Doch (k)ein Scherz: FAU geht an die Börse

Viele würden sich wohl wünschen, dass es wahr wäre: Die Uni Erlangen-Nürnberg verkündet heute auf ihrer Homepage, die Universität privatisieren zu wollen, um Geld für die vielen maroden Gebäude zu bekommen. „Durch einen Börsengang will die FAU Kapital in dreistelliger Millionenhöhe beschaffen“, heißt es in der Mittleilung.

Doch mit dem Geld kann die Uni nur etwa „die Hälfte der anstehenden Sanierungskosten für ihre Gebäude in Höhe von knapp einer Milliarde Euro decken“.

Russischer Oligarch kauft Dürer-Schatz

Weitere Mittel soll daher der Verkauf kostbarer Dürer-Zeichung einbringen – die Teil eines Kunstschatzes sind, der im Keller der Universitätsbibliothek schlummert. Ein russischer Oligarch habe bereits 200 Millionen Euro geboten. Der Verlust der Kleinodien schmerze zwar sehr, teilt Uni-Präsident Karl-DieterGrüske mit, doch der Zustand der Universität lasse keinen Raum für Kompromisse: „Wir wollen unseren Studierenden beste Bedingungen bieten – und dafür müssen wir auch harte Einschnitte in Kauf nehmen.“

Einige FAU-Mitarbeiter haben aber trotz des 1. Aprils Bedenken: „Ein Handel mit einem russischen Wirtschaftsmagnaten konterkariere die angesichts der Krim-Krise angedachten Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland.“ Bedenken, die Grüske nicht teilt: „Es ist die hohe Aufgabe der Kunst, in Krisenzeiten Brücken über Gräben zu bauen.“

Grüske ist selbst Finanzwissenschaftler, er kennt sich also aus: „Es hat sich gezeigt, dass die Gelder, die der Freistaat Bayern für den Bauunterhalt bereitstellt – jährlich waren das in den vergangenen Jahren etwa 5 Millionen Euro – nicht annähernd ausreichen, um auch nur die nötigsten Sanierungsarbeiten durchzuführen.“ Und das ist kein Scherz, sondern traurige Realität. PCB-Warnung in der Bibliothek, bröckelnde Decken in der Kochschraße.

Präsident Grüske wird CEO

Doch am ersten April reagiert die Uni mit schwarzem Humor: „Wir haben beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen“, sagt Grüske. „Die Aktien sollen ab Herbst an der Nasdaq gehandelt werden.“ Präsident Grüske, der die FAU AG als CEO leiten wird, geht von einem positiven Börsenstart der „Aktie blau“ aus: „Wir hoffen, einen Ausgabekurs von 250 Euro realisieren zu können – das entspricht etwa dem derzeitigen Aktienkurs von Amazon.“

Auch das eigene Personal ist vor Scherzen nicht sicher: Nach dem tatsächlichen rechtlichen Gerangel um die Nachfolge des langjährigen FAU-Kanzlers Thomas A.H. Schöck bietet der erfundene Börsengang endlich Zukunftschancen. „Schöck wechselt nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Kanzleramt in den Aufsichtsrat der AG – ein rechtlich äußerst innovativer Schritt: Als autonome Universität kann die FAU wesentlich flexibler agieren als die meisten anderen Wirtschaftsunternehmen, in denen ein solcher Wechsel womöglich durch Compliance-Anforderungen behindert würde.“

 

Kein Scherz: Südgelände ist am 1. April ohne Strom

Die Uni zieht den Stecker.Ob sie sich absichtlich dieses Datum ausgesucht haben? Wegen eines Sicherheitstests der Notstromaggregate wird morgen, am 1. April, auf dem gesamten Südgelände der Uni Erlangen vorübergehend der Strom abgeschaltet. Das Gebäudemanagement warnte vorher in einer Rundmail alle Mitarbeiter. Vor allem in der Technischen Fakultät müssen Profs und Studenten dafür sorgen, dass alle Laborsysteme und Versuchsaufbauten zwei Stunden ohne Elektrizität, Wasser, Wärme und Kälte auskommen.

