Club verliert beim neuen Tabellenführer


Eine Phrase vorab: Jede Serie hat einmal ein Ende. Bisher verlor der 1.FC Nürnberg noch nie in der Zweiten Bundesliga gegen Union Berlin, doch nach sechs Siegen und einem Remis ist der Nimbus des Angstgegners perdu. Mit 1:0 setzte sich das Team von Jens Keller an der Alten Försterei durch und übernahm die Tabellenführung vom zuletzt leicht kriselnden VfB Stuttgart.  Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde die Partie auf ein 0:0 zusteuern.

Der nach wie vor von vielen Ausfällen gebeutelte Club – diesmal musste er neben den Langzeitverletzten auch die bereits zu ihren Nationalmannschaften einbestellten Hovland und Gislason entbehren – startete mit einer Änderung: Abräumer Behrens kehrte nach abgesessener Sperre wieder zurück, dafür blieb Stürmer Ishak draußen. Insofern ging Trainer Michael Köllner mit einer etwas defensiveren Formation in sein zweites Spiel als Zweitliga-Cheftrainer.

Die wohl beste Chance der Gäste im ersten Abschnitt hatte Salli, dessen Bogenlampe beinahe im linken oberen Toreck gelandet wäre. Unions Keeper Mesenhöhler lenkte den tückischen Ball gerade noch über die Latte (29.). Direkt danach kam dann aber Union Berlin in die Gänge. Polter, in der Saison 2012/13 als Leihspieler für den Club in der Bundesliga aktiv (26 Einsätze/5 Tore), verzog zweimal knapp (30./33.). Dann musste Nürnbergs Torwart-Oldie Schäfer, der wieder den verletzten Kirschbaum vertrat, gegen Skrzybski klären (36.). Damit endete die Drangphase der Berliner wieder.

Zu Beginn der zweiten Hälfte tauchte Löwen gefährlich frei vor Mesenhöhler auf, produzierte aber nur ein Schüsschen, das den Union-Torwart nicht besonders forderte (49.). Anschließend gab es viel Kampf im Mittelfeld, ohne dass beide Mannschaften in der ausgeglichenen Partie besondere Durchschlagskraft erzielt hätten. Eine kuriose Spielunterbrechung – Schiedsrichter Dr. Drees meldete sich für einige Minuten ab (75.) – hatte aber offensichtlich belebende Wirkung für die Heimelf. Jedenfalls entschieden die Berliner nach dem Wiederanpfiff das Spiel für sich. Erst  traf Polter den Pfosten (81.), doch dann machte der eingewechselte Hosiner nach einer tollen Kombination über Trimmel und Skrzybski ernst und traf aus kurzer Distanz zum 1:0 (83.). Schäfer, der noch dran war, verhinderte in der Nachspielzeit gegen Schönheim und (durch zeitiges Herauslaufen) gegen Redondo weitere Gegentreffer.

Während Berlin von der Bundesliga träumen darf, steht der 1.FC Nürnberg als Zehnter im Niemandsland der Tabelle. Neun Punkte Vorsprung vor Rang 16 dürften ein ausreichendes Polster sein, um den Blick wenigstens nicht mehr nach unten richten zu müssen.

Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.

Dem Club fehlt ein Lodda


Wir könnten eigentlich zufrieden darüber sein, dass unsere Kritik an Alois Schwartz erhört wurde. Sind wir aber nicht. Die Gründe, dass ein offensichtlich nicht zum Club passender Trainer nicht nur verpflichtet, sondern auch noch teuer eingekauft wurde, bestehen leider weiter. Bei der Analyse dieser Gründe hilft das Traditionsvereins-Geschwurbel eher bedingt weiter. Nur insofern, als dahinter das Bewusstein steckt: Früher war mehr Ramba-Zamba.

Heute gibt es stattdessen „Seriosität“ und „Professionalität“.

Beim Club klopft man sich dafür gerne auf die Schulter. Auf diese Weise kehre der Club aus dem Dunkel der Bader/Woy-Jahre zurück ins Licht.

