Gift lagert auf den Büchern

Bibliothek

Nur in Teil-Bibliotheken, wie hier im vierten Stock in Turm B der Philosophischen Fakultät, und in einigen Seminarräumen lag der PCB-Wert über der „Vorsorgegrenze“. Foto: Harald Sippel

Seit 1989 sind Baustoffe, die PCB enthalten, in Deutschland verboten. Die drei Hochhäuser der Philosophischen Fakultät in der Bismarckstraße in Erlangen stehen allerdings schon seit Anfang der 70er Jahre – als weltweit die größte Menge der chlorhaltigen Öle produziert wurde.

PCB galten lange als idealer Baustoff. Sie isolieren gut, sind wärmeleitfähig und verbrennen erst bei 1000 Grad Celsius. Darum kamen polychlorierte Biphenyle als Dichtungsmaterial zum Einsatz, als Fugenmasse um Fenster, sowie in feuerfesten Farben. Bis Wissenschaftler entdeckten, dass die chlorhaltigen Öle Krebs auslösen können.
„PCB sind nicht akut toxisch, sondern chronisch, wenn man sie über einen langen Zeitraum immer wieder aufnimmt und im Körper anreichert“, sagt Hannes Strebl, Betriebsarzt an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Darum muss man die lebenslange Belastung möglichst gering halten.“

„Häufiger lüften“

Bei einer Routineüberprüfung im Sommer waren in den Bibliotheken der Philosophischen Fakultät in Erlangen Werte über 3000 Nanogramm (ng) pro Kubikmeter Luft gemessen worden. Eine Grenze, die als „Interventionswert“ gilt – die Uni musste handeln und gab ein Gutachten in Auftrag, das jetzt vorliegt. „Erhöhte Werte im Sommer sind normal“, sagt Strebl. Ab 9000 ng/m3 hätte niemand mehr das Gebäude betreten dürfen. Bei weiteren Messungen im Winter lagen die Werte nun unterhalb der „Vorsorgegrenze“ von 300 Nanogramm pro Kubikmeter, in den Bibliotheken über 300, aber unter 3000. Die offizielle Empfehlung: „Häufiger lüften“.
„In dem alten Staub, der sich über die Jahre auf den Büchern sammelt, haben wir PCB gefunden“, sagt Uni-Sprecher Heiner Stix. „Nicht jedes Buch wird schließlich jeden Tag ausgeliehen und die Reinigungskräfte dürfen nicht höher als 1,60 Meter putzen.“ Das würde zusätzlich kosten, denn die Regale sind 3,50 Meter hoch und dafür bräuchte das Personal Leitern. In den Semesterferien ist nun eine Bücherputzaktion geplant.

6000 betroffene Mitarbeiter und Studenten

Rund 6000 Mitarbeiter und Studierende gehen in den Philosophen-Türmen ein und aus. „Selbst für Menschen, die jahrelang dort gearbeitet haben, besteht absolut keine Gefahr“, sagt Arbeitsmediziner Strebl. Auch Studenten, die die Bibliothek zur Prüfungszeit intensiv nutzen, müssten sich keine Sorgen machen. „Die Grenzwerte sind so streng ausgelegt, dass sie ihr ganzes Leben dort verbringen könnten“, sagt Strebl. Trotzdem: „Die Belastung der Luft ist leider nicht die einzige Art, wie wir PCB aufnehmen, auch belastete Lebensmittel sind ein Problem.“
Als noch wenig über die giftige Wirkung der Biphenyle bekannt war, gelangten Abfälle sorglos in die Umwelt, ins Meer und in die Nahrungskette. „Eine Zeit lang war vor allem Lachs aus der Ostsee stark belastet“, sagt Strebl.
Besorgte Mitarbeiter konnten sich beim Betriebsarzt untersuchen lassen. 14 nahmen das Angebot an. „Bei fast allen lag der Test unter der Nachweisgrenze, bei manchen darüber, aber weit unter schädlichen Grenzwerten.“
Am Mittwoch, 29. Januar, stellen Strebl und der Dekan der Philosophischen Fakultät, Rainer Trinczek, das Gutachten den Studenten und Mitarbeitern vor.