Südmensa kocht trotzdem

Auch die Mensa wird ohne Strom sein. „Die Versorgung soll zwar spätestens am Vormittag wieder hergestellt sein, aber wir können wahrscheinlich nicht das laut Speiseplan vorgesehene Essen zubereiten“, sagt Studentenwerkssprecher Uwe Scheer. Das wirkt sich bis in die Innenstadt aus, denn die Küche der Südmensa beliefert zurzeit auch die Übergangsmensa „WerksGärtla“ am Langemarckplatz. „Es wird überall etwas zu essen geben“, sagt Scheer. „Zumindest das, was wir unter den gegebenen Bedingungen auf die Schnelle zubereiten können.“

Von 6.00 bis 7.45 Uhr schaltet die Uni den Strom ab.  Wenn alles richtig funktioniert, springt nach etwa 15 Sekunden das Notstromnetz an. Es versorgt wichtige Geräte mit Elektrizität, wie die Notbeleuchtung, Brandmelder, Telefonanlagen und Kommunikationssysteme sowie das Rechenzentrum. Alle anderen Geräte bleiben während der knapp zwei Stunden ohne Strom. Auch Heizungen, Klima- und Lüftungsanlagen fallen in dieser Zeit aus. Zum Glück kommen die meisten Studenten sowieso erst nach 8 Uhr an die Uni.

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Infos für Schüler: Was kann ich wo studieren?

Schüler, die kurz vor dem Abschluss stehen und noch nicht wissen, was ihnen denn als Studienfach so taugen könnte, sollten kommende Woche die Chance nutzen und sich direkt vor Ort alle Infos holen: Die Georg-Simon-Ohm-Hochschule, die Fachhochschule, die inzwischen als Technische Hochschule (TH) firmiert, und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) laden zu ihren Studien-Infotagen ein und geben Studieninteressierten die Möglichkeit, Studiengänge, Dozenten, Gebäude, Mensa und alles kennenzulernen, was so zum Studentenleben dazugehört – außer Kneipen vielleicht…

Die Ohm-TH startet am Mittwoch, 25. September, und am Donnerstag jeweils zur schülerfreundlichen Zeit um 9.30 Uhr. (Die Schüler, die es betrifft, bekommen dafür extra ein paar Tage schulfrei, damit sie sich informieren können.) An beiden Tagen werden bis 15 Uhr alle Fakultäten und Studiengänge vorgestellt, die meisten davon sogar an beiden Tagen und/oder mehrmals.

Die Uni fängt sogar schon am Dienstag an und präsentiert sich insgesamt drei Tage lang an mehreren Standorten in Erlangen und Nürnberg. Vom Lehramt über BWL, Geisteswissenschaften und Jura bis zu Ingenieurwesen und Naturwissenschaften ist alles dabei.

Wer mit dem Gedanken spielt, an einem oder mehreren Tagen den Hochschulen einen Besuch abzustatten, sollte sich vorher unbedingt einen genauen Zeitplan zusammenstellen, wann man was wo sehen will. Aufs Geratewohl spontan hinzufahren – davon kann man nur abraten. Das Programm der Ohm-Hochschule findet Ihr hier. Und die Uni hat hier ihren Flyer eingestellt.

fbh

Uni Erlangen schließt Seminargebäude komplett

Die Universität Erlangen-Nürnberg hat das Philosophische Seminargebäude an der Kochstraße 4 in Erlangen bis auf weiteres komplett gesperrt. Auslöser war, dass im Juni im Untergeschoss ein Teil einer Decke heruntergebrochen und auf einen Schreibtisch gestürzt ist. „Obwohl die Untersuchungsergebnisse noch nicht vollständig vorliegen, zeigt sich bereits jetzt, dass aufgrund des Zustands der Decken in weiteren Räumen mit Gefahr für Leib und Leben gerechnet werden muss“, sagte Uni-Kanzler Thomas A. H. Schöck.

Das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg habe die flächendeckende Untersuchung der Putzdecken durch einen Sachverständigen in die Wege geleitet. Das gesamte Gebäude, in dem unter anderem die Fächer Geschichte, Politische Wissenschaft und die Antikensammlung untergebracht sind, werde bis zum endgültigen Vorliegen der Untersuchungsergebnisse, mindestens jedoch bis zum 2. August, mit sofortiger Wirkung vorsorglich gesperrt. „Auf der Grundlage des dann vorliegenden Ergebnisses wird die Universität entscheiden, welche weiteren Schritte einzuleiten sind“, erklärte Schöck.

