Protest im Internet

InternetProgramm für Montag, 22.11.: 10-13 Uhr Lernphase (Abso­lute Ruhe!), 13 Uhr Infoplenum. Ab 20 Uhr spielt Live-Musik und eine Stunde später beginnt der Karaoke-Wettbewerb auf der gro­ßen Bühne. Wer nicht vor Ort im besetzten Audimax in Erlangen sein kann, der erfährt im Internet genau was passiert.

Die Polizei war noch nicht ganz abgerückt, die Menge im Audi­max gerade dabei ihre Abstim­mungsregeln zu klären, da stand auch von den Nürnberger Beset­zern bereits eine Streik-Home­page im Netz.Auf beiden Internetseiten erfährt der unerfahrene Strei­kende den Tagesablauf, kann sich Infoflyer und Plakate herunterla­den und per Kommentarfunktion über die Forderungen mitdiskutie­ren. Wem Lesen noch nicht genug ist, der kann die Geschehnisse sogar per Live-Video-Stream mit verfolgen. Interviews mit Profes­soren haben die Streikenden auf­gezeichnet und ins Netz gestellt. Natürlich gibt es jede Menge Fotos.

Online statt persönliche Treffen


Als sie Ohm-Hochschulleitung gestern die Studierenden auffor­derte, die besetzten Räume wie­der freizugeben, stand das Schrei­ben sofort im Netz. Die Gegendar­stellung der Besetzer folgte kurze Zeit später. Beide Seiten können ihre verschiedenen Standpunkte nun online nachlesen. Zu Gesprä­chen haben sich die Fronten noch nicht getroffen.

Auf die Vorwürfe, die Besetzter zerstörten das Gebäude, folgte gestern Abend der Online-Gegen­beweis. Fotos von Studenten, die die Toiletten der Ohm-Hoch­schule putzen. „Unter dem Motto ,sauberer Protest’ fand eine gemeinsame Putzstunde der Strei­kenden statt. Vom Fussboden bis zu den Toiletten wird gewischt und geputzt.“ Die „Zuschauer“ zu Hause am Computer applaudieren per Kom­mentarfunktion virtuell Applaus. Immer wieder ist auf beiden Streik-Seiten zu lesen: „Komm vorbei, macht mit!“

Christina Merkel

Spanner an der WiSo

Auf der Homepage der Nürn­berger WiSo-Bibliothek ist zu lesen: „Im Lesesaal laden rund 450 Arbeitsplätze zum Studieren ein.“ Mehr als 500.000 Bücher und über 5500 Zeitschriften gibt es dazu in den Regalen der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftli­chen Zweigbibliothek der Uni Erlangen. Dennoch kam jemand vergangene Woche nicht „zum Studieren“, zumindest nicht von Büchern, in die Bibliothek.

„Sehr geehrte Damen und Her­ren, wie uns die Bibliothekslei­tung mitgeteilt hat, ist in der WiSo-Bibliothek in der Langen Gasse in den Abendstunden ein Spanner aufgetaucht, der in der Damentoilette unter den Türen durch fotografiert hat.“ Mit die­sen Worten beginnt die E-Mail des Fachbereichs Wirtschaftswis­senschaften an alle Professoren und Studierenden.

Das Dekanat bittet „um erhöhte Aufmerksamkeit“. Die betroffene Studentin hatte die fotografierende Person nicht iden­tifizieren können. „So dass die Gefahr, belästigt zu werden, immer noch besteht“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Leider hatten wir bis jetzt noch immer keinen Fahndungserfolg“, sagt Dekan Michael Amberg. „Aber jeder ist informiert.“

„Verstärkt auf verdächtige Umtriebe achten“

Die Bibliothek hat ihre Mitar­beiter gebeten, verstärkt auf „ver­dächtige Umtriebe“ zu achten. Täglich ab 16.30 Uhr patroulliert ein Wachmann über den Campus. Das Dekanat hat ihn angewiesen „diese Maßnahmen in geeigneter Weise zu unterstüten“ und die Polizei eingeschaltet.

„Wir denken außerdem über Baumaßnahmen nach, damit die Wände der Toiletten künftig bis zum Boden reichen“, sagt Amberg. Studierende, die etwas gesehen haben und die Person beschrei­ben können, sollen sich im Deka­nat melden.