Dass die Finanzen seriös verwaltet und Eskapaden auf dem Transfermarkt vermieden würden, dagegen hat keiner etwas einzuwenden. Das ist eigentlich selbstverständlich. Beim Finanziellen erwarten wir keine Unterhaltungswerte. Auf dem Platz hingegen schon. Und von einem Trainer eventuell auch. Das jedoch haben die Bornemanns und Meeskes im FCN offenbar nicht so auf dem Schirm. Vielleicht ist auch die Club-Familie zu derartigen Differenzierungen nicht in der Lage. Paradigmenwechsel funktionieren eben oft nur, wenn sie nicht allzu komplex daher kommen. Gediegene Finanzverwaltung geht dann aber mit gediegener Spielverwaltung einher. Das Resultat ist Langeweile und Ödnis.

Das Folgen sieht der Clubfan seit Monaten. Einerseits auf dem Platz, andererseits auf den Rängen. Die werden immer leerer und das liegt beileibe nicht bloß an der mediokren Tabellensituation.

Dass hinter dem Wunsch nach derartiger „Seriosität“ auch handfeste Eigeninteressen stecken, wird übrigens auch an der von den Vereinen betriebenen eigenen medialen Vermarktung deutlich. Da werden Printreporter gerade noch akzeptiert, weil man noch keine eigene Tageszeitung produzieren kann. Die anderen versucht man gefügig zu machen oder auszugrenzen und anzuschwärzen. Der Club bildet da keine Ausnahme.

Abwaschbare Berichterstattung, lobhudelnde Tweets, blutleere Mannschaftsauftritte, streberhafte Trainerplattitüden: all das passt nicht zum FCN. Dass wir vor diesem Hintergrund einmal (wobei wir Michael Köllner derzeit die Befähigung zum Traineramt nicht absprechen wollen) Lothar Matthäus näher treten würden, hätten wir nie gedacht. Jetzt tun wirs! Lodda üernimm! Bring endlich Pep in den Laden, bevor wir vollends abschlaffen!

Wenn ihr der gleichen Meinung seid, dann unterzeichnet doch bitte diese Petition.

Schwartz kann man keinen Vorwurf machen

So hatte die Derby-Niederlage also sogar noch was Gutes: Den Umständen entsprechend (es gab keine Anzeichen) dann doch etwas überraschend beendete der 1. FC Nürnberg am Dienstag das Missverständnis Alois Schwartz. Das 0:1 in Fürth war zu viel des Schlechten. Fast ist man geneigt zu sagen: „Danke, liebes Kleeblatt“. Aber so weit kommt’s noch… Fürth bleibt Fürth.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich bei diesem Trainer von Anfang an skeptisch war. Erst war es nur ein Bauchgefühl, aber nach dem zweiten Spieltag war ich mir sicher: Das passt nicht. Mir wurde vorgeworfen, dass ich zu weit weg vom Geschehen am Valznerweiher sei, um das beurteilen zu können. Es stimmt: Ich kenne Schwartz nicht persönlich und war nie bei einem Training unter ihm dabei. Was ich aber wöchentlich bei den Pressekonferenzen vor und nach den Spielen sowie auf dem Platz gesehen habe, hat mir gereicht. Und darauf, auf die Außendarstellung und auf die Ergebnisse, kommt es letztlich auch an.

Ich hätte mich gefreut, wenn ich mit meiner Kritik am zweiten Spieltag falsch gelegen wäre. Ich hatte gehofft, dass der Trainer die Kurve kratzt und mich eines Besseren belehrt. Doch selbst die kleine Erfolgsserie im Spätherbst basierte nur auf Stückwerk und Glück, weil die Gegner allesamt nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Also blieb ich bei meiner Meinung, dass Schwartz fehl am Platz ist und jetzt war.

Ihm selbst kann ich gar keinen Vorwurf machen. Er ist ja nicht erst beim Club so geworden, wie er ist. Es hat einfach von vorneherein nicht gepasst. Und diesen Schuh muss sich Sportvorstand Andreas Bornemann anziehen, der ihn für 400.000 Euro geholt hatte und der komischerweise gestern im Interview mit CEF-TV nicht so wirkte, als würde eine Trainerentlassung kurz bevorstehen. Dann kam glücklicherweise der Aufsichtsrat und bereitete dem Spuk ein Ende.

