Studentenhaus bleibt zwei Jahre lang geschlossen

Die letzten Gäste des Studentenhauses.

Die letzten Gäste des Studentenhauses.

Das Erlanger Studentenhaus am Langemarckplatz ist zu. Und wird es auch zwei Jahre lang bleiben. So lange dauert die Generalsanierung des 80 Jahre alten Gebäudes, in dem die Innenstadtmensa und die Hauptverwaltung des Studentenwerks untergebracht waren. Der aus den 1960er Jahren stammende Ostflügel wird Anfang März abgerissen.

 

So sah das Studentenhaus früher aus.

So sah das Studentenhaus früher aus.

Damit die Studierenden trotzdem nicht verhungern, betreibt das Studentenwerk ab kommender Woche und während des gesamten Umbaus im Garten des Hauses eine provisorische Mensa in einer Leichtbauhalle. Im „WerksGärtla“ wird es täglich von 11.15 Uhr bis 15 Uhr zwei Mittagsgerichte geben, davon immer ein vegetarisches oder veganes.
Die Infotheke und Privatzimmervermittlung, die bislang gleich neben dem Haupteingang zu finden waren, werden auch mit ins WerksGärtla verlegt. Die Hauptkasse ist für die Dauer der Sanierung in der Südmensa in der Erwin-Rommel-Straße 60 zu finden. Die Geschäftsführung ist bereits im Sommer umgezogen. Die Mitarbeiter bleiben künftig dauerhaft in der Hofmannstraße 27, dort befindet sich auch das BAföG-Amt.

Das neue "WERKsGärtla"

Das neue "WERKsGärtla".

Das Bayerische Wissenschaftssministerium zahlt 10,8 Millionen Euro für die Sanierung, die insgesamt rund 15 Millionen Euro kosten wird.
Am Freitag gingen die Studenten Andreas Dotzler und Tobias Meißner als letzte Gäste durch die Kasse der alten Mensa. Der Leiter der Hochschulgastronomie, Mathias Meyer, schenkte ihnen einen tragbaren Campingstuhl, damit sie auch währen des Umbaus immer einen Sitzplatz haben. cm

Wohnen in Erlangen? Vergesst es…

Für das kommende Wintersemester rechnet die Uni Erlangen-Nürnberg mit rund 8000 Studienanfängern. Zusammen mit den 2500 im vergangenen Sommersemester sind das über 10.000 Erstsemester im Jahr 2011 – im Vorjahr waren es nur 6000. Weil Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske und der Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) Angst haben, dass die ganzen neuen Studis vielleicht keine Bleibe bekommen, haben sie sich schon vor einiger Zeit das Wohnprojekt „Wohnen für Hilfe“ ausgedacht. Das Prinzip: Oma X. vermietet ihre Einliegerwohnung oder ein Zimmer an den Studenten Y. – und zwar für deutlich weniger Miete als sonst üblich. Im Gegenzug verpflichtet sich der Student, der ja die Bude viel billiger bekommt, zu bestimmten vorher ausgemachten Gegenleistungen. Der OB stellt sich so was vor: Rasenmähen, Abwaschen, mal den Hund Gassi führen.

Bislang ist das alles jedoch nur graue Theorie. Denn die lieben Erlanger steigen auf die Idee überhaupt nicht ein. Diejenigen, die mal vorsichtig Interesse beim OB bekundet haben, wollten dann hinterher zwar schon vermieten – aber zum regulären Mietpreis. Und der ist in Erlangen für viele Studenten unerschwinglich, weil die vielen Uni- und Siemens-Mitarbeiter die Preise hochtreiben. Es liegt aber auch daran, dass die guten Senioren manchmal etwas überzogene Vorstellungen davon haben, wie so ein Student zu sein habe. Leise und höflich versteht sich von selbst; fromm, schlank und allwissend hat selbst das Stadtoberhaupt überrascht.

