Die Simpsons und die Politik

Eigentlich war uns schon immer klar, dass die Simpsons erschreckend realitätsnah sind. Jeder kennt einen trotteligen Homer und eine kluge Lisa, die daran verzweifelt. Doch dass Fernsehserien sogar die Politik beeinflussen können, hat ein Bamberger Kommunikationswissenschaftler jetzt erforscht. Carsten Wünsch, Professor für Rezeptions- und Wirkungsforschung an der Otto-Friedrich-Universität, untersucht, welche Auswirkungen Medieninhalte auf die Person vor dem Fernseher, dem PC oder im Kinosessel haben.

Für sein Projekt wählte Wünsch Simpsons-Folgen aus, die sich entweder mit der Umwelt oder der Bildung beschäftigten. Eine Versuchgruppen sah sich dann die Filme zum einen Thema an, eine zweite zum anderen. Anschließend füllten alle den gleichen Fragebogen aus, in dem sie einschätzen mussten, wie zufrieden sie mit der Arbeit der deutschen Bundesregierung im Allgemeinen und mit der Umwelt- und Bildungspolitik im Speziellen sind.

Für die Gruppe, die die Umweltfolgen gesehen hatte, spielten die Leistungen der Bundesregierung in der Umweltpolitik eine größere Rolle in der Gesamtbewertung. Auch bei der Bildung konnte Wünsch einen statistischen Zusammenhang herstellen. Zwar war die Stichprobe zu klein, um die Studie als repräsentativ auszuweisen, doch das Forschungsgebiet der politischer Wirkung fiktionaler Medieninhalte ist noch jung und einen ersten Beleg für seine These fand Wünsch auf jeden Fall.

Daher kommt Wünsch zu der Schlussfolgerung, dass nicht nur Nachrichten und Polit-Talkshows einen Einfluss auf unsere politischen Vorstellungen haben, sondern, dass auch Serien und Spielfilme unser politisches Weltbild prägen. In Zukunft dürfen wir also getrost umschalten.

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Tanzen für die Umwelt

Open_AirMit bunten Lichtern und lau­ter Musik die Nacht durch­tanzen und gleichzeitig die Umwelt schützen? Das geht. „Zuerst wollten wir in einem Hin­terhof Fackeln aufstellen und ein Grammofon spielen lassen“, erin­nert sich Student Tobias Reitz an die Anfänge seiner Öko-Disko-Idee. Jetzt erwarten die Veranstal­ter mehr als 1000 Leute in einer Konzerthalle im Stadtzentrum von Darmstadt.

Acht Studenten der Hochschule Darmstadt und der Technischen Universität organisieren die „Organic Disco“, denn sie wollen „nachhaltig feiern“. „Jeder, der mit dem Fahrrad zur Party kommt, erhält extra Service“, sagt Reitz. „Wir putzen die Räder und ziehen die Bremsen nach.“ Mit ihrer Öko-Disko beteiligen sich die Studenten an der „Lumi­nale“, auf der Künstler im gesam­ten Rhein-Main-Gebiet Kunst­werke aus Licht präsentieren.

Die Tanzfläche erzeugt Energie

„Wir leihen uns die Tanzfläche aus Rotterdam“, erzählt Reitz. Vor fast zwei Jahren hat dort der „Club Watt“ eröffnet, die erste Öko-Disko der Welt. Deren Bodenplatten geben unter den Tanzschritten nach, eingebaute Federn wandeln die Energie in Strom um; womit wiederum die Tanzfläche beleuchtet und das DJ-Pult versorgt wird. „Wir sind die ersten, die diesen Boden nach Deutschland holen“, sagt Reitz.

Ein Elektrotechnik-Student baut derzeit ein Fahrrad zur Antriebsmaschine für die Disko­kugel um. Nur wenn jemand strampelt, dreht sich der glit­zernde Ball. An der Bar wird es vegetarische Snacks aus regiona­len Produkten geben, serviert auf abbaubarem Palmblattgeschirr. Designer zeigen, wie Studenten sogar ihr Party-Outfit nachhaltig gestalten können. Um trotz anlie­fernder Lkw und autofahrender Gäste völlig klimaneutral zu sein, zahlen die Organisatoren außer­dem Geld an ein Aufforstungspro­jekt. „Die pflanzen dann so viele Bäume wie nötig sind, um unser CO2 wieder zu neutralisieren.“

Christina Merkel