Erlanger Professor stirbt beim Franken-Tatort

Tatort-LogoAlle fiebern dem ersten Franken-Tatort entgegen. Heute, am ersten Drehtag in Nürnberg und Erlangen, sickerten erste Details der Handlung durch: Das Mord-Opfer ist an angesehener Professor an der Friedrich-Alexander-Universität. Seine Ehefrau vermutet ihn an seinem Arbeitsplatz, doch der Wissenschaftler treibt sich lieber mit seiner Geliebten in einem abgelegenen Waldstück herum. Allerdings nicht lange. Beim Liebesspiel in seinem Auto wird er durch zwei Kopfschüsse aus nächster Nähe getötet.

„Als die Polizei eintrifft, stehen beide Wagentüren offen. Der Fahrersitz mit dem toten Ranstedt ist weit zurückgeschoben. Die Person, die mit ihm im Auto war, ist verschwunden. Ihre Spuren enden an einer kleinen Landstraße. Nichts deutet auf ihre Identität hin“, schreibt der Bayerische Rundfunk.

Dreharbeiten auf dem Golfplatz

Die Dreharbeiten starteten heute in der Nähe eines Golfplatzes in Nemsdorf, im Süden Nürnbergs. Das Produktionsteam hatte den Ort weiträumig abgesperrt, trotzdem konnten Schaulustige ein paar Szenen erhaschen. Zur Erinnerung: Matthias Egersdörfer spielt im Franken-Tatort mit. Er übernimmt die Rolle des Michael Schatz, Leiter der Spurensicherung. Kabarettist Egersdörfer ist in Nürnberg geboren, in Lauf an der Pegnitz aufgewachsen und wohnt in Fürth. Außerdem dürfen 250 Komparsen aus Franken im Tatort mitspielen, der voraussichtlich im Frühjahr 2015 ausgestrahlt werden soll.

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Uni-Tomaten reisen ins Weltall

Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg und des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln wollen ein Gewächshaus ins All schießen. Mit an Bord des Satelliten sind Tomatensamen, aus denen im Laufe der einjährigen Reise eine reife Frucht wachsen soll. Die Wissenschaftler untersuchen, wie sich die Pflanzen in der Schwerelosigkeit entwickeln.

Die Zwergtomatensorte „MicroTina“ haben die Zellbiologen der Uni Erlangen-Nürnberg extra für ihre Mission im All gezüchtet. Im Satelliten befindet sich dazu ein Wassertank, ein Algen-Aquarium und ein Urinfilter – denn ein künstlich hergestellter Urin, den Bakterien im Filter zu Nitrat umwandeln, dient den Tomaten als Dünger. Die Algen helfen dabei, Ammoniak abzubauen, das bei dieser Reaktion als Zwischenschritt entsteht und giftig für die Pflanzen ist.

Algen bauen Gift ab

Das Ökosystem im All könnte nach der Testphase auch auf der Erde nützlich sein: „Gülle, die auf Feldern ausgefahren wird, enthält auch Ammoniak und die Bakterien in der Erde brauchen einige Zeit, bis sie den giftigen Stoff abgebaut haben“, erklärt Jens Hauslage vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Ein Filter wie unserer könnte helfen, die Belastung der Böden zu reduzieren und mehr hochwertiges Nitrat zur Verfügung stellen.“

Das DLR in Köln hat den Satelliten gebaut, in dem die Tomaten in den Weltraum fliegen sollen. Den Zellbiologen um Michael Lebert von der Uni Erlangen bleiben jetzt noch zwei Jahre Vorbereitungszeit bis die Rakete im Frühjahr 2016 von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien in die Erdumlaufbahn startet.

Doch (k)ein Scherz: FAU geht an die Börse

Viele würden sich wohl wünschen, dass es wahr wäre: Die Uni Erlangen-Nürnberg verkündet heute auf ihrer Homepage, die Universität privatisieren zu wollen, um Geld für die vielen maroden Gebäude zu bekommen. „Durch einen Börsengang will die FAU Kapital in dreistelliger Millionenhöhe beschaffen“, heißt es in der Mittleilung.

