Das graue Webportal

meincampus.JPGDa wurden unsere Studiengebühren ja mal richtig gut investiert! Ich bin ganz begeistert, als mir mein Freund das neue Webportal der Uni Erlangen-Nürnberg präsentiert. «mein campus» heißt es und dort kann er nun alles rund um sein Studium mit ein paar Klicks erledigen: Studienbescheinigungen und Anträge ausdrucken, sich zu Prüfungen an- und abmelden, seinen aktuellen Notenspiegel abfragen und eine Übersicht über seine angemeldeten Prüfungen hat er auch noch. Toll! Das muss ich doch gleich selber mal ausprobieren. Rein ins Internet und angemeldet.

Komfort nur für die «Neuen»

Da liegt es vor mir: Mein Campus! Aber, was ist das? Wo kann ich mich zu Prüfungen anmelden? Wo ist mein Notenspiegel? Und die Übersicht über meine angemeldeten Prüfungen? Nichts dergleichen ist zu finden – außer «inaktive Bereiche sind in der Hauptnavigation ausgegraut». Bei mir ist ziemlich viel grau. Das einzige, was ich tun kann: Meinen Studentenausweis, meine Immatrikulationsbescheinigungen und zahlreiche Anträge ausdrucken.

So läuft das also. Für die neuen Bachelor-Studenten, wie meinen Freund, richtet die Uni ein Webportal ein, das ihnen den Weg zum Prüfungsamt und zu den Aushängen am schwarzen Brett erspart. «Umsetzung des Bologna-Prozesses» nennt die Uni das. Die Magister, Diplomer und alten Lehramtsstudenten bleiben auf der Strecke, obwohl wir genauso Studiengebühren zahlen.

Zumindest kann ich meinen Studentenausweis nun farbig ausdrucken. Um ihn trotz des neuen Verfahrens fälschungssicher zu machen, steht auf seiner Rückseite eine Webadresse, die mich als Studentin verifiziert. Keine schlechte Idee. Aber, werden mir der alte Mann im Freibad oder das junge Mädchen im Kino das nächste Mal auch glauben, dass ich Studentin bin? Sie haben nämlich keinen Internetzugang an der Kasse.

Ein großer Vorteil von «mein campus»: Ich kann meine Immatrikulationsbescheinigungen so oft ausdrucken wie ich will. Super! Endlich keine Engpässe mehr. Auch wenn ich mich mal bei einem Antrag verschrieben habe, muss ich einfach nur nochmal auf «drucken» klicken. Scheinbar verschickt die Uni jetzt nur noch eins per Post: Die Überweisungsträger für die Studiengebühren. cn