in Nürnberg. Stichprobenartig lassen sie sich die Studentenausweise zeigen, wenn jemand ins Gebäude will. Man geht davon aus, dass Studierende keine Fäkalien an Wände schmieren. Zumindest nicht in ihrer eigenen Uni.
Seit 2012 hat es solche Vorfälle im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder gegeben. Verteilt im ganzen Gebäude, sowohl in den Frauen- als auch Männertoiletten. Seit diesem Jahr häuft es sich. Doch diesmal nur in den Herrenklos und immer vor Vorlesungsbeginn um acht Uhr.
Alle Mitarbeiter und Studenten haben eine E-Mail bekommen, in denen die Uni erklärt, warum die Kontrollen nötig sind. Außerdem hängen Zettel an den Klotüren, die auf die Strafanzeige gegen Unbekannt aufmerksam machen. Denn nicht nur, dass das Ganze widerlich ist, es ist auch teuer. Das Wachpersonal patrouilliert Tag und Nacht, und die Putzkräfte schieben Sonderschichten.

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Das graue Webportal

meincampus.JPGDa wurden unsere Studiengebühren ja mal richtig gut investiert! Ich bin ganz begeistert, als mir mein Freund das neue Webportal der Uni Erlangen-Nürnberg präsentiert. «mein campus» heißt es und dort kann er nun alles rund um sein Studium mit ein paar Klicks erledigen: Studienbescheinigungen und Anträge ausdrucken, sich zu Prüfungen an- und abmelden, seinen aktuellen Notenspiegel abfragen und eine Übersicht über seine angemeldeten Prüfungen hat er auch noch. Toll! Das muss ich doch gleich selber mal ausprobieren. Rein ins Internet und angemeldet.

Komfort nur für die «Neuen»

Da liegt es vor mir: Mein Campus! Aber, was ist das? Wo kann ich mich zu Prüfungen anmelden? Wo ist mein Notenspiegel? Und die Übersicht über meine angemeldeten Prüfungen? Nichts dergleichen ist zu finden – außer «inaktive Bereiche sind in der Hauptnavigation ausgegraut». Bei mir ist ziemlich viel grau. Das einzige, was ich tun kann: Meinen Studentenausweis, meine Immatrikulationsbescheinigungen und zahlreiche Anträge ausdrucken.

So läuft das also. Für die neuen Bachelor-Studenten, wie meinen Freund, richtet die Uni ein Webportal ein, das ihnen den Weg zum Prüfungsamt und zu den Aushängen am schwarzen Brett erspart. «Umsetzung des Bologna-Prozesses» nennt die Uni das. Die Magister, Diplomer und alten Lehramtsstudenten bleiben auf der Strecke, obwohl wir genauso Studiengebühren zahlen.

Zumindest kann ich meinen Studentenausweis nun farbig ausdrucken. Um ihn trotz des neuen Verfahrens fälschungssicher zu machen, steht auf seiner Rückseite eine Webadresse, die mich als Studentin verifiziert. Keine schlechte Idee. Aber, werden mir der alte Mann im Freibad oder das junge Mädchen im Kino das nächste Mal auch glauben, dass ich Studentin bin? Sie haben nämlich keinen Internetzugang an der Kasse.

Ein großer Vorteil von «mein campus»: Ich kann meine Immatrikulationsbescheinigungen so oft ausdrucken wie ich will. Super! Endlich keine Engpässe mehr. Auch wenn ich mich mal bei einem Antrag verschrieben habe, muss ich einfach nur nochmal auf «drucken» klicken. Scheinbar verschickt die Uni jetzt nur noch eins per Post: Die Überweisungsträger für die Studiengebühren. cn

Wer blickt noch durch im Online-Dschungel?

Von Wolfgang Kerler

Still und leise hat sich ein „Highlight“ des Studentendaseins von der Bildfläche verabschiedet: die berüchtigten Anmeldelisten für Pro- und Hauptseminare, Übungen und Klausuren. Nie wieder um halb sieben aufstehen, schnell einen Kaffee runterwürgen, in halbwegs akzeptable Klamotten schlüpfen und ab aufs Fahrrad in Richtung Uni. Keine Rangeleien mehr mit Kommilitonen. Wer steht vorne in der Schlange vor dem Instituts-Sekretariat? Wer erreicht zuerst das schwarze Brett? Und am Ende doch häufig Ernüchterung. Andere sind eben noch früher aufgestanden. Kein Platz mehr frei im Wunschseminar.

Die Online-Revolution macht es möglich: Das Schlangestehen hat sich in gebanntes Starren auf den Computerbildschirm verwandelt. Jeder möchte sich exakt zum Zeitpunkt der Freischaltung zu seinen Lehrveranstaltungen anmelden – der ein oder andere Server  der Online-Anmeldesysteme geht dabei in die Knie. Der Frustfaktor bleibt uns erhalten.

Wie war noch gleich das Passwort?

Doch der wirkliche Haken an der Seminar- und Klausuranmeldung im Internet: Die verschiedenen Fakultäten, Departments und Institute konnten sich natürlich nicht auf ein einheitliches System einigen. Die Historiker kochen mit einem eigenen Programm ihr eigenes Süppchen, die Politologen und andere Fächer setzen auf das Anmeldungsprogramm“Cassy“. Auch die schon etwas betagten „W.A.S-Dienste“ sind noch mit von der Partie und werden von einigen Lehrstühlen benutzt. Wer BWL in Erlangen studiert braucht dafür auch noch einmal ein extra Passwort für ein extra System. Dumm nur, wenn man als Magister- oder Lehramtsstudent gleich in drei Fächern eingeschrieben ist.

Die neuen Bachelor-Studenten haben es etwas besser: Hier scheint es tatsächlich so etwas wie eine Zentralisierung zu geben. „Mein Campus“ heißt das Programm, über das sich zukünftig zu Klausuren angemeldet wird. Doch auch für Erst- und Zweitsemester bleiben weitere Passwörter und Benutzernamen erhalten: Schließlich braucht man öfter einmal den schönen OPAC der Uni-Bibliothek, ach ja, ein Sprachkurs wäre auch nicht schlecht. Die Software hierfür heißt „Oktis“ und wird von vielen Internet-Browsern als gefährlich eingestuft („Wollen Sie den Vorgang fortsetzen?“). Ebenfalls für Studenten alter und neuer Prüfungsordnungen relevant ist das neue Online-Portal „StudOn“, auf dem Materialien, Fragebögen und Sonstiges zu verschiedenen Lehrveranstaltungen bereitgestellt werden. Auch die Anmeldequalen in den CIP-Pools gehören nicht der Vergangenheit an. Wer soll sich da noch alle Passwörter und Benutzernamen  merken?

Wenn die Seminare dann im nächsten Semester anfangen, ist es trotz des Segens der neuen Technik doch immer wieder die alte Leier. Einige Studenten, die auf der Liste stehen, sind nicht da. Andere haben sich gar nicht angemeldet („Das Programm hat nicht funktioniert“ – na klar), wollen aber trotzdem noch einen Schein machen. Die Dozenten machen dann Ausnahmen oder auch nicht – und irgendwie hat sich nicht viel verbessert seit dem Ende der antiquierten Anmeldelisten in den Institutssekretariaten.