Erschien in 1.FCN

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Die Mutter aller Trainerentlassungen

Bereits am 2. Spieltag hatte mein Kollege hier den Trainer in Frage gestellt und dafür einiges einstecken müssen. Könnt ihr nicht erstmal abwarten und dem immerhin für eine halbe Million Ablöse von Sandhausen geholten Trainer etwas Zeit geben? Nunja, inzwischen ist einiges an Zeit vergangen und mittlerweile reden nicht bloß die Clubfreunde über Alois Schwartz, sondern fast das ganze Fanlager (einzige Ausnahme die im Auftrag der FCN-Presseabteilung twitternden Praktikanten).

Aber nicht, dass er es nicht geschafft hat, der Mannschaft Profil zu geben und ein fussballerisches Konzept zu entwickeln, könnte Schwartz nun den Kopf kosten. Derartiges steckt der Nürnberger offenbar weg. Aber zwei Mal gegen die Nachbarn aus Fürth verlieren, das nimmt er übel. Da kennt er nichts! Bei der Mutter aller Derbys gibt es keine mildernden Umstände.

Wobei wir nach solchen Umständen diesmal vergeblich suchen müssen. Weder dürfen wir die Niederlage auf den Schiedsrichter schieben, noch auf die Platzverhältnisse. Selbst eine angebliche Spuckattacke auf den Clubspieler Bulthuis reicht da wohl nicht. Der konnte schließlich mitwirken und fiel jetzt im Umfeld des limitierten, blutleerebn Club-Gekickes nicht negativ auf.

Womit wir wieder beim Trainer wären. Der hatte die Mannschaft gegenüber der Heimniederlage gegen den VfL Bochum auf fünf Positionen verändert. „Ich möchte wieder Leben auf den Platz kriegen“, hatte Schwartz gesagt. Doch was dort am allermeisten fehlte, war Leben. Ein trostloser Kick konterkarierte im Ronhof den Medienhype, der auch diesmal wider besseren Wissens mit Promitipps, historischen Betrachtungen, Liveticker und Fanstatements gnadenlos durchgezogen wurde. Was die beiden im Zweitligamittelfeld herumdümpelnden Teams da auf den Rasen brachten, war jedoch an Ödheit kaum zu überbieten. In der ersten Hälfte war es eine Ecke, die aus Clubfansicht den Höhepunkt markierte. In der 2. Halbzeit ging es zunächst so weiter. Eine kurzzeitge Rudelbildung sorgte für einen Hauch von Unterhaltung. Danach schien irgendwer bei den Fürthern gerufen zu haben: Da geht noch was! Jedenfalls drängten die plötzlich, ohne dass der Club den Verwaltungsmodus beenden konnte. Und wenn man mehr probiert, dann geht ein Schuss auch mal rein. Wie in der 77. Minute als Margreitter einen Zulj-Schuss unhaltbar für Kirschbaum abfälschte. Bezeichnenderweise dauerte es bis zur 86. Minute ehe Neuzugang Ishak den ersten Ball in Richtung Fürther Tor schoß.

Das war es dann aber auch schon. Eindeutig zu wenig, um in der 2. Liga bestehen zu können. So wird der Club kaum noch etwas reißen. Denn Fürth spielte – genau wie letzte Woche Bochum – ebenfalls eher schwach. Gegen den Club reicht derzeit jedoch schon ein bisschen mehr Wille für einen Dreier.

Das Stadion ist schuld

Lasst uns über das Stadion reden. Da ist mehr los. Da bröckelt der Beton. Schon werden wieder Baupläne gewälzt. Große Pläne. Für die EM 2024, aber nicht nur.

