Uni Erlangen verdirbt uns die Laune: Pessimisten leben länger

Die Uni Erlangen hat Optimisten die Laune verdorben: Nach einer Langzeitstudie, die gemeinsam mit dem DIW Berlin, der Humboldt-Universität Berlin und der Uni Zürich durchgeführt worden ist, sollen Pessimisten länger leben. „Allzu großer Optimismus im Alter kann zu einem erhöhten Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko führen“, teilte die Erlanger Uni-Pressestelle heute mit. „Demnach leben ältere Menschen, die ihre künftige Zufriedenheit gering einschätzen, offenbar länger und gesünder als ältere Menschen, die für sich eine rosige Zukunft sehen.“ Die Forschungsergebnisse – betont die Uni weiter – wurden soeben online in der renommierten Zeitschrift „Psychology and Aging“ veröffentlicht.

Für die Studie haben die Forscher nach eigenen Angaben Längsschnittdaten des Sozio-oekonomischen Panels ausgewertet, die zwischen 1993 und 2003 bei immer wieder denselben Personen erhoben worden waren. Dabei unterschieden sie drei Altersgruppen: 18 bis 39-Jährige, 40 bis 64-Jährige und über 65-Jährige. Die Befragten hatten jedes Jahr angegeben, wie zufrieden sie aktuell mit ihrem Leben waren und wie zufrieden sie in fünf Jahren zu sein glaubten. Innerhalb von zehn Jahren haben die Forscher bei jedem Befragten sechs Mal nachgefragt, ob „der für die Zukunft erwartete Grad der Zufriedenheit“ fünf Jahre später tatsächlich mit dem aktuell angegebenen übereinstimmte.

Die Uni teilte weiter mit: „Rund 43 Prozent der älteren Befragten unterschätzten ihre zukünftige Zufriedenheit, 32 Prozent überschätzten sie und 25 Prozent schätzten ihre Zufriedenheit in der Zukunft realistisch ein. Was die Forscher überraschte: Schätzten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre zukünftige Zufriedenheit überdurchschnittlich hoch ein, so erhöhte sich ihr Risiko für körperliche Einschränkungen oder Beschwerden und das Risiko zu sterben um etwa zehn Prozent. ‚Möglicherweise ermuntern pessimistische Zukunftserwartungen die Senioren dazu, noch besser auf die eigene Gesundheit zu achten und sich vor Gefahren zu schützen‘, sagt Frieder R. Lang, Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der FAU.“ mk

Tabuthema Studienabbruch

Andreas war nicht da. Schon vorab hatte er erklärt, dass er auf keinen Fall zum fünfjähri­gen Abiturtreffen seines Jahr­gangs kommen wolle. „Da muss ich allen erklären, warum ich nicht mehr an der Uni bin“, sagte er. Und diese Vorstellung war ihm peinlich. Seine Angst war stärker als die Vorfreude darauf, mit den alten Schulkameraden wieder einmal zu quatschen und zu feiern. Sein Entschluss stand fest: „Ich gehe nicht hin.“

Bis zum vergangenen Semester hatte Andreas an der Uni Erlan­gen Elektrotechnik studiert. Doch nachdem er drei Mal an der Klausur in Experimentalphysik scheiterte, empfahl ihm der Pro­fessor, sich nach alternativen Stu­dienmöglichkeiten umzusehen.

Jeder Dritte bricht wegen zu hohen Anforderungen ab

Fast jeder dritte Student bricht sein Studium ab, weil er sich über­fordert fühlt. Das zeigt eine Stu­die des Hochschul-Informations-Systems (HIS). Rund 2500 Studi­enabbrecher beteiligten sich an der Untersuchung. Elf Prozent der Befragten mussten ihr Stu­dium beenden, weil sie durch eine Prüfung gefallen waren. Insge­samt bricht rund jeder Fünfte sein Studium endgültig ab. „Von einem Studienanfängerjahrgang mit 100 erstimmatrikulierten Stu­dierenden verlassen 21 die Hoch­schule endgültig ohne Examen“, heißt es in der HIS-Studie.

