„Alex“ – ein Wohnheim mit Herz macht zu

Billiger Alkohol, versiffte Sofas…“, so werde ich in einem Online-Portal beschrieben. „Wie man hier ernsthaft wohnen kann, bleibt mir ein Rätsel.“

Gestatten, mein Name ist Alex, genauer gesagt Alexandrinum. Ich wurde 1952 erbaut und bin somit das älteste Wohnheim in Erlangen. Deswegen ist meine Aufteilung auch noch sehr klassisch, Jungs und Mädels wohnen strikt voneinander getrennt – Westbau für die Herren und Ostbau für die Damen. Na gut, ganz so streng ist die Trennung dann doch nicht, da ständig ein reger Austausch über den „Walk of Shame“, die Verbindungsbrücke der beiden Flügel, herrscht. weiter lesen

Wohnen in Erlangen? Vergesst es…

Für das kommende Wintersemester rechnet die Uni Erlangen-Nürnberg mit rund 8000 Studienanfängern. Zusammen mit den 2500 im vergangenen Sommersemester sind das über 10.000 Erstsemester im Jahr 2011 – im Vorjahr waren es nur 6000. Weil Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske und der Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) Angst haben, dass die ganzen neuen Studis vielleicht keine Bleibe bekommen, haben sie sich schon vor einiger Zeit das Wohnprojekt „Wohnen für Hilfe“ ausgedacht. Das Prinzip: Oma X. vermietet ihre Einliegerwohnung oder ein Zimmer an den Studenten Y. – und zwar für deutlich weniger Miete als sonst üblich. Im Gegenzug verpflichtet sich der Student, der ja die Bude viel billiger bekommt, zu bestimmten vorher ausgemachten Gegenleistungen. Der OB stellt sich so was vor: Rasenmähen, Abwaschen, mal den Hund Gassi führen.

Bislang ist das alles jedoch nur graue Theorie. Denn die lieben Erlanger steigen auf die Idee überhaupt nicht ein. Diejenigen, die mal vorsichtig Interesse beim OB bekundet haben, wollten dann hinterher zwar schon vermieten – aber zum regulären Mietpreis. Und der ist in Erlangen für viele Studenten unerschwinglich, weil die vielen Uni- und Siemens-Mitarbeiter die Preise hochtreiben. Es liegt aber auch daran, dass die guten Senioren manchmal etwas überzogene Vorstellungen davon haben, wie so ein Student zu sein habe. Leise und höflich versteht sich von selbst; fromm, schlank und allwissend hat selbst das Stadtoberhaupt überrascht.

Einen Ruck sollten sich die Erlanger aber vielleicht zuliebe des Nachwuchses doch gebe, sonst können zum Semesterbeginn im Oktober viele Studenten unter den Brücken der Stadt nächtigen. Wer im Radius von 50 Kilometern rund um die Uni wohnt, hat in diesem Winter sowie im Sommer 2012 keine Chance auf einen Studentenwerks-Wohnheimplatz – auch wenn er sich noch so oft bewirbt. Das Studentenwerk hat in Erlangen 1824 Wohnheimplätze, in Nürnberg 1593. Die kommen aber vor allem Austauschstudenten aus dem Ausland und Erstsemestern von weiter weg zugute.

 

Es muss nicht immer Erlangen sein

Wer schon seine Zusage für Erlangen hat, sollte so früh wie möglich den Kontakt zum Wohnservice des Studentenwerks suchen. Die geben auch Tipps, wo man es sonst noch probieren kann. Die cleveren Stadtväter in den Nachbarstädten Nürnberg und Fürth werben zwischenzeitlich schon mit Ausweichquartieren in ihren Kommunen. 390.000 Wohnungen gibt es in der Region. Pro Jahr zieht ein Zehntel um, also sollte immer was freiwerden. Die Fürther locken vor allem mit günstigen Mieten. Tatsächlich liegt die Durchschnittsmiete dort etwa 20 Prozent unter dem Erlanger Niveau. In den vergangenen Jahren ist viel gebaut worden, vor allem auf dem ehemaligen Army-Gelände in der Südstadt. In Nürnberg ist es – je nach Lage – etwas teurer als in Fürth, aber immer noch günstiger als in Erlangen. Außerdem darf man in einer Großstadt leben. Neben dem Zug kommt man auch noch mit der Buslinie 30 von Nürnberg nach Erlangen. Und die, das verrät die VAG, wird ab dem Vorlesungsbeginn-Montag sogar noch häufiger fahren als bisher.

Florian Heider

Neues Studentenwohnheim an der Erlanger Henkestraße

Neubau an der Erlanger Henkestraße

Es war ein äußerst kurzes Richtfest, das am Freitag an der Erlanger Henkestraße gefeiert wurde. Das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg baut dort gerade ein neues Wohnheim mit 71 Wohnungen. Bei Temperaturen um zwölf Grad unter Null wollten zwar Bauherren und Politiker ihre Freude über den Fortschritt beim Bau des Gebäudes kundtun, allerdings taten alle dies in deutlich weniger Worten als sonst üblich.