Doch mit dem Geld kann die Uni nur etwa „die Hälfte der anstehenden Sanierungskosten für ihre Gebäude in Höhe von knapp einer Milliarde Euro decken“.

Russischer Oligarch kauft Dürer-Schatz

Weitere Mittel soll daher der Verkauf kostbarer Dürer-Zeichung einbringen – die Teil eines Kunstschatzes sind, der im Keller der Universitätsbibliothek schlummert. Ein russischer Oligarch habe bereits 200 Millionen Euro geboten. Der Verlust der Kleinodien schmerze zwar sehr, teilt Uni-Präsident Karl-DieterGrüske mit, doch der Zustand der Universität lasse keinen Raum für Kompromisse: „Wir wollen unseren Studierenden beste Bedingungen bieten – und dafür müssen wir auch harte Einschnitte in Kauf nehmen.“

Einige FAU-Mitarbeiter haben aber trotz des 1. Aprils Bedenken: „Ein Handel mit einem russischen Wirtschaftsmagnaten konterkariere die angesichts der Krim-Krise angedachten Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland.“ Bedenken, die Grüske nicht teilt: „Es ist die hohe Aufgabe der Kunst, in Krisenzeiten Brücken über Gräben zu bauen.“

Grüske ist selbst Finanzwissenschaftler, er kennt sich also aus: „Es hat sich gezeigt, dass die Gelder, die der Freistaat Bayern für den Bauunterhalt bereitstellt – jährlich waren das in den vergangenen Jahren etwa 5 Millionen Euro – nicht annähernd ausreichen, um auch nur die nötigsten Sanierungsarbeiten durchzuführen.“ Und das ist kein Scherz, sondern traurige Realität. PCB-Warnung in der Bibliothek, bröckelnde Decken in der Kochschraße.

Präsident Grüske wird CEO

Doch am ersten April reagiert die Uni mit schwarzem Humor: „Wir haben beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen“, sagt Grüske. „Die Aktien sollen ab Herbst an der Nasdaq gehandelt werden.“ Präsident Grüske, der die FAU AG als CEO leiten wird, geht von einem positiven Börsenstart der „Aktie blau“ aus: „Wir hoffen, einen Ausgabekurs von 250 Euro realisieren zu können – das entspricht etwa dem derzeitigen Aktienkurs von Amazon.“

Auch das eigene Personal ist vor Scherzen nicht sicher: Nach dem tatsächlichen rechtlichen Gerangel um die Nachfolge des langjährigen FAU-Kanzlers Thomas A.H. Schöck bietet der erfundene Börsengang endlich Zukunftschancen. „Schöck wechselt nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Kanzleramt in den Aufsichtsrat der AG – ein rechtlich äußerst innovativer Schritt: Als autonome Universität kann die FAU wesentlich flexibler agieren als die meisten anderen Wirtschaftsunternehmen, in denen ein solcher Wechsel womöglich durch Compliance-Anforderungen behindert würde.“

 

Kein Scherz: Südgelände ist am 1. April ohne Strom

Die Uni zieht den Stecker.Ob sie sich absichtlich dieses Datum ausgesucht haben? Wegen eines Sicherheitstests der Notstromaggregate wird morgen, am 1. April, auf dem gesamten Südgelände der Uni Erlangen vorübergehend der Strom abgeschaltet. Das Gebäudemanagement warnte vorher in einer Rundmail alle Mitarbeiter. Vor allem in der Technischen Fakultät müssen Profs und Studenten dafür sorgen, dass alle Laborsysteme und Versuchsaufbauten zwei Stunden ohne Elektrizität, Wasser, Wärme und Kälte auskommen.