Bei den alten Studienabschlüs­sen erreichten Studierende auch mit nicht bestandenen Prüfungen höhere Semester. Beim Bachelor zählt von Anfang an jede Klau­sur. „Während in den herkömmli­chen Studiengängen die Abbre­cher nach durchschnittlich 7,3 Fachsemestern die Hochschule verlassen, ist dies in den Bachelor­studiengängen nach 2,3 Semes­tern der Fall“, zeigt die Studie.

Seit diesem Semester studiert Andreas Elektrotechnik an der Fachhochschule in Nürnberg. Es gefällt ihm dort gut. „Der Druck ist geringer und die Vorlesungen praxisnaher“, sagt er. „Vielleicht komme ich zum zehnjährigen Abi­treffen.“

Christina Merkel

Das Audimax als Zweitwohnsitz

StreikzeltSeit zwei Wochen lernen, kochen und schlafen sie dort. Für viele Studenten ist das besetzte Audimax der Uni Erlangen schon fast zu einem zweiten Zuhause geworden. Das nahmen einige nun wörtlich und meldeten den Hörsaal offiziell als „Nebenwohnung“ an. Die Bismarckstraße 1, Adresse der Philosophischen Fakultät und des Audimax, ließen insgesamt sieben Studierende als ihren Zweitwohnsitz bei der Erlanger Meldebehörde eintragen.

„Zu unserer Entschuldigung muss ich sagen, das Gebäude hat wirklich eine Wohnung“, sagte Dietmar Rosenzweig, Leiter der Abteilung für Meldewesen. „Normalerweise sind solche Industriegebäude sonst überhaupt nicht buchbar.“ Die Mitarbeiter an den 16 Schaltern prüfen jede Wohnung, die Audimax-Adresse war im Computersystem verfügbar. „Drei bis vier Studenten in einer Wohnung wären normal gewesen“, sagte Rosenzweig. „Doch nach dem siebten ist es aufgefallen und wir haben das Ganze gestoppt.“ Weil alle „Zugezogenen“ noch in der Behörde waren, sprach Rosenzweig mit ihnen, statt, wie üblich, einen Brief zu schicken. „Die Studenten haben das als PR-Gag gesehen. Und wir fanden es ja auch lustig.“

Christina Merkel

Viel zu später Protest

Studente

Zu viele Prüfungen, zu straffe Stundenpläne, zu wenig Frei­heiten im Studium – der Bachelor steht bei Studenten zu Recht in Verruf. Die Demonstrationen und Proteste kommen aber ein bis zwei Jahre zu spät. Als die neuen Studiengänge den Magister und das Diplom abgelöst haben, mach­ten an den Hochschulen Witze die Runde, dass Studenten durch den Bachelor ja nicht einmal mehr genügend Zeit hätten, um auf die Straße zu gehen.

In den vergangenen Tagen haben sie die Proteste nachgeholt – obwohl es mit den Studien­bedingungen schon wieder auf­wärts geht. Die Politik hat das Thema längst aufgenommen: Der Hochschulausschuss im bayeri­schen Landtag befasst sich partei­übergreifend damit, Wissen­schaftsminister Wolfgang Heu­bisch (FDP) gibt den Universi­täten die nötigen Freiheiten, die es unter seinem Vorgänger Tho­mas Goppel (CSU) laut Rektoren nicht gegeben hat, um die Pro­bleme abzustellen. Hier spielt Heubisch vor allem darauf an, dass die Unis den Bachelor künftig auf mehr Semes­ter als bislang strecken dürfen. Wie viele Prüfungen im Detail ver­langt werden, ist Sache der Pro­fessoren. Bundesbildungsministe­rin Annette Schavan (CDU) ist komplett außen vor, weil die Pro­blematik wegen der Kulturhoheit der Länder von ihr gar nicht an­gegangen werden kann.

Uni Erlangen hat über 30 Prüfungsordnungen geändert

Das Entscheidende aber ist: Die Universitäten sind bereits dabei, die Probleme zu beheben. Die Uni­versität Erlangen-Nürnberg hat im vergangenen Jahr über 30 Stu­dien- und Prüfungsordnungen überarbeitet und Fehler korri­giert, wie Rektor Prof. Karl-Die­ter Grüske bei der Akademischen Jahrfeier erst kürzlich betont hat. Die extremen Probleme in Nürn­berg beim Lehramtsstudium wur­den angegangen.