Die betroffenen Mitarbeiter wurden von der Uni-Leitung von der Arbeitsleistung freigestellt. „Soweit die Möglichkeit besteht, soll von zu Hause oder von anderen geeigneten Orten aus gearbeitet werden“, meint Schöck. „Für den Fall, dass Beschäftigte persönliche Gegenstände oder Arbeitsmaterial aus ihrem Büro holen müssen, können sie zwischen 8.00 und 14.00 Uhr für jeweils maximal 30 Minuten das Gebäude betreten.“ Anstehende Prüfungen müssten kurzfristig in Räume in anderen Gebäuden verlegt werden. Für die Organisation sowie alle weiteren Fragen werde vor Ort ein Lagezentrum eingerichtet. mk

 

 

Kommt doch ein echtes Semesterticket?

Dass es für Nürnberg und Umgebung kein „echtes“ Semesterticket gibt, also eines, das deswegen erschwinglich ist, weil es für alle Studenten obligatorisch ist, dürfte inzwischen eigentlich bekannt sein. Trotzdem regt sich immer mal wieder Protest – so dass jetzt sogar die Münchner Edelfedern aufgewacht sind. Zurzeit machen jedenfalls einige Studenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Internet Druck – und können erste Ergebnisse vorweisen.

Till Müller hat vor kurzem eine Facebook-Gruppe gegründet, die nach seinen Angaben innerhalb von nur 24 Stunden über 2000 Sympathisanten gewinnen konnte. Inzwischen sind es über 3600. Der Psychologie-Student will, wie er sagt, „ein Zeichen gegen die nicht mehr tragbaren Studentenpreise setzen“. Und in einer Mail an die NZ beklagt Deborah Woznicki die „Ausbeutung der Studenten in Erlangen-Nürnberg“: „Die Kosten haben ihren Höchstpunkt erreicht und behindern uns in unserem Studium. Der Staat blutet nach Bildung, doch sieht gnadenlos zu, wie uns der VGN ausbeutet. Mit den Studiengebühren und einem viel zu hohen Preis für ein Fahrticket ist es uns nicht möglich, sorgenfrei zu studieren.“ Die Forderung lautet: Ein bezahlbares Semesterticket soll her, das sechs Monate lang im ganzen Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) gilt. Und bitte flott.

Studentenwerk hält Forderung für „berechtigt“
Beim Studentenwerk Erlangen-Nürnberg hört man die Botschaft durchaus. Geschäftsführer Otto de Ponte hat vor wenigen Tagen ein Gespräch mit Till Müller und dessen Mitstreiter Florian Murrer geführt. Der NZ gegenüber zeigt er sich beeindruckt darüber, „wie gut sich die Studenten kundig gemacht“ haben. Die Forderung nach einem echten Semesterticket hält er für „berechtigt“ – und er prognostiziert: „Bevor es in dieser Sache keine Lösung gibt, wird es auch keine Ruhe geben.“

Das Studentenwerk hat inzwischen die Planungen für eine Semesterkarte nach dem sogenannten Solidarmodell – man könnte auch sagen: Zwangsmodell – verworfen: Es sollen nicht alle Studenten verpflichtet werden, ein teures Semesterticket für den VGN-Gesamtraum über den Studentenwerksbeitrag zu erwerben. An der Einschätzung, dass dieses Modell juristisch zu Fall gebracht werden könnte, hat sich nämlich nichts geändert. Schon seit jeher fürchten Studentenwerk, Politik und Verkehrsbetriebe, dass ein zu teures Zwangsticket von einem Gericht kassiert werden könnte. Konkret fürchtet man Klagen von Erlanger Studenten. Die legen viele Wege zu Fuß oder per Fahrrad zurück und würden, so fürchtet man, wohl nicht einsehen, eine größere Summe für ein Ticket zu bezahlen, das sie kaum nutzen, mit dem sie aber die Pendelei ihrer Kommilitonen aus Nürnberg, Fürth und dem Umland subventionieren würden.