Südmensa kocht trotzdem

Auch die Mensa wird ohne Strom sein. „Die Versorgung soll zwar spätestens am Vormittag wieder hergestellt sein, aber wir können wahrscheinlich nicht das laut Speiseplan vorgesehene Essen zubereiten“, sagt Studentenwerkssprecher Uwe Scheer. Das wirkt sich bis in die Innenstadt aus, denn die Küche der Südmensa beliefert zurzeit auch die Übergangsmensa „WerksGärtla“ am Langemarckplatz. „Es wird überall etwas zu essen geben“, sagt Scheer. „Zumindest das, was wir unter den gegebenen Bedingungen auf die Schnelle zubereiten können.“

Von 6.00 bis 7.45 Uhr schaltet die Uni den Strom ab.  Wenn alles richtig funktioniert, springt nach etwa 15 Sekunden das Notstromnetz an. Es versorgt wichtige Geräte mit Elektrizität, wie die Notbeleuchtung, Brandmelder, Telefonanlagen und Kommunikationssysteme sowie das Rechenzentrum. Alle anderen Geräte bleiben während der knapp zwei Stunden ohne Strom. Auch Heizungen, Klima- und Lüftungsanlagen fallen in dieser Zeit aus. Zum Glück kommen die meisten Studenten sowieso erst nach 8 Uhr an die Uni.

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Uni soll mehr Menschen für Bewegung begeistern

Foto: Michael Matejka

Foto: Michael Matejka

Künftig wird in Erlangen für die Gesundheit der ganzen Welt geforscht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ernannte das Uni-Institut für Sportwissenschaft und Sport gestern offiziell zum Kollaborationszentrum – weltweit gibt es nur zwei vergleichbare Einrichtungen.

Jeden Morgen joggen

Jeden Morgen, bevor sich Alfred Rütten an seinen Schreibtisch setzt, geht der 59-Jährige laufen. „Ich bin ein Sportfreak, ich brauche das, bevor ich geistig anfangen kann“, sagt er. Die Begeisterung will Rütten am liebsten auf die Bevölkerung übertragen – das ist sein Job. Seit zwei Jahren arbeiten der Leiter der Sportwissenschaft und sein Team dafür auch mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen. Die „Probezeit“ ist nun vorbei.

In der Erlanger Orangerie feierte das Institut gestern die offizielle Ernennung zum Kollaborationszentrum für Bewegung und Gesundheit der WHO. Angereist waren dafür auch Vertreter der Gesundheitsministerien aus elf Mitgliedsstaaten, der Chef des Regionalbüros der WHO in Europa und Bayerns Sportminister Joachim Herrmann (CSU).

Das Institut der Friedrich-Alexander-Universität ist die erste sportwissenschaftliche Einrichtung in einer solchen Rolle und die erste überhaupt in Europa. Weltweit gibt es nur zwei weitere Kollaborationszentren der WHO für Bewegung und Gesundheit, jeweils medizinische Institute in Amerika und Australien. „Die Zentren unterstützen die WHO mit Expertise aus der Wissenschaft“, sagt Rütten. „Die WHO wiederum berät mit diesem Wissen weltweit Regierungen.“

Mehr Sport vom Kindergarten bis ins Altenheim

Die Forscher untersuchen, wie gezielte Politik zur Sportförderung beitragen kann und wie auch sozial benachteiligte Gruppen zu mehr Bewegung animiert werden können. „In den nächsten eineinhalb Jahren erarbeiten wir einen Aktionsplan, den die WHO dann ihren 53 Mitgliedsländern in Europa empfehlen wird“, sagt Rütten. Nicht in jedem Land gibt es Sportvereine wie in Deutschland. „Wir müssen natürlich den jeweiligen kulturellen, geografischen und politischen Kontext beachten“, sagt der Sportwissenschaftler. Für Bayern hat er in den letzten Jahren ein Konzept entwickelt für Sport vom Kindergarten bis ins Altenheim.

Schon seit 15 Jahren berät Rütten die WHO in einzelnen Fachfragen, ab jetzt ist die Zusammenarbeit mit dem Institut dauerhaft und geschäftlich vereinbart. Geld gibt es dafür nicht. „Das ist eine freiwillige Dienstleistung, die sich die Universität leistet“, sagt Rütten. „Dafür bietet uns die WHO ein fantastisches Netzwerk und internationale Reputation.“ Der Titel des Kollaborationszentrums bringt außerdem Pluspunkte in Bewerbungen um Fördermittel der EU.

