Abstimmung zählt – Quorum erreicht

BusDie Wahl zum Semesterticket gilt: Schon jetzt ist die nötige Teilnehmerzahl erreicht. Bis gestern Nacht gab bereits mehr als ein Drittel der Studenten an FAU und TH seine Stimme ab. Diese Beteiligungsquote ist nötig, damit die Abstimmung offiziell zählt.

Ob sich die Mehrheit der Studenten für oder gegen das Semesterticket ausspricht, bleibt noch offen. „Wir sind angespannt und nervös wie es ausgehen wird – aber zuversichtlich“, sagt Benedikt Kopera, der sich seit drei Jahren für das Ticket einsetzt. „Die letzte Möglichkeit zu einer Abstimmung hatten die Studenten vor zwölf Jahren, solange wollen wir nicht noch einmal warten.“ Die aktuelle Studentengeneration bekommt keine zweite Chance mehr.

Trotzdem kritisieren im Internet viele das aktuelle Angebot. Den meisten sind 43 Euro für ein Monatsticket, mit dem sie im gesamten VGN-Gebiet rund um die Uhr fahren dürfen, zu teuer. „Natürlich hätten auch wir uns ein geringere Kosten gewünscht“, sagt FAU-Präsident Karl-Dieter Grüske. „Aber es ist das Beste, was wir nach jahrelangen Verhandlungen kriegen konnten.“ Erlangen Oberbürgermeister Florian Janik spricht sogar von einem „hochattraktiven Angebot“: „Für nur 1,40 Euro am Tag fährt sonst niemand!“

Für Studenten, die nur innerhalb Erlangens unterwegs sind, wird das neue Ticket tatsächlich teurer. Sie bezahlen derzeit 36,60 Euro pro Monat. Wer zu Fuß geht oder das Fahrrad nutzt, zahlt gar nichts. Alle anderen profitieren vom neuen Semesterticket: Nur in Nürnberg zu fahren, kostet bislang 50,90 Euro. Wer wegen seines Studiums, der Wohnung oder dem Nebenjob zwischen beiden Städten pendeln muss, ist bereits bei 82,80 Euro. Besonders tief in die Tasche greifen müssen alle, die aus dem Umland zur Uni fahren. Eine Monatskarte von Ansbach nach Erlangen kostet aktuell 191,90 Euro.

Noch eine Woche lang, bis Mittwoch, 21. Januar, können die Studenten abstimmen. Am Donnerstag, 22. Januar, steht das Ergebnis dann fest.

Startschuss fürs Semesterticket – Abstimmung läuft

Start Abstimmung SemesterticketNach einer Stunde hatten schon 4500 abgestimmt: Zehn Tage lang haben die Studenten in Nürnberg und Erlangen Zeit, sich für oder gegen ein Semesterticket im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) auszusprechen. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik sprach von einem „historischen Moment“.

Er ist genauso alt wie die Diskussion um das Semesterticket: Heute feiert Sven Schwarm (im Bild rechts) seinen 22. Geburtstag. „Ich wünsche mir, dass das Ticket endlich kommt“, sagt der Vorsitzende des Studierendenausschusses an der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg. Um zwölf Uhr Mittag drückten er und Vertreter aller Verhandlungspartner auf einen symbolischen roten Startknopf, um die Online-Abstimmung freizuschalten. „Zeit wird‘s“ lautet das Motto der Aktiven. Noch bis Mittwoch, 21. Januar, können Studenten der TH und der Universität Erlangen-Nürnberg über das Angebot des VGN abstimmen. Am Donnerstag, 22. Januar wird das Ergebnis bekannt gegeben.

Das Sockelmodell sieht vor, dass künftig alle Studenten 65 Euro pro Semester bezahlen, um ein Freizeitticket zu erwerben, das ein halbes Jahr lang unter der Woche von 19 bis 6 Uhr gilt und am Wochenende durchgehend. „Wer einmal im Monat zum Feiern nach Nürnberg, Klettern in der fränkischen Schweiz, nach Bamberg aufs Annafest oder auf die Sandkerwa in Forchheim fährt, hat die elf Euro im Monat schon wieder drin“, sagt Erlangens OB Florian Janik zum Start der Abstimmung. Wer möchte, kann für weitere 193 Euro ein Zusatzticket erwerben, um rund um die Uhr zu fahren. „Für 1,40 Euro am Tag sind Sie damit im gesamten Verkehrsraum ganztags mobil“, sagt Janik. Der Hochschulstandort Erlangen, Nürnberg, Fürth ist der einzige in Bayern, der noch kein Semesterticket anbietet. Der OB findet das „beschämend“.