Sockel- statt Solidarmodell
De Ponte zieht nun ein Sockelmodell in Betracht: Alle Studenten würden demnach einen obligatorischen Beitrag leisten, der zwischen 50 und 70 Euro liegen könnte. Mit dieser Zahlung könnten alle Fahrten zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen abgegolten sein. Wer von weiter weg zur Hochschule fährt, etwa aus dem Nürnberger Land oder der Fränkischen Schweiz, könnte dann weitere Verbundzonen einfach dazukaufen. Dieses Modell würde einer gerichtlichen Überprüfung vermutlich standhalten.

Nun müsse der VGN ein adäquates Angebot auf den Tisch legen, meint de Ponte. Kein Problem, sagt dort Klaus Dechamps, der sich seit Jahren mit dem Thema befasst. Bisher hätten die Studenten aber immer das Solidarmodell befürwortet. Wenn nun der Sockel gefragt sei, könne man entsprechende Berechnungen anstellen. Dechamps erinnert aber an eine Befragung vor einigen Jahren, in der sich die Studenten mit großer Mehrheit für das Solidarmodell ausgesprochen hatten. Nur etwa fünf Prozent hätten den Sockel vorgezogen. „Wir sind da aber grundsätzlich offen“, sagt Dechamps. „Dazu müssen die Studentenvertreter aber offiziell an uns herantreten.“ Ob sich dann bei einer Abstimmung unter allen Studenten eine Mehrheit wirklich für das Sockelmodell ausspricht, sei fraglich. Jetzt soll also wieder verhandelt werden.

Florian Heider

Wohin Geisteswissenschaften führen

„Und, was wollen sie später einmal damit werden?“ Resigniertes Schweigen tritt ein. Da war sie wieder, die schlimmste aller möglichen Fragen.
Und das nur, weil die angesprochenen Teilnehmer im Anglistikseminar Englisch auf Bachelor studieren und nicht auf Lehramt. Die zukünftigen Lehrer und Lehrerinnen bleiben dagegen vom prüfenden Blick der Dozentin verschont. Schließlich ist ihr späterer Beruf klar. Wenn es jedoch um die Zukunftsaussichten der übrigen Studenten an der Philosophischen Fakultät geht, die eine Sprache, Philosophie, Politikwissenschaft, Theater- und Medienwissenschaft oder Buchwissenschaft studieren, so erscheinen diese unvorhersehbar. Hinter diesen Studiengängen steht schließlich kein einheitliches Berufsbild.

Quälende Unsicherheit beim Blick in die Zukunft

Diese Tatsache wird von Außenstehenden häufig als Chance aufgefasst. Für die Studenten selber jedoch bedeutet sie vor allem eines: quälende Unsicherheit, die mit jedem neuen Semester deutlicher zu spüren ist. Pascal Fetter studiert Kulturgeographie, denn „dieses Fach interessiert mich einfach am meisten“. Trotzdem muss er zugeben: „Es beunruhigt mich schon, dass ich nicht weiß, was ich nach der Uni damit mache.“ Natürlich versuche die Universität durch die BA-Studiengänge eine bessere Ausrichtung auf die Arbeitswelt zu ermöglichen, findet Thomas Krusche von der Studierendenberatung: „Es gibt zusätzliche Praktika, Kurse und Schlüsselqualifikationen in diesen Studiengängen. Damit sind sie durchaus ein Fortschritt gegenüber dem Magister, der noch viel freier war.“

Doch damit ist es eben nicht getan. Kristina Maul ist Mitarbeiterin des Sprachenzentrums und steht als Lehrende im regen Austausch mit ihren Studenten. Sie kennt die Problematik und findet, dass „der Arbeitsmarkt in der Region nicht sehr offen und wenig kommunikativ“ ist.

