Musik in der Mensa

pic-tgif01Ein Student tänzelt durchs Foyer. Zwei Studentinnen werfen den Gitarristen im Vor­übergehen ein Lächeln zu. Viele verdrehen den Kopf, um zu sehen, weshalb zwei junge Männer im Foyer des Studentenhauses auf der Insel Schütt Verstärker und Notenständer aufgebaut haben.

Immer freitags von 12 bis 14 Uhr klingt Musik durch die Nürn­berger Mensa. „Thank God It’s Friday – Chill Out ins Wochen­ende“ heißt der Titel der Mini-Konzertreihe, die das Studenten­werk seinen Gästen bietet. An diesem Freitag stammen die Klänge von Jonathan Schmid und Heinz Christian Oetken, Studen­ten der Nürnberger Musikhoch­schule. Das Gitarren-Duo spielt heute Jazz-Stücke. Doch das Publikum bleibt aus. Zwar setz­ten sich immer wieder einzelne auf die kleine Tribüne mit den drei Holzstufen gegenüber den Gitarristen. Doch der eine liest ein Buch, die andere drückt auf ihrem Handy herum, der dritte hat sogar die Stöpsel seines MP3-Players in den Ohren, um seine eigene Musik zu hören.

Jazz zu Fisch mit Reis

„Das Foyer ist leider nicht so gut zum Spielen geeignet“, sagt Jonathan Schmid. „Im Dezember haben wir in der Erlanger Mensa gespielt“, sagt Heinz Christian Oetken. „Da saßen wir mitten im Essensraum, die Leute waren dabei und applaudierten.“ In Nürnberg klatscht keiner. Dabei ist die an das Foyer angren­zende Mensa gut zur Hälfte gefüllt. Und den Leuten gefällt die Musik.

„Ich finde es sehr schön“, sagt Klaus Oeckler, Dok­torand an der Uni Erlangen, der gerade Fisch mit Reis isst. „Der Applaus bleibt aus, weil die Leute hier Messer und Gabel in Händen halten.“ Ebenfalls „supertoll“, gefällt Honza aus Tchechien die Musik in der Mensa. „Ich liebe Jazz“, sagt der Austauschstudent. „Deshalb haben meine Kumpel und ich heute zwei Runden Kicker im Foyer gespielt.“

Christina Merkel

Männer lieben Mensa-Essen

CurrywurstFree flow – freie Wahl statt Stammessen vom Fließband. In der Mensa auf der Insel Schütt der Uni Erlangen-Nürnberg gibt es das schon. Im Studentenwerk Göttingen öffnete jetzt die größte „Free flow“-Mensa Deutsch­lands. Mit 23 Themenstationen, Front-Cooking, Wok, Grill, vege­tarischen Angeboten, Suppen, Eintöpfen, Salat- und Dessertbuf­fet.

Einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährung wäh­rend des Studentendaseins steht bei so einem Angebot demnach nichts mehr im Wege. Und güns­tig ist die Mensa auch – für rund drei Euro kann man sich schon satt essen.

Die Vorzüge der Mensa werden gut genutzt. So gab das Deutsche Studentenwerk (DSW) kürzlich bekannt, dass im Laufe einer Woche rund 83 Prozent der Stu­denten mindestens einmal die Mensa oder eine Cafeteria der Studentwerke besuchen, 40 Pro­zent der Studierenden essen sogar mindestens drei mal pro Woche dort.

Die waschechten Mensa-Esser sind dabei die angehenden Inge­nieure mit einem Anteil von 49 Prozent, gefolgt von Mathemati­kern und Naturwissenschaftlern mit 48 Prozent und Medizinern mit 47 Prozent.

Schnitzel und Pommes vorn

Unter den Studenten, denen nach der Vorlesung der Magen in Richtung Mensa knurrt, sind mit 49 Prozent Männer die Hauptbe­sucher. 70 Prozent der Frauen gehen nach einem stressigen Vor­mittag an der Uni anderweitig auf Nahrungssuche oder kochen selbst, nur 30 Prozent der Mensa­Stammgäste sind weiblich.

Bei der Auswahl der Lieblings­menüs sind die Studenten im All­gemeinen nicht wählerisch und bedienen tatsächlich das Klischee vom Hang zu schnellem, kalorien­haltigem Essen: in Deutschlands Uni-Kantinen sind Schnitzel und Pommes besonders beliebt. Jedes Jahr werden dort rund 11,7 Millio­nen Schnitzel und 2,7 Millionen Kilogramm Pommes frites zube­reitet, rechnete das DSW aus. Die nachfolgenden Plätze belegen Nudeln, Currywurst, Salat, Fisch & Co. Unter den Getränken ist bei den angehenden Akademikern Kaffee besonders gefragt: davon trinken sie laut DSW-Angaben rund zehn Millionen Liter pro Jahr.

Bundesweit gibt es 740 Mensen und Cafeterien, die allesamt rund 85 Millionen Mahlzeiten jährlich zubereiten.

Daniela Kaiser