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Uni: Kochstraße wieder offen – aber nur teilweise

Aufatmen für viele Geisteswissenschaftler: Nachdem im Sommer der Bau an der Kochstraße wegen akuter Baufälligkeit kurzfristig gesperrt werden musste, kann zumindest der Südflügel wieder bezogen werden. Während der vorlesungsfreien Zeit wurden dort einsturzgefährdete Decken saniert. Für die Mitarbeiter und Studenten einiger Institute kann der Betrieb also an alter Stelle vorerst weitergehen. Auch die Institutsbibliotheken der Klassischen Archäologie, Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, der Indogermanistik und der Indoiranistik sind wieder zugänglich.

Nicht so gut sieht es für die großen Departments Geografie, Soziologie und Politische Wissenschaften aus. Deren Bibliotheken liegen im deutlich größeren Nordflügel des Gebäudes, der erst in den kommenden Monaten saniert werden kann. Die Arbeiten sind aufwändiger und werden vermutlich noch bis zum Beginn der Vorlesungszeit des Sommersemesters dauern, also wohl bis April 2014.

Für die Studenten bedeutet das, dass sie an Fachliteratur nur dann kommen, wenn sie sich auf die Reise in den Erlanger Süden machen. Die drei genannten Bibliotheken ziehen nämlich in diesen Tagen in ein Bürogebäude in Tennenlohe um, das die Immobilienagentur des Freistaates Bayern („Imby“) für die Universität angemietet hat. Dort stehen 6000 Quadratmeter zur Verfügung.

Doch auch beim Umzug lief nicht alles glatt. Die Arbeiten mussten Ende vergangener Woche kurzfristig unterbrochen werden, weil nicht klar war, ob die Gebäude den Anforderungen an die Statik Genüge leisten. Ein Gutachten musste her. Inzwischen konnten die Zweifel an der Tragfähigkeit ausgeräumt werden, der Umzug kann weitergehen.

Für die Studenten ist die Situation mehr als ärgerlich. Monatelang war der bequeme Weg der Recherche in den Institutsbibliotheken nicht möglich. An Bücher kam man zwar, aber nur über ein internes Bestellsystem. Vor dem Regal stehen und nach thematisch passenden Titeln suchen – das ging nicht. Weil gegen Ende der Vorlesungszeit Hausarbeiten zu schreiben waren, hatten viele Professoren nach vorheriger Absprache auch Abgabefristen verlängert.

Wer Bücher aus dem Bestand der Geografen, Soziologen oder der Politologen braucht, findet sie in den nächsten Tagen im Ausweichquartier Am Wetterkreuz 15 in Tennenlohe. In dringenden Fällen können Studenten ausnahmsweise per Fernleihe aus anderen deutschen Bibliotheken bestellen.

Trotz der Unannehmlichkeiten für Studenten und Personal zeigte sich Uni-Kanzler Thomas Schöck erfreut darüber, wie zügig Sanierung, Teilfreigabe und Umzug über die Bühne gegangen seien: „In den 25 Jahren meiner Amtszeit ist weder die Anmietung einer so großen Fläche (…) noch die Durchführung einer Sanierungsmaßnahme je in einem solchen Parforceritt realisiert worden“, teilte er mit.

fbh

Betreten verboten

FHZur Lern- und Prüfungszeit verwandeln sich Nürnbergs Hochschulen in einen Schilder­wald. „Bis 16 Uhr ist der Aufent­halt in den Gängen der dritten und vierten Etage nur Personen gestattet, die am Prüfungsgesche­hen der Fakultät beteiligt sind. Die Prüfungskommission.“ Beste Bedingungen für die Studieren­den, die sich gerade noch nervös auf der Treppe tummeln und gleich das gepaukte Wissen zu Papier bringen müssen. Niemand soll sie stören.