Als potenzieller Arbeitnehmer weiß ein Student oft nicht, an welchen Arbeitgeber er sich mit seinem abgeschlossenen Studium wenden kann. Die Folgen sind nicht zu übersehen. Es spräche für sich, findet Kristina Maul, dass die Fachschaftsinitiative der Politologen ihre Homepage ‚Später-mal-Taxifahrer.de’ nennt. „Es gibt auch BA-Studenten“, sagt sie, „die sich scheuen, anschließend noch einen Master zu machen und stattdessen nach dem Bachelor lieber eine Ausbildung anfangen.“

Susanne besuchte so manchen Kurs von Kristina Maul. Mittlerweile befindet sie sich im Endspurt ihres Zwei-Fach-Bachelors in English-and-American-Studies und Geschichte. Mehr denn je grübelt sie deshalb darüber, was einmal aus ihr werden soll. „Ich würde eigentlich gerne den Master in Anglistik machen, denn in meinem Zweitfach fühle ich mich zu Hause. Aber ich habe Angst, dass der Master zu unspezifisch für den Arbeitsmarkt ist“, sagt die 23-Jährige. Sie schreibt gute Noten und hat ein Semester im Ausland verbracht, um ihre Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Sobald jedoch Familie oder Freunde nach ihren beruflichen Plänen fragten, fühle sie sich unbehaglich. „Ich weiß gar nicht, wie oft ich seit dem Beginn meines Studiums ‚Nein, nicht auf Lehramt’, gesagt habe“, erklärt sie.

Allerdings ist selbst das Lehramtsstudium längst kein Garant mehr für einen unkomplizierten Berufseinstieg. Viele Fächerkombinationen – von Mathe, Physik und Chemie einmal abgesehen – sind so begehrt, dass es inzwischen zu viele angehende Lehrer gibt. „Das geht sogar so weit, dass die Lehramtsstudenten neben ihrem Hauptstudium auch noch einen Masterabschluss machen“, sagt Thomas Krusche von der Studienberatung. Kristina Maul hofft, dass künftig Informationsmessen helfen, die Studenten über konkrete Berufsbilder und die für sie infrage kommenden Arbeitgeber aufzugeklären. Außerdem sollte es in jedem Fach Pflichtpraktika geben, so wünscht es sich die Mitarbeiterin des Sprachenzentrums. Dies könnte bewirken, dass weniger Studenten auf die völlig offengehaltene Standard-Antwort ausweichen müssen: „Ich möchte später für eine internationale Organisation im Ausland arbeiten.“

Sarah Hermanns

Das neue Semester in Zahlen

Vergangene Woche hat das neue Semester begonnen, nun wurden die Studierenden gezählt. An der Uni Erlangen-Nürnberg studieren so viele Menschen wie nie zuvor. Genau 33400 Studierende zählt die Universität zu Beginn des Semesters. Sie ist damit die größte Hochschule Nordbayerns und erstmals die zwölftgrößte in ganz Deutschland. „Größe ist zwar kein Maß von Qualität“, sagte Uni-Präsident Karl-Dieter-Grüske bei der Präsentation der Ergebnisse, „aber ein Zeichen für die Attraktivität unserer Hochschule ist es schon.“ Noch vor zehn Jahren waren lediglich 20606 Studenten an der FAU eingeschrieben. Die NZ zeigt die Zahlen des neuen Semesters im Überblick:

– 6789 Studienanfängerinnen und -anfänger haben sich in Erlangen erstmals für ein Studium immatrikuliert.

– Darunter sind zum ersten Mal seit acht Jahren wieder mehr männliche als weibliche „Erstis“ – und zwar 3482 neue Männer an der Uni gegenüber 3307 neuen Frauen. Der Grund dafür liegt wohl im Wegfall der Wehrpflicht.

– Insgesamt haben jedoch weiterhin die Studentinnen die Nase vorne, wenn auch nur knapp. An der FAU studieren 238 Frauen mehr als Männer. Die Jungs holen auf: Im vergangenen Jahren lag der Unterschied noch bei 1375.

– Heuer besonders interessant sind die Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs in Bayern. 29 Prozent der neuen Studierenden sind aus dem letzten G9-Jahrgang. Knapp ein Drittel (32 Prozent) hat erstmals G8-Abitur. Die restlichen 39 Prozent haben die Hochschulreife bereits schon länger bestanden oder kommen aus anderen Bundesländern.

– 14 Erstis waren bei der Einschreibung noch unter 18 Jahre alt.

– Die meisten Neuzugänge – 1972 Studenten – gab es an der Technischen Fakultät. Den größten prozentualen Zuwachs verzeichnen die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, deren Anfängerzahlen um 43,2 Prozent gestiegen sind. Die zahlenmäßig größte Fakultät bleibt die Philosophische mit 9289 Studierenden.