Die Realtät auf dem nur wenige Zentimetre über dem Grundwasserspiegel liegenden Rasen sieht leider anders aus. Da bemüht sich die Mannschaft gerade, eher kleine Stadionlösungen zu forcieren. ODer Zuschauerzuspruch wird von Spiel zu Spiel bescheidener. Das liegt allerdings nur bedingt an den manchmal ungünstigen Anstosszeiten. Das liegt bedingt an der mediokren Tabellensituation, wo nicht einmal mehr die Volloptimisten an den Wiederaufstieg glauben. Das liegt aber vor allem an dem uninspirierten Bemühen, wie die Clubmannschaft unter Alois Schwartz ihre Heimspiele gestaltet. Braves Handwerk, sinnbefreites Kilometerfressen, aber kein Plan, wie man eine Abwehr knackt. Selbst an der Bochumer scheitert unser FCN und die kamen mit dem Ruf eines der schlechtesten Auswärtsteams und immer für ein Gegentor gut zu sein nach Nürnberg. Trotzdem: Selbst gegen diesen VfL hätten wir heute noch stundenlang anrennen können. Da wäre nichts passiert. Dafür ist der Club hinten immer für einen Treffer anfällig. So – leider – auch heute.

Die Spielweise des Clubs erinnert inzwischen frappant an die Ausstrahlung ihres Trainers: bieder und blaß. Insofern erkennt man zwar die Handschrift von Alois Schwartz, aber nichts, was irgendwie Hoffnung macht. Selbst da, wo diese bislang aufkeimte, herrscht inzwischen Ödnis. Sabiri zum Beispiel hat sich längst angepasst. Teuchert oder Ishak kommen zu spät, um noch etwas zu reißen und hängen zudem vorne in der Luft, weil aus dem Mittelfeld nichts kommt. Gislason, in München noch der einzige Aktivposten, wirbelte heute nur noch alibimäßig. Torgefahr ging von ihm auch nicht aus.

Eine seltsame Bräsigkeit scheint auf der gesamten Mannschaft zu lasten und die liegt nicht nur am Weggang von Guido Burgstaller oder daran, dass die Mannschaft zu wenig Qualität hat. Jakub Sylvestr, vom Club als untauglich ausgemustert, hat zeitgleich für seinen neuen Verein drei Tore gemacht.

So scheint selbst auf dem anderen Schauplatz, über Spielerverkäufe die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, der Wurm drin zu sein. Womit wir wieder bei Stadion wären. Wenn da der Beton bröckelt, dann strahlt das eben auch auf die Mentalität der dort agierenden Beteiligten ab. Einen anderen Grund kann es schließlich nicht geben… Oder fällt euch einer ein?

Ende einer imposanten Serie


Gut, die zwischenzeitlich schon arg enteilten Braunschweiger kriseln momentan und gaben nun auch Relegationsrang drei an Union Berlin ab. Dennoch werden wohl jetzt auch die kühnsten Optimisten einsehen müssen, dass der 1.FC Nürnberg in der Spielzeit 2017/18 in seine vierte Zweitligasaison in Folge gehen wird. Bei den Münchner „Löwen“ gab es für die Nürnberger eine 0:2-Pleite. Trotz großer Personalnöte parkte der 1.FC Nürnberg dabei seine vier externen Winter-Neuzugänge ein weiteres Mal auf Bank und Tribüne. Der TSV München 1860 startete mit einem zur Jahreswende eingekauften Quartett – und prompt avancierten zwei der Neuen im bayerischen Derby zu Matchwinnern. Nach einer Viertelstunde war es der aufgerückte Abwehrhüne Ba, der einen Eckstoß von Aycicek mit einem wuchtigen Kopfstoß zum 1:0 verwertete. Und in der 39. Minute zog Mittelfeldspieler Lumor von der Strafraumkante ab und traf ins kurze Eck. Club-Keeper Kirschbaum, der bisher eine so starke Saison spielte, sah bei beiden Treffern nicht besonders gut aus.

