Da scheißt einer die Wand an

Widerliche Schmierereien an der WiSoSchon mehr als zehn Mal ist es passiert. Und das nur in diesem Jahr. Morgens vor acht Uhr waren die Toiletten beschmiert. Mit Dingen, die normalerweise ins Klo gehören, statt an die Wände.
Keiner weiß, wer es gewesen ist. Die Ermittlungen laufen. Deshalb kontrollieren zurzeit Sicherheitsleute die Eingänge zur „WiSo“ in der Langen Gasse in Nürnberg. Stichprobenartig lassen sie sich die Studentenausweise zeigen, wenn jemand ins Gebäude will. Man geht davon aus, dass Studierende keine Fäkalien an Wände schmieren. Zumindest nicht in ihrer eigenen Uni.
Seit 2012 hat es solche Vorfälle im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg immer wieder gegeben. Verteilt im ganzen Gebäude, sowohl in den Frauen- als auch Männertoiletten. Seit diesem Jahr häuft es sich. Doch diesmal nur in den Herrenklos und immer vor Vorlesungsbeginn um acht Uhr.
Alle Mitarbeiter und Studenten haben eine E-Mail bekommen, in denen die Uni erklärt, warum die Kontrollen nötig sind. Außerdem hängen Zettel an den Klotüren, die auf die Strafanzeige gegen Unbekannt aufmerksam machen. Denn nicht nur, dass das Ganze widerlich ist, es ist auch teuer. Das Wachpersonal patrouilliert Tag und Nacht, und die Putzkräfte schieben Sonderschichten.

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Strände und Unis sollen fränkische Studenten anlocken

urn:newsml:dpa.com:20090101:100218-11-15029Australien ist für viele Deutsche ein beliebtes Urlaubsziel. Der Kontinent hat aber nicht nur solche traumhaften Strände zu bieten, sondern auch zahlreiche Hochschulen. Sieben Univer­sitäten und Institutionen aus Australien und Neuseeland haben sich zusammengeschlossen und werben bei uns für Studienaufenthalte in ihrer Ländern. Am morgigen Dienstag (8. Juni 2010) macht die „GOstralia“-Tour Halt an der ehemaligen Wiso in der Langen Gasse 20. Abiturienten und Studenten aller Fach­richtungen können sich dort von 10 bis 16 Uhr über ein Stu­dium „down under“ informieren.

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Duales Studium: Anstrengend, lohnt sich aber

20100526_4c_dual9_big20100526_4c_dual7_bigDas Semester hat vor kurzem erst wieder angefangen und schon muss Martina Baumer wieder lernen. Zusammen mit ihrer Kommilitonin sitzt die Studentin an einer sogenannten Lerninsel in der ehemaligen »Wiso« in Nürnberg. Eine Lerninsel – das ist eigentlich nur ein kleiner Tisch auf dem Gang im 5. Stock. An der Wand hängen Regeln, wie man sich verhalten soll: möglichst leise und kollegial. Auf dem Tisch liegen Bücher, Zettel und Süßigkeiten als Nervennahrung.

Gute Nerven sind für die Studentin gerade besonders wichtig, denn in einer Woche steht die Abschlussprüfung der Industrie- und Handelskammer (IHK) an. Danach darf Martina Baumer sich Industriekauffrau nennen. Ein Semester später kommt der zweite Abschluss dazu: der Bachelor in Wirtschaftswissenschaften.

»Duales Studium« nennt sich die Ausbildung, die Baumer gerade durchläuft. Dabei wird ein Studium an der Universität mit einer Ausbildung in einem Betrieb kombiniert, die in der Regel während der Semesterferien stattfindet. Baumer absolviert ihren Praxisteil bei Siemens in Nürnberg. Es sind jedoch auch andere Betriebe möglich.

Ab dem Wintersemester gibt es neue Kombinationen

Die Vorteile liegen auf der Hand: Praxis und Theorie lassen sich auf diese Weise gut verbinden und die Studenten können wertvolle Kontakte zu Unternehmen aus der Region knüpfen. Außerdem bekommen sie von ihrem Arbeitgeber eine Ausbildungsvergütung gezahlt. Aus diesen Gründen finden immer mehr Studenten das duale Studium attraktiv. Wahlmöglichkeiten gab es bislang keine, einzig Baumers Kombination stand den Studenten offen.

Ab dem kommenden Wintersemester soll sich das jedoch ändern. Aufgrund einer Kooperation zwischen der IHK Nürnberg für Mittelfranken und der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) haben Interessenten dann die Möglichkeit, flächendeckend aus dem gesamten Ausbildungsangebot regionaler Betriebe und aller Studienfächer an der Universität eine duale Wunschkombination von praktischer Ausbildung und wissenschaftlichem Universitätsstudium zu wählen.

Neuartige Kombinationen, wie zum Beispiel ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang, verbunden mit einer Ausbildung in der Wirtschaft, werden dann möglich sein. Insgesamt können rund 200 IHK-Ausbildungsberufe mit mehr als 100 Studiengängen gepaart werden.

