„In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk“

MarkgrafDer Wilde Markgraf ist verwirrt: „In Ansbach regiert ja nur Weibsvolk.“ Die Stadt hat eine Oberbürgermeisterin und die Hochschule eine Präsidentin. Diese modernen Zeiten! Trotz Empörung bekommen beide einen Handkuss. Mann hat schließlich Manieren. Trotzdem lässt er zur Vorsicht viele Grüße an „König Horst“ in München ausrichten.

So können Jubiläumsfeiern laufen. Keine langweiligen Reden. Keine stundenlangen Ehrungen. Dafür Filme, Interviews und ein leibhaftig auferstandener Markgraf, Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Genannt „der Wilde“, wegen seiner vielen Frauengeschichten. Der ist zwar eigentlich schon mehr als 250 Jahre tot, aber für den 20. Geburtstag der Hochschule Ansbach extra seiner Gruft entstiegen, um zu gratulieren und sich auf dem Campus umzuschauen.

20160601_124331Dort ist einiges geboten. Denn die Studenten haben die Planung zum Hochschuljubiläum übernommen. Im vergangenen Semester gab es extra Seminare und Vorlesungen dafür. Samira Becker und Benjamin Hecht haben das Modul „Moderation“ gewählt und führen am Vormittag durch den Festakt für die Ehrengäste. Der Kurs „Eventmanagement“ hat das Nachmittagsprogramm organisiert, mit Kinderbuchkino, Hochschul-Rallye und Modellautorennbahn. Beim Kulturabend ab 17 Uhr spielen  Hochschulorchester und Big Band, es gibt Theater- und Filmvorführungen.

Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ist einer der Gratulanten und entschuldigt sich für das schlechte Wetter, das er aus München mitgebracht hat: „Das sind Freudentränen zum Geburtstag, die da vom Himmel kommen.“ Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel erinntert ihn daran, dass durchaus auch mehr Geld für die Hochschule aus München kommen könnte.

20160601_132839Die junge Hochschule ist schnell groß geworden: „Wir hatten mehr Parkplätze als Studenten und mehr Studenten als Bücher in der Bibliothek“, erinnert sich Gründungspräsident Bernhard Krämer an das Jahr 1996. Damals waren es 85 Studenten, heute sind es 3100. Sie haben Filme gedreht, wie sie ihre Hochschule sehen. Bilder und Fotografien zeigen das „Studentenleben im Wandel der Zeit“. Mit Farbe drückt jeder seinen Handabdruck auf ein großes Plakat: „20 Jahre Hochschule Ansbach“, steht darauf, „Wir waren dabei“.

Christina Merkel

Forschung und Lehre für 8,50 Euro die Stunde

Dies academicus 2013, akademische Jahrfeier der FAUHochschulen sind schon lange keine attraktiven Arbeitgeber für junge Wissenschaftler mehr. Schlecht bezahlte Zeitverträge sind die Regel. Morgen demonstrieren Lehrbeauftragte in Nürnberg für bessere Arbeitsbedingungen.

Sie haben einen Hochschulabschluss, manche sogar einen Doktortitel. Als wissenschaftliche Mitarbeiter forschen sie, arbeiten Professoren zu und halten Vorlesungen. Die Anstellung ist auf ein Jahr befristet, pro Stunde gibt es weniger als den Mindestlohn von 8,50 Euro. Jahr für Jahr wird verlängert.

Der Stundenlohn von 25 Euro wirkt als würde es Lehrbeauftragten besser gehen. Doch ihnen werden nur reine Unterrichtsstunden bezahlt. Keine Vorbereitungzeiten, kein Urlaub, keine Krankheitstage und keine Feiertage. Sozialversicherungsbeiträge müssen Lehrbeauftragte alleine tragen, Kündigungsschutz gibt es nicht. Der Lohn wird erst nach Ende des Semesters ausbezahlt.

Morgen protestieren in ganz Deutschland Dozenten für bessere Arbeitsbedingungen. In Nürnberg demonstrieren die Lehrbeauftragten der Hochschule für Musik  von 10 bis 14 Uhr in der Veilhofstraße 34. Die Musikpädagogen der Universität Erlangen-Nürnberg wollen von 12.30 bis 13.30 Uhr vor der Mensa der früheren EWF in der Regensburger Str. 160 für ihr Anliegen werben.

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SPD will wissen, wie es „Auf AEG“ weiter geht

Presserundgang "Offen Auf AEG"Heute tagte der Nürnberger Stadtrat nicht im Rathaus, sondern Auf AEG. Auch im Bayerischen Landtag war der neue Uni-Standort ein Thema. Die SPD hatte einen Bericht gefordert, welche konkreten Pläne die CSU-Regierung im Nürnberger Westen verfolgt. Doch der Antrag wurde abgelehnt. „Wir wollen endlich ein konkretes Konzept sehen“, sagt die Nürnberger SPD-Abgeordnetn Helga Schmitt-Bussinger. Fragen, die nach Meinung des SPD-Arbeitskreises für Wissenschaft und Kunst noch offen sind, betreffen den Zeitplan und die Kosten:

– Wann kauft der Freistaat das AEG-Gelände? Und für wie viel Geld?

– Wann ziehen die ersten Studiengänge der Technischen Fakultät Auf AEG ein?

– Was passiert mit den bisherigen Mietern?

Auf AEG soll in den nächsten zehn bis 20 Jahren ein Forschungscampus für bis zu 5000 Studierende mit 50 Lehrstühlen und 850 Beschäftigten entstehen. Das Areal, das der Freistaat kaufen will, umfasst mehr als 100 000 Quadratmeter. „Schmitt-Bussinger glaubt, dass der Platz der Uni überhaupt nicht reichen wird: „Trotzdem wird noch immer nicht ernsthaft über das Quelle-Gebäude als Möglichkeit nachgedacht.“

Die ersten Wissenschaftler wandern schon jetzt ab, wenn sie vor Ort keine Perspektiven sehen. Die Finanzierung des Energie Campus Nürnberg steht im Moment nur bis 2016 fest im Haushaltsplan. Die Abgeordneten fordern Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) dazu auf, die Stadt Nürnberg und die beteiligten Hochschulen mehr in die Überlegungen mit einzubeziehen. Als Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion war Anja Prölß-Kammerer bei dem Treffen dabei. „Das muss sich jetzt eintakten, welche Rolle die Uni spielt und welche die Technische Hochschule“, sagt sie. „Wir freuen uns über jeden neuen Studenten in der Stadt, aber wir brauchen Gewissheit, um planen zu können, zum Beispiel für zusätzlichen Wohnraum.“

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