Während es sich die „Löwen“ leisten konnten, Spieler wie Olic, Liendl, Adlung oder Aigner auf der Bank zu lassen, verschärften sich beim Club vor dem Spiel noch einmal die Personalsorgen. Nach Erras, Leibold, Bulthuis, Sepsi und Brecko meldeten sich im Vergleich zur Vorwoche auch Innenverteidiger Margreitter (verletzt) und Stürmer Matavz (krank) ab. Mühl und Gislason, der überraschend den Vorzug vor Teuchert und Ishak bekam, rückten neu in die Startelf. Gislason sorgte denn auch für einigen Betrieb im ersten Durchgang, aber insgesamt stellten die Gastgeber das bessere Team und führten zur Pause durch die beiden eingangs erwähnten Treffer verdient mit 2:0. Nach dem Wiederanpfiff vereitelte Kirschbaum das 0:3 aus Nürnberger Sicht, als er geistesgegenwärtig aus seinem Kasten eilte und dem freistehenden Aycicek den Ball abluchste (59.). Club-Coach Alois Schwartz brachte dann Parker und Hufnagel für Sabiri sowie Kempe (62.), später kam auch noch Ishak für Möhwald (77.) – aber zwingende Chancen erspielten sich die Nürnberger auch mit den frischen Kräften kaum. Und so endete an diesem Abend auch eine imposante Serie: 41 Zweitligaspiele in Folge hatte der Club immer mindestens ein Tor erzielt. Nun hängt der „Ruhmreiche“ im grauen Mittelfeld fest. Die Münchner dagegen haben jetzt sieben Punkte Vorsprung vor dem Quartett auf den letzten vier Plätzen, das geschlossen 18 Zähler aufweist. Das Abstiegsgespenst könnte bald verjagt sein.

Der FCN ist noch nicht so weit

Gegen Eintracht Braunschweig hatte der Club etwas gutzumachen. Mit 6:1 ging er im Hinspiel unter. Den Treffer für den FCN schoß der mittlerweile zu Schalke 04 abgewanderte Guido Burgstaller. Wenig Hoffnung für das Rückspiel machte zum einen das Fehlen des früheren Goalgetters. Zum anderen die Tatsache, dass der Club zuhause antreten musste. Da tut er sich nämlich in dieser Saison – wieder einmal – schwer. Das Spiel machen, das ist nicht so unser Ding.

Das mussten wir anfangs allerdings auch nicht. Da übernahm gleich mal die Eintracht die Initiative. Ganz offensichtlich hatten die den Plan (sowas kennen wir eher weniger), erstmal richtig Druck zu machen und den Club ins Hintertreffen zu bringen. Das gelang auch in der 23. Minute. Da spielte Hernandez die halbe FCN-Abwehr aus, passte zu Nyman, der nur noch ins Tor zu schieben brauchte. Eine Minute zuvor hatte Nyman schon den Pfosten getroffen.

Die Braunschweiger zogen sich daraufhin zurück und ließen den Club kommen. Wohl wissend, dass der da Schwierigkeiten hat. Zwar ergab sich die eine oder andere Chance. Zwingend war das aber fast alles nicht.

Nach der Pause stellten sich die Braunschweiger weiter hinten rein und warteten auf Konter. Ein Burgstaller wäre jetzt gut, dachten wir. Aber wir haben ja jetzt Abdelhamid Sabiri. Der wird eine halbe Stunde nach dem Führungstreffer von Matavz bedient, lässt den Eintracht-Verteidiger alt aussehen und markiert den inzwischen vollauf verdienten Ausgleich.

Danach spielte fast nur noch der Club, bei dem vor allem die angeblich noch nicht so weiten Youngsters die Akzente setzten. Patrick Kammerbauer zum Beispiel. Oder Dennis Lippert, der als sich der Tabellendritte dann doch wieder aufgerappelt hatte, in der 81. Minute für seinen bereits geschlagenen Keeper Kirschbaum auf der Linie rettete.

