Mehr Platz zum Taumeln

Von Eva Lindner

Als ob die Waliser es geahnt hätten: Da bringt die Universität von Cardiff doch tatsächlich die weltweit erste Studie heraus, die Körperbewegungen Betrunkener erfasst. Nun sind die Insulaner nicht gerade für ihren gemäßigten Alkoholkonsum bekannt.

Vielmehr ereilen den Kontinent immer wieder Meldungen über die tiefe Zuneigung der Inselbewohner zum Flüssigen. Exzessives after work-drinking und Pub-crawling, ein beliebtes durch-die-Kneipen-Ziehen mit anschließendem nach-Hause-Kriechen, sind dabei noch die harmlosen Varianten. Es verwundert also nicht, dass diese Studie aus Großbritannien kommt.

Das Ergebnis der Wissenschaftler: Eine Menschenmenge bewegt sich um so langsamer und großflächiger, je mehr Betrunkene dabei sind. Taumelt also die ganze Gruppe, bewegt sie sich um 38 Prozent langsamer als ein nüchterner Fußgänger. So weit, so gut. Nun rufen die Wissenschaftler aber dazu auf, Kneipenstraßen sicherer und weniger konfliktanfällig zu gestalten. Im Klartext heißt das: Weg mit den Sitzbänken, den Denkmälern, den Blumenbeeten. Denn läuft ein Betrunkener erstmal gegen so ein Hindernis, ist der Stress vorprogrammiert.

Häuser müssen den Betrunkenen weichen

Welche Konsequenz hat nun aber Erlangen zu ziehen? Klarer Fall: Die Bergkirchweih beginnt in gut zwei Monaten und die Stadt ist noch keineswegs präpariert. Noch immer zieren Bäume und bald auch wieder Blumenkästen die Wegränder der Bergstraße. Und dann erst die Engstelle auf dem Schwabach-Übergang an der Hauptstraße! Dort muss Platz geschaffen werden, Häuser müssen weichen, sonst wird Erlangens alkoholfreudige Bevölkerung nach zwei Wochen mit blauen Flecken und Schürfwunden übersät sein.

Am Martin-Luther-Platz sollten Bars, Kneipen und Imbisse abgerissen werden, damit der ganze Tross nicht mehr auf der Straße stehen bleibt, sondern sich ordentlich vorwärts bewegt. Leider muss dann auch das Standbild des Universitätsgründers Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth vom Schlossplatz weichen. Der Schlossgarten dagegen sollte in die Hauptstraße verlegt werden, dann haben die Bergbesucher angemessen Platz zum taumeln und schwanken. Einzig unberührt bleiben darf die Altstädter Kirche, denn die wollen wir ja mal schön im Dorf lassen.