Ein Drittel der Studenten muss mitmachen

Ein Drittel der rund 53 000 Studenten muss abstimmen, damit die Wahl gültig ist. Wenn sich die Mehrheit für das Ticket entscheidet, führt der VGN es zum kommenden Wintersemester im Oktober ein. Das Geld würden die Studenten dann mit ihrem Semesterbeitrag an das Studentenwerk überweisen. Die Abstimmung findet online statt, damit sich möglichst viele beteiligen. Das Rechenzentrum der Universität verwaltet die Seite, jeder Student kann durch eine Kennnummer nur eine Stimme anonym abgeben – in der ersten Stunde nutzten das bereits 4500 Leute. „Danke an den Verkehrsverbund, dass er sich doch bewegt hat“, sagt Uni-Präsident Karl-Dieter Grüske. „Danke an das Studentische Aktionsbündnis, dass sie nicht locker gelassen haben.“

Das werden sie auch in den nächsten zehn Tagen nicht tun: „Wir haben Infostände an allen Hochschulstandorten, um jeden zu beraten, der noch unsicher ist“, sagt Schwarm. „Wer abstimmt, sollte verstanden haben, worum es geht.“ Stimmen die Studenten dagegen, ist das Ticket für weitere Jahrzehnte vom Tisch.

Christina Merkel

Vom 12. bis 21. Januar geht’s an die Online-Urnen

Man kann den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) leicht missverstehen. In der Überschrift einer Mitteilung verkündet er: „‘Freie Fahrt‘ für Semesterticket“. So weit ist es aber noch lange nicht. Noch müssen die Studenten der Hochschulen in Erlangen, Nürnberg und Fürth dem vorgelegten Angebot zustimmen. Ein Wahl-Termin steht nun fest: Vom 12. bis 21. Januar wird an die digitalen Urnen gebeten.

„Nach jahrelangen Verhandlungen ist es nun gelungen, ein attraktives Angebot für die Studierenden vorzulegen. 24-Stunden-Mobilität im gesamten Verkehrsverbund zum Preis von nicht einmal zwei Butterbrezen am Tag, das ist ein guter Baustein für den Hochschulstandort Metropolregion Nürnberg“, erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Der VGN bietet ein Semesterticket für sechs Monate an (258 Euro), das sich aus einem Basisticket (65 Euro) und einem Zusatzticket (193 Euro) zusammensetzt. Das Basisticket, bei dem Ausschlusszeiten gelten, müssten alle Studenten bezahlen. Erst mit dem Zusatzticket ist eine zeitlich unbegrenzte Nutzung im gesamten Verkehrsverbund möglich. Das Ticket könnte bereits zum Wintersemester 2015/2016 für ein Studienhalbjahr gelten.

Sollten die Studenten das Angebot annehmen, müssten sich noch die Kommunen bereiterklären, einen möglichen Verlust in der Startphase auszugleichen. Der entsteht, wenn weniger als circa 53 000 Studenten das Semesterticket von 258 Euro kaufen. Hier setzt der VGN auf einen Anreiz: Liegt die Zahl der Käufe höher, wird ein Anteil auf das nächste Semesterticket angerechnet.

Bereits seit 1995 wird über ein Semesterticket diskutiert. Wie die Online-Wahl genau ablaufen soll, werde in den kommenden Tagen im Detail erklärt, teilte die Studierendenvertretung Erlangen-Nürnberg der NZ mit. Der VGN hat zudem angekündigt, sein Tarifsystem neu zu ordnen. Auswirkungen auf die Preise hat diese Änderung allerdings nicht.

cf

Studenten dürfen online über Semesterticket abstimmen

cropped-semesterticket_headerBLOG_layDie Studentenvertreter in Erlangen und Nürnberg haben diskutiert und sich entschieden: Das Angebot des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) für ein Semesterticket wird an alle Studenten weitergegeben. Sie sollen per Onlinewahl im Januar über das Ticket abstimmen.