Doch obwohl der Club am Ende mehr zu bieten hatte als die kräftemäßig schon verausgabten Braunschweiger, reichte es dann nicht mehr zum Siegtreffer. Mancher hätte da wahrscheinlich früher frische Kräfte eingewechselt. Aber Trainer Alois Schwartz ist da bekanntlich zurückhaltend. Auch was die angeblich nicht so weiten jungen Spieler angeht, tritt er auf die Bremse und wünscht sich gleiches von den Clubberichterstattern. Sagen wir mal so: Es sind eher ein paar andere nicht so weit, um ganz oben anzugreifen.

Die Youngster führen den Club zum Sieg, nicht der Trainer

Ein 19-Jähriger und ein 20-Jähriger schießen den 1. FC Nürnberg ins Glück! Zweimal Abdelhamid Sabiri (20) und Patrick Kammerbauer (19) heißen die beiden Torschützen, die dem Club am Samstag beim 3:2 in Heidenheim den Sieg bescheren. Dabei sieht es lange nicht danach aus, dass der FCN mehr als einen Punkt von der Ostalb entführen kann. Nachdem das Team von Trainer Alois Schwartz bereits in der 4. Minute durch Sabiri mit 1:0 in Führung geht, gelingt Tim Kleindienst noch vor dem Pausenpfiff der Ausgleich für den FCH (41.). Der Club kehrt schwach aus der Kabine zurück, doch Kammerbauer reißt das Ruder herum und bringt mit seinem Treffer zum 2:1 in der 68. Minute den FCN auf die Siegerstraße. Sabiri setzt in Minute 79 noch einen drauf und markiert das 3:1 für die Nürnberger. Der Anschlusstreffer durch Heidenheims John Verhoek in der ersten Minute der Nachspielzeit kommt aus Sicht der Gastgeber zu spät. Es bleibt beim 3:2 für den Club.

Der Sieg für den 1. FC Nürnberg war nicht unverdient, aber glücklich. Zwar hatte der 1. FCN in der Anfangsphase deutlich mehr vom Spiel, verlor dann aber immer mehr die Oberhand. So ging auch das Unentschieden zur Halbzeit völlig in Ordnung. Falls Trainer Schwartz seine Schützlinge in der Kabine auf die zweiten 45 Minuten einschwören wollte, ist ihm das gründlich misslungen: Der Club kam – im negativen Sinne – wie ausgewechselt zurück auf den Rasen. Es folgte Rumpelfußball vom Allerfeinsten. Heidenheim ließ bis zur 68 Minute mehrere hochkarätige Möglichkeiten liegen, zu denen Nürnberg regelrecht einlud.

Dann schlug die Stunde des Patrick Kammerbauer. Ausgerechnet Kammerbauer, dessen Einsatz statt Sepsi viele Fans seit Monaten vehement fordern. Trotz dieser mitunter lauten Stimmen aus dem Umfeld baute der Coach weiter auf Laszlo Sepsi. Der dankte es ihm, indem er Woche für Woche seine offensichtliche Formschwäche durch neuerliche Slapstickeinlagen untermauerte. Offenbar traute der Trainer Kammerbauer nicht zu, es besser zu machen als Sepsi. Der 19-Jährige belehrte ihn eines Besseren.

Nicht Schwartz führte das Team deshalb in Heidenheim zum Sieg, sondern die Jungen. Und nicht Schwartz war dafür verantwortlich, dass Kammerbauer am Samstag endlich seine Chance bekam, sondern das Schicksal. Da Sepsi kurzfristig wegen einer Verletzung ausfiel, blieb dem Coach quasi keine andere Wahl als Kammerbauer zu bringen. Es bleibt abzuwarten, was geschieht, wenn Sepsi wieder fit ist.

Kommen wir zum Mann des Tages: Abdelhamid Sabiri. Erst am vergangenen Sonntag hatte der 20-Jährige beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden sein Pflichtspieldebüt im Dress des FCN gefeiert. Am Samstag nun durfte Sabiri eine weitere Premiere feiern: Das 1:0 in der 4. Minute war sein erstes Profitor. Durch den zweiten Treffer krönte er seine Leistung, die wie schon in der vergangenen Woche mehr als ansprechend war. Wenn Sabiri so weiter macht, wird aus dem Hoffnungsträger bald ein echter Leistungsträger.

