Gut zu wissen, wo der Wind herkommt

Noch so eine Regel, die wir schnell lernen: Gekotzt wird immer mit dem Wind, also über die Lee-Seite des Schiffes. Wer es einmal falsch macht, weiß warum. Am zweiten Tag an Bord sind fast alle seekrank. Es stürmt und regnet, die Wellen schlagen über das Deck. Die Thor schaukelt bei jeder Welle mehrere Meter hoch und runter und rollt nach links und rechts. weiter lesen

Wie um den Wissenschaftszug gestritten wird

Am Sonntag kommt er nach Nürnberg: der Wissenschaftszug der Max-Planck-Gesellschaft, des Bundesbildungsministeriums, des Weltkonzerns Siemens. So viele Exponate wie es in dem Zug voller Wissen gibt, so viele Einrichtungen reklamieren den Zug auch für sich. Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Bei der Organisation des Zugs, der von Bundeskanzlerin Merkel höchstpersönlich auf Deutschlandreise geschickt wurde, kochen alle gleichzeitig.

Erst hat die Kulturidee in den Fraunhofer-Räumen (die ein Exponat stellen) in Fürth zusammen mit Nürnbergs OB Maly, Fürths OB Jung und der Erlanger Bürgermeisterin Preuß sowie einem Vertreter des Bundesbildungsministeriums den Zug vorgestellt – ohne allerdings die Details zu präsentieren. Die gab es dann von Max Planck, die hauptsächlich für die Organisation zuständig sind, bzw. noch präzisere von einer weiteren Agentur. Und jetzt hat Siemens den Zug für sich entdeckt und will sich die Wissenschaft auf die Fahnen schreiben. Jeder will vom positiven Image profitieren. Das Programm ist ja auch toll zusammengestellt.

Dabei blickt man langsam nicht nur bei der Vielzahl der Organisatoren und Promoter nicht mehr durch, die sich um den Zug kümmern. Neben dem Zug tourt ein Truck durch Deutschland und will die Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm herausholen. Mit der MS Wissenschaft tourt ein Schiff durch Deutschland. Podiumsdiskussionen sind angekündigt: In Fürth hätte vergangene Woche unter anderem der Staatssekretär des Bundesverteidigungsministeriums Christian Schmidt über neue Materialien diskutieren sollen. Die Diskussion wurde zum Glück abgesagt. Zwar wäre eine Diskussion mit Schmidt sicher interessant gewesen, wenn er offenbart hätte, wie die Bundeswehr neue Materialien einsetzen kann. Aber darum geht es Schmidt ja nicht (und ging es ihm auch nicht, als er den ersten Spatenstich bei Fraunhofer in Fürth-Atzenhof vorgenommen hat). Es ist Wahlkampf! Da geht es weniger um die Sache als um Wählerstimmen.

Höhepunkt in diesem Jahr bei allen Zügen, Schiffen, Trucks und sonstigen Veranstaltungen ist ohnehin im Oktober die Lange Nacht der Wissenschaft. Diese Veranstaltung ist nicht zu toppen, egal wer sich mit den anderen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit sonnen will. Zum Glück ist die Bundestagswahl dann vorbei, so dass es dann wirklich nur noch um die Wissenschaft gehen wird.