Im Vergleich zur gegenwärtigen Situation, in der es überhaupt kein Semesterticket gebe, sei das Angebot des VGN ein „Fortschritt“, erklärte Benedikt Kopera vom Aktionsbündnis Semesterticket heute gegenüber der NZ. Ein besserer Vorschlag sei derzeit nicht zu erreichen. Wann genau die Onlineabstimmung im Januar stattfinden soll, steht noch nicht fest. Das Semesterticket kann kommen, wenn sowohl die Studenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als auch die der Technischen Hochschule Nürnberg mehrheitlich zustimmen. Vor zwei Wochen hatte der VGN der Studierendenvertretung ein neues Ticket-Angebot unterbreitet. Die zuvor heftig kritisierte Altersgrenze von 26 Jahren wurde dabei abgeschafft.

Nach dem neuen Entwurf – einem Sockelmodell – zahlen alle Studenten einen verpflichtenden Solidarbeitrag in Höhe von 65,70 Euro. Das Semesterticket gilt dann jedoch nur montags bis freitags von 19 bis 6 Uhr am Folgetag sowie samstags, sonntags und an Feiertagen. Erst mit einem Zusatzticket für 195,30 Euro und damit einem Gesamtticketpreis von 261 Euro werden die zeitlichen Einschränkungen aufgehoben.

fc

Semesterticket: Münchner Studenten wehren sich

Streik im öffentlichen NahverkehrMünchens Studenten wehren sich gegen den Vorwurf, das Semesterticket sei schuld an den Verlusten des Münchner Verkehrsverbunds.

Der Arbeitskreis Mobilität der Münchner Hochschulen kritisiert in einem Schreiben die Aussagen von S-Bahn-Chef Bernhard Weisser und MVG-Chef Herbert König, wonach die Einführung des Tickets im letzten Herbst ein möglicher Grund für ausbleibende Mehreinnahmen sei. „Das Semesterticket ist und bleibt ein voller Erfolg“, sagt Alexander Blaut, Sprecher des AK Mobilität. Für mögliche Defizite greift eine vorab verhandelte Ausfallgarantie der Stadt München, die bislang kaum angetastet wurde. Mindereinnahmen werden also ausgeglichen.

Im ersten Jahr haben fast 70 Prozent der Münchner Studierenden die IsarCard Semester gekauft. Der MVV hatte im Vorfeld kalkuliert, dass bei einer Käuferquote von 72 Prozent nicht mit Mindereinnahmen zu rechnen ist. Ohne handfeste Belege, aus denen auch das Fahrverhalten der Studierenden hervorgeht, sei es nach Meinung der Studenten unseriös, das Semesterticket für fehlende Mehreinnahmen verantwortlich zu machen. Gründe könnten vielmehr die vielen Sperrungen der Stammstrecke, Zugausfälle und eine U-Bahn-Großbaustelle sein, wegen denen die Münchner lieber Auto fahren.

In Nürnberg und Erlangen warten die Studenten noch immer auf ein Semesterticket. Der VGN will sein Angebot nach dem Münchner Modell gestalten. Doch es fehlen weiterhin die Ergebnisse einer Kundenbefragung, die seit einem Jahr vorliegen sollten.

cm

Zweifaches Sockelmodell beim Semesterticket?

Bei der gestrigen Versammlung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ging es neben S-Bahn-Ausbau und Streckenelektrifizierungen auch um „ein weniger imageträchtiges Thema“, wie Jürgen Haasler es ausdrückte. Der beim VGN für Marketing zuständige Geschäftsführer stellte den Mitgliedern des Zweckverbandes, Landräte und Oberbürgermeister der Kreise und Städte, die den VGN tragen, den aktuellen Stand in Sachen Semesterticket vor.

