Wer Karten will, muss leiden

Es gibt im Fußball wohl kaum eine Odelgrube, in der unser Ruhmreicher nicht schon mal schwimmen war. Klar, dass er nun auch der erste sein musste, der die neue (gut, in grauer Vorzeit gabs die auch schon mal) Relegationsspielregelung durchexerziert. Genauso klar, dass er – obwohl das schon etliche Zeit irgendwie absehbar war – da nun völlig planlos reinschlittert. Und erst recht klar, dass er mal wieder die Chance nutzt, es seinen (blöden) Fans zu zeigen. Die sind schließlich an allem schuld. Ohne die könnte der Club am Valznerweiher in der Bezirksoberliga kicken und bräuchte sich nicht mit dem ganzen Profistress rumplagen – und müsste auch noch (das Allerletzte!) Stadionmiete zahlen.

Aber nun sind sie halt da die Fans. Noch dazu sind sie ziemlich anhänglich. Erwerben sogar für teures Geld eine Dauerkarte und löhnen dann trotzdem noch fürs Relegationsspiel. Aber nicht bloß das. Nein, nachdem die Clubverantwortlichen wissen, dass die Dauerkartenbesitzer immer kommen, kann man sie auch gleich am Sonntag im Stadion die Karten kaufen lassen. Am besten während des Spiels, dann sind sie noch nicht daheim.

Und weil die Clubfans so ziemlich die abgebrühtesten Fans sind, die es in Fußballdeutschland gibt, nehmen sie auch sowas in Kauf. Sie verzichten also darauf, den Club gegen 1860 München siegen zu sehen und stellen sich lieber am Kartenhäuschen an. Dass die Häuschen nur unzureichend besetzt waren, überschreitet dann bei einigen aber wohl doch die Abbrühungsgrenze.

Nun gut, kann man sich ja noch am nächsten Tag vor den Fanshop stellen. Dort ist auch nicht mehr Personal. Internet, modernes Ticketing, schon mal davon gehört? Das was der Club angeboten hat, soll gestern jedenfalls nicht, oder nur eingeschränkt, funktioniert haben. Ein Fan, der dann bei uns angerufen hat, war angeblich sogar vier Stunden in der Warteschleife (14 Cent/Minute).

Okay, okay! Wir wollen jetzt nicht allzusehr auf den Clubverantwortlichen herumtrampeln. Wenn die Liga Relegationsspiele einführt, dann sollte sie sich nicht nur darüber Gedanken machen, wie man die so terminiert, dass Spieler und Funktionäre auf ihre acht Wochen Urlaub kommen, sondern auch darüber, wie man dann den Ticketverkauf organisiert. Insofern war der Club halt auch Versuchskaninchen. Oder um im obigen Bild zu bleiben: Wenn der Club wo reinspringt, ist oft noch Odel drin. Später wird dann Wasser oder – spätestens, wenn die Bayern dran sind – Champagner nachgefüllt.

1 Kommentar in “Wer Karten will, muss leiden

  1. …und das Schärfste: während die Fans in der glühenden Sonne um Karten anstanden, zog Markus Söder im Club-Bad seine Bahnen. Söder ist ja im FCN-Aufsichtsrat und hat daher seine Karten. Der Rest geht ihn scheinbar nichts an.

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