Semesterticket: Münchner Studenten wehren sich

Streik im öffentlichen NahverkehrMünchens Studenten wehren sich gegen den Vorwurf, das Semesterticket sei schuld an den Verlusten des Münchner Verkehrsverbunds.

Der Arbeitskreis Mobilität der Münchner Hochschulen kritisiert in einem Schreiben die Aussagen von S-Bahn-Chef Bernhard Weisser und MVG-Chef Herbert König, wonach die Einführung des Tickets im letzten Herbst ein möglicher Grund für ausbleibende Mehreinnahmen sei. „Das Semesterticket ist und bleibt ein voller Erfolg“, sagt Alexander Blaut, Sprecher des AK Mobilität. Für mögliche Defizite greift eine vorab verhandelte Ausfallgarantie der Stadt München, die bislang kaum angetastet wurde. Mindereinnahmen werden also ausgeglichen.

Im ersten Jahr haben fast 70 Prozent der Münchner Studierenden die IsarCard Semester gekauft. Der MVV hatte im Vorfeld kalkuliert, dass bei einer Käuferquote von 72 Prozent nicht mit Mindereinnahmen zu rechnen ist. Ohne handfeste Belege, aus denen auch das Fahrverhalten der Studierenden hervorgeht, sei es nach Meinung der Studenten unseriös, das Semesterticket für fehlende Mehreinnahmen verantwortlich zu machen. Gründe könnten vielmehr die vielen Sperrungen der Stammstrecke, Zugausfälle und eine U-Bahn-Großbaustelle sein, wegen denen die Münchner lieber Auto fahren.

In Nürnberg und Erlangen warten die Studenten noch immer auf ein Semesterticket. Der VGN will sein Angebot nach dem Münchner Modell gestalten. Doch es fehlen weiterhin die Ergebnisse einer Kundenbefragung, die seit einem Jahr vorliegen sollten.

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Semesterticket: München macht's uns vor

Wer hat’s uns mal wieder gezeigt? Die Münchner natürlich… Dort ist zum laufenden Wintersemester erstmalig für Studenten ein Semesterticket aufgelegt worden, das diesen Namen auch verdient.

In der Landeshauptstadt müssen nun alle Studenten, ob sie wollen oder nicht, für 59 Euro pro Semester eine Art Basisticket erwerben, das zu Fahrten nach 18 Uhr und an Wochenenden berechtigt. Wer zu den Hauptverkehrszeiten die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen will, löst zusätzlich eine Karte für 141 Euro. Für 200 Euro sind Studenten folglich ein halbes Jahr lang im gesamten Raum des Münchner Verkehrsverbundes unterwegs, also nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch im Umland.

München: Sockelmodell

Bislang hatten die Münchner die gleichen Widrigkeiten geplagt, wie sie auch Studenten aus Nürnberg und Umgebung kennen. Kurz gesagt: Den beteiligten Verkehrsunternehmen ist das Risiko zu groß, dass sie bei einem Studententicket zu viel draufzahlen. Deswegen gibt es bislang in der Region keine verbundweite Karte. Studenten können wochen- oder monatsweise den Ausbildungstarif nutzen, der auch für Schüler und Azubis gilt, oder Semestermarken für drei oder vier Monate erwerben.

Diese schließen jedoch die „vorlesungsfreie Zeit“ aus. Wer in den Ferien zu Prüfungen oder Bibliotheksrecherchen an die Hochschule fährt, muss wieder eine andere Karte lösen. Vier Monate freie Fahrt im Bereich Nürnberg, Fürth, Stein und Erlangen kosten für Studenten derzeit knapp 252 Euro.