Bei den Planungen richten sich die VGN-Strategen ein bisschen nach den Münchner Kollegen. Dort gibt es seit vergangenem Wintersemester ein recht erfolgreiches Sockelmodell: 59 Euro Zwangsbeitrag fürs Fahren am Abend und Wochenende sowie ein freiwilliges Upgrade (141 Euro) für den Rest der Zeit, also vor allem tagsüber an Werktagen. Beim VGN denkt man neben der Münchner Variante auch darüber nach, ob es eine Wahlmöglichkeit bei der zweiten Stufe geben soll. So könnten Studenten dann wählen, ob sie für die noch unbekannte Summe x die Werktagserweiterung für das ganze Verbundgebiet dazukaufen oder für weniger Geld unter der Woche nur in der Städteachse Nürnberg-Fürth-Erlangen unterwegs sein wollen. Das würde mehrere Wahlmöglichkeiten bedeuten und die ganze Sache – trotz Zwang beim Sockel – etwas demokratischer machen. Studenten könnten dann Geld sparen, wenn sie unter der Woche nur in den Städten unterwegs sind und sich die Fahrten ins Umland fürs Wochenende aufheben.

Derzeit erheben übrigens Verkehrsplaner des Unternehmens WVI Fahrgastzahlen für den VGN. Diese sollen ab April 2014 vorliegen, anschließend geht die große Rechnerei los: Wie viel muss ein Semesterticket kosten, damit einerseits möglichst viele Studenten über den Sockel hinaus mitmachen, aber andererseits sich das Modell auch für die Verkehrsunternehmen lohnt? Wir harren sehnsüchtigst einer Antwort auf diese Frage…

fbh

Flashmob fürs Semesterticket

Mit dem Raumschiff zur Uni

Lieber mit dem Raumschiff zur Uni als mit dem VGN. Foto: Marcel Staudt

Sie kamen mit Schlitten, Dreirädern und Kinderrollern. Stelzen, Skateboards, Einkaufswagen und Hexenbesen. Die Studenten reisten mit allem an – nur nicht mit Bus oder Bahn. Denn ein Semesterticket, das seinen Namen verdient, gibt es nicht. Deshalb demonstrierten rund 150 Studierende heute vor der Zentrale des VGN am Plärrer.

Seit zwei Jahren verhandeln die Aktiven des Aktionsbündnissen „Für ein Semestertticket in Nürnberg und Erlangen“ mit der Nürnberger Verbundgesellschaft, dem Oberbürgermeister, dem Studentenwerk und Vertretern aller Nürnberger Hochschulen. Inzwischen sind sich alle Seiten einig: Das Semesterticket muss kommen. Nur wie und vor allem für wieviel Geld ist noch offen.

141 Euro für sechs Monate frei fahren

„Sogar in München hat es jetzt geklappt“, sagt Benedikt Kopera. Der 25-jährige Student führt das Aktionsbündnis und die Demonstrati0n mit an.  Nach jahrelangen Verhandlungen hat die Landeshauptstadt im Oktober ein Semesterticket eingeführt. Jeder mit Studierendenausweis darf seitdem die öffentlichen Verkehrsmittel für 59 Euro ein Semester lang von 18 bis 8 Uhr nutzen.  Wer dazu noch 141 Euro für eine IsarCard bezahlt, darf sechs Monate lang zeitlich unbegrenzt im Gesamtnetz fahren.

„Man muss natürlich verschiedene Interessen unter einen Hut bringen“, sagt Kopera. Die Studenten, die das Ticket ständig nutzen und die, die es eigentlich nicht bräuchten. Denn zahlen müssen alle.“Wir haben schon das Gefühl, das die Stadt und der VGN sich wirklich Mühe geben, eine Lösung zu finden“, sagt Kopera. „Mit der Demonstration wollen wir unseren Forderungen nur noch einmal lautstark Nachdruck verleihen.“

Christina Merkel

 

Kommt doch ein echtes Semesterticket?

Dass es für Nürnberg und Umgebung kein „echtes“ Semesterticket gibt, also eines, das deswegen erschwinglich ist, weil es für alle Studenten obligatorisch ist, dürfte inzwischen eigentlich bekannt sein. Trotzdem regt sich immer mal wieder Protest – so dass jetzt sogar die Münchner Edelfedern aufgewacht sind. Zurzeit machen jedenfalls einige Studenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Internet Druck – und können erste Ergebnisse vorweisen.

