Lasst mich mit euren Urlaubsfotos in Ruhe

MOTIV: Bachelor - Studenten stehen unter enormen psychischem Druck aufgrund der hohen Arbeitsbelastung. FOTO: Franziska Bauer, gesp. 2010 Hier: Feature-Bild: Wie ein Hamster im Laufrad - psychischer Druck bei Bachelorstudenten steigt

Bisher bedeutete Hausarbeit für mich Staubsaugen und Fenster putzen. Zumindest bis ich in diesen Semesterferien meine erste Hausarbeit schreiben durfte. Dass es noch schlimmer werden kann als Fenster putzen, hätte ich nicht gedacht – wurde aber eines besseren belehrt.

„Naja gut, das wird schon“, dachte ich als ich die Vorgaben Anfang August ausdruckte. Schließlich hatte ich meine Seminararbeit in der Schule ja auch aus mehreren Zeitungsartikeln, ein paar hübschen Bildern und den Informationen diverser Internetseiten zusammengesetzt. Für das Ergebnis von 13 Punkten hielt sich der Aufwand damals sehr in Grenzen.

Das ist jetzt anders. Hübsche Bilder sind nicht mehr drin. Wäre bei einer Hausarbeit in Jura auch ein bisschen schwierig. Zur passenden Illustrierung bräuchte ich da zum Beispiel einen eifersüchtigen Mörder, einen unseriösen Teppichhändler oder einen Studenten, der in jeder Klausur die volle Punktzahl erreicht. Alles nichts, was sich so spontan in meiner Fotosammlung finden lässt. Am schwierigsten zu finden ist da wohl der Streber.

Im Internet ist auch eher Halbwissen unterwegs. Das Juristischste, was ich dort gefunden habe, waren Facebooknutzer, die in einem Post irgendwelchen Nutzungsbedingungen widersprochen haben. Da wäre mein Studium dann sofort beendet. Und aus Zeitungsartikeln lässt sich zu meinem Thema wirklich nichts zusammensuchen – aber selbst schuld, ich hätte eben nichts studieren dürfen, was zunächst keinen normalen Menschen interessiert.

Das darf ich jetzt alles abarbeiten. Bei 30 Grad in der Uni Bibliothek, während meine Freunde an ihrem perfekt gebräunten Sommerkörper arbeiten. Auch bei 30 Grad. Bloß am Strand, mit rauschendem Meer und einem Caipirinha in der Hand.

Nein, ich bin auf niemanden neidisch. Nicht auf die Karibikurlauber. Auch nicht auf die Kreuzfahrer, die in drei Wochen jede Küstenstadt zwischen Venedig und Barcelona gesehen haben. Ich gönne auch jedem seinen Spaß im Freibad. Ist ja schließlich schönes Wetter. Da muss der Spätsommer doch genutzt werden. Aber eine Bitte habe ich dann doch noch: Lasst mich mit euren Fotos in Ruhe. Postet sie nicht auf Instagram, dreht keine Facebook Live Videos und schickt mir keine Snaps vom Flughafen. Sonst muss ich das auch noch anschauen, statt weiterzuschreiben.

Außer ihr habt da zufällig einen eifersüchtigen Mörder drauf. Dann kann ich sie gebrauchen.

Björn-Hendrik Otte

 

Ab in die Ferien

Sonnenschein.jpgDie Semesterferien nahen! Wer noch keine Ahnung hat, was er im August und September macht, sollte sich spätestens jetzt einen Plan zurechtlegen. Für die meisten Praktika ist es bereits zu spät, dagegen könnte ein lukrativer Studentenjob das klamme Budget aufbessern. Dazu sollte man über seinen eigenen Schatten springen und auch einmal in einem Bereich arbeiten, der für das zukünftige Berufsleben eher wenig nützlich ist.

Nicht besonders originell, aber ein sicherer Job ist und bleibt das Kellnern. Aber auch Kurierfahrer, Boten und Animateure werden im Sommer gesucht. Wenn es mit der Bafög-Erhöhung nicht klappt, kann man auch im Call-Center anfangen, oder es mal wieder bei bekanntem stellenstreichenden Elektrokonzern versuchen. Werkstudenten stehen dort nicht auf der schwarzen Liste.

Wer keinen Erfolg hat, oder sich nicht an einem Fließband in der Fabrik kaputtschuften möchte, dem bleibt immer noch Hotel Mama. Dort spart man Nebenkosten, den Gang zum Waschsalon und bekommt Kaffee und Kuchen gratis. Und oft bringt die Flucht zurück in Jugendzimmer und Schwarzwaldidylle genug Zeit, um Hausarbeiten zu schreiben und sich auf Abschlussarbeiten vorzubereiten.