Solidarbeitrag ist vielmehr Zwangsabgabe

In München war die Situation ähnlich. Dort hat sich allerdings nach langer politischer Debatte die Kommune bereiterklärt, für das finanzielle Risiko von Kosten für die beteiligten Verkehrsbetriebe einzustehen. Konkret hat die Stadt München eine Zusage in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro über zwei Jahre gemacht. Prognostiziert war, dass den Bus- und Bahnunternehmen in und um München Einnahmen entgehen, wenn weniger als 70 Prozent der Studenten sich für das Gesamtpaket von 200 Euro entscheiden.

Nun sieht alles danach aus, dass die Hürde genommen ist. Das heißt: Weder Verkehrsbetriebe noch die Stadt München müssen draufzahlen. Kritik an diesem Modell gibt es freilich auch. Nicht wegzudiskutieren ist, dass jeder Student 59 Euro Zwangsabgabe – verbrämt als Solidarbeitrag – leisten muss, also auch, wer mit dem Fahrrad, Auto oder zu Fuß zur Hochschule kommt.
Der Erfolg in der Landeshauptstadt macht jetzt auch Nürnberger Lokalpolitiker hellhörig.

Nürnberger Politik entdeckt das Thema Studententicket

Vergangene Woche brachte die SPD-Stadtratsfraktion einen Antrag ein, der für die Region ein ähnliches Modell wie in München vorsieht. Daraufhin teilte die CSU mit, sie habe vor gut zwei Jahren bereits fast das gleiche gefordert, der Antrag liege aber seitdem unbeantwortet beim Oberbürgermeister. Nun spekuliert man bei den Schwarzen, dass sich in dieser Angelegenheit bald etwas tun könnte. Bereits öfter habe die SPD in jüngster Zeit schnell noch einen Antrag gestellt, wenn eine Entscheidung ohnehin kurz bevorgestanden habe, sagt ein prominenter Christsozialer.

Beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) stoße das auf offene Ohren. In wenigen Monaten werden frische Daten zur Mobilität der Studenten vorliegen. Danach könne man mit dem Studentenwerk über verschiedene Modelle diskutieren. Wenn die Studenten mehrheitlich hinter einem Sockelmodell à la München stehen und sich die Politik – vielleicht im Rahmen der Metropolregion – auch zu Zusagen bereiterkläre, könnte ein echtes Studententicket kommen, mit viel Einsatz vielleicht schon zum nächsten Wintersemester.

fbh

Die Münchner lassen's mal wieder krachen…

… und zwar mit diesem Bauwerk, das die sprichwörtliche oberbayerische Bescheidenheit versinnbildlicht wie kaum etwas sonst. Klickt ruhig mal drauf und genießt es in voller Größe und Schönheit. Der 99,4 Millionen Euro teure Bau im Münchner Museumsviertel ist nicht etwa ein neuer Bankenpalast, ein repräsentatives Regierungsgebäude oder eine Heimat für „irgendwas mit Kunst“, sondern die neue Bleibe einer Hochschule, einer staatlichen, wohlgemerkt. Die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) hat in lediglich vier Jahren Bauzeit diesen minimalistischen Bau hinstellen lassen. Lernen werden hier immerhin 350 Studenten.

Zum Vergleich: Die Nürnberger Georg-Simon-Ohm-Hochschule mit ihren 8900 Studis – das sind mehr als 25 Mal so viele wie an der HFF – wartet auch seit Jahren auf eine Erweiterung. Ein sogenannter Bestellbau sollte es nach dem Willen des Freistaates sein, also ein Gebäude, das ein privater Investor baut und in den dann der Auftraggeber, in diesem Fall die staatliche Ohm-Hochschule, als langfristiger Mieter einzieht. Weil aber ein bereits langwierig auserkorener Bauträger wieder absprang, musste Anfang dieses Jahres alles noch mal neu ausgeschrieben werden. Jetzt hat sich ein neuer Konzern der Sache angenommen und alle Beteiligten hoffen, dass bald die Bagger rollen – allen voran Präsidium und Studenten am „Ohm“, das voraussichtlich in wenigen Wochen vermelden wird, die 10.000-Studentenmarke übersprungen zu haben.