Till Müller hat vor kurzem eine Facebook-Gruppe gegründet, die nach seinen Angaben innerhalb von nur 24 Stunden über 2000 Sympathisanten gewinnen konnte. Inzwischen sind es über 3600. Der Psychologie-Student will, wie er sagt, „ein Zeichen gegen die nicht mehr tragbaren Studentenpreise setzen“. Und in einer Mail an die NZ beklagt Deborah Woznicki die „Ausbeutung der Studenten in Erlangen-Nürnberg“: „Die Kosten haben ihren Höchstpunkt erreicht und behindern uns in unserem Studium. Der Staat blutet nach Bildung, doch sieht gnadenlos zu, wie uns der VGN ausbeutet. Mit den Studiengebühren und einem viel zu hohen Preis für ein Fahrticket ist es uns nicht möglich, sorgenfrei zu studieren.“ Die Forderung lautet: Ein bezahlbares Semesterticket soll her, das sechs Monate lang im ganzen Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) gilt. Und bitte flott.

Studentenwerk hält Forderung für „berechtigt“
Beim Studentenwerk Erlangen-Nürnberg hört man die Botschaft durchaus. Geschäftsführer Otto de Ponte hat vor wenigen Tagen ein Gespräch mit Till Müller und dessen Mitstreiter Florian Murrer geführt. Der NZ gegenüber zeigt er sich beeindruckt darüber, „wie gut sich die Studenten kundig gemacht“ haben. Die Forderung nach einem echten Semesterticket hält er für „berechtigt“ – und er prognostiziert: „Bevor es in dieser Sache keine Lösung gibt, wird es auch keine Ruhe geben.“

Das Studentenwerk hat inzwischen die Planungen für eine Semesterkarte nach dem sogenannten Solidarmodell – man könnte auch sagen: Zwangsmodell – verworfen: Es sollen nicht alle Studenten verpflichtet werden, ein teures Semesterticket für den VGN-Gesamtraum über den Studentenwerksbeitrag zu erwerben. An der Einschätzung, dass dieses Modell juristisch zu Fall gebracht werden könnte, hat sich nämlich nichts geändert. Schon seit jeher fürchten Studentenwerk, Politik und Verkehrsbetriebe, dass ein zu teures Zwangsticket von einem Gericht kassiert werden könnte. Konkret fürchtet man Klagen von Erlanger Studenten. Die legen viele Wege zu Fuß oder per Fahrrad zurück und würden, so fürchtet man, wohl nicht einsehen, eine größere Summe für ein Ticket zu bezahlen, das sie kaum nutzen, mit dem sie aber die Pendelei ihrer Kommilitonen aus Nürnberg, Fürth und dem Umland subventionieren würden.

Sockel- statt Solidarmodell
De Ponte zieht nun ein Sockelmodell in Betracht: Alle Studenten würden demnach einen obligatorischen Beitrag leisten, der zwischen 50 und 70 Euro liegen könnte. Mit dieser Zahlung könnten alle Fahrten zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen abgegolten sein. Wer von weiter weg zur Hochschule fährt, etwa aus dem Nürnberger Land oder der Fränkischen Schweiz, könnte dann weitere Verbundzonen einfach dazukaufen. Dieses Modell würde einer gerichtlichen Überprüfung vermutlich standhalten.

Nun müsse der VGN ein adäquates Angebot auf den Tisch legen, meint de Ponte. Kein Problem, sagt dort Klaus Dechamps, der sich seit Jahren mit dem Thema befasst. Bisher hätten die Studenten aber immer das Solidarmodell befürwortet. Wenn nun der Sockel gefragt sei, könne man entsprechende Berechnungen anstellen. Dechamps erinnert aber an eine Befragung vor einigen Jahren, in der sich die Studenten mit großer Mehrheit für das Solidarmodell ausgesprochen hatten. Nur etwa fünf Prozent hätten den Sockel vorgezogen. „Wir sind da aber grundsätzlich offen“, sagt Dechamps. „Dazu müssen die Studentenvertreter aber offiziell an uns herantreten.“ Ob sich dann bei einer Abstimmung unter allen Studenten eine Mehrheit wirklich für das Sockelmodell ausspricht, sei fraglich. Jetzt soll also wieder verhandelt werden.

