WiSo: Kuschelstimmung im Hörsaal

Zwei Abiturjahrgänge, dazu noch die Wehrdienstbefreiten. Um den Rekordansturm zu entzerren, wurde auch an der Friedrich-Alexander-Universität viel geplant: 360 neue Dozentenstellen, Zusatzgebäude oder mehrere Termine zum Studienbeginn. Doch mit 1700 Erstsemestern wird es voll und kuschelig in diesem Winter an Nürnbergs WiSo.

„Geh schnell in die Mensa, sonst kriegst du keinen Platz mehr“, ruft Eva Preiß einer ihrer Kommilitoninnen zu, die daraufhin versucht, eilig durch die Studentengrüppchen über den Hof zu kommen. Eva ist 24 und gehört momentan schon zum „alten Eisen“ an der Wiso. Seit sieben Semestern studiert sie hier Wirtschaftspädagogik.

Sie versucht, cool zu bleiben angesichts des Rekordansturms der Erstsemester auf die Fakultät. „Für mich wird es nicht mehr so schlimm werden, ich bin fast fertig“, sagt sie und grinst etwas erleichtert. „In den Übungen mit begrenzter Teilnehmerzahl könnte es aber richtig eng werden“, befürchtet sie. „Viel können die Unis doch auch nicht machen“, meint die Nürnbergerin. „Sie haben halt einfach nicht mehr Raum schaffen können.“

Raum – das Zauberwort dieser Tage. Hörsaal 4. In einer halben Stunde soll hier die „Einführung in die Mathematik“ stattfinden, für die Wirtschaftswissenschaftler zu Studienbeginn eine Pflichtveranstaltung. Drei Viertel des riesigen Saals sind bereits belegt. In Strömen pilgern weiter und weiter Studenten ein. Einige machen mit ihren Handys Fotos von den Vorlesungszeiten – keiner will gleich am ersten Tag die Übersicht in diesem Getümmel verlieren.

Um die Situation zu entzerren, durften sich bereits im Sommer 1300 G9-Abiturienten an der FAU immatrikulieren. „Das ist die Hälfte der 2550 Studienanfänger gewesen“, rechnet Heiner Stix, Leiter der Kommunikation an der Universität.

„Mein erster Eindruck war ziemlich heftig“, gesteht dennoch Eva Fuss, die in ihr Studium in Statistik und empirische Wirtschaftsforschung startet. „Ich hatte ja keine Vorstellung, wie voll das wird“, klagt die 31-Jährige. Sie und Freundin Katja Walz wollen daher künftig früher aufstehen, um einen Platz in den überfüllten Hörsälen zu ergattern. „Ansonsten muss ich mir die Videos von den Vorlesungen im Internet ansehen und nachbereiten.“

Kevin Pubatz freut sich vor allem über seinen ersten Tag als Student. Denn der Baden-Württemberger profitiert von der Wehrpflichtreform. „Das ist zwar gut für mich, aber ein weiterer Hammer für die Uni.“ Kevin beginnt sein Studium in Wirtschaftswissenschaften und ächzt bereits nach der Einführungsvorlesung.

„In den Haupthörsaal konnte man gar nicht mehr rein, aber immerhin haben sie eine Live-Übertragung in einen anderen Hörsaal gestellt“, sagt der 20-Jährige und befürchtet: „Die Dozenten werden in den ersten Semestern ziemlich aussieben, um die Engpässe aufzulockern.“

Engpässe gibt vor allem bei den Sprachkursen, erzählt Katrin Ziegler von der Fachschaftsinitiative der WiSo. „Wir haben einfach keine Räume mehr für die Sprachkurse. Das wird ein echtes Problem“, sagt sie. Der reguläre Uni-Betrieb werde sich schnell einpendeln, doch auch die zusätzlichen Sprachkurse reichten nicht. „Sie könnten nur noch Kurse auf Samstagabend oder Sonntag legen“, sagt die 21-Jährige.

5500 Studenten drängen sich fortan an der Langen Zeile. Tausend weniger waren es zur gleichen Zeit vor einem Jahr. „Den ersten Hochrechnungen zufolge haben wir an der Wiso 1700 Anfänger“, sagt Stix. Das sind nochmals rund 400 Studenten mehr als im Winter 2010/2011.

Insgesamt starten rund 6770 Neustudenten an allen Fakultäten. Knapp 29 Prozent von ihnen sind Teil des letzten G9-Jahrgangs, 33 Prozent sind G8-Absolventen, berichtet Stix. „Seit drei Jahren haben wir eine eigene Abteilung, die sich nur mit dem doppelten Abiturjahrgang auseinandersetzt.“ Hinzu kommen die Maßnahmen wie die Einstellung von Zusatz-Personal. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, aber wir sind gut gerüstet“, verspricht er.

Andrea Munkert

Keine Kohle auf dem Konto: Uni bucht doppelt Gebühren ab!

Von Christiane Fritz

Peinlich, peinlich, was der Uni Duisburg-Essen da zu Beginn des Sommersemesters unterlaufen ist. Die Hochschule zog einigen Studenten den Studienbeitrag von 500 Euro gleich zweimal vom Konto ab.

Betroffen waren jene Studenten, die sich Anfang April für das Semester zurückmeldeten, denn erst nach einer Rückmeldung erfolgt die Abbuchung. Weil es zu einer Panne bei der Bündelung und Weiterleitung ihrer Daten kam, initiierte die Bank zweimal, den Beitrag abzubuchen. „Das hätte nicht passieren dürfen“, räumt Beate Kostka von der Pressestelle ein. „Das ist ärgerlich und ein peinlicher Vorgang.“

Den 1169 Studenten, die doppelt zur Kasse gebeten wurden, wird das Geld zurücküberwiesen. Ein Drittel beauftragten ihre Geldinstitute bereits von selbst, die 500 Euro auf das eigene Konto zurückzubuchen. Prof. Ulrich Radtke, Rektor der Uni Duisburg-Essen, und der Leiter des Studierendensekretariats, Ludwig Ciesielski, entschuldigten sich bei den Studenten.

20 Euro als Entschädigung

Als Entschädigung erhält jeder Betroffene 20 Euro. Zudem übernimmt die Uni jene Kosten, die dem Studenten unter anderem durch die Stornierung entstanden sind. Wie viel die Hochschule der Buchungsfehler insgesamt kostet, konnte die Hochschule noch nicht genau beziffern.
Dass die Uni Duisburg-Essen mit ihrem Fehler nicht allein steht, zeigt ein Beispiel von der Uni Hamburg. Diese schickte zum Wintersemester 2007/2008 einigen Studenten Unterlagen mit falschen Semesterangaben zu. „Zu dem betreffenden Wintersemester wurde zum ersten Mal unser Campus-Net eingesetzt“, erklärt eine Sprecherin der Uni. „Bei der Datenübernahme ist dieser bedauerliche Fehler bei vereinzelten Datensätzen passiert.“

Irren ist ja bekanntlich eine menschliche Eigenschaft. Nur in diesen Fällen ist sie eine teure zugleich.