Der Ohm-Neubau ist – wie auf unserem zweiten Bild zu sehen- freilich viel kleiner und schlichter als der HFF-Prunkbau. Für die gut 1100 Studis, die hier lernen und forschen sollen, gibt der Bauträger Aurelis immerhin 18 Millionen Euro aus – so eine Billighütte könnte man Münchner Studenten freilich nie zumuten… Kleiner Wermutstropfen für die Schickeria-Studis: In zwei Jahren müssen sie sich ihren Neubau mit der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst teilen, die in einem Seitentrakt einziehen soll. Spätestens dann ist es an der Zeit, was Größeres zu fordern.

fbh

Virtuelle Zimmersuche

Studenten müssen flexibel sein. Geboren in der Nähe von Nürnberg, Bachelorstudium in Darmstadt, Pflichtpraktikum in Hamburg, freiwilliges Prakti­kum in München – wer da über Heimweh klagt, hat schon verlo­ren. Stattdessen muss der moderne Mensch jedes Mal eine neue Bleibe finden, die er vorüber­gehend sein Zuhause nennen kann. Zu teuer sollte sie nicht sein, schließlich ist das Einkom­men gering; gleichzeitig möchte jeder gerne mit netten Menschen zusammenwohnen.

Doch wo bleibt die Zeit, um zur Wohnungsbesichtigung von Ham­burg nach München zu fahren, wenn der Student im dreimonati­gen Praktikum keinen Urlaubsan­spruch hat? Oder die Hospitanz direkt am Tag nach der Abschluss­prüfung beginnt? Das moderne Leben hat es nötig gemacht, dass jeder beim Streben nach bestmög­licher Ausbildung Flexibilität beweist. Gleichzeitig hat es auch möglich gemacht, eine Wohnung zu besichtigen, ohne persönlich vor Ort zu sein.

Da, ohne dort zu sein

„Wir skypen einfach“, sagt Kerstin. „Dann brauchst du nicht extra herzufahren.“ Der Internet­dienst „Skype“ überträgt Video­telefonate. Auf dem Computer­bildschirm erblicke ich meine drei zukünftigen Mitbewohnerin­nen, die winken. „Hi“, sage ich und winke zurück. Wir plaudern, wir lachen und sehen uns dabei. Ich bekomme sogar eine virtuelle Wohnungsführung. Kerstin trägt ihren Laptop in den Flur.

Im Bad gibt es eine Wanne, die Küche ist pink gestrichen. Vom Balkon aus sehe ich einen Park. Nun ja, die Kamera sieht für mich, die drei Frauen kommentieren: „Hier gril­len wir im Sommer.“ „Das ist Kerstins Zimmer.“ „Das mit der blauen Wand ist dann deines.“ Schön sieht es aus. Eine blaue Wand, weiße Möbel, viele Topf­pflanzen. „Okay, ich nehme das Zimmer“, sage ich. Ein virtueller Handschlag ist noch nicht mög­lich. Den Mietvertrag bekomme ich am nächsten Tag per E-Mail.

Christina Merkel

Der Protest geht weiter

urn:newsml:dpa.com:20090101:091229-10-11029Rund 200 Studierende demons­trierten am vergangenen Mittwoch in München, als Wissen­schaftsminister Wolfgang Heu­bisch Studierendenvertreter aus ganz Bayern zum Gespräch emp­fing. Es waren zwar wesentlich weniger Demonstranten als Ende vergangenen Jahres bei den Nürn­berger Protestmärschen. Doch die Studenten wollten mit ihrer jüngs­ten Demo zeigen, dass sie ihre For­derungen nach besseren Studien­bedingungen über die Feiertage nicht vergessen haben.