Kooperation mit der IHK macht es auch Betrieben leichter

Für Wolfgang Henning, Leiter der zentralen Universitätsverwaltung, ist die Neuerung ein wichtiger Schritt – sowohl aus Sicht der Studenten als auch für Unternehmen. »Bislang mussten Firmen, die an einer Zusammenarbeit im Sektor Ausbildung und Studium mit der Universität interessiert waren, Einzelkooperationen aushandeln, was vor allem für mittlere und kleinere Betriebe ein zu hoher Aufwand war«, sagt er der NZ. »Die neue Form des dualen Studiums ermöglicht es Unternehmen nun, sich auf dem kurzen Dienstweg über die IHK einfach in die Kooperation mit der Universität einzuklinken. Damit können auch kleine und mittlere Betriebe einzelne Azubis ohne großen Aufwand nominieren und so potenzielle Führungskräfte frühzeitig gewinnen.«

Um einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern, müssen die Studenten großes Engagement, Interesse und Durchhaltevermögen zeigen. »Wer sich für ein duales IHK-FAU-Studium interessiert, sucht sich zunächst einen betrieblichen Ausbildungsplatz, klärt dort die Modalitäten und schließt einen Ausbildungsvertrag«, rät Henning. »Am besten ist, wenn man gleich im Bewerbungsschreiben deutlich macht, dass man das Potenzial hat und ein duales Studium nach der neuen Kooperation anstrebt.« Die Grundlage sei ein gutes bis sehr gutes Abitur. Danach wählt man seinen Studiengang an der FAU aus und bewirbt sich Anfang Juli für einen Studienplatz.

Ein langer Weg, bis endlich die Zusage da war

Für Martina Baumer war es ein weiter Weg bis zur endgültigen Zusage. »Während der Schulzeit hat mich der Gedanke gereizt, ein Universitätsstudium und gleichzeitig eine Ausbildung zu machen«, erzählt die inzwischen 21-Jährige. »Bei einer Infoveranstaltung bei Siemens habe ich dann das Modell kennengelernt und war interessiert.«

Daraufhin hat sich die Studentin beworben. Es folgten ein Online-Test, ein schriftlicher Eignungstest und eine Auswahltagung. Hier musste Martina Baumer sowohl in Gruppendiskussionen als auch in Einzelgesprächen überzeugen. Im Januar, wenige Monate vor dem Abitur, bekam sie dann die Zusage.

Baumer ist froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben: »Es war eine gute Entscheidung, weil man in der Praxisphase austesten kann, was einem liegt. Besonders gefällt mir das Personalwesen«, sagt die junge Frau, die sich in ihrem kleinen Jahrgang mit rund 25 Studenten sehr wohl fühlt. »Wir sind eine offene und kommunikative Truppe, das gefällt mir sehr gut«, ergänzt sie. Außerdem ist sie noch immer vom Praxissemester begeistert, das ihr der Studiengang ermöglicht hat. Im vergangenen Jahr schickte ihr Arbeitgeber Siemens sie zweieinhalb Monate nach Paris.

Trotz der vielen Möglichkeiten, die das duale Studium bietet, gilt es aber auch, die erhöhten Anforderungen zu meistern. »Die Prüfungszeit liegt meistens in den ersten zwei oder drei Wochen der Semesterferien«, sagt Baumer. »Hier muss man sich gut koordinieren können, weil man in der gleichen Zeit ja schon im Betrieb arbeitet. Dann muss man überlegen, ob man für diese Zeit ein paar Tage Urlaub nimmt.«

Kerstin Fellenzer (Text) und Harald Sippel (Fotos)

Spanner an der WiSo

Auf der Homepage der Nürn­berger WiSo-Bibliothek ist zu lesen: „Im Lesesaal laden rund 450 Arbeitsplätze zum Studieren ein.“ Mehr als 500.000 Bücher und über 5500 Zeitschriften gibt es dazu in den Regalen der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftli­chen Zweigbibliothek der Uni Erlangen. Dennoch kam jemand vergangene Woche nicht „zum Studieren“, zumindest nicht von Büchern, in die Bibliothek.

„Sehr geehrte Damen und Her­ren, wie uns die Bibliothekslei­tung mitgeteilt hat, ist in der WiSo-Bibliothek in der Langen Gasse in den Abendstunden ein Spanner aufgetaucht, der in der Damentoilette unter den Türen durch fotografiert hat.“ Mit die­sen Worten beginnt die E-Mail des Fachbereichs Wirtschaftswis­senschaften an alle Professoren und Studierenden.

Das Dekanat bittet „um erhöhte Aufmerksamkeit“. Die betroffene Studentin hatte die fotografierende Person nicht iden­tifizieren können. „So dass die Gefahr, belästigt zu werden, immer noch besteht“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Leider hatten wir bis jetzt noch immer keinen Fahndungserfolg“, sagt Dekan Michael Amberg. „Aber jeder ist informiert.“

„Verstärkt auf verdächtige Umtriebe achten“

Die Bibliothek hat ihre Mitar­beiter gebeten, verstärkt auf „ver­dächtige Umtriebe“ zu achten. Täglich ab 16.30 Uhr patroulliert ein Wachmann über den Campus. Das Dekanat hat ihn angewiesen „diese Maßnahmen in geeigneter Weise zu unterstüten“ und die Polizei eingeschaltet.