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Parkscheiben in der Unibib

Parkscheibe

Damit die Pause wirklich kurz bleibt. Foto: FAU

In der Prüfungszeit wird es eng in den Uni-Bibliotheken in Nürnberg und Erlangen. Viele Lernwillige finden dann keinen Sitzplatz mehr. Besonders ärgerlich ist das, wenn Taschen und Jacken die Plätze besetzen, von deren Besitzern weit und breit aber nichts zu sehen ist.

Gegen unfaire Reservierungen gehen die Bibliotheksmitarbeiter jetzt vor. Sie haben Parkscheiben an den Arbeitsplätzen angebracht. In der Hauptbibliothek in Erlangen und in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Zweigbibliothek in Nürnberg gibt es die extra gestalteten orangefarbenen Drehscheiben, auf denen „kurze Pause“ steht.

Wenn ein Besucher von seinem Platz aufsteht, stellt er die aktuelle Uhrzeit ein – egal, ob er zur Büchersuche geht oder zum Mittagessen in die Mensa. Ist er nach einer Stunde noch nicht zurück, darf ein anderer Anwärter den reservierten Platz räumen und Stifte, Ordner und Laptop zur Seite schieben. „Bitte unterstützen Sie diese Maßnahme, die Ihnen die Suche nach einem freien Arbeitsplatz erleichtern soll“, schreiben die UB-Mitarbeiter. Erste Reaktionen gibt es unter der Ankündigung im Internet: Nutzer Michael schreibt: „Das finde ich ist eine sehr gute Idee! Ich musste dieses Jahr wiederholt Arbeiten im Stehen verrichten!“ Aber Sibel hat Bedenken: „Ich finde es super, dass man dieses Problem ernst nimmt, nur leider denke ich, dass sich viele nicht daran halten werden.“

Manche sorgen sich um ihre Unterlagen. „E.T.“ schreibt: „Wildfremde Leute sollen einfach so jemandes Unterlagen durcheinanderbringen dürfen? Nicht unbedingt die beste Lösung.“ Doch wer geht, kann seine Sachen ja auch mitnehmen. Andere plädieren sogar dafür, die Wartezeit noch strenger zu regeln und die Tische schon nach 30 Minuten zum Abräumen frei zu geben. Ein Bußgeld bei Überschreitung der Park- beziehungsweise Pausenzeiten wird es nicht geben.

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Studentenhaus bleibt zwei Jahre lang geschlossen

Die letzten Gäste des Studentenhauses.

Die letzten Gäste des Studentenhauses.

Das Erlanger Studentenhaus am Langemarckplatz ist zu. Und wird es auch zwei Jahre lang bleiben. So lange dauert die Generalsanierung des 80 Jahre alten Gebäudes, in dem die Innenstadtmensa und die Hauptverwaltung des Studentenwerks untergebracht waren. Der aus den 1960er Jahren stammende Ostflügel wird Anfang März abgerissen.

 

So sah das Studentenhaus früher aus.

So sah das Studentenhaus früher aus.

Damit die Studierenden trotzdem nicht verhungern, betreibt das Studentenwerk ab kommender Woche und während des gesamten Umbaus im Garten des Hauses eine provisorische Mensa in einer Leichtbauhalle. Im „WerksGärtla“ wird es täglich von 11.15 Uhr bis 15 Uhr zwei Mittagsgerichte geben, davon immer ein vegetarisches oder veganes.
Die Infotheke und Privatzimmervermittlung, die bislang gleich neben dem Haupteingang zu finden waren, werden auch mit ins WerksGärtla verlegt. Die Hauptkasse ist für die Dauer der Sanierung in der Südmensa in der Erwin-Rommel-Straße 60 zu finden. Die Geschäftsführung ist bereits im Sommer umgezogen. Die Mitarbeiter bleiben künftig dauerhaft in der Hofmannstraße 27, dort befindet sich auch das BAföG-Amt.

Das neue "WERKsGärtla"

Das neue "WERKsGärtla".