An den Fachhochschulen sind die Klagen ohnehin viel leiser, weil dort durch die Umstellung deutlich weniger reformiert wurde. Statt acht Semester beim Diplom dauert ein FH-Bachelor sieben Semester. Gekürzt wurde eines der beiden Praxissemester, weshalb sich an der Dichte im Stu­dium in der Regel nichts geändert hat. An den Unis war der Schritt von neun auf sechs Semester deut­lich größer. Hier sind die Hoch­schulen und einzelnen Professo­ren selbst gefordert, die Miss­stände zu beheben. Plakative Pro­testaktionen von Studenten wer­den die Studienbedingungen weniger verbessern können als konstruktive Mitarbeit in den ein­zelnen Fachbereichen.

Markus Kaiser

Sollen die Studiengebühren abgeschafft werden? Diskutiert mit uns in unserem NZ-Blog Senf dazu.


Spickzettel in der Schokolade

 

Spickzettel-Ausstellung im Schulmuseum

Spickzettel-Ausstellung im Schulmuseum

Hand aufs Herz: Wer hat schon einmal einen Spickzettel verwendet? „Ich bin mir sicher fast jeder“, sagt Mathias Rösch, Leiter des Nürnberger Schulmuseums. Die meisten Schüler und Studenten benutzen Stift und Papier für die verbotenen Notizen. Dass es auch einfallsreicher geht, zeigt die Sonderausstellung „Bloß nicht erwischen lassen!“.

Da gibt es die Klassiker: Spicker in Kugelschreibern und auf Radiergummi-Hüllen. Aber auch in Schokolade eingeritzte Matheformeln und Goethezitate auf zusätzlich eingenähten Westentaschen sind zu sehen.

In einer Vitrine steht eine, auf den ersten Blick ganz normale, Limonadenflasche. Doch statt „Wasser, Zucker, Orangensaft“ steht auf der Zutatenliste „Roosevelt schafft Arbeit durch New Deal“. Ein Neuntklässler des Nürnberger Peter-Vischer-Gymnasiums hatte seinen Geschichtsstoff zur US-Außenpolitik auf ein eingescanntes Etikett gedruckt. 

 Schon Konrad Adenauer spickte 

„Spickzettel sind ein Phänomen, das über die Jahrhunderte und Kontinente hinweggeht“, sagt Rösch, der auch als Historiker an der Uni Erlangen beschäftigt ist. „Schon Konrad Adenauer beschaffte sich die Texte seines Abiturs vorab, und wurde später Kanzler.“ Spicken sei keineswegs nur unter schlechten Schülern und Studenten verbreitet. 

Vielmehr noch: „Spickzettel sind eigentlich die perfekte Klausurvorbereitung“, sagt Rösch. Für die Herstellung sei eine hohe Konzentration auf das Wesentliche erforderlich. „Durch den Adrenalinkitzel des Verbotenen ist man emotional bei der Sache“, sagt er. „Der Lernstoff wird dadurch optimal verankert.“

Es gehört eben viel dazu, den Inhalt eines ganzen Buches auf fünf mal fünf Zentimetern Papier unterzubringen. „Im besten Fall beherrscht man den Stoff anschließend so gut“, sagt Rösch, „dass der Spickzettel in der Hosentasche bleiben kann.“

Info: Schulmuseum, Äußere Sulzbacherstr. 60-62, 90491 Nürnberg

Christina Merkel

Bücher in Zahlen

Rainer  Plappert ist Herr über 5.320.667 Bücher und Zeit­schriftenbände. Etwa 2,6 Millio­nen davon stehen in den Regalen des Hauptgebäudes der Universi­tätsbibliothek Erlangen. Der gesamte Bestand ist an mehr als 130 Standorten in den Zweigstel­len in Nürnberg und Teilbibliothe­ken in den einzelnen Fachberei­chen untergebracht.

Plappert leitet die „Abteilung für Erwerbung und Katalogisie­rung“ der Unibibliothek. Er kauft Bücher, Zeitschriften und Online-Lizensen ein. 32.000 Exem­plare standen im letzten Jahr auf seinem Einkaufszettel. „Dazu kommen Geschenke und Tausch­bücher aus anderen Bibliothe­ken“, sagt Plappert. So wächst der Bestand jährlich um etwa 50.000 Bücher.

