Zum Glück ist jetzt Sommerpause

Mit einem 0:1 beim 1. FC Kaiserslautern hat sich am Sonntag auch der Club in die Sommerpause verabschiedet. Und soll ich euch was sagen? Zeit wurde es! Dass ich bei all meiner Fußballverrücktheit mal so etwas von mir geben würde, hätte ich vor ein paar Jahren noch nicht zu träumen gewagt. Dass es so weit kommen konnte, liegt vor allem daran, dass ich momentan diesen Affenzirkus Profifußball einfach leid bin. In München, wo gestern die langweiligste aller Bayern-Meisterschaften dermaßen durchexerziert wurde, dass einem als Fußballfreund vor lauter Fremdschämen die Haare zu Berge standen, haben sie für die perfekte Inszenierung der Bierdusche tatsächlich wasserdichte Action-Kameras an den Weizengläsern befestigt. Das alleine sagt eigentlich schon alles. Hinzu kommt eine vom Verein in Auftrag gegebene Choreografie, die das Spektakel einläutete. Ganz zu schweigen davon, dass die zweite Halbzeit acht Minuten verspätet begann, weil die Pausenshow von „Popstar“ Anastacia länger als geplant gedauert hat.

Es liegt aber auch sicherlich ein bisschen daran, dass der FCN (mal wieder) auf eine verkorkste Saison zurückblickt und uns Fans nicht gerade mit Sahnefußball verwöhnt hat. Das dürften die Verantwortlichen zwar anders sehen, aber ich bleibe dabei: Wenn Zweitligamittelmaß der neue Anspruch sein soll, dann können sie neben der Südkurve auch bald noch die Gegengerade wegen Zuschauermangel zusperren.

Jetzt ist jedenfalls Sommerpause und das ist auch gut so.

Feiermodus gegen Abstiegskampf: 2:3

Es war das letzte Heimspiel nach einer Saison, die der Clubfan wohl schnell abhaken dürfte. Dafür war diese Begegnung mit allerlei anderem befrachtet. Mit Abschieden, mit Traditionspflege, mit ungewöhnlichen Witterungs- und Platzverhältnissen. Die Punkte spielten da nicht die allerwichtigste Rolle.

Das merkte man dem Club letztlich auch an. Der Spaß am Spiel stand eher im Vordergrund als lästige Pflichtaufgaben, wie Absichern nach hinten oder Decken bei Standards. Für den Gegner, die Fortuna, ging es hingegen noch darum, den Abstieg zu vermeiden. Da brennt man eben auch noch, wenn der andere schon ans Freibier denkt.

Dabei agierte der Club durchaus gefällig. Etwa in Minute 13: Mit einer schönen Aktion wird Sabiri von Möhwald im Strafraum bedient und versenkt den Ball im Düsseldorfer Kasten. Jetzt spielte der Club noch lockerer auf und zeigte durchaus Ansätze, die für die kommende Saison Hoffnungen keimen lassen. Allerdings wurde er dann nach einer knappen halben Stunde für seine Pflichtvergessenheit mit einem sauberen Konter bestraft. Der frei auf das Clubtor zusteuernde Kiesewetter spielt Raphael Schäfer in dessen letztem Heimspiel problemlos aus und macht den Ausgleich.

Danach verflachte das Spiel. Genauer gesagt soff es ein bisschen ab, denn die Drainage im bald nach Max Morlock benannten Stadion hielt mit dem Starkregen kaum Schritt. Beim Club versuchte man trotzdem schön zu kombinieren, während bei der Fortuna offenbar erst langsam durchsickerte, dass Abstiegsmitkonkurrent Arminia Bielefeld gerade den Aufstiegskandidaten Braunschweig abschlachtet. Zudem hatte auch noch ein Pfütze Erbarmen mit der Fortuna. In der 70. Minute stoppte sie den Ball für die Düsseldorfer. Bebou schnappte sich ihn, passte zu Hennings, der dann (Majestätsbeleidigung im letzten Heimspiel) auch noch Schäfer tunnelt.

Jetzt wachte der Club wieder auf. Schließlich wollte sich keiner auf diese Weise vom Publikum und von der Torwartlegende verabschieden. So war es dann eher Druck als Können, dass der Club zum Ausgleich kam. Löwen passte auf Möhwald, der dann den Ball irgendwie mit der Hüfte zum Ausgleich eintütete.