Das Bayerische Wissenschaftssministerium zahlt 10,8 Millionen Euro für die Sanierung, die insgesamt rund 15 Millionen Euro kosten wird.
Am Freitag gingen die Studenten Andreas Dotzler und Tobias Meißner als letzte Gäste durch die Kasse der alten Mensa. Der Leiter der Hochschulgastronomie, Mathias Meyer, schenkte ihnen einen tragbaren Campingstuhl, damit sie auch währen des Umbaus immer einen Sitzplatz haben. cm

Flashmob fürs Semesterticket

Mit dem Raumschiff zur Uni

Lieber mit dem Raumschiff zur Uni als mit dem VGN. Foto: Marcel Staudt

Sie kamen mit Schlitten, Dreirädern und Kinderrollern. Stelzen, Skateboards, Einkaufswagen und Hexenbesen. Die Studenten reisten mit allem an – nur nicht mit Bus oder Bahn. Denn ein Semesterticket, das seinen Namen verdient, gibt es nicht. Deshalb demonstrierten rund 150 Studierende heute vor der Zentrale des VGN am Plärrer.

Seit zwei Jahren verhandeln die Aktiven des Aktionsbündnissen „Für ein Semestertticket in Nürnberg und Erlangen“ mit der Nürnberger Verbundgesellschaft, dem Oberbürgermeister, dem Studentenwerk und Vertretern aller Nürnberger Hochschulen. Inzwischen sind sich alle Seiten einig: Das Semesterticket muss kommen. Nur wie und vor allem für wieviel Geld ist noch offen.

141 Euro für sechs Monate frei fahren

„Sogar in München hat es jetzt geklappt“, sagt Benedikt Kopera. Der 25-jährige Student führt das Aktionsbündnis und die Demonstrati0n mit an.  Nach jahrelangen Verhandlungen hat die Landeshauptstadt im Oktober ein Semesterticket eingeführt. Jeder mit Studierendenausweis darf seitdem die öffentlichen Verkehrsmittel für 59 Euro ein Semester lang von 18 bis 8 Uhr nutzen.  Wer dazu noch 141 Euro für eine IsarCard bezahlt, darf sechs Monate lang zeitlich unbegrenzt im Gesamtnetz fahren.

„Man muss natürlich verschiedene Interessen unter einen Hut bringen“, sagt Kopera. Die Studenten, die das Ticket ständig nutzen und die, die es eigentlich nicht bräuchten. Denn zahlen müssen alle.“Wir haben schon das Gefühl, das die Stadt und der VGN sich wirklich Mühe geben, eine Lösung zu finden“, sagt Kopera. „Mit der Demonstration wollen wir unseren Forderungen nur noch einmal lautstark Nachdruck verleihen.“

Christina Merkel

 

Gift lagert auf den Büchern

Bibliothek

Nur in Teil-Bibliotheken, wie hier im vierten Stock in Turm B der Philosophischen Fakultät, und in einigen Seminarräumen lag der PCB-Wert über der „Vorsorgegrenze“. Foto: Harald Sippel

Seit 1989 sind Baustoffe, die PCB enthalten, in Deutschland verboten. Die drei Hochhäuser der Philosophischen Fakultät in der Bismarckstraße in Erlangen stehen allerdings schon seit Anfang der 70er Jahre – als weltweit die größte Menge der chlorhaltigen Öle produziert wurde.

PCB galten lange als idealer Baustoff. Sie isolieren gut, sind wärmeleitfähig und verbrennen erst bei 1000 Grad Celsius. Darum kamen polychlorierte Biphenyle als Dichtungsmaterial zum Einsatz, als Fugenmasse um Fenster, sowie in feuerfesten Farben. Bis Wissenschaftler entdeckten, dass die chlorhaltigen Öle Krebs auslösen können.
„PCB sind nicht akut toxisch, sondern chronisch, wenn man sie über einen langen Zeitraum immer wieder aufnimmt und im Körper anreichert“, sagt Hannes Strebl, Betriebsarzt an der Universität Erlangen-Nürnberg. „Darum muss man die lebenslange Belastung möglichst gering halten.“

