Die düsteren Tage mit J.R.

voack.JPGEs ist nun 30 Jahre her, dass die Seifenoper „Dallas“ an den Start ging und J.R. Ewing zum beliebtesten Fernseh-Fiesling aller Zeiten wurde. Auch der Club hatte seinen J.R., allerdings hielt sich dessen Popularität in Grenzen. Gerhard Voack, genannt der „J.R. aus Lauf“, übernahm zum Saisonstart 1992/93 das Präsidentschaftszepter von Sven Oberhof. Der Bauunternehmer wollte den nahe am Konkurs schlingernden FCN entschulden und musste daher viele namhafte Spieler wie Martin Wagner, Andre Golke oder Sergio Zarate verkaufen. Das war noch einsehbar, und immerhin schaffte der Club – auch dank des reaktivierten Reinhold Hintermaier – am letzten Spieltag den Klassenerhalt.
Und danach kaufte der Club plötzlich kräftig ein: Golke, Zarate und Thomas Kristl kamen zurück, dazu wurde mit Alain Sutter ein Schweizer Nationalspieler verpflichtet. Zwar fragte man sich, woher Voack das Geld nahm, aber dennoch sorgte das Personaltableau für eine optimistische Stimmung bei den Fans. Die hielt sich jedoch nicht lange. Die Mannschaft startete fatal in die Saison 1993/94, an deren Ende der Abstieg stand. Was vielleicht auch daran lag, dass Präsident Voack den bis dato sehr erfolgreichen Trainer Willi Entenmann systematisch demontierte und Publikumsliebling Dieter Eckstein gegen den Willen Entenmanns, der Fans und sogar des Spielers selbst nach fünf Spieltagen an Schalke 04 verscherbelte. Dabei war Ecksteins Vertrag im Sommer davor erst um zwei Jahre verlängert worden. „Die Sache mit dem Dieter war eine Riesensauerei und lief ab wie Menschenhandel“, ereiferte sich Torwart Andy Köpke. Als Ersatz für das Fan-Idol kam Hans-Jörg Criens aus Gladbach, der wegen enormen Verletzungspechs Eckstein indes nie ersetzen konnte. Allerdings gelang Criens ein feines Tor beim tollen 2:0-Erfolg über Bayern München. Direkt nach diesem Spiel wurde Trainer Entenmann entlassen, ein bis heute vollkommen unverständlicher Vorgang. Voack hatte den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für eine Trennung gewählt. Die Fans gingen auf die Barrikaden und sogar die Biber, die als Maskottchen und Werbeträger für eine Baumarktkette lustig winkend durchs Stadionrund liefen, mussten sich beschimpfen lassen.

In der Winterpause wollte Voack den früheren Nationalspieler Hans-Peter Briegel als neuen Trainer verpflichten, posaunte das aber allzu frühzeitig hinaus, so dass Briegel verzichtete. Am 1. Februar 1994 trat Voack zurück und hinterließ 20 Millionen Mark Schulden. Man kann viel über Michael A. Roth meckern – blickt man auf die Zeiten unter Gerhard Voack, erscheint er fast wie eine Lichtgestalt. Die Ära Voack ist unser Kandidat Nummer acht für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 8