– Der größte Hörsaal der Uni fasst 850 Sitzplätze, doch weil das nicht genügt, finden die Grundvorlesungen in Mathematik künftig in der Erlanger Stadthalle statt.

– An der FAU studieren in diesem Semester Menschen aus 108 verschiedenen Ländern. Die meisten kommen aus China (303), gefolgt von der Türkei (259) und Russland (157). Die weiteste Anreise hat ein Student aus Neuseeland hinter sich.

Christina Merkel

WiSo: Kuschelstimmung im Hörsaal

Zwei Abiturjahrgänge, dazu noch die Wehrdienstbefreiten. Um den Rekordansturm zu entzerren, wurde auch an der Friedrich-Alexander-Universität viel geplant: 360 neue Dozentenstellen, Zusatzgebäude oder mehrere Termine zum Studienbeginn. Doch mit 1700 Erstsemestern wird es voll und kuschelig in diesem Winter an Nürnbergs WiSo.

„Geh schnell in die Mensa, sonst kriegst du keinen Platz mehr“, ruft Eva Preiß einer ihrer Kommilitoninnen zu, die daraufhin versucht, eilig durch die Studentengrüppchen über den Hof zu kommen. Eva ist 24 und gehört momentan schon zum „alten Eisen“ an der Wiso. Seit sieben Semestern studiert sie hier Wirtschaftspädagogik.

Sie versucht, cool zu bleiben angesichts des Rekordansturms der Erstsemester auf die Fakultät. „Für mich wird es nicht mehr so schlimm werden, ich bin fast fertig“, sagt sie und grinst etwas erleichtert. „In den Übungen mit begrenzter Teilnehmerzahl könnte es aber richtig eng werden“, befürchtet sie. „Viel können die Unis doch auch nicht machen“, meint die Nürnbergerin. „Sie haben halt einfach nicht mehr Raum schaffen können.“

Raum – das Zauberwort dieser Tage. Hörsaal 4. In einer halben Stunde soll hier die „Einführung in die Mathematik“ stattfinden, für die Wirtschaftswissenschaftler zu Studienbeginn eine Pflichtveranstaltung. Drei Viertel des riesigen Saals sind bereits belegt. In Strömen pilgern weiter und weiter Studenten ein. Einige machen mit ihren Handys Fotos von den Vorlesungszeiten – keiner will gleich am ersten Tag die Übersicht in diesem Getümmel verlieren.

Um die Situation zu entzerren, durften sich bereits im Sommer 1300 G9-Abiturienten an der FAU immatrikulieren. „Das ist die Hälfte der 2550 Studienanfänger gewesen“, rechnet Heiner Stix, Leiter der Kommunikation an der Universität.

„Mein erster Eindruck war ziemlich heftig“, gesteht dennoch Eva Fuss, die in ihr Studium in Statistik und empirische Wirtschaftsforschung startet. „Ich hatte ja keine Vorstellung, wie voll das wird“, klagt die 31-Jährige. Sie und Freundin Katja Walz wollen daher künftig früher aufstehen, um einen Platz in den überfüllten Hörsälen zu ergattern. „Ansonsten muss ich mir die Videos von den Vorlesungen im Internet ansehen und nachbereiten.“

Kevin Pubatz freut sich vor allem über seinen ersten Tag als Student. Denn der Baden-Württemberger profitiert von der Wehrpflichtreform. „Das ist zwar gut für mich, aber ein weiterer Hammer für die Uni.“ Kevin beginnt sein Studium in Wirtschaftswissenschaften und ächzt bereits nach der Einführungsvorlesung.

„In den Haupthörsaal konnte man gar nicht mehr rein, aber immerhin haben sie eine Live-Übertragung in einen anderen Hörsaal gestellt“, sagt der 20-Jährige und befürchtet: „Die Dozenten werden in den ersten Semestern ziemlich aussieben, um die Engpässe aufzulockern.“

Engpässe gibt vor allem bei den Sprachkursen, erzählt Katrin Ziegler von der Fachschaftsinitiative der WiSo. „Wir haben einfach keine Räume mehr für die Sprachkurse. Das wird ein echtes Problem“, sagt sie. Der reguläre Uni-Betrieb werde sich schnell einpendeln, doch auch die zusätzlichen Sprachkurse reichten nicht. „Sie könnten nur noch Kurse auf Samstagabend oder Sonntag legen“, sagt die 21-Jährige.