LerninselDamit sich Professoren und Stu­dierende der Rechts- und Wirt­schaftswissenschaftlichen Fakul­tät nicht gegenseitig stören, gibt es genaue Regeln. Sie stehen auf Schildern an den Wänden der sogenannten „Stillen Lernin­seln“. Studenten sollen in den Gängen in Ruhe büffeln, in den angrenzenden Zimmern arbeiten die Lehrstühle. „Sprechen Sie leise“, lautet der schriftliche Hin­weis. „Das schont ihre Stimmbän­der. Und unsere Ohren!“ Insge­samt fünf „hilfreiche“ Tipps ste­hen da. „Dass zu viel Lernen Schä­den verursacht, ist uns bewusst“, steht darüber.

mensaÜberhaupt nicht lernen dürfen die Studenten daher in der Mensa Regensburger Straße. Nur zu ihrem besten. Nicht, dass ihnen der Stoff den Appetit verdirbt.

Christina Merkel

"Ruhe, wir drehen!"

Aubergine.JPGWer derzeit in Erlangen unterwegs ist, wird das ein oder andere Mal über Absperrband gestolpert sein. Grund: Ein hochaufwendiger Filmdreh einiger Medienwissenschaftsstudenten. So hat die 25-köpfige Filmcrew um David Müller und Holger Will in den vergangenen Tagen am Altstädter Kirchplatz und in der Nähe des E-Werks gedreht.

Zurzeit ist man in einer alten Villa am Burgberg, um dort Innenaufnahmen zu produzieren. In einer vornehmen Gegend also, wo man – so schallt es vom Berg herunter – optische Probleme mit einem Dixi-Klo haben soll. Ein Nachbar findet die Außensanitäranlage so gar nicht ansehnlich und höchst unpassend für den so gediegenen Burgberg. Ein paar Tage wird er sich allerdings noch an den Anblick gewöhnen müssen, denn noch ist der Film „Jussom City Blues“ nicht abgedreht.Alle_Drei.JPG

Am Wochenende wird dann auch noch Werner Schulze-Erdel eingeflogen, der im Experimentiertheater der Philosophischen Fakultät eine Runde des Klassikers „Ruck Zuck“ spielen wird – natürlich auch im Rahmen des Filmprojektes.

Mehr Informationen zum Film, Team und Sponsoring gibt es hier.

Schmutzige Toiletten – Kopfnoten für Studenten?

Von Christiane Fritz

Toilette.JPGEs ist immer dasselbe. Geht man in der Philosophischen Fakultät in Erlangen am späten Nachmittag auf die Toilette, bietet sich stets das gleiche Bild. Toilettenpapier liegt zerfetzt und verteilt am Boden. Die leeren Rollen daneben. Ein ähnliches Schicksal hat auch das Papier zum Trocknen der Hände ereilt.

Legen denn Studenten vor der Toilette ihre gute Kinderstube ab? Oder kommt es bei der beabsichtigten Benutzung des Mülleimers vielleicht zu einem überraschenden Schwächeanfall? Dann sollte möglichst schnell ein Notfallknopf in jeder Kabine installiert werden. Nur um Schlimmeres zu verhindern. Oder ist vielleicht eine erhöhte Schwerkraft in sanitären Anlagen für das Papier mit Froschperspektive verantwortlich? Wohl kaum.

Bislang stellte die Universität Erlangen-Nürnberg die Ausbildung geistiger Fähigkeiten in den Vordergrund: (de-)konstruieren, analysieren, kritisieren. Vielleicht sollten zusätzlich Kurse speziell für die Verhaltensförderung eingeführt werden. Im Vorlesungsverzeichnis könnten dann zukünftig folgende Kurse zu finden sein: Händeabtrocknen für Anfänger. Oder, für Fortgeschrittene, praktische Übungen zur Mülleimerbenutzung. Vielleicht als Blockseminar am Wochenende.Toilette2.JPG

Sollten diese keinen Erfolg haben, könnte man über Kopfnoten, wie jene auf den Zwischenzeugnissen in Nordrhein-Westfalen, nachdenken. Dann erhalten Studenten am Semesterende neben den Noten für ihre Klausuren auch Bescheinigungen über soziale Kompetenzen. Sauberkeit und Ordnung wäre eine Kategorie.

