Es gibt auch dunkelhäutige Österreicher

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Unis werben gerne mit ihrer Internationalität. An der Uni Erlangen-Nürnberg sind Studenten aus 112 Ländern eingeschrieben. Die meisten aus China, der Türkei und Ukraine. Die Homepage preist die Anziehungskraft und Ausstrahlung die die Friedrich-Alexander-Universität auf der ganzen Welt hat. Ziel sei die „Gewinnung von hochqualifiziertem wissenschaftlichem Nachwuchs aus dem Ausland“. Trotzdem gibt es die Internetseite „Aus dem Ausland an die FAU“, die „Welcome-Broschüre“ und den Facebook-Auftritt des Referats für Internationale Angelegenheiten allen Ernstes nur in deutscher Sprache.

Der Universität Wien wurde ihre Werbung für Internationalität jetzt zum Verhängnis. Um Weltoffenheit zu symbolisieren, zeigte sie auf der Startseite ihrer neuen Website einen dunkelhäutigen, schwarzhaarigen Studenten, der neben zwei hellhäutigen, blonden Studentinnen auf einer Uni-Treppe sitzt. Doch der junge Mann hat sich jetzt beschwert. „Das einzige an mir, das exotisch ist, ist mein ausgeprägter Flachgauer Dialekt“, schreibt Tori Reichel. Der 23 -Jährige ist nicht von auswärts, kein Erasmus-Student – sondern kommt aus dem Salzburger Land. Seine Mutter ist Österreicherin, sein Vater Nigerianer.

Etwas mehr Fingerspitzengefühl bitte

Reichel studiert an der Uni Wien Publizistik, er kann gut formulieren und hat nun auf der Seite des österreichischen Magazins „Vice“ einen offenen Brief an seine Uni veröffentlicht. „Liebe Uni Wien, wir müssen reden“, schreibt er. „Mit ein bisschen Mühe versteh ich euch Wiener schon – und ihr mich hoffentlich auch – also müsstet ihr euch eigentlich gar nicht so rührend um mich kümmern.“ Das Foto war ursprünglich als Werbung für das neue Publizistik-Gebäude gedacht, doch die Uni verwendete es anschließend gerne für alle möglichen internationalen Themen. Als die Uni das Bild dann auch noch auf Facebook postete, wurde es dem Studenten zu viel.

„Ich habe mir von dir einfach ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl erwartet“, schreibt Reichel an seine Uni. „Mir ist es persönlich echt unangenehm, meine Hautfarbe zum Thema zu machen. Aber irgendwie habe ich einfach keine Lust mehr, dein ungefragtes Aushängeschild für Internationalität zu sein. Ich hoffe du verstehst das.“

Die Uni Wien hat das Foto noch am selben Tag entfernt und sich in den Kommentaren des offenen Briefs entschuldigt: „Wir werden uns zukünftig bemühen, bei der Fotoauswahl sensibler zu sein.“

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Greuther Fürth eröffnet den „Kleeblatt-Campus“

SpVgg Greuther Fürth - SV SandhausenMit der ersten Liga hat es nicht geklappt, doch jetzt ist Greuther Fürth auf einem anderen Gebiet ganz vorne dran: Als erste
Mannschaft der Fußball-Bundesliga eröffnet der Verein einen privaten Hochschulcampus. Die Bewerbungsfrist läuft, die ersten Studenten fangen im September an.

Anpfiff für ein Bildungsprojekt auf fränkischem Rasen: Neben dem Training auf dem Platz gibt es künftig Gehirnjogging am Abend. Die SpVgg Greuther Fürth hat gestern den „Kleeblatt-Campus“gegründet. Ab September können Studenten im Ronhof einen Bachelor of Business Administration absolvieren. Dieses Studium der Wirtschaftswissenschaften, mit den Schwerpunkten Sportbusiness und Fußballmanagement, dauert sechs Semester und kann berufsbegleitend studiert werden – entweder von den Fürther Spielern, Mitarbeitern, anderen Sportlern oder auch sportbegeisterten BWLern. In den drei Jahren gibt es 76 Präsenztage, an denen die Studenten Kurse in der Trolli-Arena besuchen. Sie hören Vorlesungen in den VIP-Räumen des Stadions, im Medienzentrum, in der Geschäftsstelle und sogar in der Spielerkabine.