5500 Studenten drängen sich fortan an der Langen Zeile. Tausend weniger waren es zur gleichen Zeit vor einem Jahr. „Den ersten Hochrechnungen zufolge haben wir an der Wiso 1700 Anfänger“, sagt Stix. Das sind nochmals rund 400 Studenten mehr als im Winter 2010/2011.

Insgesamt starten rund 6770 Neustudenten an allen Fakultäten. Knapp 29 Prozent von ihnen sind Teil des letzten G9-Jahrgangs, 33 Prozent sind G8-Absolventen, berichtet Stix. „Seit drei Jahren haben wir eine eigene Abteilung, die sich nur mit dem doppelten Abiturjahrgang auseinandersetzt.“ Hinzu kommen die Maßnahmen wie die Einstellung von Zusatz-Personal. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, aber wir sind gut gerüstet“, verspricht er.

Andrea Munkert

Fleißige Helfer zahlen keine Miete

Eine Villa in Büchenbach, auf einem riesigen Grundstück mit Swimmingpool – dort hat die 17-jährige Berufsfachschülerin zwei Zimmer mit Blick ins Grüne bezogen. Wie sie sich das leisten kann?

Ganz einfach. Das Ehepaar Meyer hat gern Leben im Haus und freut sich über ein wenig Hilfe. Platz gibt es genug, die drei Kinder der beiden sind längst ausgezogen, die eigene Hausarztpraxis ist geschlossen. „Ich habe für Chiara mein altes Arbeitszimmer im zweiten Stock geräumt und das Gästezimmer darf sie auch noch bewohnen“, sagt Otto Meyer. „Da darf sie machen, was sie möchte“, grinst der 93-Jährige. Als Gegenzug geht Chiara ihm und seiner Frau im Haushalt zur Hand. Obwohl die beiden eigentlich auch sehr gut allein zurechtkommen. „Ich koche jeden Tag noch selbst“, sagt Elisabeth Meyer stolz. Nur ab und zu, wenn es darum geht, die Spülmaschine einzuräumen, oder schnell etwas aus dem Keller zu holen, ist die 91-Jährige froh, wenn Chiara aushilft.
Hoffnungslos auf Zimmersuche

„Wir haben auch ausgemacht, dass ich jeden Tag das Frühstück vorbereite und die Zeitung ins Haus hole“, sagt Chiara. Manchmal übernimmt sie auch leichte Arbeit im Garten, gießt die Blumen und sammelt das Laub der vielen Bäume zusammen. Die angehende Fremdsprachenkorrespondentin ist froh, bei den Meyers untergekommen zu sein. Nicht nur, weil sie dann nicht allein in einer fremden Stadt wohnt, Berührungsängste hat die Schülerin, die bereits ein Jahr in Russland verbracht hat, schließlich nicht. Doch dafür war die Zimmersuche in Erlangen umso problematischer. Zunächst hatte sie sich eigentlich nach einer Studenten–WG umgesehen. Bei den meist etwas älteren Bewohnern hatte sie als erst 17-Jährige aber keine Chance. Auf ein begehrtes Zimmer im Wohnheim hatte die Eppingerin auch keine Aussicht. Dort hätte sie Abitur nachweisen müssen, um überhaupt unterzukommen. Sie wollte ihre Ausbildung aber schon nach der Mittleren Reife beginnen.

Also suchte ihre Mutter im Internet und stieß auf das Projekt „Wohnen für Hilfe“, ein Programm der Stadt Erlangen in Kooperation mit dem Studentenwerk, das Wohnpartnerschaften zwischen Jung und Alt vermittelt. Bislang haben sich neun solcher alternativen Wohngemeinschaften in der Region zusammengefunden, drei weitere Haushalte haben laut Gabriela Hesel von der Stadt Erlangen schon zugesagt.

