Ein klinischer Blick auf Liebe und Romantik

Das Erlanger Uni-Klinikum versteht es zurzeit recht gut, seine Pressemitteilungen in den Medien zu platzieren. Erst vergangene Woche teilte die Klinik mit, sie suche für eine Studie Menschen, die sich viele Sorgen um ihr Aussehen machen. Klar, dass ein solches Ansinnen publizistisches Gehör finden muss. Etwas mehr „sexy gemacht“, wie es im Medienjargon heißt, lautete die Schlagzeile dann meistens ungefähr so: „Uni-Klinik sucht Leute, die sich hässlich finden.“

Keine drei Tage später sucht das Uni-Klinikum wieder Teilnehmer für eine Studie – diesmal spielt das Aussehen der Probanden allenfalls am Rande eine Rolle. Jetzt geht es um die romantische Liebe. Die Forscher wollen „das Phänomen Liebe in all seinen Ausprägungen psychometrisch, durch funktionelle Bildgebung und molekularbiologisch“ untersuchen. Hormone und Nervenwachstumsfaktoren sollen analysiert werden. Blut wird ins Labor geschickt, und einige der Probanden in die Röhre – zur Kernspintomografie.

Welche Ergebnisse müssen wir von dieser Studie erwarten – oder befürchten? Ist nicht damit zu rechnen, dass sich letztlich das herausstellt, was wir schon immer heimlich vermuteten, aber nie wahrhaben wollten – nämlich, dass Verliebtheit eine deftige Vergiftung in unserem Chemiehaushalt ist? Oder dass am Ende nicht die süßen Briefe des Partners schuld sind am gemeinsamen Glück, nicht sein Lächeln, die Musik und das Gefühl damals beim ersten gemeinsamen Tanz, sondern eine zufällige Kompatibilität zweier biologischer Cocktails?

Die romantische Liebe – je nach Disziplin ist sie ja ein Geschenk der Renaissance-Literatur, ein Überwinden sozialer Gräben oder ein revolutionärer Sieg über alle tradierten weltanschaulichen Positionen – soll jetzt auch noch ihre Würdigung in medizinischer, klinischer Dimension bekommen. Wer nun unbedingt wis­sen will, warum er gerade mit seinem Partner zusammen ist, darf sich an das Uni-Klinikum unter Telefon 0173/8645093 wenden. E-Mails schickt man bitte an die schöne Adresse romantic.love@uk-erlangen.de. Für die potenzielle Desillusionierung zahlen die Erlanger Ärzte sogar eine Aufwandsentschädigung von bis zu 100 Euro.

Florian Heider

Keine TU in Franken

Immer wieder mal schürten Pro­fessoren der Fachhochschule Nürnberg das Gerücht, dass zusammen mit den Wirtschafts­wissenschaftlern oder den Inge­nieuren der Uni Erlangen eine Business School oder eine Techni­sche Universität gegründet wird. Diesmal kommt das Gerücht nicht aus dieser Ecke, sondern vonseiten der Partei, die in der bayerischen Regierung Verant­wortung für die Bereiche Wirt­schaft und Wissenschaft trägt: der FDP. Eine zweite Technische Universität nach München soll in Nordbayern mittelfristig gebaut werden, heißt es in einem „Innova­tionspapier“. Eine Schnapsidee.

Das Vorhaben ist noch unrealis­tischer als das Versprechen Horst Seehofers, in Augsburg eine Uni­klinik zu installieren. Eine neue TU in Nordbayern mit unbe­stimmtem Ort und nach FDP-An­gaben noch komplett unklarem Zeitplan wäre auch völlig unnö­tig. Wenn die FDP die Ingenieurs­disziplinen in Franken stärken will, braucht sie nur die Techni­sche Fakultät der Uni Erlangen weiter ausbauen.

Hier wird bereits hervorragende Arbeit geleistet

Hier ist die Infrastruktur bereits vorhanden, hier sind die Wissenschaftler vernetzt, hier wird – was alleine die vier Leib­niz- Preise und der Erfolg in der Exzellenzinitiative in den Neuen Materialien zeigt – hervorragende Arbeit geleistet. Selbst die CSU, die aus regionalpolitischen Grün­den die neuen Universitäten in Bayreuth und Passau und die zig Fachhochschulen gebaut hat, hat inzwischen erkannt, dass es in Bayern eher zu viele als zu wenige Hochschulen gibt. Statt neue zu gründen, sollten die vorhandenen besser ausgestattet und ausge­baut werden.

22 Seiten ist das Innovationspa­pier der Liberalen mit dem Titel „Chancen schaffen – Bayern erneuern“ lang. Eine TU in Nord­bayern „bedarf vielfältiger Vorar­beiten“, hat Wissenschaftsminis­ter Wolfgang Heubisch immerhin erkannt. Vermutlich wollte er mit dem Vorschlag einer neuen TU nur provozieren und die Bedeu­tung der Maschinenbauer, Elek­trotechniker und Werkstoffwis­senschaftler nur mal wieder ins Gespräch bringen. Das ist ihm geglückt. Er muss aber aufpassen, dass es für ihn nicht ähnlich pein­lich wird wie für Seehofer, nach­dem er im Goldenen Buch der Stadt Augsburg geschrieben hatte: „Die Uniklinik kommt.“ Die TU Nordbayern kommt defini­tiv nicht.

Markus Kaiser