Eingeschrieben sind die Fußball-Studenten an der privaten Steinbeis-Hochschule in Berlin. Die Kooperation wird durch die Sportbusiness Campus GmbH organisiert, die die ehemalige Profi-Fußballerin Kathrin Lehmann dieses Jahr in München gegründet hat. Ob die Profis von Greuther Fürthbald alle studieren, bleibt abzuwarten. Die Spieler sind zurzeit im Urlaub und auch in der Relegationszeit gab es keine passende Gelegenheit, um sie über die Campuspläne des Vereins zu informieren. Ihrem Präsidenten gefällt die Idee: „Bildung zu Sportlern und in Sportstätten zu bringen, ist ein neuer Ansatz, der sich für die Athleten ebenso lohnt wie für unsere Mitarbeiter und alle Sportbegeisterten“, sagt Helmut Hack. „Es bedarf top-ausgebildeter Teamplayer, um die wirtschaftlichen Herausforderungen im Fußball- und Sportgeschäft heutzutage zu meistern.“

LogoNeben Dozenten aus der Wissenschaft wie Professor Florian Riedmüller von der TH Nürnberg, werden auch Helmut Hack, Geschäftsführer Holger Schwiewagner und andere Verantwortliche des Vereins Seminare halten. Das Studium und auch die angebotenen Weiterbildungen enden mit staatlich anerkannten Abschlüssen. Doch dafür müssen die Studenten wie an allen privaten Hochschulen bezahlen. Wer die Gebühren auf einmal überweist, zahlt 27 900 Euro, monatlich wird es etwas teurer. Eine Dauerkarte ist dafür immer inklusive.

Weitere Infos:  www.greuther-fuerth.de/kleeblatt-campus.html

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WiSo: Kuschelstimmung im Hörsaal

Zwei Abiturjahrgänge, dazu noch die Wehrdienstbefreiten. Um den Rekordansturm zu entzerren, wurde auch an der Friedrich-Alexander-Universität viel geplant: 360 neue Dozentenstellen, Zusatzgebäude oder mehrere Termine zum Studienbeginn. Doch mit 1700 Erstsemestern wird es voll und kuschelig in diesem Winter an Nürnbergs WiSo.

„Geh schnell in die Mensa, sonst kriegst du keinen Platz mehr“, ruft Eva Preiß einer ihrer Kommilitoninnen zu, die daraufhin versucht, eilig durch die Studentengrüppchen über den Hof zu kommen. Eva ist 24 und gehört momentan schon zum „alten Eisen“ an der Wiso. Seit sieben Semestern studiert sie hier Wirtschaftspädagogik.

Sie versucht, cool zu bleiben angesichts des Rekordansturms der Erstsemester auf die Fakultät. „Für mich wird es nicht mehr so schlimm werden, ich bin fast fertig“, sagt sie und grinst etwas erleichtert. „In den Übungen mit begrenzter Teilnehmerzahl könnte es aber richtig eng werden“, befürchtet sie. „Viel können die Unis doch auch nicht machen“, meint die Nürnbergerin. „Sie haben halt einfach nicht mehr Raum schaffen können.“

Raum – das Zauberwort dieser Tage. Hörsaal 4. In einer halben Stunde soll hier die „Einführung in die Mathematik“ stattfinden, für die Wirtschaftswissenschaftler zu Studienbeginn eine Pflichtveranstaltung. Drei Viertel des riesigen Saals sind bereits belegt. In Strömen pilgern weiter und weiter Studenten ein. Einige machen mit ihren Handys Fotos von den Vorlesungszeiten – keiner will gleich am ersten Tag die Übersicht in diesem Getümmel verlieren.

Um die Situation zu entzerren, durften sich bereits im Sommer 1300 G9-Abiturienten an der FAU immatrikulieren. „Das ist die Hälfte der 2550 Studienanfänger gewesen“, rechnet Heiner Stix, Leiter der Kommunikation an der Universität.

„Mein erster Eindruck war ziemlich heftig“, gesteht dennoch Eva Fuss, die in ihr Studium in Statistik und empirische Wirtschaftsforschung startet. „Ich hatte ja keine Vorstellung, wie voll das wird“, klagt die 31-Jährige. Sie und Freundin Katja Walz wollen daher künftig früher aufstehen, um einen Platz in den überfüllten Hörsälen zu ergattern. „Ansonsten muss ich mir die Videos von den Vorlesungen im Internet ansehen und nachbereiten.“

Kevin Pubatz freut sich vor allem über seinen ersten Tag als Student. Denn der Baden-Württemberger profitiert von der Wehrpflichtreform. „Das ist zwar gut für mich, aber ein weiterer Hammer für die Uni.“ Kevin beginnt sein Studium in Wirtschaftswissenschaften und ächzt bereits nach der Einführungsvorlesung.