Jetzt schien dem harmonischen Saisonausklang nichts mehr entgegenzustehen. Die Clubfans durften noch die Einwechslung des seit mehr als einem Jahr verletzungsbedingt fehlenden Patrick Erras feiern. Aber für die Fortuna ging es halt immer noch gegen den Abstieg. In der 88. Minute nutzen die Düsseldorfer dann die fehlende geistige Frische in der Clubabwehr und markierten nach einer Ecke den Siegtreffer. Genauer gesagt half auch Schiedsrichter Rohde mit. Der wollte wohl schnell heim und gab nur eine Minute Nachspielzeit (der Club ist halt nicht der FC Bayern). So fehlte dann die Chance, nochmal zurückzukommen. Aber als Raphael Schäfer sich schließlich von den Fans feiern lassen durfte, war das Ergebnis schnell vergessen. Nur die entgangenen TV-Gelder könnten vielleicht noch mal schmerzen.

Der Club bleibt zweitklassig

Nach dem gefühlten Auswärtsspiel in Nürnberg am vergangenen Wochenende, für das über 15.000 Gäste-Fans aus Stuttgart sowie ein Stimmungs-Boykott der FCN-Ultras gesorgt hatten, ließ der Club am Samstag in Sandhausen ein gefühltes Heimspiel folgen. Dafür reichten rund 3000 stimmgewaltige mitgereiste Rot-Schwarze, die im Stadion am Hardtwald beinahe über die kompletten 90 Minuten die Atmosphäre dominierten. Insgesamt hatten sich 8408 Fußballfans eingefunden, um ihre Teams dabei zu unterstützen, die letzten nötigen Punkte für den Klassenerhalt in der zweiten Liga zu sammeln. Wenn man bedenkt, dass die im nordwestlichen Baden-Württemberg liegende Gemeinde Sandhausen gerade einmal 14.902 Einwohner zählt, ist das doch eine ganz stattliche Quote.

Auf dem Rasen entwickelte sich eine zähe Partie, die erst zum Ende der ersten 45 Minuten hin langsam Fahrt aufnahm. Ein Latten-Kopfball von Hanno Behrens und einige starke Offensivaktionen von Richard Sukuta-Pasu, dem auffälligsten Mann im Dress der Heimmannschaft, waren die wenigen Höhepunkte einer ansonsten zerfahrenen ersten Hälfte.

Auch nach der Pause vergingen rund zehn Minuten, ehe der quirlige Edgar Salli für Unruhe sorgte. Salli drang von links mit dem Ball am Fuß in den Strafraum ein und dribbelte, dicht gefolgt von einem Sandhäuser Verteidiger, schnurstracks auf Keeper Marco Knaller zu. Dabei fädelte er, in den Fernsehbildern deutlich sichtbar, erst mit einem Bein bei seinem Hintermann ein, verlor dann plötzlich spektakulär die Bodenhaftung, eher er, Arme und Beine weit von sich gestreckt, derart theatralisch auf die Wiese fiel, dass er sein Gesicht nicht mehr vor Knallers Fuß schützen konnte, der da schon ein paar Sekunden länger stand. Schiedsrichter Florian Heft entschied zu Recht nicht auf Strafstoß und ließ das Spiel weiterlaufen, während Salli erschöpft, verletzt und Elfmeter fordernd liegen blieb. Die Nürnberger regten sich auf, dass Sandhausen den Ball nicht ins Aus spielte. Die Sandhäuser ärgerten sich über die Schauspieleinlage von Salli, der nach kurzer Behandlungspause von Pfiffen begleitet wieder aufs Spielfeld zurückt trabte.

