Parkscheiben in der Unibib

Parkscheibe

Damit die Pause wirklich kurz bleibt. Foto: FAU

In der Prüfungszeit wird es eng in den Uni-Bibliotheken in Nürnberg und Erlangen. Viele Lernwillige finden dann keinen Sitzplatz mehr. Besonders ärgerlich ist das, wenn Taschen und Jacken die Plätze besetzen, von deren Besitzern weit und breit aber nichts zu sehen ist.

Gegen unfaire Reservierungen gehen die Bibliotheksmitarbeiter jetzt vor. Sie haben Parkscheiben an den Arbeitsplätzen angebracht. In der Hauptbibliothek in Erlangen und in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Zweigbibliothek in Nürnberg gibt es die extra gestalteten orangefarbenen Drehscheiben, auf denen „kurze Pause“ steht.

Wenn ein Besucher von seinem Platz aufsteht, stellt er die aktuelle Uhrzeit ein – egal, ob er zur Büchersuche geht oder zum Mittagessen in die Mensa. Ist er nach einer Stunde noch nicht zurück, darf ein anderer Anwärter den reservierten Platz räumen und Stifte, Ordner und Laptop zur Seite schieben. „Bitte unterstützen Sie diese Maßnahme, die Ihnen die Suche nach einem freien Arbeitsplatz erleichtern soll“, schreiben die UB-Mitarbeiter. Erste Reaktionen gibt es unter der Ankündigung im Internet: Nutzer Michael schreibt: „Das finde ich ist eine sehr gute Idee! Ich musste dieses Jahr wiederholt Arbeiten im Stehen verrichten!“ Aber Sibel hat Bedenken: „Ich finde es super, dass man dieses Problem ernst nimmt, nur leider denke ich, dass sich viele nicht daran halten werden.“

Manche sorgen sich um ihre Unterlagen. „E.T.“ schreibt: „Wildfremde Leute sollen einfach so jemandes Unterlagen durcheinanderbringen dürfen? Nicht unbedingt die beste Lösung.“ Doch wer geht, kann seine Sachen ja auch mitnehmen. Andere plädieren sogar dafür, die Wartezeit noch strenger zu regeln und die Tische schon nach 30 Minuten zum Abräumen frei zu geben. Ein Bußgeld bei Überschreitung der Park- beziehungsweise Pausenzeiten wird es nicht geben.

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Ich kleb’ dir eine!

Sitzt ein Zebra in der Uni-Bi­bliothek und genießt den Son­nenuntergang. Am Tisch nebenan heult ein roter Mustang mit schwarzem Faltdach und polier­ten Felgen laut auf – die wild­romantische Berglandschaft des Impressionisten Cezanne zwei Arbeitsplätze weiter vorne scheint nicht seinem Kunstver­ständnis zu entsprechen.

In der Brutstätte der Abschluss­arbeiten und Examensvorberei­tung zählen innere Werte seit neu­estem kaum mehr. Wer etwas auf sich hält, bekennt Farbe. Und zwar nicht mit bedrucktem T-Shirt oder bunter Umhängeta­sche. Das Objekt der Selbstdar­stellung bildet eben jenes Spiel­zeug, das es längst vom elitären BWLer-Accessoire zum besten Freund beinahe jedes Studenten geschafft hat: der Laptop.

Damit die Individualität im grau-silber-schwarzen Einheits­glanz nicht zu kurz kommt, kle­ben kreative Notebook-Halter auch an der Universität Nürn­berg- Erlangen vermehrt darauf los und verschönern die langweili­gen Deckelfronten ihrer Begleiter mit bedruckten Folien. Ob in der Unibibliothek, im Lerntempel der Mathematiker oder in der Philoso­phenschule – immer häufiger hal­ten einen die bunten Hingucker vom Lernen ab.

Filmstar-Portrait oder Herzchen-Explosion

Im Internet findet sich mittler­weile eine große Auswahl ver­schiedenster Muster und Formate von rosa Herzchen-Explosion über Filmstar-Porträt bis zu pla­kativen Sprüchen wie „I wasted my life playing video games. Luckily I have two extra lifes“.

Wem diese Möglichkeiten, den anderen Bücherratten zwischen Strafrecht und Exponentialfunk­tion sein wahres Ich mitzuteilen, nicht genügen, der kann bei eini­gen Anbietern sein ganz persönli­ches Klebebildchen gestalten und mit Goethe-Zitat den Literatur­wissenschaftler oder mit Ein­stein- Karikatur den Physiker durchblitzen lassen. Zeig mir dei­nen Laptop und ich sage dir, wer du bist – dank der originellen Sty­lingmöglichkeit rücken Leistung und Marke des Begleiters in den Hintergrund.