Gerade in Erlangen gibt es viele Haushalte, in denen sich noch Platz für Studenten finden ließe, allerdings fehlt bei einigen älteren Menschen die Bereitschaft, einen Fremden mit einziehen zu lassen. „Viele haben Angst, dann nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein“, bedauert Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis. Dabei könnten doch die Generationen unter einem Dach nur voneinander profitieren.

Die Meyers haben das verstanden. „Du sitzt ja da wie die Königin Viktoria“, lacht Otto Meyer spitzbübisch, als er zu seiner Frau in die Küche kommt und sie vom bequemen Hocker aus Chiara zusieht, die gerade die Spülmaschine ausräumt. Die 91-Jährige freut sich, schließlich war sie es, die die Idee hatte, junge Studenten im Haus aufzunehmen. „Letzten Winter erst“, erzählt sie, „hatten wir ein ganz nettes Mädchen hier. Eine junge Frau aus Polen.“ Sie wohnte damals in Nürnberg und kam zum Putzen zu den Meyers. Als sie dann für das Studium nach Erlangen ziehen wollte, bot ihr Elisabeth Meyer ein kostenloses Zimmer an. Gegen etwas Hilfe im Haushalt. „Wir haben doch so viel Platz hier, es wäre doch schade, wenn wir das nicht mit der jüngeren Generation teilen könnten“, sind sich die beiden einig. Angst, als billiger Helfer ausgenutzt zu werden, müssen Studenten dabei nicht haben. „Als Faustregel gilt: eine Stunde Arbeit für einen Quadratmeter Wohnraum im Monat“, erläutert Hesel das Projekt.

Mehr würde Chiara wahrscheinlich auch nicht schaffen, wenn sie morgens um 8 Uhr in die Schule geht, erst am späten Nachmittag zurück kommt und dann noch lernen muss. Vielmehr geht es darum, Ansprache zu haben und präsent zu sein. So ist der Umgang im Hause Meyer auch sehr liebevoll. Da kommt es schon einmal vor, dass Elisabeth Meyer den Arm um Chiara legt, als sei sie ihre Enkelin.

Julia Vogl

Große Hochschulwahlen an der Uni

Am Dienstag, 5. Juli, sind alle Studenten und Mitarbeiter der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zur großen Hochschulwahl aufgerufen. Sie wählen ihre Vertreter für den Senat, die Fakultätsräte, die Fachschaftsvertretungen und den Studentischen Konvent. Die sieben Wahllokale, verteilt auf Erlangen und Nürnberg, haben von 9.00-18.00 Uhr geöffnet.

Die zugelassenen Wahlvorschläge hängen seit Ende Mai an den Schwarzen Brettern aus in der Halbmondstraße, dem Kollegienhaus und an der Technischen Fakultät in Erlangen sowie an den Anschlagtafeln in den Hörsaalgebäuden Lange Gasse 20 und Regensburger Straße 160 in Nürnberg. Online können die Wahlvorschläge unter www.wahlen.uni-erlangen.de eingesehen werden. Unter dieser Adresse finden sich auch zahlreiche weitere Informationen zur Vorbereitung und Durchführung der Wahl sowie nach Auszählung der Stimmen die Ergebnisse.

Alle Wahlberechtigten haben vor der Wahl eine persönliche Wahlbenachrichtigung erhalten, aus der unter anderem hervorgeht, in welchem Wahllokal gewählt werden kann. Die Stimmabgabe in einem anderen Wahllokal ist nicht möglich. Für die persönliche Stimmabgabe im Wahllokal wird die Wahlbenachrichtigung nicht unbedingt benötigt; die Vorlage eines Lichtbildausweises (z. B. Personalausweis oder Führerschein) genügt. Durch das Vorlegen der Wahlbenachrichtigung wird die Arbeit der Wahlhelfer jedoch erleichtert und der flüssige Ablauf der Wahl unterstützt.

Wahlberechtigte, die einen Briefwahlantrag gestellt haben, können ihre Stimme nicht im Wahllokal, sondern nur per Briefwahl abgeben. Der Wahlbrief muss in diesem Fall spätestens am Wahltag um 18.00 Uhr beim Wahlamt eingegangen sein, sonst kann er nicht mehr berücksichtigt werden.

fbh