Das goldene Tor fiel schließlich in der 70. Minute. Kevin Möhwald flankte von rechts, in der Mitte lauerte Abdelhamid Sabiri und verwertete die leicht abgefälschte Hereingabe zum 1:0 für die Gäste. Etwa ab der 80. Spielminute geriet der Club noch einmal stark unter Druck. Erneut war es unter anderem Sukuta-Pasu, der in dieser hektischen Schlussphase eine Großchance liegen ließ. Nürnbergs Patrick Kammerbauer warf sich in höchster Not in Sukuta-Pasus Schuss und klärte. Diese Situation zeigte die tolle Moral, die der FCN abermals bewies. Die passende Motivationshilfe für die Köllner-Truppe gab es dazu, untermalt vom obligatorischen Trommeln, in Endlosschleife aus dem Block der Nürnberger Ultras: „Seht ihr die Fahnen wehen, wir wollen euch siegen sehen, alle im Stadion singen im Chor, treiben die Mannschaft bis zum Tor“. Der FCN rückt mit dem Dreier vorübergehend auf Rang sieben der Tabelle vor und hat mit dem Abstieg jetzt auch rechnerisch definitiv nichts mehr zu tun. Bei Sandhausen ist weiter Zittern angesagt.

Club kann sich leider nicht belohnen

Schade, schade, das hatte der Club nicht verdient! Nach streckenweise überzeugenden Spiel unterlag er durch ein Tor in der Nachspielzeit noch Tabellenführer VfB Stuttgart, der nach dem Spiel mit seinen zahlreichen Fans dann schon mal den wichtigen, und fast nicht mehr erwartbaren Schritt zum Aufstieg feierte.

Womit wir bei den Fans wären. Da machten die aus Stuttgart angereisten Gäste, die für ein ausnahmsweise fast gefülltes Nürnberger Stadion sorgten, mehr Betrieb als die Club-Anhänger. Das lag nicht nur an deren Quantität, sondern auch daran, dass den Nürnberger Ultras wieder mal irgendetwas Verstummendes über die Leber gelaufen ist.

Erfreulicher war da schon das Auftreten der Clubelf. Die musste diesmal auf Brecko (verletzt) und Möhwald (Sperre) verzichten. Als Schwächung erwies sich das nicht. Eher im Gegenteil. Hinten machte „Ersatzmann“ Kammerbauer Breckos Seite dicht. Und auch den angeblichen Mittelfeldstrategen vermisste keiner. Zwar gab es anfangs immer wieder Fehler beim letzten Pass. Das lag aber eher daran, dass der Tabellenführer aus Stuttgart früh presste und so ein geordnetes Aufbauspiel kaum zuließ. Allerdings hatte Trainer Michael Köllner diesmal Cedric Teuchert von Beginn an spielen lassen. Der erwies sich dann als echter Aktivposten, den die Stuttgarter nie in den Griff bekamen. In der 25. Minute überraschte er sie mit einem schnell ausgeführten Freistoß, den er zu Hanno Behrens spielt. Der hämmert den Ball einfach mal zum 1:0 ins linke Eck. Und nicht nur das: Acht Minuten später wird Teuchert von Löwen in der eigenen Hälfte angespielt, läuft unwiderstehlich über den halben Platz und hat dann noch genug Power, den Ball zum 2:0 zu versenken. Jetzt hatte der Club die Partie im Griff und der VfB suchte vergeblich nach dem Dosenöffner.

Der kam dann leider nach der Pause in Gestalt des Ex-Cluberers Daniel Ginczek. Das ist halt der Unterschied, dass es sich der VfB leisten kann, solche Spieler dem Club wegzukaufen und sie dann sogar noch als Joker bringen zu können. Beim Club wiederum spielte der Joker halt schon von Beginn an. Dazu gesellte sich noch eine, in der letzten Zeit auffällige geistige Absenz nach Pausen. Noch nicht mal zwei Minuten waren gespielt, da zeigte Schiedsrichter Dankert auf den Punkt. Mühl hatte Terodde gefoult und der markierte den Anschlusstreffer. Drei Minuten später traf dann besagter Ex-Cluberer nach einer Ecke sogar noch zum Ausgleich. Jetzt musste einem unsere Mannschaft fast schon ein bisschen Leid tun. Zumal sie nicht aufsteckte, sondern sich durchaus weitere Chancen erspielte, den dritten Treffer zu erzielen. Den machte dann leider der Aufstiegsaspirant. Klein haute den Ball in der Nachspielzeit mitten ins Clubherz.

Wie gesagt, jammerschade, dass sich der Club für eines der wohl besten Spiele in dieser Saison nicht belohnen konnte. Aber immerhin lässt sich auf dieser Leistung aufbauen.