„In den Haupthörsaal konnte man gar nicht mehr rein, aber immerhin haben sie eine Live-Übertragung in einen anderen Hörsaal gestellt“, sagt der 20-Jährige und befürchtet: „Die Dozenten werden in den ersten Semestern ziemlich aussieben, um die Engpässe aufzulockern.“

Engpässe gibt vor allem bei den Sprachkursen, erzählt Katrin Ziegler von der Fachschaftsinitiative der WiSo. „Wir haben einfach keine Räume mehr für die Sprachkurse. Das wird ein echtes Problem“, sagt sie. Der reguläre Uni-Betrieb werde sich schnell einpendeln, doch auch die zusätzlichen Sprachkurse reichten nicht. „Sie könnten nur noch Kurse auf Samstagabend oder Sonntag legen“, sagt die 21-Jährige.

5500 Studenten drängen sich fortan an der Langen Zeile. Tausend weniger waren es zur gleichen Zeit vor einem Jahr. „Den ersten Hochrechnungen zufolge haben wir an der Wiso 1700 Anfänger“, sagt Stix. Das sind nochmals rund 400 Studenten mehr als im Winter 2010/2011.

Insgesamt starten rund 6770 Neustudenten an allen Fakultäten. Knapp 29 Prozent von ihnen sind Teil des letzten G9-Jahrgangs, 33 Prozent sind G8-Absolventen, berichtet Stix. „Seit drei Jahren haben wir eine eigene Abteilung, die sich nur mit dem doppelten Abiturjahrgang auseinandersetzt.“ Hinzu kommen die Maßnahmen wie die Einstellung von Zusatz-Personal. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, aber wir sind gut gerüstet“, verspricht er.

Andrea Munkert

Info-Veranstaltungen an der FOM Nürnberg

Interessenten für ein berufs- beziehungsweise ausbildungsbegleitendes Studium an der Hochschule für Ökonomie und Management Nürnberg (FOM) können sich jetzt für das Wintersemester anmelden. Die Studienberater der FOM stehen vorab für individuelle Gespräche zur Verfügung. Außerdem werden die Bachelor- und Master-Studiengänge auf Info-Veranstaltungen vorgestellt. Diese finden am am 5. und 12. Juli statt.

Info-Veranstaltung Bachelor: Montag, 5.7., 18.00 Uhr, FOM-Studienzentrum, City-Park-Center, Zeltnerstraße 19, 90443 Nürnberg

Info-Veranstaltung Master/MBA: Montag, 12.7., 18.00 Uhr, FOM-Studienzentrum, City-Park-Center, Zeltnerstraße 19, 90443 Nürnberg

 

NZ

Strände und Unis sollen fränkische Studenten anlocken

urn:newsml:dpa.com:20090101:100218-11-15029Australien ist für viele Deutsche ein beliebtes Urlaubsziel. Der Kontinent hat aber nicht nur solche traumhaften Strände zu bieten, sondern auch zahlreiche Hochschulen. Sieben Univer­sitäten und Institutionen aus Australien und Neuseeland haben sich zusammengeschlossen und werben bei uns für Studienaufenthalte in ihrer Ländern. Am morgigen Dienstag (8. Juni 2010) macht die „GOstralia“-Tour Halt an der ehemaligen Wiso in der Langen Gasse 20. Abiturienten und Studenten aller Fach­richtungen können sich dort von 10 bis 16 Uhr über ein Stu­dium „down under“ informieren.

fh

Studium im Rückblick

Von Christin Nünemann

Hätte ich mal mehr Praktika gemacht! Wäre ich doch bloß für ein Semester ins Ausland gegangen! – Hinterher ist man immer schlauer. Mehr Sprachen, mehr Engagement, weniger geschwänzte Vorlesungen. Ob man bei seinem Studium alles richtig gemacht hat oder nicht, lässt sich eben immer erst dann sagen, wenn die Uni-Zeit (fast) vorbei ist.

„Ich hätte lieber an einer Fachhochschule als an der Uni studiert“, sagt Annalena Dietrich,  „dort hat man einfach mehr Praxisbezug“. Das Studium der Geographie hat der 24-Jährigen an der Uni Erlangen sehr gut gefallen, Theater- und Medienwissenschaft eher weniger. „Gewechselt habe ich nicht, weil man ja nie weiß, ob es an anderen Unis besser ist“, sagt Dietrich, „wenn es einem nicht so gut gefällt, muss man eben das Beste daraus machen.“ Dass sie während ihres Studiums nicht im Ausland war, bereut die gebürtige Braunschweigerin, die die 11. Klasse in den USA verbracht hat, nicht. „Ich gehe lieber nach meinem Abschluss ins Ausland“, sagt Dietrich, „wenn mir dann ein Job angeboten wird, kann ich ihn gleich annehmen.“

