Der Druck kommt von allen Seiten

ARCHIV - Ein junger Mann sitzt am 29.01.2014 in einer Bibliothek der Universität Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/dpa (zu dpa "Umfrage: Gut die Hälfte der Studenten fühlt sich massiv unter Stress" vom 11.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Immer mehr Studenten leiden unter psychischen Problemen. Daran ist aber nicht allein die Bologna-Reform schuld. Der Druck kommt von allen Seiten.

Das Bachelor-Master-System hat die Studienbedingungen verschärft: Anwesenheitspflicht, mehr Leistungsnachweise, weniger Wiederholungsmöglichkeiten. Das trägt dazu bei, dass sich junge Menschen immer seltener in der Lage fühlen, das Studium ohne Hilfe zu bewältigen. Trotzdem ist die Lage an den Hochschulen nur ein Symptom einer gefährlichen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die alle Lebensbereiche erfasst hat, von der Krabbelgruppe bis zur Promotion. weiter lesen

Abklopfen statt Ausbrennen

Von Christiane Fritz

Seit ein paar Monaten ist es im Leben von Stella Smith stressiger geworden. Seitdem Sohn Bjorn an Silvester merkte, dass auch die späten Abendstunden Interessantes bergen können, geht der Dreijährige selten vor Mitternacht ins Bett. Kann sie den Kleinen doch zur Nachtruhe bewegen, ist noch längst kein Feierabend. Smith ist im sechsten Semester für das Hauptschullehramt mit Englisch als Hauptfach immatrikuliert. Manchmal lernt sie bis zwei oder drei Uhr nachts. Im Oktober nahm die 32-Jährige das Studium wieder auf. Seitdem versucht sie Vorlesungen, Familie, Freunde und den Haushalt zu vereinen. „Dass hört sich jetzt stressiger an als es ist“, beschwichtigt die Nürnbergerin.

Während sie die gegenwärtige Mehrfachbelastung bewältigt, bereiten ihr künftige Herausforderungen, jene als Lehrer, Kopfzerbrechen. Stella Smith ist sich sicher: an einer Hauptschule zu unterrichten, wird nicht einfach. „Ich denke, dass das Burn-out auch an mir nicht vorübergeht. Ich will es aber gar nicht so weit kommen lassen.“ Um präventiv tätig zu werden, nahm die 32-Jährige vor kurzem am Workshop „Stressmanagement und Burn-out-Prävention“ teil. Die Psychologische Beratungsstelle des Departments Fachdidaktiken bietet den kostenlosen Kurs ihren Lehramtsstudenten an.  In „Stressmanagement und Burn-out-Prävention“ lernen die Teilnehmer Ursachen der dauerhaften Erschöpfung kennen. Zudem setzen sie sich mit dem Phänomen Stress auseinander. Für Kursleiterin und Diplom-Psychologin Eva Nutz ist Stress ein Erleben des Menschen, das sich in psychischen und körperlichen Symptomen wie Zittern oder Schwitzen äußert. Ob eine Situation als stressig empfunden wird, ist von der Bewertung der Person abhängig. „Es gibt Manche, die mit sehr starken körperlichen Symptomen auf den Stress reagieren“, weiß die 26-Jährige.

Weil Lehrer unter einer großen Anspannung stehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Burn-out-Syndrom erkranken, hoch. Von 2002 bis 2006 führte die Universität Potsdam eine Befragung unter 20000 Lehrer durch. Die vom Deutschen Beamtenbund (dbb) in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass sich jeder zweite Lehrer in Deutschland durch den beruflichen Stress übermäßig belastet fühlt. Fast jeder Dritte klagt über Anzeichen von Selbstüberforderung oder Resignation. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen gehen Lehrer früher in den Ruhestand.

Mit Entspannungstechniken gegen den Stress

Im Kurs beschäftigen sich die Teilnehmer mit verschiedenen Maßnahmen, wie mit alltäglichen Belastungen im Uni-Alltag oder im Privatleben umgegangen werden kann. Um Stress abzubauen, rät Eva Nutz, sportlich aktiv zu werden. „Durch die körperliche Tätigkeit, stellt sich eine Entspannung ein. Auch wenn diese nur für kurze Zeit ist“, sagt die 26-Jährige, die seit drei Jahren regelmäßig Yoga macht. Stress lässt sich durch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training verringern. Auch Imaginationsübungen helfen. „Wenn wir uns eine entspannte Situation vorstellen, beginnt der Körper herunterzufahren“, erklärt die Nürnbergerin.

Mit dem Workshop will Nutz die Studenten anregen, präventiv tätig zu werden. „Denn unser Leben verläuft immer im Auf und Ab. Es wird immer etwas kommen, für das man gewappnet sein muss.“ Für eine kleine Entspannung am Schreibtisch empfiehlt die Diplom-Psychologin etwas ganz Einfaches: das Abklopfen der Arme und Beine. Die Berührung regt die Durchblutung an. „Der körperliche Organismus kommt in Bewegung und dadurch kann dann das Gehirn besser arbeiten“, verdeutlicht Nutz. Stella Smith ist vor allem von der im Kurs vorgestellten Schüttel-Methode begeistert. „Einfach nur aufstehen und den Stress wegschütteln“, verrät sie das Prozedere. Das könne man schön zwischendurch machen. Eine ideale Übung, findet die Studentin, „denn ich bin eine ganz Faule.“