Frankenderby zum Abgewöhnen

Dass der fränkische Profifussball auf den Hund gekommen ist, das kann man leider nicht bloß der Tabelle entnehmen. Was da heute in der Würzburger Flyeralarm-Arena von den beiden Mannschaften abgeliefert wurde, hatte mit besagter Sportart nur noch wenig zu tun. Ein Spielfluß war kaum erkennbar. Spielideen und ein Spielplan auch nicht. Wobei man den Würzburgern zumindest attestieren muss, dass sie wohl die Absicht hatten, nach der frühen Führung eher destruktiv ans Werk zu gehen.

Bis zur 10. Minute hatte nämlich der Club noch durchaus ansehnlich agiert, sich eine Überlegenheit erspielt und Druck aufs Würzburger Tor entwickelt. Allerdings ohne dabei richtig gefährlich zu werden. Das gelang den Kickers bei ihrer ersten Chance ungleich besser. Rama wird von Behrens und dem erneut indisponierten Kapitän Brecko nicht attackiert und markiert so das zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich überraschende 1:0. Danach verlor der Club völlig den Faden und wurde von den Kickers zeitweise regelrecht vorgeführt. Erst gegen Ende der ersten Hälfte gelingt es, ein paar Chancen zu generieren.

Nach der Pause verlegen sich die Hausherren gänzlich aufs Zerstören. Wobei es beim konzeptlosen Club nicht allzuviel zu zerstören gab. Da lief – wieder einmal – nichts zusammen. Neben Kapitän Brecko sind vor allem der weitgehend abgetauchte, eigentlich als Mittelfeldregisseur vorgesehene, Kevin Möhwald und der wohl nur als Platzhalter aufgestellte Stürmer Ishak zu nennen. Von dem war in der ersten knappen Stunde überhaupt nichts zu sehen. Umso mehr dann von seinem Nachfolger Cedric „ist noch nicht soweit“ Teuchert. Wie schon gegen Aue machte er wieder ein wichtiges Tor (80. Minute) und kaschierte so eine ziemlich unterirdische Mannschaftsleistung. Zudem hielt er einen Mitbewerber um den Abstieg auf Distanz. Wobei der unter zwei schlechten Zweitligamannschaften noch die bessere war.

Wird Zeit, dass die Saison abgepfiffen wird, sonst verlieren auch noch die Fans die Lust am Fußball.

In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.

Aue (mit dem früheren Club-Stürmer Albert Bunjaku als Einwechselspieler) musste die erste Niederlage unter dem neuen Coach Domenico Tedesco (er ersetzte den zurückgetretenen Pavel Dotchev) hinnehmen, für die „Macht aus dem Schacht“ dürfte es im Abstiegskampf nun wieder sehr eng werden. Der 1.FC Nürnberg sollte nun mit Volldampf in die Planungen für die Zweitligasaison 2017/18 einsteigen. Im „kicker“ durften die Nürnberger übrigens nachlesen, dass seit Einführung der Dreipunkteregel (1995/96) noch nie ein Team mit nur 35 Punkten nach 28 Spieltagen Achter war, insofern ist der Club also der schlechteste Achte aller Dreipunktezeiten. Der Ruhmreiche ist halt immer für besondere „Titel“ gut.

Alte Schwachstellen, neuer Soundtrack

Nur schlecht reden möchte den neuen Club auch keiner. Deswegen fangen wir mal mit dem Positiven an. Die erste Halbzeit war durchaus ansehnlich. Der Club praktizierte teilweise Powerplay, entwickelte viel Druck und schnürte den Zweitliga-Siebzehnten aus Hamburg teilweise ein. Allerdings: Richtig gefährlich wurde es vor dem Tor von St. Pauli trotzdem nicht. Irgendein Pass kam immer nicht an und eine Idee, wie der Ball ins Netz finden soll, war letztlich auch nicht erkennbar.

Das könnte man auf das kurzfristige Fehlen von Kevin Möhwald schieben. Aber in den letzten Spielen, als er noch die Fäden im Mittelfeld ziehen sollte, war es leider auch nicht anders. Heute kam allerdings noch hinzu, dass nun Tobias Kempe allein für die Standards verantwortlich war und daraus null Kapital zu ziehen wusste.