Christina Merkel

Sogar alte Drahtesel geklaut

Von Christiane Fritz

Nach einer Woche war es gestohlen. Eva Heid war gerade erst von Erlangen nach Nürnberg gezogen, als ihr Unbekannte das Fahrrad vor der Haustür entwendeten. „Ich habe mir erst gedacht, ich hätte es woanders abgestellt“, erinnert sich die 26-Jährige. Obwohl die Lehramts-Studentin, die Wirtschaft und Soziologie im siebten Semester studiert, ihr Rad an einer belebten Straße unter einer Laterne abschloss, schreckte dies die Langfinger nicht ab. Auch im Freundeskreis hätten schon einige das gleiche Schicksal erfahren, berichtet Heid. Die nächsten Tage blieb der Studentin nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen.

Laut einer 2007 vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) veröffentlichten Studie treten bundesweit 43 Prozent der Studenten in die Pedale, um zur Hochschule zu gelangen. Unter den Studenten an Fachhochschulen ist es ein Viertel. In der nächsten Zeit dürften die Studenten wieder verstärkt das Rad nutzen: Das Sommersemester steht vor der Tür. An der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg werden bereits ab heute wieder Seminare abgehalten. Gerade in den warmen Monaten stellt der Drahtesel eine Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln dar – und bleibt es auch, wenn die Langfinger nicht zuschlagen.

In diesem Jahr bislang 141 Fahrräder gestohlen

2007 wurden in Mittelfranken 5000 gestohlene Räder gemeldet. Mehr als ein Drittel allein in Nürnberg. Vergleicht man die angezeigten Diebstähle in den Monaten Januar und Februar der Jahre 2007 bis 2009 miteinander, ist ein Rückgang festzustellen. Während vor zwei Jahren 290 Räder ungewollt ihren Besitzer wechselten, waren es in diesem Jahr 50 Prozent weniger. „Generell ist ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land zu sehen. In den Städten sind mehr Einwohner, also auch mehr Fahrräder und offensichtlich damit auch mehr Bedarf vorhanden“, erklärt Polizeihauptkommissar Michael Sporrer vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Die meisten Diebstähle verzeichnet die Polizei an Bahnhöfen.

Wer sich mit seinem alten Rad in Sicherheit wiegt, täuscht sich. Weil die Räder für unterschiedliche Zwecke entwendet werden, sind neben hochwertigen auch alte Modelle begehrt. „Ein Teil der Diebstähle wird begangen, um ein Fortbewegungsmittel für ein Stück des Weges zu haben“, so der Polizeihauptkommissar. „Ist der Zweck erfüllt, wird das Rad weggeworfen.“ Hochwertige Räder landen im Inland bei An- und Verkaufsgeschäften. Einige gelangen auch ins Ausland. „Hauptsache hier ist der Gegenwert Bargeld“, verdeutlicht Sporrer. „Der Gewinn wird nicht selten zum Erwerb von Betäubungsmitteln oder zur Aufbesserung des Lebensstandards verwendet.“

Die Diebe schlagen häufig in der Nacht zu oder nutzen die Geschäftigkeit belebter Orte. Die ungesicherten Gefährte werden weggeschoben oder die Schlösser aufgebrochen. „So lapidar es klingen mag: Das Rad mit einem guten Schloss zu sichern, erhöht die Hemmschwelle für einen Diebstahl erheblich“, weiß Sporrer.

Viele der Geschädigten melden den Diebstahl nicht der Polizei. Ein Fehler. Denn bei Personenkontrollen werden häufig auch die mitgeführten Fahrräder überprüft und mit dem Fahndungsbestand abgeglichen. Dieser besteht nur aus Diebstählen, die auch angezeigt wurden. Auch können herrenlose Fahrräder, welche die Polizei findet, bei einer vorherigen Anzeige leichter dem Besitzer zugeordnet werden. Auch Eva Heid meldete den Diebstahl nicht. „Ich hätte der Polizei nur sagen können, das Fahrrad ist blau“, sagt die Studentin. Für Michael Sporrer ist dies eine schlechte Ausgangslage. Je mehr Informationen über das Fahrrad vorliegen, desto wahrscheinlicher ist eine Klärung der Tat. Verfügt das Rad über besondere Merkmale, hilft dies der Polizei um so mehr. 2008 klärte die Polizei Mittelfranken ein Viertel der Fahrrad-Diebstähle auf.

Um zum Studienort, dem Department Fachdidaktiken, zu gelangen, hat sich Eva Neid ein neues Fahrrad gekauft. Das Rad stellt sie nun jeden Abend in den Keller. Zusätzlich gab es noch ein besseres Schloss. „Ein richtig gutes“, sagt die 26-Jährige.