Auch Sabine Hammernick hat kein Semester im Ausland verbracht. „Ich habe die Erfahrung bereits nach dem Abi gesammelt“, erzählt die 26-Jährige, die Realschul-Lehramt für Erdkunde und Wirtschaft studiert hat. Ihre Traumkombination war allerdings ursprünglich eine andere. „Am Liebsten hätte ich Erdkunde und Sport auf Realschul-Lehramt studiert“, erzählt sie, „zu dem Sport-Eignungstest habe ich mich aber nie angemeldet.“

 

Wieder erst zwei Wochen vor der Prüfung gelernt


Rückblickend hätte Hammernick bei ihrem Studium nicht viel anders gemacht. „Ich hätte Seminare gezielter aussuchen sollen, so dass sie mir für das Staatsexamen auch nützlich sind“, sagt die gebürtige Erfurterin. Außerdem hätte sie kontinuierlicher mitgearbeitet. „Man hat sich das ja jedes Semester vorgenommen“, erinnert sich Hammernick, „aber dann hat man doch meistens erst zwei Wochen vor den Prüfungen mit lernen angefangen“.

„Ich würde nicht viel anders machen“, sagt Anna Souksengphet, die gerade ihre Doktorarbeit über Hörkunst geschrieben hat. Mit dem Verlauf ihres Studiums der Neueren Deutschen Literaturgeschichte, Theater- und Medienwissenschaft sowie der Mediävistik ist die sie sehr zufrieden. „Ich habe mein Studium und die Promotion in angemessener Zeit durchgezogen und immer versucht, auch über den Tellerrand hinaus zu schauen“, sagt Souksengphet.

Neben Praktika im Theater Erlangen und beim Bayerischen Rundfunk, engagierte sich die 27-Jährige auch ehrenamtlich beim Uni-Radio, dem Hörkunstverein Erlangen und den Nachwuchsjournalisten in Bayern. Das einzige, was sie rückblickend an ihrem Lebenslauf ändern würde: Noch mehr praktische Erfahrung sammeln.„Wenn ich neben dem Studium und Nebenjobs noch etwas Zeit gehabt hätte, wären einige Praktika mehr im journalistischen Bereich schön gewesen“, sagt Souksengphet.

Mobil sein ist teuer wie nie

Von Julius Brockmann

Mobilit_t_1.JPGBenjamin geht für sein Praktikum nach München, Isabelle ist erst einmal ein Jahr lang in Montreal, und Jonas zieht seiner Freundin zuliebe nach Berlin. Während und unmittelbar nach dem Studium ist von vielen Studenten ein hohes Maß an Mobilität gefragt. Freundschaften aufrecht zu erhalten und eine funktionierende Beziehung zu führen ist da nicht ganz einfach, trennen einen doch meist mehrere Hundert Kilometer von seinen Liebsten.

Für die Karriere nehmen viele Studis das in Kauf, längst aber nicht mehr so viele wie vor fünf Jahren. Dies hat eine groß angelegte Befragung des Hochschul-Informations-Systems herausgefunden (die NZ berichtete). Demnach sind die Karriereziele „in fachlicher Hinsicht Überdurchschnittliches leisten“, „eine leitende Funktion übernehmen“ und „Anerkennung im Beruf erwerben“ bei den rund 6000 Befragten weit weniger wichtig. Was aber tun, wenn man sich nicht allzu sehr an einen Partner binden will – schließlich locken Auslandspraktikum, Erasmus und Co. permanent?

Wer mobil sein möchte, hat im Großraum Nürnberg oft schlechte Chancen, gibt es doch kein günstiges Semesterticket. Die Bahn hat nun wieder angekündigt, die Preise zu erhöhen und Billigflieger zwischen Universitäts- und Heimatstadt sind eher die Ausnahme. Eine Europareise mit dem alten Bulli des Vaters war vor einigen Jahren noch erschwinglich, jetzt wird einem beim Tanken Angst und Bange. Bleibt nur die Mitfahrzentrale. Bei steigenden Preisen für Benzin belaufen sich dort die Kosten auf fünf bis sechs Euro pro Hundert gefahrenen Kilometern. Der große Teich und der Ärmelkanal werden so allerdings nicht überwunden.

Da bleibt die Frage, woher der Wandel weg vom unabhängigen Weltenbummler, hin zum Familienmenschen kommt? Vielleicht ein Ausdruck des zunehmenden Bedürfnisses nach Halt im sozialen Umfeld, sind doch die Festanstellungen und sicheren Jobs immer seltener in der globalisierten Welt. Vielleicht sind aber auch die steigenden Mobilitätskosten schuld.