Erlanger Ex-Prof: "Guttenberg hat sich bei meinen Ideen bedient"

Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg

24 Jahre lang war Jürgen Gebhardt Professor am Institut für Politische Wissenschaft der Uni Erlangen, bevor er 2002 in den Ruhestand ging. Teile seiner Schriften sind in der Doktorarbeit des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg aufgetaucht. In der Nürnberger Zeitung beschreibt Gebhardt seine „Nachgedanken eines Betroffenen“.

Zweifelsohne erfreut es jeden Forscher, wenn seine wissenschaftlichen Resultate in die Arbeiten des Nachwuchses eingehen und zudem auch von einem kompetenten Gutachter entsprechend positiv bewertet werden. Die von Guttenberg eingereichte Dissertation „Verfassung und Verfassungsvertrag“ stellt sich als eine vergleichende Studie zur Entwicklung des westlichen Konstitutionalismus dar und fasst ihren Gegenstand im Sinne einer kulturwissenschaftlichen Verfassungslehre – im Widerspruch zu Positionen, welche die Staatsrechtslehre bislang vertreten hat.

Es ist Guttenberg zuzugestehen, dass er die Absicht hatte, einen eigenständigen Beitrag zur kulturwissenschaftlichen Interpretation des Konstitutionalismus zu leisten. Dieses ehrgeizige Vorhaben hat ihn jedoch völlig überfordert – trotz meiner ungewollten Hilfe. Somit kam es – wie auch immer dies vor sich ging – zu einer gewaltigen Materialsammlung, die mit und oft ohne bibliographischen Nachweis verarbeitet wurde. Der Eindruck einer Zitatesammlung konnte nur durch den Verzicht auf Nachweise, also durch Plagiate, vermieden werden. Noch schwerer wiegt, dass Guttenberg an seiner systematisch-konzeptionellen Fragestellung scheiterte und sich hierfür bei anderen Autoren bedienen musste. Nur so erklärt es sich, dass auch die von mir vorgelegten, systematisch ausgewiesenen Texte sorgfältig verfremdet, teilweise redundant plagiiert wurden. Ich habe mit anderen Wissenschaftlern somit unwissentlich dazu beigetragen, dass Guttenberg sich den Anschein theoretischer Originalität geben konnte. Den Gutachtern müssen meine Ideen eingeleuchtet haben. Wir, das Ghostwriter-Kollektiv, wurden immerhin mit „summa cum laude“ bewertet.

Akademische und politische Tugenden missachtet

Was die moralisch-politische Frage angeht, hätte der aufstrebende junge Politiker Guttenberg aus seiner Lektüre des von seinem Lehrer hochgeschätzten Klassikertextes, der „Federalist Papers“, einiges über die ethischen Voraussetzungen konstitutioneller Politik lernen können: „Das Ziel einer jeden politischen Verfassung ist oder sollte sein, (…) Regenten zu bestellen, die weise genug sind, um zu erkennen, was dem Gemeinwohl der Gesellschaft am besten dient, und tugendhaft genug, um dieser Erkenntnis gemäß zu handeln.“ Guttenberg hat also nicht nur gegen das verpflichtende Ethos der Wissenschaft verstoßen, sondern auch politische Kardinaltugenden missachtet.

Doktortitel bleibt gefragt

Von Julius Brockmann
Die einen sind froh, die Mühen der Diplomarbeit hinter sich zu haben und endlich in die Welt der Arbeit einzutauchen. Andere wiederum vermissen das Flair des universitären Betriebs. Manch einer entdeckt beim Schreiben seiner Magisterarbeit sogar das wissenschaftliche Arbeiten für sich. Was also tun? Promovieren? Das kommt dann doch für die wenigsten in Frage. Eine Flucht vor dem Arbeitsmarkt ist an der Uni Erlangen-Nürnberg nicht festzustellen. Seit Anfang der 90er Jahre bleiben die Zahlen konstant. Etwa 600 Absolventen bleiben ihrer Uni treu und promovieren. Im Prüfungsjahr 2007 waren es genau 663 ehemalige Studenten, die medizinische Fakultät stellte die meisten Absolventen. „Allerdings müsste man diese streng genommen eigentlich rausrechnen“, sagt Studienberater Thomas Krusche, „da der Doktortitel der Regelabschluss eines Mediziners ist“.
Ganz anders sieht es in den Geisteswissenschaften aus. Sind an dieser Fakultät rund 9000 Studenten eingeschrieben, wählt nur ein Prozent dieser die wissenschaftliche Laufbahn als Zukunftsmodell. Einer von ihnen ist Denis Leifeld. Der 26-Jährige schloss sein Studium der Theater- und Medienwissenschaft im Sommer 2008 mit dem Magistertitel ab und ist nun wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut in der Bismarckstraße in Erlangen.

In seiner Doktorarbeit beschäftigt er sich mit dem postdramatischen Theater: „Es geht um den Schauspieler im Gegenwartstheater. Zum Beispiel um die Frage, was ist ein Performer?“. Für ihn war schnell klar, erst einmal in Erlangen zu bleiben. Karrieregründe oder ein großer finanzieller Vorteil spielten dabei keine Rolle. So geht es auch Julien Dolenc. „Die Promotion entstand aus keinerlei Prestigedenken“, sagt der 29-Jährige.