Im Sturm lief diesmal Dominic Baumann auf. Inzwischen scheint es aber schon egal, wen Michael Köllner dorthin stellt, er mutiert immer zum Ausfall.

Aber beim vom Köllner propagierten Neuaufbau ist die Mannschaft ja auch erst bei 80 Metern angelangt. Die restlichen 20 werden erst noch durchgenommen. Insofern wollen wir nochmal Geduld walten lassen.

Leider erhöht die Flaute vorne dann aber den Druck hinten. Da ist die Clubabwehr halt immer für den einen oder anderen Aussetzer gut. Das war dann auch diesmal so. Bulthuis lascher Kopfball bringt St. Pauli in Ballbesitz. Den Schuss von Sahin kann Schäfer dann zwar abwehren, aber genau zu Bouhaddouz der nur noch abstauben muss. Jetzt war der Wurm im gesamten Clubspiel drin. Das Anrennen gestaltete sich noch planloser, die Folge: In der 70. Minute machte erneut Bouhaddouz den Deckel drauf. Und nachdem sich unsere Mannschaft nicht mal mehr selber einen Torerfolg zutraute, war der Käse gegessen.

Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings auch ein Akteur, den Köllner unter der Woche in die Pflicht genommen hat: das Publikum. Das war diesmal zweigeteilt. Da waren zum einen die Ultras, die jedoch zum Stimmungsboykott aufgerufen hatten, was sich für Außenstehende jedoch nicht einmal negativ bemerkbar machte. Statt dem bekannten, eher eintönigen, mit Trommelklang unterlegten Singsang war diesmal sogar zu hören, ob der Club am Drücker war oder der Gegner eine Chance besaß. Die Nicht-Ultras im Stadion schienen ihre Chance zu nutzen, sich auch mal akustisch äußern zu können. Leider brachte sie der Spielverlauf dann eben auch zum Verstummen. Insofern war das, was den Neuaufbau anging, eine eher gescheiterte Doppelstunde.

Nicht schlecht, aber zu harmlos

Bis vor wenigen Wochen wäre da jede Menge Zündstoff drin gewesen. Inzwischen sind unser Ex-Manager und unser Ex-Chefscout bei ihrem neuen Verein auch abserviert worden. Dazu geht für den Club nach oben nichts mehr und nach unten nicht mehr viel. Insofern wra das eine gute Gelegenheit für den aktuellen Clubcoach Michael Köllner, beim Spiel in Hannover seine taktischen Umstellungen einzustudieren.

Wobei sich die diesmal in 4-3-2-1 auflaufende Mannschaft mittlerweile schon fast von selbst aufstellte. Zehn Ausfälle sind zu beklagen. So musste dann sogar der angeblich kranke Dave Bulthuis ran. Nicht verwunderlich also, dass einem zu Beginn des Spiels angst und bange werden musste um unseren Club. Hannover legte furios los und hatte eine Torchance nach der anderen. Doch nach gut zehn Minuten hatte sich die Notelf gefunden und der Elan der 96er verpuffte. Plötzlich versuchte es die von ihrem Hörgerätehersteller zum Aufstieg verdonnerte Mannschaft mit weiten, aus der Verzweiflung geborenen Pässen. Auf der anderen Seite schaffte es der Club aber leider auch nicht, offensiv etwas zu reißen. Folgerichtig ging es mit einem 0:0 in die Pause.

Doch nach der Pause passierte es dann doch. Der ehemalige Nürnberger Niklas Füllkrug bediente seinen Sturmkollegen Martin Harnik, der dann in der 47. Minute die Führung markierte. Da zeigte sich leider auch, dass Hannover Spieler hat, die wenigstens einmal einen Angriff erfolgreich zu Ende spielen können ohne dabei auf Fehler der gegnerischen Abwehr bauen zu müssen. Auf der anderen Seite musste der Club erkennen, nicht immer auf die Mithilfe des Schiedsrichters bauen zu können. Der pfiff eine elfmeterverdächtige Situation gegen der Clubangreifer Eduard Löwen.Trotzdem: Wie schon in den letzten Spielen ging halt nach vorne viel zu wenig zusammen. Da war nicht nur der erneut enttäuschende Winterzugang Ishak dran schuld, sondern auch die meist verunglückten Flanken, besonders von dem zudem oft zu langsamen Mannschaftskapitän Miso Brecko. Während der Club immer stärker auf den Ausgleich drängte, jedoch nur einen Pfostentreffer durch Mühl zustande brachte, ließ Hannover auf der anderen Seite ein paar hundertprozentige Konterchancen liegen.

