Mit dem Turban gegen den Club

Weil die Berliner Hertha derzeit nach vielen Enttäuschungen endlich mal wieder richtig gut dasteht, war ihr Manager Dieter Hoeneß am Wochenende ein gefragter Interviewpartner. Am Samstag gastierte er zum Beispiel im Aktuellen Sportstudio, wo der frühere Stürmer des FC Bayern München prompt auf sein vielleicht berühmtestes Tor angesprochen wurde. Jenen Kopfballtreffer, den er mit blutdurchtränktem Turban erzielte.
Und wer musste dieses Tor einstecken? Richtig geraten, Leidtragender war wieder mal der unglückliche 1.FC Nürnberg.
26 Jahre ist das nun her. Am 1. Mai 1982 hämmerte Hoeneß den Ball zum 4:2-Endstand gegen den Club ins Netz. Und zwar mit seinem Schädel, mit dem er schon nach 13 Minuten gegen den des FCN-Verteidigers Alois Reinhardt (der Vater des heutigen Club-Außenverteidigers Dominik) gerasselt war, so dass er nur mit einem dicken Kopfverband weiterspielen konnte. Und der verfärbte sich zunehmend rot. Alles vielleicht noch kein Grund, diese Geschichte in unsere Serie der Tiefpunkte einzureihen. Aber immerhin handelte es sich um das Endspiel des DFB-Pokalwettbewerbs!
Und lange sah es so aus, als könnten die vom inzwischen verstorbenen Udo Klug trainierten Nürnberger die Partie für sich entscheiden. Reinhold Hintermaier mit einem herrlichen Schuss aus über 40 Metern und Werner Dreßel hatten dem FCN einen soliden 2:0-Vorsprung verschafft. Die Fans wähnten sich schon als Pokalsieger, doch die ungeliebten Bayern drehten das Spiel noch um. Karl-Heinz Rummenigge verkürzte, Wolfgang Kraus glich aus und ließ sich dann bühnenreif fallen. Paul Breitner verwandelte den Elfmeter zum 3:2 für den Favoriten. Hoeneß, der mit seinem Turban auch die Treffer von Rummenigge und Kraus vorbereitet hatte, setzte den Schlusspunkt.
Das Magazin „Elf Freunde“ hat dieses Spiel im Februar 2007 auf Rang 43 in seine Hitliste der 100 besten Spiele aller Zeiten aufgenommen, und Turban-Hoeneß zierte das Titelbild der entsprechenden Ausgabe. Im Nürnberger Lager dauerte es indes lange, die Enttäuschung zu verkraften. Immerhin hatte man die Bayern am Rande einer Niederlage. Und dass die Münchner damals nicht unschlagbar waren, bewies die Bundesliga-Saison 1981/82, in der sie nur auf Rang drei landeten. Die stärkste deutsche Mannschaft stellte in jener Zeit der Hamburger SV, Meister 1982 und 1983 sowie Europacup-Sieger 1983. Und den HSV hatte der Club im Halbfinale aus dem Wettbewerb befördert. Doch mit dem Pokalsieg wurde es trotzdem nichts. Es sollte weitere 25 Jahre dauern, bis der Club-Anhang endlich mal wieder einen Titel bejubeln durfte…
Das Pokalfinale von 1982 mit dem Turban-Tor des Dieter Hoeneß – unser Kandidat Nummer zehn für die Wahl zum ultimativen Club-Tiefpunkt.

TIEFPUNKT 10