Die Ausnahme bei den angehenden Doktoren bildeten Chemiker und Rechtswissenschaftler, sagt Studienberater Thomas Krusche. „In den Naturwissenschaften wählt man den Weg der Promotion aus Karrieregründen viel eher als in den Geisteswissenschaften.“ Denn nicht nur der Arbeitsmarkt für Theaterwissenschaftler oder Germanisten sei recht unübersichtlich und finanziell wenig verlockend, auch die wissenschaftliche Arbeit an einer Uni sei alles andere als planbar.

„Es kommt immer darauf an, ob momentan ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben wurde“, meint der Studienberater, „in den Naturwissenschaften ist das Auskommen gesichert, in den Geisteswissenschaften nicht“. Aus diesem Grund käme auch den Graduierten-Kollegs eine zentrale Rolle zu. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert diese Studien- und Forschungsgruppen und unterstützt so auch fünf Programme an der Uni Erlangen. Denis Leifeld hingegen ist am Institut beschäftigt und hält in diesem Semester zwei Seminare für die Bachelor-Studenten ab.

Aus dem Lehrauftrag ergeben sich Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite ist er damit enger ins Alltagsgeschäft der Uni eingebunden, auf der anderen Seite fehlt diese Zeit, um die Promotion voranzutreiben. Julien Dolenc hingegen war lange Zeit auf seine Eltern angewiesen, die ihn finanziell unterstützten. Neben der Doktorarbeit jobbte er, um sich über Wasser zu halten. Die Frage nach dem weiteren Werdegang und ob die Doktor-Anwärter nach der Promotion an der Uni bleiben wollen, können sie bislang nicht genau beantworten.

„Ich könnte mir auch vorstellen, im Theaterbereich zu arbeiten, oder im Kulturmanagement“, sagt Leifeld. Julien Dolenc kann sich vorstellen, „in die Wirtschaft“ zu gehen. Bleibt die Frage, warum sich der Student nach der Diplomarbeit auch noch eine Doktorarbeit antun sollte. Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. Zum einen hat niemand einen Anspruch, mit seinem Titel angesprochen zu werden. Ob es nun von Vorteil ist, erst an der Uni zu bleiben und zu promovieren, sei dahingestellt, wie der Studienberater ergänzt. Schließlich seien die Absolventen dann älter als ihre Konkurrenten, wenn sie auf den Arbeitsmarkt außerhalb des universitären Betriebs drängten.

Zum anderen sei dieser Titel in der universitären Laufbahn auch sehr hilfreich, wie Krusche bemerkt: „An der Uni hat ein Promovierter natürlich bessere Chancen, ganz gleich worin er nun promoviert hat, da man sich im Allgemeinen bessere Einblicke in die Strukturen der Universität verspricht, als bei Bewerbern ohne Doktortitel.“ Auch in den Führungsetagen der Wirtschaft fänden sich häufig Chefs mit Promotion, so Krusche weiter.

Erasmus Mundus II

Von Christiane Fritz

Die Europäische Union stellt dem europäischen Kooperations- und Mobilitätsprogramm Erasmus Mundus mehr Geld zur Verfügung. Vor kurzem wurde dies in Brüssel entschieden. In den Jahren 2009 bis 2013 werden dem Programm 950 Millionen Euro bereitgestellt. Dies ist viermal so viel wie in der ersten Programm-Phase.

Seit 2004 fördert Erasmus Mundus akademische Spitzenleistungen, die Attraktivität europäischer Hochschulen in der Welt und die Zusammenarbeit mit Drittländern. Auch der interkulturelle Dialog soll verbessert werden. Von der Erweiterung des Budgets profitieren auch europäische Studenten. Sind sie in einem speziellen Master-Studiengang in Europa immatrikuliert, können sie sich nun für ein Erasmus Mundus-Stipendium bewerben.

Promotionen werden nun gefördert

Bislang hatten vor allem Studenten, die aus Ländern außerhalb der EU stammen und in Europa studieren wollen, diese Möglichkeit. Im Studienjahr 2008/09 erhielten unter anderem Studenten aus Costa Rica, Burkina Faso oder Aserbaidschan ein Stipendium. Die speziellen Master-Studiengänge werden immer von mindestens drei Partner-Universitäten, die verschiedenen europäischen Ländern angehören, gebildet. Die Studenten müssen an mindestens zwei der drei Hochschulen studieren. Eine weitere Neuerung: Neben den bisherigen Master-Studiengängen werden künftig auch Promotionen gefördert. Hier gelten ähnliche Bedingungen wie für die Master-Studiengänge.

Wer sich für ein Stipendium des Erasmus Mundus-Programms bewerben will, muss an einer Hochschule eingeschrieben sein, die am Kooperations- und Mobilitätsprogramm teilnimmt. „Erst wenn die Hochschule den Zuschlag aus Brüssel erhält, kann sich der Student bewerben“, erklärt Dr. Siegbert Wuttig vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Bonn. In Europa wurden bislang rund 100 Masterkurse angeboten. An der Hälfte sind deutsche Hochschulen beteiligt.