„Wir denken außerdem über Baumaßnahmen nach, damit die Wände der Toiletten künftig bis zum Boden reichen“, sagt Amberg. Studierende, die etwas gesehen haben und die Person beschrei­ben können, sollen sich im Deka­nat melden.

Christina Merkel

Mein Abschied von der Uni

Mit dem Fahrrad radle ich den gewohnten Weg zur Uni. Unterwegs wird mir bewusst: Das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich diese Strecke fahre. Meine Diplomarbeit habe ich vor Monaten abgegeben. Jetzt bekam ich die Note mitgeteilt. Ich bin zufrieden und glücklich, es endlich geschafft zu haben.
Jetzt gehe ich mein Zeugnis im Prüfungsamt abholen. Es wird mein letzter Streifzug durch die Fakultät, das letzte Mal durch die langen Gänge laufen, das letzte Mal der etwas muffige Geruch. Bei diesen Gedanken werde ich fast ein bisschen wehmütig. Wenn ich das Zeugnis in Händen halte, bin ich Absolvent der Sozialwissenschaften, genauer Diplom-Soziologe. Damit gehöre ich zu einer aussterbende Rasse.
Denn neuerdings gibt es „Bachelors of Social Economics“ oder gleichnamige „Master“. Seit meinem Studienbeginn vor sechs Jahren hat sich vieles verändert. Meine Fakultät trägt einen neuen Namen. In der ganzen Metropolregion – auch so ein neues Wort – noch immer unter WiSo bekannt, heißt die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät seit fast schon zwei Jahren ReWi, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät. WiSo hat mir besser gefallen, schon vom Klang her.
Keine Sozialistische Hochschulzeitung heute
Als ich mein Fahrrad vor dem Eingang abschließe, sind dort ausnahmsweise keine Flyer-Verteiler postiert, die die nächste Party anpreisen. Der Mann mit der Sozialistischen Hochschulzeitung in Händen ist heute auch nicht zu sehen. Eventuell hat er es aufgegeben, kostenlose Exemplare an desinteressierte Studenten verteilen zu wollen. Sonst habe ich immer versucht, mich geschickt an ihnen vorbeizudrücken, heute fehlen sie mir in meinem Abschiedsbild.
Langsam kann ich über den Campus laufen. Ich betrete die kalte Eingangshalle, deren Aussehen und Geruch mich nach wie vor an das Flair einer Großraumtoilette erinnern. Ausgerechnet solche Dinge bleiben. Zwar fehlt es der Halle an Zuwendung, dafür hat fast jedes Auditorium inzwischen einen Sponsor. Nicht nur Fußballstadien werden gegen schnelle Finanzspritzen nach dem Geber benannt, sondern auch das Herzstück der Universitäten, der Hörsaal.
Der Ort des kritischen Denkens und Diskutierens, wird zur Werbeplattform. Die Studiengebühren stopfen die Finanzlöcher nicht alleine, der ehemalige H1 verdankt seinen Namen nun einem großen Geldinstitut, H2 einem internationalen Wirtschaftsprüfer mit Sitz in Nürnberg. Ich sollte als persönliches Abschiedsgeschenk in großen Buchstaben „Zu Verkaufen“ auf die Türen von Hörsaal Nummer vier schreiben. Der ist noch zu haben.
Lange Wartezeiten im Prüfungsamt
Das Prüfungsamt liegt im ersten Stock. Davor sitzen bereits, es scheint als säßen sie schon länger, sieben Studenten. Nachdem auch ich 40 Minuten gewartet habe, rücke ich ins Zimmer der Sachbearbeiterin vor. Gerade noch kurz vor Ende der Öffnungszeit um 10.45 Uhr. Hochschulstrukturen – nichts was man vermissen wird. Trotz Wirtschaftssponsoren, wenig ökonomisch.
„Ich würde gerne mein Diplomzeugnis abholen“, sage ich stolz. Die Beamtin bietet mir einen Stuhl an, und nach der Unterschrift auf der Empfangsbestätigung halte ich endlich das Papier in Händen, für das ich elf Semester studiert habe. Ob es mir in absehbarer Zeit meinen Traumjob verschaffen wird? Ich wage es zu bezweifeln in Zeiten der Krise.
Während ich die Tür zum Ausgang öffne, überfällt mich erneut Wehmut. Das war’s dann also. Tatsächlich läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Mach’s gut Fakultät. Bei meinem Fahrrad passt mich eine blonde Flyerverteilerin ab, die nächste Studentenparty steht an. Ich kann der Uni getrost den Rücken kehren.
Fabian Friedmann (Absolvent der Uni Erlangen-Nürnberg)