Der nächste zweitägige Workshop findet am 6. Juni von 10 bis 17 Uhr und am 7. Juni von 10 bis 14 Uhr im Department Fachdidaktiken im Raum 2.015 statt. Ein weiteres Seminar ist für den 27. Juni von 10 bis 17 Uhr und den 28. Juni von 10 bis 14 Uhr im Raum 0.014 geplant. Interessierte
richten ihre Anmeldung an: beratungsstelle@ewf.uni-erlangen.de

Keine Angst vor Stress

Von Julius Brockmann 

stress.JPGFünf Monate Semesterferien, durchschnittlich 20 Wochenstunden und jede Menge Ermäßigungen – sei es bei der Bahn, im Kino oder Schwimmbad. Das Leben eines Studenten eben. Hört sich rosig an, scheint es aber gar nicht zu sein. Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge an der Universität setze viele Studis unter Druck, vermeldet die Deutsche Presseagentur dpa.

Erschöpfung, Schlafstörungen und Versagensängste seien die Folge der zunehmenden Verschulung der Studiengänge. Im Gegensatz zu Magisteranwärtern und Diplomern haben die Bachelorstudenten häufiger Leistungsabfragen und keine so umfangreiche schriftliche Arbeit am Ende ihres Studiums. Sprich, Bachelor-Studis müssen – wie Schüler – viele Klausuren über sich ergehen lassen. Wer nicht mitkommt, muss meist mehrere Semester warten, bis der Kurs erneut angeboten wird, den vorgeschriebenen Lehrplänen sei Dank.

In der Prüfungsphase sollten gestresste Studis deshalb Wert auf Abwechslung legen. Wer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, braucht abends Bewegung. Also, raus in die Natur, oder zumindest ins Fitnessstudio. Auch der Kontakt zu Komillitonen und Freunden sollte nicht vernachlässigt werden.

Elisabeth Medicus-Rickers von der psychologisch-therapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Bremen empfiehlt, sich einen Zeitplan zu erstellen und den Tag gut zu strukturieren, um der Angstfalle zu entkommen. Aufkommende Panik kennt wohl jeder Studi. Dauerlernen und Einigeln nützt da allerdings wenig. Nur wer ausgeglichen ist, kann auch Leistung erbringen. Wer also in seinem Bekanntenkreis Studenten hat, die er wochenlang aufgrund von Prüfungsstress nicht zu Gesicht bekommt, sollte zum Hörer oder Handy greifen und sich einfach mal nach dem Wohlbefinden erkundigen. Diese werden es ihm im Nachhinein danken, auch wenn sie in der Situation vielleicht denken: «Ich habe doch keine Zeit!»

Wem alles über den Kopf wächst, sollte auch nicht davor scheuen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. An jeder Uni gibt es diese Hilfe kostenlos. Aber auch der Hausarzt kann helfen. In einer Universitätsstadt wie Erlangen wird man nicht der erste Patient sein, der Prüfung- und Zukunftsangst hat.

Die Lizenz zum Lachen: Schadenfreude an der Uni

Von Christina Schmelzer

Am schönsten ist es doch dann, wenn man es eigentlich nicht darf – so verhält es sich auch beim Lachen. Die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia definiert Schadenfreude als „ein Gefühl der Freude am Leid oder Unglück eines Anderen“. Klingt nicht gerade nett – in der Gesellschaft galt der bissige Witz auch lange als verpönt.
Doch die Schadenfreude wird wieder salonfähig! Fernseh-Narren wie Harald Schmidt und Stefan Raab ziehen skrupellos ihre prominenten Kollegen durch den Kakao, in Internetportalen wie youTube.de werden millionenfach private Homevideos von Pechvögeln heruntergeladen, Pleiten-Shows wie „Upps – Die Superpannenshow“ verzeichnen laufend hohe Einschaltquoten. Das Geschäft mit der Freude auf Kosten der anderen boomt derzeit wie nie zuvor.

Und auch an der Uni gehören Lästern und Schadenfreude dazu. Zugeben will es wieder keiner. Aber mal ehrlich: Wer hat nicht schon in sich reingegrinst, wenn der ewig besserwisserische Kommilitone im Seminar mit seiner Antwort endlich auch mal komplett daneben liegt oder der immer akkurate Professor ganz unwissenschaftlich aufs Rednerpodest stolpert?

Schadenfreude kann gesund sein

Evolutionär betrachtet ist Schadenfreude überlebensnotwendig, sie dient dem Erhalt von Gerechtigkeit und der sozialen Gemeinschaft. Wenn man beispielsweise in der U-Bahn brav den Fahrschein gelöst hat und sich insgeheim darüber freut, dass ein anderer Fahrgast beim Schwarzfahren erwischt wird, bestätigt dies, dass sich Verstöße gegen die Gesetze nicht lohnen.

Wer gerne über andere lacht, braucht sich zumindest aus evolutionspsychologischer Sicht also nicht zu schämen! Doch nicht nur das: Eine britische Untersuchung hat außerdem ergeben, dass Schadenfreude sogar gesund sein kann. Gerade an der Uni und in der Arbeitswelt stehen die Menschen oft unter hohem Leistungsdruck und haben viel Stress.

Schadenfreude kann in solchen Fällen dazu beitragen, dass der Stress abgebaut wird und sich Verspannungen lösen. Ein bisschen Schadenfreude schadet also keinem. Und wenn der, über den gelacht wird, auch ein bisschen Spaß versteht, ist das Ganze doch gleich doppelt so lustig…