Bis 2013 sollen 150 Master-Studiengänge und 35 Promotions-Programme zur Auswahl stehen. Für die neuen Kurse können sich Interessierte voraussichtlich ab 2010 bewerben. Die Universität Erlangen-Nürnberg hatte sich 2007 mit der Partneruniversität KTH Stockholm um eine Förderung des Doppelmaster-Abschlusses im Bereich Computational Science beworben. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. „Die Genehmigungsquote ist nicht hoch“, erklärt Dr. Brigitte Perlick, Leiterin des Referats für Internationale Angelegenheiten.

Bevor der Antrag auf Förderung gestellt werden kann, muss ein Abstimmungsprozess zwischen den verschiedenen Universitäten stattfinden, der sich oft langwierig gestaltet. „Es lohnt sich nur da, wo man schon vorher langjährige Partner hat“, verdeutlicht sie. Für Doktoranden in naturwissenschaftlichen Studienfächern gäbe es andere Möglichkeiten der Unterstützung wie eine Förderung durch die Industrie. „Es ist leichter da heranzukommen“, so Perlick.

Obwohl der Antrag vor zwei Jahren scheiterte, bereitet Prof. Ulrich Rüde vom Lehrstuhl für Systemsimulation für das Studienfach Computational Science and Engineering derzeit einen neuen vor. „Inzwischen haben wir schon Teile ohne EU-Förderung realisiert, nämlich das existierende bilaterale KTH-Erlangen-Programm mit gleicher fachlicher Ausrichtung, so dass die Chancen nach unserer Einschätzung diesmal recht gut sein müssten“, meint Rüde.

Finanzielle Vergütung beträgt bis zu 24000 Euro

Die Europäische Union bietet in der zweiten Phase von Erasmus Mundus verschiedene Stipendien an. Die Höhe ist von verschiedenen Faktoren wie Reisezuschlag, Versicherungen oder ob die zu besuchende Universität Studiengebühren erhebt, abhängig. Bei einem Vollzeitstipendium kann die finanzielle Vergütung bis zu 24000 Euro pro Jahr betragen. In der ersten Phase des Kooperations- und Mobilitätsprogramms wurden bereits über 6000 Stipendien vergeben. In der zweiten Phase stehen über 13000 Stipendien für Master-Studierende und Doktoranden zur Verfügung.

Promotion als letzter Ausweg

Von Kerstin Röpke

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen in den vergangenen Monaten gesunken sind, stehen einige Akademiker vor einer ungewissen oder sogar unsicheren Zukunft. Anstelle von einem scheinbar endlosen Bewerbungsmarathon oder der Aneinanderreihung von Praktika stehen sie dann vor einer wenn auch nicht eingeplanten Alternative: der Promotion.

Die Zahl der promovierenden Studierenden ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Während der Doktortitel jedoch früher einen besonderen Status der Person gezeigt hat, ist er für manche Studenten inzwischen eine Notlösung. Sie begeben sich auf die Suche nach Doktorvätern, bei denen sie ihr Vorhaben umsetzen können.

Allerdings liegt ihr Interesse nicht darin, ein wissenschaftliches Problem zu klären oder ein Thema mehrere Jahre lang zu bearbeiten, das sie schon länger bewegt hat. Nicht jeder promovierende Student hat Spaß daran, jahrelang in Laboren zu forschen, Literaturquellen zu analysieren oder Gesteinsproben zu sammeln. Es ist vielmehr ein Weg, Zeit und womöglich persönliche Krisen zu überbrücken.

Auf der Flucht vor der Arbeitswelt

Nicht alle, aber die verzweifelten Doktoranden versuchen so lange wie möglich der „wirklichen“ (Arbeits-) Welt zu entkommen, indem sie im sicheren Schoße der Universität verweilen. Dieser macht es einfach: Viele Entscheidungen werden ihnen abgenommen, und man kann noch länger das unbeschwerte Uni-Leben genießen.

Selbst wenn die Doktoranden keine Stipendien erhalten, brauchen sie sich keine Sorgen um die Finanzierung ihrer Promotion zu machen. Stolze Eltern bezahlen gerne noch ein paar Jahre länger, bis der Sohn oder die Tochter schließlich einen Doktortitel erwerben kann.

Jedoch spätestens nach der Übergabe der Doktorurkunde stehen besagte Arbeitsmarkt-Flüchtende vor dem Problem, das sie jahrelang versucht haben zu vermeiden: Sie müssen sich auf Jobsuche begeben und sich somit auch ihrer Zukunft stellen – wenn ihre Doktorarbeit nicht doch ihre Liebe zu außergewöhnlichen Forschungsthemen geweckt hat und sie noch eine Habilitation anstreben. Jedoch dann wird das unbeschwerte Uni–Leben sicherlich zum nicht ganz so unbekümmerten Arbeitsalltag.