Verdient hätte sich der Club den Ausgleich durchaus. Doch neben der schon bekannten Schwäche vor dem gegnerischen Kasten, fehlte diesmal auch das gnädige Eingreifen des Schiris. Dann kommt halt am Ende so eine unbefriedigende 1:0-Niederlage heraus, nach der morgen keiner mehr fragt. Immerhin bleibt festzuhalten: Der Club kann selbst gegen einen potenziellen Aufsteiger mithalten. Hätten wir einen solventen Mäzen wie 96 und demzufolge noch Guido Burgstaller mit dabei, hätten wir das wahrscheinlich gewonnen.

Sogar der Schiri hatte Mitleid mit dem Club

Eigentlich war das eine klare Sache. Der KSC kam als Tabellenletzter nach Nürnberg, hatte zahlreiche Ausfälle zu beklagen, ein Spieler war in einen Wettskandal verwickelt, ein anderer (Valentini) möglicherweise mit den Gedanken schon woanders. Was sollte da schon schief gehen?

Bei normalen Mannschaften könnte man so denken. Beim Ckub nicht. Da ging – zumindest eine Stunde lang – so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Kaum ein Pass erreichte den eigenen Mann, Torchancen gab es praktisch überhaupt nicht, Spieler signalisierten, dass sie keine Anspielstation finden und die Fans waren letztlich dankbar für einen Gegner, der das alles nicht auszunutzen in der Lage war. Bis zur 24. Minute. Da zog der Karlsruher Sallahi aus 30 Metern eher alibimäßig in Richtung des wieder von Raphael Schäfer gehüteten Clubtors ab. Der Ball wäre weit vorbei gegangen, wenn er nicht Breckos Oberkörper getroffen hätte und von da ins rechte Toreck abgefälscht worden wäre. Ein Kacktor, das aber zu dem Kackspiel passte, das da im möglicherweise bald nach dem Club-Idol Max Morlock benannten Stadion zusammengestopselt wurde.

Es wurde sogar noch schlimmer. Der KSC konnte sich zurückziehen und der Club musste das zeigen, was er bekanntlich nicht kann: das Spiel machen. Das Ergebnis war an Armseligkeit kaum zu überbieten. Keine Ideen, keine Überraschungsmomente, miemand, der die Initiative übernahm. Ein Wunder fast, dass das Pfeifkonzert zur Halbzeit eher verhalten ausfiel.

Während die Fans sich in der Pause Gedanken machten, wie wohl der geschasste Clubtrainer Alois Schwartz gerade den Nachweis dafür abfeiert, dass es offensichtlich nicht an ihm lag, machte der Club zu Beginn der zweiten Hälfte nicht den Eindruck, irgendwie das Ruder herumreißen zu können. Zwar hatten die Clubspieler mehr Ballbesitz. Vor dem Tor tauchten sie aber kaum auf. Man musste angesichts der FCN-Harmlosigkeit fast schon Mitgefühl haben.

In der 58. Minute gab es dann wenigstens etwas zu berichten. Club-Coach Michael Köllner wechselte den diesmal zunächst auf die Bank verbannten Tobias Kempe ein. Vielleicht wusste er schon, was kommen würde. Denn der aus Stuttgart stammende Schiedsrichter Martin Petersen sollte nun ins Spiel eingreifen. Zunächst tat er das in der 65. Minute. Da erwischte der KSC-Spieler Krebs den dann doch einmal in den Strafraum vorgedrungenen Kevin Möhwald leicht am Knöchel. Elfmeter! Der eingewechselte Kempe haute ihn unten links rein. Gerade einmal fünf Minuten später pfiff Petersen erneut. Diesmal hatte der KSC-Spieler Mehlem den Ball an die Hand bekommen. Wieder tritt Kempe an und haut ihn abermals unten links rein. Der Club hatte das Spiel gedreht

Ohne Hilfe des Schiris musste er dann allerdings noch etliche Ausgleichsbemühungen der Karlsruher überstehen. Wobei Schäfer mehrfach zeigen konnte, dass er es immer noch drauf hat. Am Ende drückt Petersen dann allerdings noch einmal ein Auge gnädig zu, als ein Clubverteidiger elfmeterverdächtig den Ball im 16er mit der Hand erwischte.

