Ohm-Präsident Braun: Plädoyer fürs Semesterticket

Ein richtiges Semesterticket für die Region muss her – das sagen inzwischen nicht mehr nur die Studenten. Auch Michael Braun, Präsident der Ohm-Hochschule hat kürzlich gefordert, dass etwas passieren müsse. Und das in aller Öffentlichkeit, nämlich bei der Akademischen Jahrfeier seiner Technischen Hochschule (TH) im Historischen Rathaussaal in Nürnberg. Im Zusammenhang mit den ständig steigenden Studentenzahlen der TH (2013 beachtliche 12500 Studis, ein Anstieg der Erstsemesterzahlen von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr!) sagte Braun wörtlich:

„Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viele [Studenten] es gewesen wären, wenn wir in Nürnberg endlich ein Semesterticket hätten. Ich denke, es gibt unsinnigere und kostspieligere Ideen für das Standortmarketing von Stadt und Metropolregion als ein Semesterticket.

Wenn wir eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft unseren Beitrag zur qualifizierten Zuwanderung noch intensiver leisten wollen, viel stärker als heute Studierende aus anderen Regionen anziehen, Bildungspotentiale in der eigenen Bevölkerung heben wollen – beziehungsweise müssen – und der Standortwettbewerb härter wird, dann werden wir auch dieses Signal und diesen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Hochschulstandorts Nürnberg unbedingt brauchen.“

Klare Worte vom Ohm-Präsidenten vor hunderten Ehrengästen, darunter auch Vertreter der Politik. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (seine SPD hat gerade das Thema für sich entdeckt) hatte zu dem Zeitpunkt die Veranstaltung übrigens bereits verlassen… In München hingegen ist ein Semesterticket nach dem Solidarmodell in diesem Herbst sehr erfolgreich gestartet.

fbh

Semesterticket: München macht's uns vor

Wer hat’s uns mal wieder gezeigt? Die Münchner natürlich… Dort ist zum laufenden Wintersemester erstmalig für Studenten ein Semesterticket aufgelegt worden, das diesen Namen auch verdient.

In der Landeshauptstadt müssen nun alle Studenten, ob sie wollen oder nicht, für 59 Euro pro Semester eine Art Basisticket erwerben, das zu Fahrten nach 18 Uhr und an Wochenenden berechtigt. Wer zu den Hauptverkehrszeiten die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen will, löst zusätzlich eine Karte für 141 Euro. Für 200 Euro sind Studenten folglich ein halbes Jahr lang im gesamten Raum des Münchner Verkehrsverbundes unterwegs, also nicht nur im Stadtgebiet, sondern auch im Umland.

München: Sockelmodell

Bislang hatten die Münchner die gleichen Widrigkeiten geplagt, wie sie auch Studenten aus Nürnberg und Umgebung kennen. Kurz gesagt: Den beteiligten Verkehrsunternehmen ist das Risiko zu groß, dass sie bei einem Studententicket zu viel draufzahlen. Deswegen gibt es bislang in der Region keine verbundweite Karte. Studenten können wochen- oder monatsweise den Ausbildungstarif nutzen, der auch für Schüler und Azubis gilt, oder Semestermarken für drei oder vier Monate erwerben.

Diese schließen jedoch die „vorlesungsfreie Zeit“ aus. Wer in den Ferien zu Prüfungen oder Bibliotheksrecherchen an die Hochschule fährt, muss wieder eine andere Karte lösen. Vier Monate freie Fahrt im Bereich Nürnberg, Fürth, Stein und Erlangen kosten für Studenten derzeit knapp 252 Euro.

Solidarbeitrag ist vielmehr Zwangsabgabe

In München war die Situation ähnlich. Dort hat sich allerdings nach langer politischer Debatte die Kommune bereiterklärt, für das finanzielle Risiko von Kosten für die beteiligten Verkehrsbetriebe einzustehen. Konkret hat die Stadt München eine Zusage in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro über zwei Jahre gemacht. Prognostiziert war, dass den Bus- und Bahnunternehmen in und um München Einnahmen entgehen, wenn weniger als 70 Prozent der Studenten sich für das Gesamtpaket von 200 Euro entscheiden.

