Da scheißt einer die Wand an

Widerliche Schmierereien an der WiSoSchon mehr als zehn Mal ist es passiert. Und das nur in diesem Jahr. Morgens vor acht Uhr waren die Toiletten beschmiert. Mit Dingen, die normalerweise ins Klo gehören, statt an die Wände.
Keiner weiß, wer es gewesen ist. Die Ermittlungen laufen. Deshalb kontrollieren zurzeit Sicherheitsleute die Eingänge zur „WiSo“ in der Langen Gasse in Nürnberg. Stichprobenartig lassen sie sich die Studentenausweise zeigen, wenn jemand ins Gebäude will. Man geht davon aus, dass Studierende keine Fäkalien an Wände schmieren. Zumindest nicht in ihrer eigenen Uni.
Seit 2012 hat es solche Vorfälle im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder gegeben. Verteilt im ganzen Gebäude, sowohl in den Frauen- als auch Männertoiletten. Seit diesem Jahr häuft es sich. Doch diesmal nur in den Herrenklos und immer vor Vorlesungsbeginn um acht Uhr.
Alle Mitarbeiter und Studenten haben eine E-Mail bekommen, in denen die Uni erklärt, warum die Kontrollen nötig sind. Außerdem hängen Zettel an den Klotüren, die auf die Strafanzeige gegen Unbekannt aufmerksam machen. Denn nicht nur, dass das Ganze widerlich ist, es ist auch teuer. Das Wachpersonal patrouilliert Tag und Nacht, und die Putzkräfte schieben Sonderschichten.

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Schmutzige Toiletten – Kopfnoten für Studenten?

Von Christiane Fritz

Toilette.JPGEs ist immer dasselbe. Geht man in der Philosophischen Fakultät in Erlangen am späten Nachmittag auf die Toilette, bietet sich stets das gleiche Bild. Toilettenpapier liegt zerfetzt und verteilt am Boden. Die leeren Rollen daneben. Ein ähnliches Schicksal hat auch das Papier zum Trocknen der Hände ereilt.

Legen denn Studenten vor der Toilette ihre gute Kinderstube ab? Oder kommt es bei der beabsichtigten Benutzung des Mülleimers vielleicht zu einem überraschenden Schwächeanfall? Dann sollte möglichst schnell ein Notfallknopf in jeder Kabine installiert werden. Nur um Schlimmeres zu verhindern. Oder ist vielleicht eine erhöhte Schwerkraft in sanitären Anlagen für das Papier mit Froschperspektive verantwortlich? Wohl kaum.

Bislang stellte die Universität Erlangen-Nürnberg die Ausbildung geistiger Fähigkeiten in den Vordergrund: (de-)konstruieren, analysieren, kritisieren. Vielleicht sollten zusätzlich Kurse speziell für die Verhaltensförderung eingeführt werden. Im Vorlesungsverzeichnis könnten dann zukünftig folgende Kurse zu finden sein: Händeabtrocknen für Anfänger. Oder, für Fortgeschrittene, praktische Übungen zur Mülleimerbenutzung. Vielleicht als Blockseminar am Wochenende.Toilette2.JPG

Sollten diese keinen Erfolg haben, könnte man über Kopfnoten, wie jene auf den Zwischenzeugnissen in Nordrhein-Westfalen, nachdenken. Dann erhalten Studenten am Semesterende neben den Noten für ihre Klausuren auch Bescheinigungen über soziale Kompetenzen. Sauberkeit und Ordnung wäre eine Kategorie.

Bitte haltet die Türen auf!

Eine weitere könnte Hilfsbereitschaft sein. Darunter fällt dann auch der Umgang mit Kommilitonen. Das Aufhalten von Türen wäre nur ein Beispiel. Denn auch hier besteht erhöhter Korrekturbedarf. Oft lässt der Vordermann einfach die Tür ins Schloss krachen, ohne sich überhaupt umzuschauen. Vielleicht gerade dann noch, wenn der nachfolgende Student die Arme voller Bücher hat und eine helfende Hand bräuchte.

Und seien wir einmal ehrlich: Welcher Arbeitgeber möchte jemanden beschäftigen, der einen guten Abschluss vorweist, aber Chef und Kollegen die Tür vor der Nase zuschlägt oder das Toilettenpapier benutzt, um den Fußboden zu dekorieren?