Denn was bedeutet schon ein einzelner Apfel auf dem Compu­terrücken, wenn nebenan eine Südtiroler Obstplantage erblüht? Ach wirklich, du studierst Biolo­gie? Ich liebe ja Südtirol! Nett, dich kennenzulernen… Neben erleichterter Kontaktaufnahme bietet die neue Selbstdarstel­lungs- Spielerei mit hohem Ablen­kungspotenzial übrigens auch eine interessante Parallele zur Fächerwahl einer Studentenlauf­bahn: Beide sind Ausdruck der Persönlichkeit und beide können, solange der Geldbeutel mitmacht, beliebig oft gewechselt werden.

Brigitte Vordermayer

Studentische Daten in der Unibibliothek sind weg

Wer zu spät kommt, wird nach dem 15. November bestraft – zumindest diejenigen, die Aufsätze oder Bücherlisten im Bibliothekssystem der Uni gespei­chert haben. Spätestens dann sol­len alle Dateien gelöscht sein, warnt die Homepage der Biblio­thek. Seit Mitte Oktober gibt es ein neues Computerprogramm für die Benutzergeräte.

Bisher konnten Studenten bei der Jagd nach Fachliteratur die gesammelten Informationen in einem eigenen Ordner, dem soge­nannten Homefolder speichern. Dieser Ordner wird sich in naher Zukunft im Nichts auflösen, ein Datentransfer vom alten zum neuen System ist nicht beabsich­tigt. Einzige Rettung: Man fährt noch schnell in die Hauptbiblio­thek nach Erlangen, sucht nach Benutzergeräten mit dem alten System und druckt seine Dateien aus. Oder schickt sie sich als Dateianhang per Mail.

Zentral gespeichert oder für immer gelöscht?


Ob sich der Weg von Nürnberg nach Erlangen allerdings lohnt, ist nicht ganz sicher. Zwei Biblio­thekarinnen meinten, dass die Daten der Nürnberger Wirt­schaftsstudenten bereits unwie­derbringlich gelöscht seien. Zwei andere Mitarbeiterinnen beton­ten jedoch, dass die Daten der vie­len Teilbibliotheken zentral gespeichert würden, eine Teillö­schung also unwahrscheinlich sei. Einig waren sich die vier Buch­expertinnen nur in ihrem Groll auf das Rechenzentrum, dass die neue Software installiert, aber schlecht informiert hat.

Freilich hätte die Bibliothek auch eine Sammel-E-Mail verschicken kön­nen mit einer entsprechenden Warnung. Bei der Bücherrück­gabe funktioniert die Erinnerung per Mail drei Tage vor Rückgabe­termin automatisch. „Opensolaris“, der schillerende Name der neuen Software für die Benutzerstationen, erinnert an einen Roman von Stanislav Lem. Dort geht es um den Planeten Solaris, auf dem sonderbare physi­kalische Gesetze herrschen und Verstorbene wiederkehren.

Werner Veith

Einkaufsliste für Erstis

Einen Zettel und einen Stift. Mehr brauchen viele Studen­ten nicht. Doch was, wenn ein Blatt nicht ausreicht, um all die wichtigen Aussagen des Dozenten mitzuschreiben? Schade auch, wenn der einzige Kugelschreiber, ohne Vorwarnung, den Dienst ver­weigert. Aus diesen Gründen, sollte ein Student vielleicht doch ein paar mehr Dinge in seine Tasche packen.

Einen ganzen Block zum Bei­spiel, um sicher zu gehen, dass kein Professor mehr erzählen kann, als Platz zum Aufschreiben vorhanden ist. Wer keine Lust hat einen Block zu kaufen, bekommt einen geschenkt. Bei der Universi­tätsbuchhandlung gibt es zum Semesterbeginn ein Exemplar zum Bücher-Einkauf gratis dazu. Nun der Stift. In ein Mäppchen kann der Student sogar mehrere Schreibutensilien reinpacken. Zum Beispiel viele Kugelschrei­ber. Noch ein Spartrick: Kullis gibt es zum Semesterstart am Audimax als Werbegeschenke.

Bunte Stifte gegen langweilige Vorlesungen

Ordnungsliebende Studierende besitzen eine Tipp-Ex-Maus oder Bleistift und Radiergummi. Durchgestrichene und darüberge­schmierte Notizen können sie kei­nem Kommilitonen zum Kopieren anbieten. Außerdem können bunte Stifte hilfreich sein: In lang­weiligen Vorlesungen kann damit gemalt werden.

