Helden des Alltags

Von Julius Brockmann

Pr_fung.JPGSchummeln lohnt sich nicht», sagte bereits die Oma ihren Enkeln immer wieder. An der Universität scheint bei einigen Studenten das Abschreiben und Spicken allerdings sehr beliebt zu sein. Sogar Markus Kavka, MTV-Moderator und ehemaliger Student der Uni Erlangen-Nürnberg, verriet bekanntlich vor einiger Zeit, dass er sich seinen Magister nicht ganz legal erworben habe (die NZ berichtete).

Nun veröffentlichte die Ohio State University eine Studie mit überraschenden Ergebnissen. Studenten, die sich ihre Studienleistungen teilweise erschlichen haben, gaben in einer Befragung an, dass sie ihre Kommilitonen für noch durchtriebener halten. Ehrliche Studis hingegen bewerteten ihre Mitstudenten eher positiv. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass andere akademischen Betrug begehen. Ein wenig gutgläubig mutet diese Einschätzung an, geben doch insgesamt bis zu 80 Prozent der Studenten zu, bereits ein- oder mehrmals zu unerlaubter Hilfe gegriffen zu haben.

Psychologieprofessorin und Co-Autorin Sara Staats befragte mit ihrem Team rund 400 Studenten, und meint, dass die ehrlichen Wettstreiter «Helden des akademischen Alltags» sind. Sie seien mit einem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen behaftet und verschafften sich auch dann keinen Vorteil, wenn sie mitbekämen, dass schummelnde Kommilitonen gute Noten einheimsen.

Auch in Zukunft wird wohl weiter gespickt und betrogen, was das Zeug hält. Denn nur die Hälfte der Befragten war sich sicher, künftig auf ehrliche Methoden zurückzugreifen, 30 Prozent waren sich noch nicht sicher. Meist hat das Schummeln Erfolg und wird nicht bemerkt. Darüber hinaus sind sich auch viele über die Konsequenzen nicht bewusst. Ein Fall am Institut für Theater- und Medienwissenschaft in Erlangen bedeutete für einen Studi keinen Schein, Prüfungssperre bei entsprechendem Dozenten und Spott der Kommilitonen.