Und das macht Mut!

Der Klassenerhalt ist noch drin

Die Hinrunde begann schon extrem bescheiden. Gegen Aufsteiger Dresden war da aber immerhin noch in 1:1 drin. Damals schoß Burgstaller den Treffer und der Schiri ließ so lange nachspielen, bis Dynamo dann doch noch traf.

Zum Rückrundenauftakt musste der Club ohne solche Hilfen auskommen. Wesentlich schwerer wog dabei aber das Fehlen des Hinspieltorschützen Burgstaller. Der wurde auf der linken Seite durch den Youngster Adelhamid Sabiri ersetzt. Und das nicht einmal schlecht. Zumindest nach vorne lief fast alles über die Seite des Debütanten. Allerdings kamen nach einer Anfangsphase, in der der Club eigentlich alles im Griff hatte, auch die Dresdner zunehmend über diese Seite vors FCN-Tor. Da offenbarten sich dann die Schwächen in der Defensive. Sabiri fehlte da noch die Abstimmung mit Linksverteidiger Sepsi und dem fehlten wieder einmal Übersicht und Durchsetzungsvermögen. Nach einer guten halben Stunde ließ er den Dresdner Berko vorbeiziehen, der dann unbehindert in den Strafraum flanken konnte, wo Heise nur noch einschieben brauchte.

Jetzt wurde auch ergebnismäßig deutlich, was sich schon auf den Rängen und akustisch manifestierte: die Dynamo-Übermacht. Von einem Heimvorteil konnte nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Der Club sah sich zwar irgendwie in der Rolle, das Spiel machen zu müssen, fand aber nicht die adäquaten Mittel. Vor allem fehlte jegliches Überraschungsmoment. So konnte man höchstens das stete Bemühen loben und hoffen, der Trainer würde in der Pause die richtigen Worte und die entsprechenden Stellschrauben finden.

Ein Trugschluss! Nicht nur, dass Schwartz den abermals indisponierte Sepsi wieder auf den Rasen schickte und den vorne vielleicht zu etwas mehr Wirbel fähigen Teuchert auf der Bank ließ: Es dauerte nicht einmal eine Minute bis Kirschbaum erneut hinter sich greifen durfte. Berko hatte sich in der geistig noch nicht voll präsenten Clubabwehr durchgesetzt und zum 2:0 erhöht. Dynamo spielte jetzt mit seinen 10.000 Fans im Rücken noch selbstbewusster auf und beim Club wurde die eh schon vorhandenen Defizite noch deutlicher: Keiner da, der die Mannschaft mal mitreißt, fehlendes taktisches Verständnis und die schon erwähnte Einfallslosigkeit. Erst nach einer Stunde sah sich der Trainer dann bemüßigt, doch zwei neue Spieler zu bringen. Auslöser war allerdings eine Verletzung von Kapitän Brecko. Kammerbauer und Teuchert kamen. Prompt wirkte Dynamo verunsichert. Der Club kam plötzlich zu Chancen und in der 72. Minute auch zum Tor. Lukas Mühl konnte nach einer Ecke den Ball ins Tor bugsieren. Ein Tor, das dem Club jetzt immerhin den Titel beschert, die längste Zeit wenigstens einen Treffer erzielt zu haben. Bislang lagen wir da gleichauf mit Wattenscheid.

Kaufen können wir uns dafür nichts. Zumal es dann bei diesem einen Treffer blieb. Das ganze Winterpausengeschwätz, die ewigen Durchhalteparolen und das Gefasel von der optimalen Vorbereitung: alles obsolet. Die Chance, doch noch nach oben schielen zu können, wurde nicht vertan, sie besteht – das muss man leider konstatieren – mit diesem Team leider nicht. Ob sie mit Burgstaller bestanden hätte, ist jetzt auch eine müßige Überlegung. Als einziges Ziel kann derzeit nur gelten, die Klasse zu erhalten, die Kasse zu konsolidieren und noch ein paar Youngsters an die 2. Liga ranzuführen. Der FCN-Winter wird wohl noch etwas länger andauern.