Wer blickt noch durch im Online-Dschungel?

Von Wolfgang Kerler

Still und leise hat sich ein „Highlight“ des Studentendaseins von der Bildfläche verabschiedet: die berüchtigten Anmeldelisten für Pro- und Hauptseminare, Übungen und Klausuren. Nie wieder um halb sieben aufstehen, schnell einen Kaffee runterwürgen, in halbwegs akzeptable Klamotten schlüpfen und ab aufs Fahrrad in Richtung Uni. Keine Rangeleien mehr mit Kommilitonen. Wer steht vorne in der Schlange vor dem Instituts-Sekretariat? Wer erreicht zuerst das schwarze Brett? Und am Ende doch häufig Ernüchterung. Andere sind eben noch früher aufgestanden. Kein Platz mehr frei im Wunschseminar.

Die Online-Revolution macht es möglich: Das Schlangestehen hat sich in gebanntes Starren auf den Computerbildschirm verwandelt. Jeder möchte sich exakt zum Zeitpunkt der Freischaltung zu seinen Lehrveranstaltungen anmelden – der ein oder andere Server  der Online-Anmeldesysteme geht dabei in die Knie. Der Frustfaktor bleibt uns erhalten.

Wie war noch gleich das Passwort?

Doch der wirkliche Haken an der Seminar- und Klausuranmeldung im Internet: Die verschiedenen Fakultäten, Departments und Institute konnten sich natürlich nicht auf ein einheitliches System einigen. Die Historiker kochen mit einem eigenen Programm ihr eigenes Süppchen, die Politologen und andere Fächer setzen auf das Anmeldungsprogramm“Cassy“. Auch die schon etwas betagten „W.A.S-Dienste“ sind noch mit von der Partie und werden von einigen Lehrstühlen benutzt. Wer BWL in Erlangen studiert braucht dafür auch noch einmal ein extra Passwort für ein extra System. Dumm nur, wenn man als Magister- oder Lehramtsstudent gleich in drei Fächern eingeschrieben ist.

Die neuen Bachelor-Studenten haben es etwas besser: Hier scheint es tatsächlich so etwas wie eine Zentralisierung zu geben. „Mein Campus“ heißt das Programm, über das sich zukünftig zu Klausuren angemeldet wird. Doch auch für Erst- und Zweitsemester bleiben weitere Passwörter und Benutzernamen erhalten: Schließlich braucht man öfter einmal den schönen OPAC der Uni-Bibliothek, ach ja, ein Sprachkurs wäre auch nicht schlecht. Die Software hierfür heißt „Oktis“ und wird von vielen Internet-Browsern als gefährlich eingestuft („Wollen Sie den Vorgang fortsetzen?“). Ebenfalls für Studenten alter und neuer Prüfungsordnungen relevant ist das neue Online-Portal „StudOn“, auf dem Materialien, Fragebögen und Sonstiges zu verschiedenen Lehrveranstaltungen bereitgestellt werden. Auch die Anmeldequalen in den CIP-Pools gehören nicht der Vergangenheit an. Wer soll sich da noch alle Passwörter und Benutzernamen  merken?

Wenn die Seminare dann im nächsten Semester anfangen, ist es trotz des Segens der neuen Technik doch immer wieder die alte Leier. Einige Studenten, die auf der Liste stehen, sind nicht da. Andere haben sich gar nicht angemeldet („Das Programm hat nicht funktioniert“ – na klar), wollen aber trotzdem noch einen Schein machen. Die Dozenten machen dann Ausnahmen oder auch nicht – und irgendwie hat sich nicht viel verbessert seit dem Ende der antiquierten Anmeldelisten in den Institutssekretariaten.