Nun sieht alles danach aus, dass die Hürde genommen ist. Das heißt: Weder Verkehrsbetriebe noch die Stadt München müssen draufzahlen. Kritik an diesem Modell gibt es freilich auch. Nicht wegzudiskutieren ist, dass jeder Student 59 Euro Zwangsabgabe – verbrämt als Solidarbeitrag – leisten muss, also auch, wer mit dem Fahrrad, Auto oder zu Fuß zur Hochschule kommt.
Der Erfolg in der Landeshauptstadt macht jetzt auch Nürnberger Lokalpolitiker hellhörig.

Nürnberger Politik entdeckt das Thema Studententicket

Vergangene Woche brachte die SPD-Stadtratsfraktion einen Antrag ein, der für die Region ein ähnliches Modell wie in München vorsieht. Daraufhin teilte die CSU mit, sie habe vor gut zwei Jahren bereits fast das gleiche gefordert, der Antrag liege aber seitdem unbeantwortet beim Oberbürgermeister. Nun spekuliert man bei den Schwarzen, dass sich in dieser Angelegenheit bald etwas tun könnte. Bereits öfter habe die SPD in jüngster Zeit schnell noch einen Antrag gestellt, wenn eine Entscheidung ohnehin kurz bevorgestanden habe, sagt ein prominenter Christsozialer.

Beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) stoße das auf offene Ohren. In wenigen Monaten werden frische Daten zur Mobilität der Studenten vorliegen. Danach könne man mit dem Studentenwerk über verschiedene Modelle diskutieren. Wenn die Studenten mehrheitlich hinter einem Sockelmodell à la München stehen und sich die Politik – vielleicht im Rahmen der Metropolregion – auch zu Zusagen bereiterkläre, könnte ein echtes Studententicket kommen, mit viel Einsatz vielleicht schon zum nächsten Wintersemester.

fbh

Endlich mehr BAföG

Von Julius Brockmann

bafoeg.jpgEndlich mehr BAföG – darauf haben so viele Studenten gewartet. Steigende Lebensmittelpreise und Nebenkostenabrechnungen, die von Jahr zu Jahr höher werden, haben den studentischen Geldbeutel sehr belastet. Nun steigt der BAföG-Höchstsatz von 585 Euro auf 643 Euro. Damit kann man in einer teuren Stadt wie Erlangen, zwar noch immer nur sehr eingeschränkt leben, aber man will ja auch nicht meckern.

Stattdessen teste ich, was man so alles mit seinem BAföG anstellen kann. Zum Beispiel Kino. Das Studententicket gibt es an mindestens einem Tag in der Woche. Kosten: 4 Euro. Mit dem gesamten BAföG könnte man also ungefähr 160 Mal im Monat ins Kino gehen.

Auch feiern Studenten ja ganz gerne einmal. Das heißt, nicht wenige geben ihr BAföG für Alkohol und sonstige Genussmittel aus. Warum auch nicht? Nach anstrengendem Unialltag und nervenden Referatsvorbereitungen kann man sich auch mal ein Feierabendbier gönnen. Kostenpunkt etwa 2,70 Euro in der Kneipe. Wer 239 Bier später immer noch nicht genug hat, der muss allerdings eine neue Geldquelle auftun.

Aber zuviel Alkohol ist bekanntlich schlecht für die Leber und die Konzentration. Ganz zu schweigen vom Abhängigkeitsfaktor. Da ist es doch eher zu empfehlen, sein Geld für die Gesundheit und Schönheit des eigenen Körpers auszugeben. Im Supermarkt entdecke ich Beauty-Netzbälle zur Körperpflege und Dentalweiß für die Zähne. Zusammen für nur 2,60 Euro. Damit könnte ich 247 Schönheitsbehandlungen durchführen. Ein ideales Verwöhnprogramm nach einer durchtanzten Nacht.

Zugegeben, meine Flausen sind irgendwie nicht realistisch. Denn letztendlich geben die meisten Studenten ihr BAföG wohl für alltägliche Dinge wie Joghurt und Müsli aus. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. . .