Die FAU-Spitze trifft sich am Berg

NZ-ErlangenErwischt! Unser Fotograf Harald Sippel entdeckte heute den alten Kanzler und die neue Kanzlerin der Uni Erlangen auf der Bergkirchweih beim Anstoßen! Sybille Reichert übernimmt nächsten Montag das Amt von Vorgänger Thomas A. H. Schöck. Der geht nach 25 Jahren an der Spitze der Univerwaltung mit Verspätung in den Ruhestand.

Die Neubesetzung zog sich wegen eines Gerichtsverfahrens über ein Jahr hin. Der Universitätsrat hatte die neue Kanzlerin schon im Februar 2013 ohne Gegenstimme als Nachfolgerin vorgeschlagen. Dagegen klagte ein unterlegener Kandidat vor dem Verwaltungsgericht in Ansbach. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob das Urteil vor Kurzem auf. Auch ein weitere Beschwerde am Bundesverfassungsgericht scheiterte.

Ob sie sich heute bei einer Maß Bier Tipps fürs neue Amt holte?
Morgen interviewe ich sie für unsere nächste Hochschulseite, dann frag ich nach!

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Doch (k)ein Scherz: FAU geht an die Börse

Viele würden sich wohl wünschen, dass es wahr wäre: Die Uni Erlangen-Nürnberg verkündet heute auf ihrer Homepage, die Universität privatisieren zu wollen, um Geld für die vielen maroden Gebäude zu bekommen. „Durch einen Börsengang will die FAU Kapital in dreistelliger Millionenhöhe beschaffen“, heißt es in der Mittleilung.

Doch mit dem Geld kann die Uni nur etwa „die Hälfte der anstehenden Sanierungskosten für ihre Gebäude in Höhe von knapp einer Milliarde Euro decken“.

Russischer Oligarch kauft Dürer-Schatz

Weitere Mittel soll daher der Verkauf kostbarer Dürer-Zeichung einbringen – die Teil eines Kunstschatzes sind, der im Keller der Universitätsbibliothek schlummert. Ein russischer Oligarch habe bereits 200 Millionen Euro geboten. Der Verlust der Kleinodien schmerze zwar sehr, teilt Uni-Präsident Karl-DieterGrüske mit, doch der Zustand der Universität lasse keinen Raum für Kompromisse: „Wir wollen unseren Studierenden beste Bedingungen bieten – und dafür müssen wir auch harte Einschnitte in Kauf nehmen.“

Einige FAU-Mitarbeiter haben aber trotz des 1. Aprils Bedenken: „Ein Handel mit einem russischen Wirtschaftsmagnaten konterkariere die angesichts der Krim-Krise angedachten Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland.“ Bedenken, die Grüske nicht teilt: „Es ist die hohe Aufgabe der Kunst, in Krisenzeiten Brücken über Gräben zu bauen.“

Grüske ist selbst Finanzwissenschaftler, er kennt sich also aus: „Es hat sich gezeigt, dass die Gelder, die der Freistaat Bayern für den Bauunterhalt bereitstellt – jährlich waren das in den vergangenen Jahren etwa 5 Millionen Euro – nicht annähernd ausreichen, um auch nur die nötigsten Sanierungsarbeiten durchzuführen.“ Und das ist kein Scherz, sondern traurige Realität. PCB-Warnung in der Bibliothek, bröckelnde Decken in der Kochschraße.

Präsident Grüske wird CEO

Doch am ersten April reagiert die Uni mit schwarzem Humor: „Wir haben beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen“, sagt Grüske. „Die Aktien sollen ab Herbst an der Nasdaq gehandelt werden.“ Präsident Grüske, der die FAU AG als CEO leiten wird, geht von einem positiven Börsenstart der „Aktie blau“ aus: „Wir hoffen, einen Ausgabekurs von 250 Euro realisieren zu können – das entspricht etwa dem derzeitigen Aktienkurs von Amazon.“

Auch das eigene Personal ist vor Scherzen nicht sicher: Nach dem tatsächlichen rechtlichen Gerangel um die Nachfolge des langjährigen FAU-Kanzlers Thomas A.H. Schöck bietet der erfundene Börsengang endlich Zukunftschancen. „Schöck wechselt nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Kanzleramt in den Aufsichtsrat der AG – ein rechtlich äußerst innovativer Schritt: Als autonome Universität kann die FAU wesentlich flexibler agieren als die meisten anderen Wirtschaftsunternehmen, in denen ein solcher Wechsel womöglich durch Compliance-Anforderungen behindert würde.“

 

Tod im Botanischen Garten

Wenn eine Universität Gegenstand oder Handlungsort von Literatur wird, ist das nicht nur ein Zeichen ihrer Lebendigkeit, es zeigt auch, dass das universitäre Milieu sich öffentlicher Aufmerksamkeit erfreut.