Das Gelände gegenüber dem Institut für Organische Chemie war in den vergangenen Jahren nur noch ein Parkplatz gewesen. Joachim Gollwitzer, Geschäftsführer des Studentenwerkes und „seit 65 Jahren alteingesessener Erlanger“, kann sich allerdings noch an die Zeit erinnern, als hier die Lauk’sche Gärtnerei beheimatet war. An dem Gartenbaubetrieb kam er immer auf dem Weg zur Schule vorbei, der ehemaligen Prinzregentenschule. „Ich sehe noch die Kohlköpfe, die hier wuchsen, vor meinen Augen.“

Das Kraut ist längst geerntet, und die Gärtnerei existiert nur noch in der Erinnerung der Erlanger. Doch jetzt tut sich wieder was auf dem Grundstück Henkestraße 45. Das Studentenwerk baut hier für knapp fünf Millionen Euro 71 Wohnungen, die vor allem für den erwarteten Ansturm auf die Uni gebraucht werden, den der doppelte Abiturjahrgang im kommenden Jahr vermutlich auslösen wird. Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit einem zinsfreien Darlehen in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Der Bau ist im Zeitplan und wird zu Beginn des nächsten Wintersemesters im Oktober 2011 bezugsfertig sein.

Das Studentenwerk ist jedoch nur einer der Bauherren auf dem ehemaligen Gärtnereigelände. Nebenan errichten die Daeschler-Stiftung und die Firma Mauss-Bau Wohn- und Geschäftshäuser. Hier werden neben Gewerbe weitere 170 Wohnungen entstehen, in die auch Studenten einziehen können. So soll der chronische Mangel an bezahlbarem Wohnraum im Erlanger Zentrum gelindert werden.

Mit den günstigen Mieten des gemeinnützigen Studentenwerkes wird der private Bauträger wohl nicht mithalten können. Die Studenten zahlen in dem öffentlich geförderten Bau für die knapp 19 Quadratmeter großen Wohnungen nämlich nur etwa 160 Euro pro Monat. Hinzu kommen etwa 75 Euro an Nebenkosten. Dafür bekommen die Studenten ein Appartement mit kleinem Bad, Kochnische und – wie das Studentenwerk mitteilt – einer „Grundmöblierung“.

Beim gestrigen Richtfest sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU), selbst Erlanger, er kenne die Schwierigkeiten, die Studenten haben, wenn sie in Erlangen kurzfristig eine Wohnung suchen. Deswegen sei der Staatsregierung „daran gelegen“, dass alle Studenten „finanziell tragbaren und angemessenen Wohnraum“ vorfinden.

Die neuen Wohnungen werden allerdings höchstens dazu beitragen, die Erlanger Wohnungsnot zu lindern, nicht sie zu beseitigen.

Florian Heider

Feiern mit Muskelaufbau

Da war der Aufzug noch ganz

Party auch im Aufzug

Eine Hausparty ist das Tollste. Vorausgesetzt man hat ein Haus. Aber wieso sollte man sich von 16 Quadratmetern Wohnheim­zimmer davon abhalten lassen eine Party mit fast 100 Leuten zu schmeißen? Das dachten sich zumindest acht mutige Zimmer­inhaber eines Studentenwohn­heims. Sie organisierten das „Wohnheimzimmer-Hopping“ – ein Abend, acht Zimmer, acht Party-Orte zu je 16 Quadratmeter und viele Studenten. Ein Feier­konzept, das für viel Spaß sorgte.

Weniger spaßig war das Trep­pensteigen. Wenn die Gäste bei sechs Stockwerken mehrmals vom Erdgeschoss nach ganz oben laufen mussten, fühlten sie sich wie beim berühmten Treppenlauf im Empire State Building. Feiern und Oberschenkeltraining – nicht jeder kann von sich behaupten, das sonst gleichzeitig an einem Abend zu absolvieren.

15 Studenten passen nicht in einen Aufzug

Nimmt man eben den Aufzug? Gute Idee, doch auch der wurde in eine eigene „Party-Area“ umfunktioniert. Rund 15 Hop­ping- Teilnehmer und eine Holz­bank passten hinein. Mitfahren auf eigene Gefahr – Steckenblei­ben inklusive – die zulässige Trag­last war überschritten.

Die Zimmerinhaber gaben sich wirklich Mühe, auf 16 Quadratme­tern das Ambiente einer Groß­raumdisko zu bieten: Mehrere hüfthohe Bassboxen, hektische Stroboskoplichter und engster Körperkontakt. Da wurde auch auf den Stühlen getanzt. Und wenn neben einem Stuhl ein Bett stand, kam eins zum anderen. So ein Wohnheimbett steckt einen beherzten Sprung jedoch nicht so gut weg wie erwartet.

Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Die Partygäste ver­wandelten das Wohnheim in ein Sägewerk. Die nüchterne Bilanz dieser Nacht: Ein kaputter Auf­zug, mehrere ausgelöste Feuer­löscher, abgerissene Türschilder, geklaute Fußmatten, Stühle und Schuhe, Verwüstung im ganzen Haus und Partyverbot für das gesamte Wohnheim.

Sarah Schultes