Ein absolutes „Muss“ für jedes Studenten-Mäppchen sind Text­marker. In verschiedenen Farben und doppelter Ausführung. Denn was gibt es im Studium Wichtige­res, als wissenschaftliche Bücher zu lesen und die entscheidenden Stellen mit Textmarker anzustrei­chen?

Weil Textmarker wichtig sind, aber manche Studentin statt eines Rucksacks nur eine kleine Handtasche mit zur Uni trägt, gibt es die bunten Leuchtstifte neuerdings auch in Mini-Größe. Für ein paar Textmarker in Lip­penstift- Format sollte sogar in jeder, noch so aparten, Handta­sche ein Plätzchen frei sein.

Sinnvoll für den stets gestress­ten Studenten ist auch ein Termin­planer. Schließlich zahlt fast jeder in Bayern pro Semester 500 Euro Studiengebühren. Dabei hilft das Büchlein, die anstehen­den Arbeitsschichten am Tresen oder Fließband mit den Vorle­sungszeiten zu koordinieren.

Für Studenten, die unter chroni­scher Müdigkeit leiden, empfeh­len sich als weitere Anschaffun­gen ein Wecker und eine große Thermoskanne für Kaffee.

Stefanie Rubner

Bücher in Zahlen

Rainer  Plappert ist Herr über 5.320.667 Bücher und Zeit­schriftenbände. Etwa 2,6 Millio­nen davon stehen in den Regalen des Hauptgebäudes der Universi­tätsbibliothek Erlangen. Der gesamte Bestand ist an mehr als 130 Standorten in den Zweigstel­len in Nürnberg und Teilbibliothe­ken in den einzelnen Fachberei­chen untergebracht.

Plappert leitet die „Abteilung für Erwerbung und Katalogisie­rung“ der Unibibliothek. Er kauft Bücher, Zeitschriften und Online-Lizensen ein. 32.000 Exem­plare standen im letzten Jahr auf seinem Einkaufszettel. „Dazu kommen Geschenke und Tausch­bücher aus anderen Bibliothe­ken“, sagt Plappert. So wächst der Bestand jährlich um etwa 50.000 Bücher.

Gleich 102 Exemplare gibt es in Erlangen vom „Lehrbuch der phy­sikalischen Chemie“. Auch viele Medizin- und Jurabücher sind mit bis zu 20 Ausgaben vorhan­den. „Trotzdem sind vor den Prü­fungsphasen dann alle weg“, sagt Plappert. Danach stehen sie dafür wieder wochenlang unberührt im Regal. „Da ist es schwierig sich dem Bedarf anzupassen.“ Aus dem 12. Jahrhundert stammt das älteste Buch der Bibliothek. „Eine Handschrift mit einer Auflistung der arabi­schen Zahlen, wie wir sie noch heute verwenden“, sagt Plappert. Außerdem gibt es Papyri aus Ägypten. Studenten der Orienta­listik oder Alten Geschichte kön­nen sie in den Lesesälen einsehen.

In einem speziell gesicherten Tresor lagert eine Bibel aus der Zeit Gutenbergs. „Weltweit sind nur 20 Exemplare davon bekannt“, sagt Plappert. Auch ein handschriftliches Evangelien­buch aus dem 9. Jahrhundert liegt hinter verschlossenen Türen. Erlangen besitzt außerdem eine der Gumbertus-Bibeln. Die „Rie­senbibel“ aus dem Jahr 1180 vom Kloster St.Gumbertus in Ans­bach wiegt 30 Kilogramm. Diese Schätze holt die Bibliothek nur zu Ausstellungen hervor.

Manche Bücher bleiben dage­gen mehr als 100 Jahre lang unge­lesen: „Ein Professor hat sich neu­lich ein Buch ausgeliehen, dessen Druckbögen, wie früher üblich, noch nicht auseinander getrennt waren“, sagt Plappert. „Das heißt, dass sich das Buch seit dem Kauf vor mehr als 120 Jahren nie­mand mehr angesehen hatte.“

Top 5 der im Jahr 2008

am häufigsten aussgeliehenen Bücher der Unibib Erlangen (je 45 Mal)

 Cercignani, Carlo: The Boltzmann equation and its applications.- New York [u.a.] : Springer, 1988

Davis, Philip J.: Methods of numerical integration.- Orlando u.a. : Acad. Pr., 1984

Selberherr, Siegfried: Analysis and simulation of semiconductor devices.- Wien [u.a.] : Springer, 1984

Johnson, Claes: Numerical solution of partial differential equations by the finite element method.- Cambridge u.a. : Cambridge Univ. Pr., 1987

Liboff, Richard L.: Kinetic theory.- Englewood Cliffs, NJ : Prentice-Hall International, 1990

Christina Merkel