Florian Heider

Teuer zur Uni mit Bussen und Bahnen

Mit dem Auto zur Uni? Das bedeutet nicht nur ewiges Suchen nach einem Parkplatz, es ist auch noch sehr teuer. Dass viele Studenten deshalb auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, ist nur allzu verständlich. Nur viel günstiger kommen sie damit auch nicht weg. Es gibt wieder kein verbilligtes Ticket für das ganze Semester.
236,20 Euro bezahlen Studenten, damit sie im Wintersemester vier Monate lang in Nürnberg, Fürth, Stein und Erlangen zu ihren Vorlesungen fahren können. Die VAG bietet dafür ermäßigte Wertmarken an. Während der vorlesungsfreien Zeit sieht die Sache aber schon anders aus. Wer in die Bibliothek muss, um für seine Hausarbeiten zu recherchieren oder für Prüfungen zu pauken, der kann im Großraum nicht auf ein günstiges Studententicket zurückgreifen. In den Semesterferien im Sommer können Studenten noch mit einem Ferienticket für 25,30 Euro verbundweit fahren. Ein Ticket für die Winterferien gibt es hingegen nicht.

Noch nicht einmal das Fahrrad darf mit

„Die Semesterwertmarken helfen mir auch nicht weiter“, sagt Daniel M. Richter, der in Erlangen im siebten Semester Jura studiert. Der 25-Jährige wohnt in Neustadt an der Aisch, selbst die teuersten Semestermarken gelten jedoch nur für Nürnberg, Fürth, Erlangen und Stein. Deshalb muss er auf die Mobicard ausweichen. „168 Euro kostet meine Karte jeden Monat. In der vorlesungsfreien Zeit steige ich dann auf die günstigere Variante um“. Dann kommt ihn sein Ticket nur auf 81 Euro monatlich, gilt aber erst ab 9 Uhr morgens. „Wenn ich dann früher in Erlangen sein möchte, muss ich eben zusätzlich ein Einzelticket ziehen, das kostet noch mal 8,50 Euro pro Fahrt“. Um den Weg in die Uni kommt er in seinen Ferien nicht herum. Die meisten Klausuren finden zwar am Ende der Vorlesungszeit statt, danach stehen aber meist Hausarbeiten an. Auf das Auto umsteigen will er trotzdem nicht, obwohl die Ticketpreise ein großes Loch in seinen Geldbeutel reißen. Einmal wollte der 25-Jährige, der nebenbei als Personalberater jobbt, die Fahrtkosten von der Steuer absetzen. Aber nicht einmal das war möglich, das Finanzamt machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

„Die Fahrpreise sind für Studenten viel zu teuer“, ärgert sich auch Miriam S. „Und dann darf ich noch nicht einmal mein Fahrrad kostenlos mitnehmen“, sagt sie. Dabei muss die 25-jährige Nürnbergerin, die in Erlangen studiert, oft schnell von einem Seminar zum nächsten, manchmal bleiben ihr nur wenige Minuten zwischen den Veranstaltungen. Sie beneidet Studenten in anderen Regionen Deutschlands, die oft sehr viel günstiger unterwegs sind. So kostet das Studententicket in Nordrhein-Westfalen für ein halbes Jahr nur 125 Euro. Das ist im Vergleich zu den Semestermarken im Großraum Nürnberg so günstig, weil alle Studenten beim Studentenwerk dafür bezahlen, egal, ob sie das Angebot nutzen oder nicht. Da es in der Metropolregion kein solches Solidarmodell gibt, ist es eben teurer.

Die VAG hat bereits Berechnungen angestellt, wie ein solches Modell bei ihr aussehen könnte. Monatlich müssten Studenten demnach 22 Euro zusätzlich ans Studentenwerk bezahlen. Aus Angst vor Klagen liegen die Pläne vorerst aber auf Eis. Das bayerische Wirtschaftsministerium hatte schon 2003 die Ansicht vertreten, dass die Höhe des Beitrages unverhältnismäßig hoch und ein Semesterticket daher nicht genehmigungsfähig sei. Deshalb hat auch das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg Bedenken geäußert. Würden Studenten, die ein solches Ticket nicht nutzen, klagen, so müsste das Studentenwerk die eingezogenen Beiträge wieder zurückzahlen. Wegen der erbrachten Leistung würden VGN und Verkehrsunternehmen den bezogenen Betrag jedoch einbehalten. Eine finanzielle Katastrophe für das Studentenwerk.

Julia Vogl