Gleich 102 Exemplare gibt es in Erlangen vom „Lehrbuch der phy­sikalischen Chemie“. Auch viele Medizin- und Jurabücher sind mit bis zu 20 Ausgaben vorhan­den. „Trotzdem sind vor den Prü­fungsphasen dann alle weg“, sagt Plappert. Danach stehen sie dafür wieder wochenlang unberührt im Regal. „Da ist es schwierig sich dem Bedarf anzupassen.“ Aus dem 12. Jahrhundert stammt das älteste Buch der Bibliothek. „Eine Handschrift mit einer Auflistung der arabi­schen Zahlen, wie wir sie noch heute verwenden“, sagt Plappert. Außerdem gibt es Papyri aus Ägypten. Studenten der Orienta­listik oder Alten Geschichte kön­nen sie in den Lesesälen einsehen.

In einem speziell gesicherten Tresor lagert eine Bibel aus der Zeit Gutenbergs. „Weltweit sind nur 20 Exemplare davon bekannt“, sagt Plappert. Auch ein handschriftliches Evangelien­buch aus dem 9. Jahrhundert liegt hinter verschlossenen Türen. Erlangen besitzt außerdem eine der Gumbertus-Bibeln. Die „Rie­senbibel“ aus dem Jahr 1180 vom Kloster St.Gumbertus in Ans­bach wiegt 30 Kilogramm. Diese Schätze holt die Bibliothek nur zu Ausstellungen hervor.

Manche Bücher bleiben dage­gen mehr als 100 Jahre lang unge­lesen: „Ein Professor hat sich neu­lich ein Buch ausgeliehen, dessen Druckbögen, wie früher üblich, noch nicht auseinander getrennt waren“, sagt Plappert. „Das heißt, dass sich das Buch seit dem Kauf vor mehr als 120 Jahren nie­mand mehr angesehen hatte.“

Top 5 der im Jahr 2008

am häufigsten aussgeliehenen Bücher der Unibib Erlangen (je 45 Mal)

 Cercignani, Carlo: The Boltzmann equation and its applications.- New York [u.a.] : Springer, 1988

Davis, Philip J.: Methods of numerical integration.- Orlando u.a. : Acad. Pr., 1984

Selberherr, Siegfried: Analysis and simulation of semiconductor devices.- Wien [u.a.] : Springer, 1984

Johnson, Claes: Numerical solution of partial differential equations by the finite element method.- Cambridge u.a. : Cambridge Univ. Pr., 1987

Liboff, Richard L.: Kinetic theory.- Englewood Cliffs, NJ : Prentice-Hall International, 1990