„Häufiger lüften“

Bei einer Routineüberprüfung im Sommer waren in den Bibliotheken der Philosophischen Fakultät in Erlangen Werte über 3000 Nanogramm (ng) pro Kubikmeter Luft gemessen worden. Eine Grenze, die als „Interventionswert“ gilt – die Uni musste handeln und gab ein Gutachten in Auftrag, das jetzt vorliegt. „Erhöhte Werte im Sommer sind normal“, sagt Strebl. Ab 9000 ng/m3 hätte niemand mehr das Gebäude betreten dürfen. Bei weiteren Messungen im Winter lagen die Werte nun unterhalb der „Vorsorgegrenze“ von 300 Nanogramm pro Kubikmeter, in den Bibliotheken über 300, aber unter 3000. Die offizielle Empfehlung: „Häufiger lüften“.
„In dem alten Staub, der sich über die Jahre auf den Büchern sammelt, haben wir PCB gefunden“, sagt Uni-Sprecher Heiner Stix. „Nicht jedes Buch wird schließlich jeden Tag ausgeliehen und die Reinigungskräfte dürfen nicht höher als 1,60 Meter putzen.“ Das würde zusätzlich kosten, denn die Regale sind 3,50 Meter hoch und dafür bräuchte das Personal Leitern. In den Semesterferien ist nun eine Bücherputzaktion geplant.

6000 betroffene Mitarbeiter und Studenten

Rund 6000 Mitarbeiter und Studierende gehen in den Philosophen-Türmen ein und aus. „Selbst für Menschen, die jahrelang dort gearbeitet haben, besteht absolut keine Gefahr“, sagt Arbeitsmediziner Strebl. Auch Studenten, die die Bibliothek zur Prüfungszeit intensiv nutzen, müssten sich keine Sorgen machen. „Die Grenzwerte sind so streng ausgelegt, dass sie ihr ganzes Leben dort verbringen könnten“, sagt Strebl. Trotzdem: „Die Belastung der Luft ist leider nicht die einzige Art, wie wir PCB aufnehmen, auch belastete Lebensmittel sind ein Problem.“
Als noch wenig über die giftige Wirkung der Biphenyle bekannt war, gelangten Abfälle sorglos in die Umwelt, ins Meer und in die Nahrungskette. „Eine Zeit lang war vor allem Lachs aus der Ostsee stark belastet“, sagt Strebl.
Besorgte Mitarbeiter konnten sich beim Betriebsarzt untersuchen lassen. 14 nahmen das Angebot an. „Bei fast allen lag der Test unter der Nachweisgrenze, bei manchen darüber, aber weit unter schädlichen Grenzwerten.“
Am Mittwoch, 29. Januar, stellen Strebl und der Dekan der Philosophischen Fakultät, Rainer Trinczek, das Gutachten den Studenten und Mitarbeitern vor.

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Uni-Kanzlersuche: Amtsinhaber Schöck muss Ruhestand verschieben

Nach der geplatzten Wiederbesetzung der Kanzlerstelle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bleibt Amtsinhaber Thomas Schöck maximal weitere sechs Monate auf seinem Posten.

Wie die NZ erfuhr, hat Schöck auf Bitten der Uni-Leitung eine Verlängerung seines Dienstverhältnisses bis zur Regelung seiner Nachfolge beantragt. Dies geschieht, damit Bayerns zweitgrößte Hochschule nicht ohne Verwaltungschef dasteht. Schöck wird trotzdem am 20. Dezember in Nürnberg feierlich verabschiedet.

Wie berichtet, darf die Stelle nicht mit der bereits auserkorenen Nachfolgerin besetzt werden. Die Kandidatin ist derzeit in der Hochschulberatung tätig und verfügt nicht über eine ganze Reihe von Anforderungen, die die Stellenausschreibung und das bayerische Hochschulgesetz vorsehen.

Ein unterlegener Bewerber hatte das Verwaltungsgericht Ansbach angerufen und im Eilverfahren erreicht, dass die Stelle nicht mit der Wunschkandidatin der FAU besetzt werden darf. Dagegen will nun die Uni ihrerseits Beschwerde einlegen.

fbh