Dass sich der KSC verschaukelt fühlte, ist verständlich. Wir können andererseits aber immerhin einwenden, auch schon oft genug benachteiligt worden zu sein.

Nach diesem fast schon peinlichen Dreier zu jubeln oder irgendwas an der heutigen Leistung schön reden zu wollen, ist freilich nicht angebracht und wäre auch ein Fehler. Für diesen Sieg konnte die Mannschaft nichts, den hat man ihr aufgezwungen.

Sallahi 24. Minute

Club verliert beim neuen Tabellenführer


Eine Phrase vorab: Jede Serie hat einmal ein Ende. Bisher verlor der 1.FC Nürnberg noch nie in der Zweiten Bundesliga gegen Union Berlin, doch nach sechs Siegen und einem Remis ist der Nimbus des Angstgegners perdu. Mit 1:0 setzte sich das Team von Jens Keller an der Alten Försterei durch und übernahm die Tabellenführung vom zuletzt leicht kriselnden VfB Stuttgart.  Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde die Partie auf ein 0:0 zusteuern.

Der nach wie vor von vielen Ausfällen gebeutelte Club – diesmal musste er neben den Langzeitverletzten auch die bereits zu ihren Nationalmannschaften einbestellten Hovland und Gislason entbehren – startete mit einer Änderung: Abräumer Behrens kehrte nach abgesessener Sperre wieder zurück, dafür blieb Stürmer Ishak draußen. Insofern ging Trainer Michael Köllner mit einer etwas defensiveren Formation in sein zweites Spiel als Zweitliga-Cheftrainer.

Die wohl beste Chance der Gäste im ersten Abschnitt hatte Salli, dessen Bogenlampe beinahe im linken oberen Toreck gelandet wäre. Unions Keeper Mesenhöhler lenkte den tückischen Ball gerade noch über die Latte (29.). Direkt danach kam dann aber Union Berlin in die Gänge. Polter, in der Saison 2012/13 als Leihspieler für den Club in der Bundesliga aktiv (26 Einsätze/5 Tore), verzog zweimal knapp (30./33.). Dann musste Nürnbergs Torwart-Oldie Schäfer, der wieder den verletzten Kirschbaum vertrat, gegen Skrzybski klären (36.). Damit endete die Drangphase der Berliner wieder.

Zu Beginn der zweiten Hälfte tauchte Löwen gefährlich frei vor Mesenhöhler auf, produzierte aber nur ein Schüsschen, das den Union-Torwart nicht besonders forderte (49.). Anschließend gab es viel Kampf im Mittelfeld, ohne dass beide Mannschaften in der ausgeglichenen Partie besondere Durchschlagskraft erzielt hätten. Eine kuriose Spielunterbrechung – Schiedsrichter Dr. Drees meldete sich für einige Minuten ab (75.) – hatte aber offensichtlich belebende Wirkung für die Heimelf. Jedenfalls entschieden die Berliner nach dem Wiederanpfiff das Spiel für sich. Erst  traf Polter den Pfosten (81.), doch dann machte der eingewechselte Hosiner nach einer tollen Kombination über Trimmel und Skrzybski ernst und traf aus kurzer Distanz zum 1:0 (83.). Schäfer, der noch dran war, verhinderte in der Nachspielzeit gegen Schönheim und (durch zeitiges Herauslaufen) gegen Redondo weitere Gegentreffer.

Während Berlin von der Bundesliga träumen darf, steht der 1.FC Nürnberg als Zehnter im Niemandsland der Tabelle. Neun Punkte Vorsprung vor Rang 16 dürften ein ausreichendes Polster sein, um den Blick wenigstens nicht mehr nach unten richten zu müssen.