Einen Ruck sollten sich die Erlanger aber vielleicht zuliebe des Nachwuchses doch gebe, sonst können zum Semesterbeginn im Oktober viele Studenten unter den Brücken der Stadt nächtigen. Wer im Radius von 50 Kilometern rund um die Uni wohnt, hat in diesem Winter sowie im Sommer 2012 keine Chance auf einen Studentenwerks-Wohnheimplatz – auch wenn er sich noch so oft bewirbt. Das Studentenwerk hat in Erlangen 1824 Wohnheimplätze, in Nürnberg 1593. Die kommen aber vor allem Austauschstudenten aus dem Ausland und Erstsemestern von weiter weg zugute.

 

Es muss nicht immer Erlangen sein

Wer schon seine Zusage für Erlangen hat, sollte so früh wie möglich den Kontakt zum Wohnservice des Studentenwerks suchen. Die geben auch Tipps, wo man es sonst noch probieren kann. Die cleveren Stadtväter in den Nachbarstädten Nürnberg und Fürth werben zwischenzeitlich schon mit Ausweichquartieren in ihren Kommunen. 390.000 Wohnungen gibt es in der Region. Pro Jahr zieht ein Zehntel um, also sollte immer was freiwerden. Die Fürther locken vor allem mit günstigen Mieten. Tatsächlich liegt die Durchschnittsmiete dort etwa 20 Prozent unter dem Erlanger Niveau. In den vergangenen Jahren ist viel gebaut worden, vor allem auf dem ehemaligen Army-Gelände in der Südstadt. In Nürnberg ist es – je nach Lage – etwas teurer als in Fürth, aber immer noch günstiger als in Erlangen. Außerdem darf man in einer Großstadt leben. Neben dem Zug kommt man auch noch mit der Buslinie 30 von Nürnberg nach Erlangen. Und die, das verrät die VAG, wird ab dem Vorlesungsbeginn-Montag sogar noch häufiger fahren als bisher.

Florian Heider

Musik in der Mensa

pic-tgif01Ein Student tänzelt durchs Foyer. Zwei Studentinnen werfen den Gitarristen im Vor­übergehen ein Lächeln zu. Viele verdrehen den Kopf, um zu sehen, weshalb zwei junge Männer im Foyer des Studentenhauses auf der Insel Schütt Verstärker und Notenständer aufgebaut haben.

Immer freitags von 12 bis 14 Uhr klingt Musik durch die Nürn­berger Mensa. „Thank God It’s Friday – Chill Out ins Wochen­ende“ heißt der Titel der Mini-Konzertreihe, die das Studenten­werk seinen Gästen bietet. An diesem Freitag stammen die Klänge von Jonathan Schmid und Heinz Christian Oetken, Studen­ten der Nürnberger Musikhoch­schule. Das Gitarren-Duo spielt heute Jazz-Stücke. Doch das Publikum bleibt aus. Zwar setz­ten sich immer wieder einzelne auf die kleine Tribüne mit den drei Holzstufen gegenüber den Gitarristen. Doch der eine liest ein Buch, die andere drückt auf ihrem Handy herum, der dritte hat sogar die Stöpsel seines MP3-Players in den Ohren, um seine eigene Musik zu hören.

Jazz zu Fisch mit Reis

„Das Foyer ist leider nicht so gut zum Spielen geeignet“, sagt Jonathan Schmid. „Im Dezember haben wir in der Erlanger Mensa gespielt“, sagt Heinz Christian Oetken. „Da saßen wir mitten im Essensraum, die Leute waren dabei und applaudierten.“ In Nürnberg klatscht keiner. Dabei ist die an das Foyer angren­zende Mensa gut zur Hälfte gefüllt. Und den Leuten gefällt die Musik.

„Ich finde es sehr schön“, sagt Klaus Oeckler, Dok­torand an der Uni Erlangen, der gerade Fisch mit Reis isst. „Der Applaus bleibt aus, weil die Leute hier Messer und Gabel in Händen halten.“ Ebenfalls „supertoll“, gefällt Honza aus Tchechien die Musik in der Mensa. „Ich liebe Jazz“, sagt der Austauschstudent. „Deshalb haben meine Kumpel und ich heute zwei Runden Kicker im Foyer gespielt.“

Christina Merkel