Christina Merkel

Mein Abschied von der Uni

Mit dem Fahrrad radle ich den gewohnten Weg zur Uni. Unterwegs wird mir bewusst: Das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich diese Strecke fahre. Meine Diplomarbeit habe ich vor Monaten abgegeben. Jetzt bekam ich die Note mitgeteilt. Ich bin zufrieden und glücklich, es endlich geschafft zu haben.
Jetzt gehe ich mein Zeugnis im Prüfungsamt abholen. Es wird mein letzter Streifzug durch die Fakultät, das letzte Mal durch die langen Gänge laufen, das letzte Mal der etwas muffige Geruch. Bei diesen Gedanken werde ich fast ein bisschen wehmütig. Wenn ich das Zeugnis in Händen halte, bin ich Absolvent der Sozialwissenschaften, genauer Diplom-Soziologe. Damit gehöre ich zu einer aussterbende Rasse.
Denn neuerdings gibt es „Bachelors of Social Economics“ oder gleichnamige „Master“. Seit meinem Studienbeginn vor sechs Jahren hat sich vieles verändert. Meine Fakultät trägt einen neuen Namen. In der ganzen Metropolregion – auch so ein neues Wort – noch immer unter WiSo bekannt, heißt die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät seit fast schon zwei Jahren ReWi, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. WiSo hat mir besser gefallen, schon vom Klang her.
Keine Sozialistische Hochschulzeitung heute
Als ich mein Fahrrad vor dem Eingang abschließe, sind dort ausnahmsweise keine Flyer-Verteiler postiert, die die nächste Party anpreisen. Der Mann mit der Sozialistischen Hochschulzeitung in Händen ist heute auch nicht zu sehen. Eventuell hat er es aufgegeben, kostenlose Exemplare an desinteressierte Studenten verteilen zu wollen. Sonst habe ich immer versucht, mich geschickt an ihnen vorbeizudrücken, heute fehlen sie mir in meinem Abschiedsbild.
Langsam kann ich über den Campus laufen. Ich betrete die kalte Eingangshalle, deren Aussehen und Geruch mich nach wie vor an das Flair einer Großraumtoilette erinnern. Ausgerechnet solche Dinge bleiben. Zwar fehlt es der Halle an Zuwendung, dafür hat fast jedes Auditorium inzwischen einen Sponsor. Nicht nur Fußballstadien werden gegen schnelle Finanzspritzen nach dem Geber benannt, sondern auch das Herzstück der Universitäten, der Hörsaal.
Der Ort des kritischen Denkens und Diskutierens, wird zur Werbeplattform. Die Studiengebühren stopfen die Finanzlöcher nicht alleine, der ehemalige H1 verdankt seinen Namen nun einem großen Geldinstitut, H2 einem internationalen Wirtschaftsprüfer mit Sitz in Nürnberg. Ich sollte als persönliches Abschiedsgeschenk in großen Buchstaben „Zu Verkaufen“ auf die Türen von Hörsaal Nummer vier schreiben. Der ist noch zu haben.
Lange Wartezeiten im Prüfungsamt
Das Prüfungsamt liegt im ersten Stock. Davor sitzen bereits, es scheint als säßen sie schon länger, sieben Studenten. Nachdem auch ich 40 Minuten gewartet habe, rücke ich ins Zimmer der Sachbearbeiterin vor. Gerade noch kurz vor Ende der Öffnungszeit um 10.45 Uhr. Hochschulstrukturen – nichts was man vermissen wird. Trotz Wirtschaftssponsoren, wenig ökonomisch.
„Ich würde gerne mein Diplomzeugnis abholen“, sage ich stolz. Die Beamtin bietet mir einen Stuhl an, und nach der Unterschrift auf der Empfangsbestätigung halte ich endlich das Papier in Händen, für das ich elf Semester studiert habe. Ob es mir in absehbarer Zeit meinen Traumjob verschaffen wird? Ich wage es zu bezweifeln in Zeiten der Krise.
Während ich die Tür zum Ausgang öffne, überfällt mich erneut Wehmut. Das war’s dann also. Tatsächlich läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Mach’s gut Fakultät. Bei meinem Fahrrad passt mich eine blonde Flyerverteilerin ab, die nächste Studentenparty steht an. Ich kann der Uni getrost den Rücken kehren.
Fabian Friedmann (Absolvent der Uni Erlangen-Nürnberg)

Akkurater Spatenstich für den Neubau der Mathematiker

Die Baustelle auf dem Uni Südgelände

Die Baustelle auf dem Uni Südgelände

Vier Leute halten den Pavillion fest, und trotzdem fängt sich der Wind in der Plane und knickt das Gestänge. Unbrauchbar geworden, wird das Pavillion kuzerhand hinterm Festzelt versteckt. Damit die Gäste es nicht sehen, die gleich zum feierlichen Spatenstich für das neue Uni-Gebäude zum Erlanger Südgelände kommen. Die Bauarbeiten für den Neubau der Mathematik und Informatik können heute offiziell beginnen. Deshalb putzen Helfer den planierten Sandplatz hinter der Bibliothek der Techni­schen Fakultät für den Festakt heraus. Doch auch die beiden Blumenstöcke, die links und rechts neben dem Rednerpult stehen sollen, können dem Wind nicht trotzen. Die Pflanzenkübel aus Plastik fallen immer wieder um, Zweige brechen ab. Nachdem die Helfer sie mehrfach vergebens wieder aufgerichet haben, ersetzten sie sie doch durch standfestere Sträucher in Tontöpfen.