„Für uns alle steht fest, dass es 2010 mit dem Protest weitergehen soll“, sagt Rene R., Student an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg und ehema­liger Mitbesetzer der Ohm-Hoch­schule. „Besetzung ist nur eine Form des Protests, es gibt noch viele andere.“ Bereits zweimal in diesem Jahr haben sich die Nürn­berger Besetzer getroffen, um zu diskutieren, wie es weitergeht. „Bis jetzt reflektieren wir noch, was im Dezember richtig und was falsch gemacht wurde“, sagt Rene. 50 bis 100 Menschen, schätzt er, waren beide Male mit dabei. Sie wollen sich nun jeden Donnerstagabend wieder treffen.

Forderungen sind noch nicht umgesetzt

Denn: „Wir sehen unsere Forde­rungen noch nicht umgesetzt“, sagt Rene. Noch immer müssen sie Studiengebühren bezahlen. Es gibt keine verfasste Studierenden­schaft in Bayern. Etwas haben die Proteste erreicht. „Wir wurden wahrgenommen“, sagt der Lehr­amtsstudent. „In den Gremien wird über unsere Forderungen gesprochen.“ Auch dass in Bam­berg die Studiengebühren um 100 Euro verringert wurden, „zählen wir zu unseren Erfolgen“, sagt Rene. Die Masse an Besetzungen sei entscheidend gewesen.

Deshalb wollen die Nürnberger Studierenden in der kommenden Zeit vor allem andere Aktionen unterstützen. Einige von ihnen sind vergangenen Mittwoch zur Demo nach München gefahren. Ende Januar soll in Frankfurt demonstriert werden. „Wir wer­den dort sein“, sagt Rene.

Christina Merkel

Studi-Shirts zum Selbermachen

Von Julius Brockmann

M_nchen_tshirt.JPGIn den USA ist es gängig sich zu präsentieren, zu zeigen, was man hat und wofür man steht. So schämt sich dort niemand, wenn er an einer angesagten Uni studiert, dies auch kund zu tun. Allgemein behauptet man von den Amis ja auch, dass sie viel weniger neidisch seien als wir Deutsche. Wer Elite ist, darf das auch zeigen. So ist dann wohl niemand verwundert, wenn es Mützen und T-Shirts gibt, auf denen groß die heimische Uni wirbt.

In Deutschland hingegen ein seltenes Bild. Zu Semesterbeginn schlurfen einige wenige Studis mit ihren auf der Eröffnungsveranstaltung erworbenen Umhängetaschen – natürlich mit den Köpfen der beiden Herren Alexander und Friedrich drauf – zwischen Philosophischer Fakultät und Kollegienhaus hin und her. Zwar kann man im Uniladen gleich neben dem Kollegienhaus T-Shirts in unterschiedlichsten Farben und Größen samt „Unilabel“, wie es so schön heißt, für zirka 20 Euro erwerben, gesehen hat man aber in der Fußgängerzone kaum jemanden, der sich so offenherzig zur Metropolregion Nürnberg und deren universitärer Einrichtung bekennt. Mag es am schlichten Design liegen, oder weil diese Stadt dann einfach doch nicht so hip ist wie Köln, Münster oder München?

Individualität ist gefragt 

Die Hochschule München wagt jedenfalls ebenso einen Angriff auf die Individualität und möchte ihre Kaffeebecher, Polo-Shirts und Schals unter das Studentenvolk bringen. Und wem das Ganze dann doch auch zu schlicht, zu blau oder das Logo zu weit links sein sollte, kann sich ganz individuell seine Klamotten zusammenstellen.

Wer seinen Studiengang so sehr liebt, dass er dies der Welt mitteilen möchte, kann auch Schriftzüge wie „Bayerische Geschichte und allgemeine Landesgeschichte“ oder „Verhaltensgestörtenpädagogik“ bekommen. Oder doch lieber nur „BWL“? Studiengänge auf T-Shirts machen sich bestimmt super als Aufdruck oder Stickerei. Wen dies weniger überzeugt, muss weiterhin bei „H&M“ seine Kleidung kaufen, dort gibt man auch seine Individualität kostengünstig an der Ladentüre ab.