Deshalb sind die in letzter Zeit erschienenen Campus-Romane – vorwiegend kriminalistischen Hintergrunds – (Anita Lenz, Wer liebt, hat recht, 2000 (häufig zu unrecht Tübingen zugeschrieben, an einigen Ortsspezifika wie Schloßgartenfest und Lilly Bechmann-Rahn-Preis aber eindeutig Erlangen zuzuordnen); Christian Albrecht May, Die überzähligen Präparate, 2003; Ines Schäfer, Der steinerne Markgraf, 1999, Martini-Mord, 2001; Tessa Korber, Tiefe Schatten, 2001; Michael Zeller, Follens Erbe, 1986) ein deutlicher Hinweis dafür, dass die Friderico-Alexandrina auch bis ins 270. Jahr ihres Bestehens nicht nur ein höchst lebendiger Organismus ist, sondern sich in der Bevölkerung und der Literaturszene der Metropolregion ungebrochener Aufmerksamkeit erfreut.

Dirk Kruse hat jetzt mit seinem „Sammlungskrimi“ die Reihe literarischer Darstellungen in beeindruckender Weise fortgesetzt. Nach „Tod im Augustinerhof“ und „Requiem“, die beide in Nürnberg spielen, hat „Frank Beauforts dritter Fall“ Erlangen als Handlungszentrum: Hervorragend recherchiert – wozu die in der Universität verantwortlichen Personen offensichtlich intensiv beigetragen haben – wird mit der ganz realen Ausstellung „Ausgepackt“ als Bezugspunkt eine Übersicht über die Sammlungen der Universität geboten, die in dieser kompakten und dennoch höchst informativen Form sonst wohl kaum zu finden ist. Dabei werden nicht nur die „Highlights“ der Sammlungen für den Laien verständlich beschrieben, es wird auch – in verdaulichen Häppchen – in höchst überzeugender Weise die aktuelle Bedeutung der historischen Sammlungen für Lehre und Forschung deutlich gemacht. Bereits damit hat sich der Autor – jenseits alles Unterhaltungswertes – große Verdienste um die wertvollen Bestände der Universität erworben. Er blendet aber auch immer wieder Schlaglichter aus der Geschichte der Universität ein – sei es die Nachfolge der reichsstädtischen Universität Altdorf, sei es der Zugewinn der Dr.-Remeis-Sternwarte in Bamberg. Und dann ist das Ganze auch noch mit einer kleinen Prise Schneider-Schwerte-Anspielung gewürzt.

Darüber hinaus dürfte der Einblick in den universitären Alltag auch für alle nicht unmittelbar im universitären Leben Befangenen von Interesse sein – selbst wenn manche Details etwas überzeichnet sind: So dürfte es ebenso schwer fallen, an der FAU einen Rolls Royce fahrenden Professor zu finden wie im Dienstzimmer des Präsidenten eine Klimaanlage. Auch dass „die Universitätsverwaltung“ Räume im Altbau der Universitätsbibliothek belegt hätte, kann der interessierte Leser leicht als Fiktion entlarven – was angesichts der sonst höchst präzisen Ortsangaben und -beschreibungen aber nicht ins Gewicht fällt. Die Charaktere sind – bei aller im Nachwort betonten Verfremdung – so genau beobachtet und beschrieben, dass man beim Gang über den Campus leicht auf die Idee kommen kann, festzustellen: „Ach, das ist doch der …!“

Die höchst spannende Handlung, die auf 302 Seiten 18 Tage umfasst, ist nach den Abschnitten eines Degengefechts in elf Kapitel von „En garde“ bis „Victoire“ gegliedert (Detektiv Frank Beaufort – der zusammen mit seiner beim Studio Franken des BR beschäftigten Freundin Anne Kamlin – die auch so etwas wie das alter ego des Autors zu sein scheint – ist gerade dabei, seine Kondition durch Degenfechten zu verbessern). Eine Prise Erotik darf natürlich nicht fehlen, dafür hält sich die Gewalt erfreulicher Weise sehr in Grenzen: dass der Detektiv (jenseits des sportlichen Degens) auch eine Schusswaffe einzusetzen weiß, wird erst sehr spät in die Handlung eingeführt. Und das höchst spannende – wenn auch etwas überschäumend fabulierte – Finale wird natürlich hier nicht verraten.

Alles in allem ein höchst unterhaltsames Buch, das wegzulegen – wenn man erst „eingestiegen“ ist – erst nach der letzten Seite gelingt.

Thomas A. H. Schöck, Kanzler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Dirk Kruse: Tod im Botanischen Garten. Frank Beauforts dritter Fall, 2012 ars vivendi Verlag, Cadolzburg, ISBN 978-3-86913-170-2