Denn für einen solchen Spatenstich muss sogar eine Baustelle schick aussehen. „Mehrfach haben die in den letzten Tagen den großen Sandhaufen mit Baggern hin- und hergeschaufelt“, berichten die Mitarbeiter im angrenzenden Gebäude. „Vielleicht, damit es schöner aussieht“, vermuten sie, „oder um Arbeit vorzutäuschen.“ Jetzt überragt ein Sandberg das Festzelt, oben auf thront gut sichtbar der größte Bagger der Baustelle. Vier weitere Bagger stehen hinter dem für die Gäste planierten Platz in Reih und Glied, ihre Schaufeln sind – mathematisch korrekt – auf einen Punkt in Richtung der Gäste hin ausgerichtet.

 

Minister, Bürgermeister und Uni-Rektor beim Spatenstich

Im Juli 2011 soll der Neubau fertig sein.  Es entstehen 8000 Quadratmetern für neue Hör­säle, Seminar- und Übungsräume und eine Bibliothek für insgesamt zwölf Lehrstühle, ist auf einer Infotafel zu lesen. Da die Tafel aufgrund des starken Windes ebenfalls umzufallen droht, müssen zwei junge Frauen des Catering-Personals spontan als Gewichte herhalten. In weißen T-Shirts und blauen Schürzen, mit den Armen hinter ihren Rücken verschränkt, stehen sie auf den Querstreben der Stützpfosten.

Falls es gleich auch noch zu regnen beginnt, sind nicht die beiden Frauen, aber zumindest das Rednerpult von einem Schirm überdacht. Mit Wäscheklammern steckt ein Mann den überhängenden Stoff zurück. Denn verdeckte Gesichter der Redner machen sich auf den Fotos bestimmt schlecht. Umso besser sieht die vorbereitete Stelle für den obligatorischen ersten Spatenstich aus: Sie ist mit Holzlatten abgesteckt, acht Spaten stecken im Sand, auf den Griffen sind acht Helme platziert. Der Wind rührt sie nicht. Alles ist vorbereitet, die Gäste können kommen.

Jedoch achten Minister, Architekt, Uni-Rektor und Bürgermeister nicht auf die Ordung der Baustelle. Entgegen ausdrücklicher Anweisungen, landet der Sand beim ersten Spatenstich weder zeitgleich noch parallel auf dem Platz.

Christina Merkel

Zweiter Anlauf: Schlossgartenfest findet statt

Der Rektor hat entschieden: Das Schlossgartenfest soll heute Abend stattfinden, auch wenn wetter.de mit einem Gewitter rechnet, wetter.com nur nachmittags von Regenschauern und abends von „wolkig“ ausgeht. Riskant ist die Entscheidung allemal. Organisatorin Ursula Ertl rät deshalb auch den Besuchern, für alle Fälle einen Schirm mitzunehmen. Es sei mit einer geringen Schauerwahrscheinlichkeit zu rechnen.

In der vergangenen Woche gab es teilweise massiven Ärger, weil die Absage so spät erfolgt ist (erst nach 17 Uhr, um 12 Uhr war noch davon ausgegangen worden, es kann stattfinden). In der NZ hat sich Grüske daher bei den Besuchern entschuldigt, die trotzdem kamen. Im „Campus-Blog“ war die Mehrheit verärgert – nicht wegen der Absage, sondern weil sie so spät erfolgt ist. Einer sprach davon, er habe sich geärgert, weil er schließlich 100 Kilometer nach Erlangen gefahren sei.

Ob Grüskes Entscheidung richtig ist, dass heute das Fest stattfindet, wird man wohl erst heute Abend oder Nacht beantworten können. Natürlich steht der Rektor unter großem Druck: Regnet es heute Nachmittag und Abend wieder wie verrückt, kritisieren alle: Warum hat er nicht gleich abgesagt? Hätte er mittags abgesagt und es wäre schön geworden, dann wäre er auch belämmert dagestanden. Und einen weiteren Nachholtermin hätte es sowieso nicht gegeben.

Neuer Versuch fürs Schlossgartenfest: Und wieder solls gewittern…

Ach nein! Auch für den kommenden Samstag ist nach heutigem Stand ein Gewitter mit viel Regen vorhergesagt. Wenn das Schlossgartenfest wieder nicht stattfinden kann, fällt es ersatzlos aus. Das gabs bisher in der Geschichte des größten Gartenfests Europas nur einmal. In der NZ hat sich Rektor Grüske entschuldigt für die späte Absage am vergangenen Samstag.