Bitte haltet die Türen auf!

Eine weitere könnte Hilfsbereitschaft sein. Darunter fällt dann auch der Umgang mit Kommilitonen. Das Aufhalten von Türen wäre nur ein Beispiel. Denn auch hier besteht erhöhter Korrekturbedarf. Oft lässt der Vordermann einfach die Tür ins Schloss krachen, ohne sich überhaupt umzuschauen. Vielleicht gerade dann noch, wenn der nachfolgende Student die Arme voller Bücher hat und eine helfende Hand bräuchte.

Und seien wir einmal ehrlich: Welcher Arbeitgeber möchte jemanden beschäftigen, der einen guten Abschluss vorweist, aber Chef und Kollegen die Tür vor der Nase zuschlägt oder das Toilettenpapier benutzt, um den Fußboden zu dekorieren?

Die Pappnasen von der Uni: Ausgesperrt von der Vorlesung

Von Wolfgang Kerler

Universit_tsstra_e.jpgFaschingsdienstag an der Uni, das war nichts Halbes und nichts Ganzes. Feierstimmung schon gleich gar nicht. Denn die Türen der Seminargebäude und der Bibliotheken wurden pünktlich um 12 Uhr mittags zugesperrt, während Lehrveranstaltungen mancher Dozenten trotzdem stattfanden. Schließlich stand für viele die letzte Stunde vor der Klausur an.
Was passierte also? Ganz einfach: Raumänderungen, Terminänderungen und Verwirrung bei den Studenten. Findet das Seminar jetzt statt oder nicht? Wie kommen wir denn dann ins Gebäude? Und wo soll ich jetzt meine fälligen Bücher zurückgeben?
Hauptseminare wichen in zu kleine Räume aus, Übungsleiter trommelten mühsam die Studenten zusammen, damit diese noch ein paar Fragen stellen können, zu dumm, wenn es keine E-Mail oder Telefonlisten gab. Und wer die seit geraumer Zeit — auf sehr unscheinbare Weise — ausgehängten Infozettel nicht gesehen hatte, der stand schlicht und einfach vor verschlossener Türe.

Dozenten sind selbst Schuld, wenn sie arbeiten

Der Sinn der Uni-Schließung am Faschingsdienstag ist eigentlich, dass die Angestellten — von der Sekretärin bis zum Lehrstuhlinhaber — wenigstens einen halben Feiertag t_r.JPGgenießen können. Das ist schon lange so, nur erinnern sich viele Studenten nicht daran. Denn der Fasching fällt häufig in die Zeit der Semesterferien — und da haben sowieso die wenigsten vor, in die Uni zu gehen.
Dass es wie vergangene Woche an der Uni drunter und drüber geht, ist eigentlich die Schuld der Dozenten selbst, wie langjährige Uni-Mitarbeiter sagen. Denn irgendwann hätten die Professoren einfach damit angefangen trotz verschlossener Uni ihre Lehrveranstaltungen abzuhalten — und auf ihren halben studentenfreien Tag zu verzichten.
Was das nächste Jahr angeht, so kann allerdings Entwarnung gegeben werden. Faschingsdienstag fällt — wie es sich gehört — in die vorlesungsfreie Zeit. Ein Chaos an der Uni wird also ausbleiben. Und wenn Fasching das nächste Mal während der Vorlesungszeit gefeiert wird, dann könnte die Uni einfach komplett dicht machen — und die Dozenten daheim bleiben. Oder sich verkleiden und ordentlich feiern.